Ekel und Philosophie...

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Ich glaube, ich verstehe recht gut was du meinst…

Und dein Freund hat wohl nicht ganz unrecht.

Philosophie hält sich ihrer Natur nach in erster Linie im Geistigen auf. Der Philosoph erkennt und durchschaut die menschliche Natur, wird sich ihrer tierischen Natur bewusst. Und tatsächlich beginnt er aufgrund dieser Erkenntnisse, sich über diese Natur zu stellen, sie abzulehnen, gering zu schätzen, wenn nicht gar zu hassen. Er erlebt die Weite seines Geistes und sieht dennoch die alltäglichen Belanglosigkeiten und all das von dir Geschilderte dem gegenüber stehen.

Hier könnte der ein oder andere aufschreien und ein Urteil über einen solcherart gesinnten Philosophen fällen. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass diese Gesinnung wohl für ihn selbst am schmerzhaftesten sein dürfte. Denn damit distanziert er sich nicht nur von anderen, was ihm Einsamkeit beschert, sondern gleichermaßen von sich selbst, seinem Körper und in seinen Augen niederen Instinkten.

Es fehlt ihm an der Verbindung zu seiner Seele. Körper – Geist – Seele. Erst diese ermöglicht es ihm, das was er ablehnt in einem anderen und größeren Zusammenhang zu sehen und zu erleben, sich selbst mit all den Begrenzungen, Automatismen und Unpässlichkeiten auch zu akzeptieren.

Der Philosoph, der in seiner eigenen Entwicklung, Reife, Erkenntnis, im Geistigen stecken bleibt (wofür er nix kann!), wird den Geist über alles Menschliche stellen, Gefühlen, Emotionen, den Körper an sich verneinen und selbst daran am meisten leiden.

obwohl er selbst Teil dieser Meute bleibt!

So ist es! Und es wird ihm nicht unerhebliche Schmerzen bereiten, solange er versucht, sich davon zu distanzieren und sich selbst nur als "Geist" annehmen kann.

" [...] dass diese Gesinnung wohl für ihn selbst am schmerzhaftesten sein dürfte. Denn damit distanziert er sich nicht nur von anderen [...] sondern gleichermaßen von sich selbst, seinem Körper und in seinen Augen niederen Instinkten."

Damit hast du eindeutig den Nerv getroffen, der mir so viel Pessimismus verursacht. Wenn man sich erst einmal zu weit vom Leben, sowohl das anderer als auch des eigenen, entfernt und entfremdet hat, so gibt es keinen Halt, keine Hoffnung, einfach nichts mehr in der Welt, was man erleben möchte, da man es alles so sehr verachtet. Es gibt keine grausamere Einsamkeit, als die im Elfenbeinturm.

"Es fehlt ihm an der Verbindung zu seiner Seele. [...] Erst diese ermöglicht es ihm, das was er ablehnt [...] zu akzeptieren."

Natürlich kann man versuchen mit sich und seiner Natur zu leben, so wie mit der anderer - doch steht diese Akzeptanz bei jeder neuen alltäglichen Offenbarung von Absurdität auf der Kippe. Und zudem: Ist es ein gutes Leben, wenn man sich selbst dazu zwingen muss?

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@MaNic22

Erkenne dich als Geist, der Geist, der den „Spielplatz Welt“ beobachtet, um zu erkennen und zu verstehen.

Würdest du Geist unterscheidungsfähig sein, wenn du die Absurdität, den Moralismus, die Anpassung, Gleichmacherei, usw. nicht vor Augen hättest?!

Lerne zu verst-EHE-n. Werde dir bewusst, dass WIR selbst es sind, die mit unserem bewussten und unbewussten Glauben/vermeintlichem Wissen die Welt der Erscheinungen kreieren. Indem WIR dies annehmen und akzeptieren, lieben lernen (Liebe = Verbindung von scheinbaren Gegensätzen), kannst du die Absurditäten mit einem liebevollen und wissenden Lächeln betrachten, ohne es bewerten zu müssen.

Es ist, wie wenn du auf einem Spielplatz Kinder beobachtest (und bedenke: auch das, was du als „ich“ wahrnimmst, ist eines dieser Kinder!). Dort würdest du dich auch nicht abwenden, sondern eben lächelnd den Kopf schütteln. Du würdest das Kind, bei dem du Unwissenheit, Unreife, usw. erkennst, nicht bekämpfen, ekelhaft finden, schelten, strafen… Du würdest Klarheit schaffen, durch dein Sosein ein Beispiel sein, durch deine Authentizität eine natürliche Autorität ausstrahlen und den Kindern den Raum geben, es dir gleich zu tun. Ich wette, in diesem Fall müsstest du dich nicht dazu zwingen?! ;-)

Schließe mal die Augen und erinnere dich an den lachenden Buddha... :-)))

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@Angel84

Nun hat sich mir endlich dein Bild erschlossen ;)

Die Spielplatz-Metapher ist gar nicht so abwegig, doch ist die Frage, ob man es auch dann noch belächeln kann, wenn man sein ganzes Leben geistig alleine auf der Bank daneben zuschaut, wie sich die Kinder gegenseitig ärgern bzw. einfach immer mit den selben Sachen spielen - unfähig sich zu dir zu gesellen.

