Emilia Galotti - Warum will Emilia nicht den Prinzen töten, sondern sich selbst?

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wir mussten das Drama dieses Jahr auch lesen. 

Sie will sich selbst töten, da sie eine Vermählung mit dem Prinzen mit "Vergewaltigung" gleichstellt. Da sie so nicht entehrt werden möchte, will sie sich selbst das Leben nehmen, weil sie zwar eine bürgerliche, jedoch sehr stolze Frau ist. Noch dazu kommt, dass sie Angst hat, der Prinz könnte sie verführen, da Appiani ja schon tot ist, sieht sie mehr Sinn darin, sich selbst zu töten als den Prinzen 

Verstehe ich nicht. Ein toter Prinz könnte sie
doch auch nicht mehr verführen oder entehren.

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@Tannibi

sie sieht ohnehin keinen Sinn mehr ohne ihren toten Bräutigam zu leben 

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Ich musste das auch in einer Hausaufgabe beantworten und habe mich auch damit schwergetan, eine Begründung mit dem Bezug auf den Willen von Emilia zu finden. Ich hoffe (trotzdem), dass meine Antwort hilft (wenn auch nicht dir Luuuccaaa).

Emilia Galotti will ihre Unschuld bewahren und sich der Verführung durch den Prinzen entziehen. Sie animiert ihren Vater dazu, sie umzubringen. Selbstmord gilt im Christentum als Sünde. Man kann den Tod von Emilia Galotti (obwohl es kein richtiger Selbstmord ist, …) als eine Art Martyrium sehen.

Das Trauerspiel „Emilia Galotti" ist an die Virginia-Episode (von Titus Livius) angelehnt (bzw. es ist eine Wiederaufnahme des Themas). Emilia Galotti spielt kurz vor ihrem Tod auch auf diese Geschichte an (Ihr könnt den Wikipedia-Artikel dazu lesen, da erkennt man auch Zusammenhänge: https://de.wikipedia.org/wiki/Verginia). Das Trauerspiel würde ohne dieses Ende seinen Sinn und die eigentliche Aussage verlieren.

Der einzige Ausweg aus ihrer Situation („ohne″ die eigenen Werte zu missachteten)ist der Tod von Emilia durch ihren Vater Odoardo Galotti. Emilia hat die Situation durchschaut. Sie will nicht, dass der Prinz (und Marinelli) getötet wird, da er und Marinelli nicht anderes haben als das Leben. Das Leben ist für den Prinzen so gesehen nicht positiv, sondern negativ, da er mit seinen „Lasten″ und dem Tod von Emilia (den sie da schon geplant hat) leben muss.

Emilia Galotti will, dass sie tugendhaft und frei von Sünden ist (Rache in dieser Form passt nicht zu ihrer Religiosität).

(Mann könnte es so sehen, dass Emilia denkt, dass der Tod des Prinzen nichts bringt. Vielleicht mochte sie den Prinzen aber auch.)

wie sollte sie denn leben , wenn zu ihrer Verzweiflung und Angst noch die Schuld eines Mordes käme?  Also Selbsttötung - zur Erhaltung ihrer Ehre und die ihrer Familie - Ein Mensch, der so sehr die Ehre in den Mittelpunkt ihres Denkens und Fühlens stellt, hat wohl kaum die Eigenschaften, die zu einem vorsätzlichen Mord gehören. Emilia Galott ist ganz sicher keine Mörderin, auch nicht in Gedanken - deshalb benutze ich auch nicht den Ausdruck Selbstmord für ihren Entschluß, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Also ich bin raus aus der Materie aber ich erinnere mich das es in einer Tragödie per Definition zur Katastrophe kommen muss, der endgültigen Lösung des Handlungskonflikts durch den Tod mindestens eines Protagonisten. Wenn man also ein tragisches Drama schreiben will, das damals als hochwertiger als die Komödie angesehen wurde, weil es beim Zuschauer zur Kathasis führen sollte und die Aristokraten von der Volksunterhaltung trennte, dann müssen die Figuren am Ende sterben, am besten durch Selbstmord.

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