Eltern behandeln mich wie ein Kleinkind. Was tun?

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Lieber Sebastian,

ich denke, Du solltest wie ein Erwachsener handeln. Als Erwachsener

  • handelst Du auch eigenverantwortlich,
  • löffelst die Suppe aus, die Du Dir eingebrockt hast
  • hast Du das Recht, auch falsche Entscheidungen zu treffen
  • hast Du die Pflicht, Dir den Lernraum zu schaffen, den Du benötigst. Dafür musst Du mit Deinen Eltern darüber reden, was Dir ihrerseits hilft und was nicht. Einfach aus Protest nicht lernen, ist eine kindische Entscheidung gewesen.
  • hast Du die Pflicht, Ablenkungen vom Lernen soweit zurückzufahren, dass Du Dir selbst beim Lernen nicht im Wege stehst.

Das wäre für mich die gedankliche Basis, um mit meinen Eltern darüber zu reden, wie wir miteinander umgehen wollen. Ich vermute, dass Deine Eltern Dich vor Deinen weiteren falschen Entscheidungen bewahren wollen.

Mache ihnen klar, dass Du Deine Fehler einsiehst. Aber frage auch, ob sie niemals Fehler gemacht haben. Dass sie Dir nicht vertrauen, ist im Moment zu akzeptieren, denn das Durchfallen beim Abi liefert einen guten Grund dazu. Es geht jetzt weniger um Vertrauensbildung bei Deinen Eltern, sondern dass Du eigenverantwortlich Deine Zukunft gestaltest. Mache Dir einen Plan, wie Du die Zukunft angehen willst und was Du dafür benötigst. Wenn Du nur rumjammerst, dass sie Dich wie ein Kind behandeln wollen, ist ebenfalls kindisch. Es fehlt der erwachsene Plan, wie Du Deine Zukunft jetzt eigenverantwortlich angehen willst. Je besser der Plan und je konsequenter Du diesen Plan umsetzt, desto überzeugender wirst Du auch auf Deine Eltern wirken - obwohl das jetzt nicht die Hauptsache ist, wie ich meine.

Allerdings wollen meine Eltern nicht kapieren, dass sie mir jetzt nichts mehr vorzuschreiben haben

Das ist nicht ganz richtig. Der Aufenthalt in der elterlichen Wohnung kommt mit diversen Perks. Warmes Essen auf dem Tisch, gewaschene Wäsche im Schrank, Haushalt wird gemacht, ggf. Fahrdienste und mehr. Entsprechend dürfen deine Eltern selbstverständlich auch "Wünsche" äußern. Und wenn sie vermuten, dass du durch's Abitur gefallen bist, weil du die Nacht zum Tag gemacht und durchgezockt hast, verstehe ich, wie sie auf den Gedanken kommen. Ich schlage vor, dass ihr euch zusammensetzt und versucht auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Klappt das nicht, versuche einen Kompromiss anzustreben.

Ausziehen, mit allen Vor- und Nachteilen. Aber überlege dir das gut. Dann bist du für dich selber verantwortlich. So lange du zu Hause wohnst und vom Service der Eltern profitierst haben sie ein Mitspracherecht. Du schreibst nichts von einer Mithilfe im Haushalt.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Diplomatie.

Du lebst in deren Haushalt ein gewisses maß an "mein Haushalt meine Regeln" ist also zu erwarten und zu vertreten. Über alles was darüber hinaus geht muss gesprochen werden, aber wenn du da direkt anti und agressiv (so klingst du hier zumindest) rein gehst wird das nichts.

Ausziehen wäre ne option aber da wird es schwer nen Vermieter zu finden der Ja sagt wenn deine Eltern nicht bürgen, unterhalt ist nicht das beliebteste Einkommen.

Dich auch entsprechend verantwortungsbewusst verhalten. In dem du aus Trotz das Lernen sein lässt und deshalb das Abi verhaust, zeigst du deinen Eltern nicht, dass du auch die Verantwortung, selbst Entscheidungen treffen zu können, tragen kannst.

Und so lange du auch mit 18 noch im Haus deiner Eltern wohnst, hast du auch ebenfalls Pflichten. Nur weil du 18 bist, kannst du jetzt nicht auf alles sch**** und einfach machen was du willst. Freiheiten erlangt man als Erwachsener auch nur mit entsprechendem Verhalten, in dem man auch was tut. Und zwar auch Dinge tut, die einem keinen Bock machen.

Immerhin wohnst du bei deinen Eltern, bist Kost- und Logiefrei. Vielleicht behandeln sie dich so, weil du dich nicht wie ein vollmündiger Erwachsener verhältst, sondern eben wie damals mit 12 Jahren.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Soziale Arbeit/ Sozialpädagogik

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