Und dennoch sehe ich etwas erheiterndes in deinen Worten. Sie erinnern mich an einen Spruch, den ich auf einem Zettel in meinem früheren Religionsunterricht gelesen habe: "Der Philosoph betrachtet die Welt und schüttelt lächelnd den Kopf!"

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@MaNic22

Vielleicht noch ein weiteres Bild:

Stelle dir dein Leben wie einen Besuch im Zoo vor:

Voller Neugier und Interesse betrachtest und beobachtest du all die Tierchen. Du kämst niemals auf die Idee, eines davon verändern zu wollen, sondern bist schlicht interessiert an der Eigenart jedes einzelnen. Manche möchte man knuddeln, andere besser mit Abstand betrachten...

Aber du wirst ALLE lieben, wenn auch vielleicht auf verschiedene Weise (Liebe = annehmen, akzeptieren).

Nütze deine Gaben und Fähigkeiten auf die dir eigenen Weise, tu das, was dir Freude macht. Vielleicht setzt sich dann doch der ein oder andere neben dich auf die Bank ;-), um dich zu fragen, wie du dies zustande bringst...

Sperre dich nicht geistig ein, indem du dir selbst vormachst, dass du die Nähe anderer nicht brauchst. Glaube mir, es ist nicht nötig, geistig auf der gleichen Wellenlänge zu sein, um sich miteinander wohl zu fühlen. Miteinander schweigen kann durchaus sehr erbaulich sein...

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Ich danke dir... für den Stern und dafür, dass ich auch mich aufgrund deiner Frage besser verstehe :-)

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Muss man nicht bei all der Angepasstheit und der dadurch verursachten Vorhersehbarkeit menschlichen Handelns, sogar menschlicher Charakteristika in bestimmten Schichten oder heute auch Milieus, einen jeden von ihnen als eine Art gesellschaftlich getriebenes Tier betrachten, dass mit Sicherheit den Kopf schüttelt, sobald man versucht diesem seinem eigenem Menschenbild zu entfliehen?

Wo ist dabei Dein Problem? Ich habe den Eindruck, dass sich bei Dir zuviel im Kopf abspielt und dass dabei einige Begriffe emotional und definitorisch überladen sind. Wir Menschen leben nicht außerhalb dieser Welt und die Freiheiten, die wir haben, sind relativ begrenzt. Je größer die gewollte oder auch ungewollte Anpassung, desto begrenzter. Das ist übrigens der Punkt, an dem der "Glücksbegriff" Epikurs von den wenigsten verstanden wird. Sie können nicht auf die Reihe bringen, wieso er einerseits wie ein Asket wirkt und andererseits leibliche Freuden nicht gering schätzt, wie es die Idealisten tun. Einerseits betrachtet er Menschen als Wesen dieser Welt, die wie alle anderen auch durch den inneren Sinn der Gefühle von Gut und Schlecht geleitet werden, andererseits sind wir Wesen, die die Welt reflektieren und dabei Gefahr laufen, unsere mögliche, relativ große Freiheit der Selbstbestimmung preiszugeben, indem wir uns unnatürlichen Gefühlen der Angst oder Begehrlichkeiten aussetzen.

Wie sich das in einer entwickelten Gesellschaft anfühlen kann, haben Sarte und Camus beschrieben. Da lohnt es sich, ihre Romane und Theaterstücke zu lesen. Gerade bei Sartre kommt das Thema "Ekel" als Gefühl ausdrücklich zur Sprache. Gerade, weil wir uns selbst und die Welt in erheblichem Maße auch im anderen erkennen, kann diese Gebundenheit zum Überdruss werden, weil die anderen eben nicht so "funktionieren", wie wir uns das gerne wünschen. Sie sind halt nicht nur Vermittlung von Welterkennung, sie sind auch Reibungsflächen und Steine des Anstoßes. Bei Camus mündet das in eine Philosophie der Rebellion.

Vom Philosophen Thomas Metzinger, der sich ja auch intensiv mit den Ergebnissen der Hirnforschung auseinandersetzt, gibt es einen Aufsatz, in dem er ausdrücklich davor warnt, dass wir in Gefahr sind, für ein kurzfristiges, oberflächliches Glück unsere Selbstbestimmtheit herzuschenken. Wie ich gerade gelesen haben, warnen Schulärzte jetzt auch schon in Deutschland vor dem Missbrauch der "Glückspille". Aber auch die modernen Medien von Werbung über Internet und Handy, auch die Gesellschaftsschichten überlagernden künstlichen Milieus, sind Medien, die es darauf anlegen, unsere Aufmerksamkeit zu stehlen und damit unser Ureigenstes, unsere Zeit. Die Intensität, mit der z.B. die Medien Emotionen der Angst schüren, um damit a) Politik zu machen und b) vor allem Umsatz/Auflage ist bedenklich. Medien sind wichtig, doch wenn sie nicht mehr informieren, sondern steuern, wird es bedenklich, weil hier unkontrollierbare Instrumente der Selbstkonditionierung des Menschen aufgebaut werden.

Das Leben und die Freiheit sind immer gefährdet. Sie sind keine Selbstläufer. Und gegen Verzweiflung hilft da nur eine gesunde Portion Humor in der Einsicht, dass ärgern auch nichts ändert. Die entscheidende Frage ist, wie damit umgehen? Epikur empfiehlt, Freundeskreise zu bilden, und mit zunehmendem Alter lerne ich schätzen, dass ich diesem Rat gefolgt bin.

"Der Ekel" von Sartre steht bereits auf meiner Muss-Liste von Büchern ;)

"Gerade, weil wir uns selbst und die Welt in erheblichem Maße auch im anderen erkennen, kann diese Gebundenheit zum Überdruss werden, weil die anderen eben nicht so "funktionieren", wie wir uns das gerne wünschen."

Ganz genau. Man ist dem Menschen überdrüssig und somit auch sich selbst. Nur frage ich mich sowohl, wie Camus Rebellion aussehen soll, als auch wieso genau dann die Nähe von Menschen innerhalb eines Freundeskreises dem ganzen entgegenwirken soll. Ist es so, weil man sich nur mit "passenden" Personen umgibt?


PS: Ich verstehe nicht ganz, woraus in ihrer Epikur-Darstellung (Ende des 1. Absatzes) hervorgeht, dass er leiblichen Begierden nicht abgetan war.

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@MaNic22

@MaNic22

Das ist eine Frage der Erwartungen. Wer von den Menschen zuviel will, wird enttäuscht. Freunde sind nicht nur Menschen, zu denen man in jeder Beziehung einen besseren Draht hat, Freundschaft bedeutet immer auch Sympathievorschuss. Freunden gegenüber ist man eher nachsichtig. Freunde können einem helfen, sich selbst gegenüber nachsichtig zu sein.

Mein Lieber, geh bitte nicht so lax mit den Begriffen um. Epikur war leiblichen Freuden nicht abgetan, während Begierden außer Kontrolle geratenes Verlangen nach Freuden ist, und dabei müssen das nicht körperliche sein. Auch Moralisten können ihrer Begierde, alles in moralisch idealem Lichtschein sehen zu wollen, erliegen.

Camus fragt sich einerseits, ob Sysiphos, wenn er sich mit seinem Los abfindet, nicht glücklich sein könnte. Damit jedoch verlöre er sein Menschsein und so kommt er zu dem Schluss, dass unser Los die dauerhafte Rebellion gegen das Absurde sein müsste.

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@berkersheim

"Freunde sind nicht nur Menschen, zu denen man in jeder Beziehung einen besseren Draht hat, Freundschaft bedeutet immer auch Sympathievorschuss. Freunden gegenüber ist man eher nachsichtig."

Nur kurz: Genau das finde ich eher unfair- nicht nur den anderen gegenüber. Hört sich ein bißchen nach Selbstbetrug, Untreue und Ungerechtigkeit an. Ausserdem könnte diese "Nachsicht" auch unter Umständen das Böse unterhalten, bzw. Dritte (Unschuldige?) schaden. Das macht mich eher mißtrauig und skeptisch, als freudig. Wa(h)re Freundschaft ist, sich gegenseitig seine Kritik ehrlich zu veräußern, auch maßzuregeln, sich und andere dadurch zu bereichern und zu respektieren. Und offen TROTZDEM zu bleiben. Für mich jedenfalls. "Sympathievorschuss" hört sich für mich eher nach Seilschaft an. Mir fällt auch gerade der Begriff "Korruption" dazu ein. Das ändert sich, wenn ich sage, dass mir nur dann jemand wirklich sympatisch sein kann, bei dem man keine Nachsicht nötig hat. Aber eigentlich wollte ich nur sagen:

Warum sollte man nicht auch mit entfernten Bekannten oder gar Fremden nachsichtig sein, wenn man neutral bis positiv eingestellt ist, und offen? Gib jedem eine Chance. (Oder keinem)

Gruß Misanthrop

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Dass das Universum existiert ist Fakt, zu Wissen warum, das würde bedeuten Gott zu kennen. Wenn man die vielen Gräulichkeiten auf der Erde sieht, von Anfang an Mord und Totschlag, Kain und Abel, Kriege von Anfang an, Lug und Betrug, Versklavungen, Vergewaltigungen, laut „Schopenhauer“ ; „ die Welt ist die Hölle.“ Vielleicht ist die Erde der Planet der gefallenen Engel, die sich hier wieder hoch arbeiten können, die Schule zur Rückkehr ins Paradies, die erste, zweite, dritte Klasse mal sitzen bleiben weiter bis zum Abi, bis zum Diplom, bis zum summa cum laude, bis die Menschen gelernt haben, das nur das Gute und die Liebe zählt.

der mensch lernt nur aus seinen bösen taten, da deren folgen auf ihn zurückfallen.


nur durch die bekanntschaft mit dem BÖSEN lernt der mensch, den unterschied zwischen gut und böse zu erkennen.


1.Mose 3,4-5

4 Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, 5 sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

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