Eisenbahn/Zug: Notbremse ziehen bei Ersatzsignal und Zugkreuzungsverlegung des Gegenzugs?

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7 Antworten

Nein, da der Fahrgast nicht in den Bahnbetrieb eingreifen darf. Das wäre Missbrauch der Notbremse, da du dem Triebfahrzeugführer vertrauen musst. Du darfst als Beifahrer ja auch nicht dem Fahrer ins Lenkrad greifen. Normalerweise kümmern sich Fahrgäste nicht um Signale, die meisten wollen und können die verschiedenen Signale nichtmal auseinanderhalten. Außerdem sind die meisten Strecken heute wirklich gut gesichert. Bad Aibling war ein Einzelfall.

Ersatzsignale werden öfter mal verwendet, auf bestimmten Strecken sieht man sie tagtäglich. War das Signal rot und daneben waren diagonal zwei weiße Lichter? Oder wie sah es aus?

Als Fahrgast wirst du auf jeden Fall bestraft, weil gefährlicher Eingriff in den Schienenverkehr. Du musst davon ausgehen, dass Fahrdienstleiter wissen, was sie tun. Und wenn du Zweifel hast, kannst du mit dem Zugpersonal sprechen. Als Fahrgast hast du kein Recht, aktiv einzugreifen. Es ist kein Notfall.

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Bitte mache dich sachkundig!

Welche Art von Signal ist egal, es ist eine Signalisierung, die nur gesichert bei freier Strecke vorgenommen werden kann durch die Fahrdienstleitung.

Außerdem ist das Signal nach Vorbeifahrt des TK  - wenn elektronisch gesichert - ohnehin gleich wieder auf HALT als Folgefahrschutz.

An dieser Stelle ist keine Überlistung machbar - über andere Dinge werde ich öffentlich nicht kommunizieren.

In punkto Sicherheit ist dieses Ersatzsignal daher gleichwertig.

Die Strecken-Sicherheit ist in Deutschland seit ca. 1895 als weltweit erstem Land durch Maschinen gesetzlich vorgeschrieben. Seit dieser Zeit schon kann man nicht mal eben von Hand als freie Willensentscheidung einen Fahrt-Befehl ungeprüft setzen.

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Kommentar von spitzdachhaus
13.08.2017, 23:13

Ich rede ja nicht von "normalen" Signalen. Das würde ja sonst den Sinn von Stellwerken vollkommen wiedersprechen. Ersatzsignale kann man immer ziehen/stellen, klar gibt es da Prozesse und Vorschriften die man vorher beachten muss, also ob die Strecke wirklich frei ist, Weichen-, BÜ-sicherung, usw.. Aber man hat es ja an Bad Aibling gesehen, was passiert, wenn man Ersatzsignale zum falschen Moment zieht. Da helfen dann noch so viele Vorschriften und Prozesse nichts mehr, wenns zu spät ist.

Selbstverständlich ist mir auch klar, was Ersatzsignale bedeuten,
wäre ja auch schlimm, wenn ich das nicht wissen würde. Unbedachtes, unbegründetes oder missbräuchliches Ziehen/Stellen von Ersatzsignale zieht disziplinarische Maßnahmen wie Abmahnungen und Kündigungen nach sich. Mir ist auch völlig klar, dass ein Ersatzsignal alleine keine Notbremsung rechtfertigt.

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Hallo.

da du anscheinend die Signale der Eisenbahn kennst, solltest du auch wissen,

das ein Ersatzsignal (Zs1) keinesfalls dazu berechtigt, so ohne weiteres die Notbremse zu ziehen.

Ein Ersatzsignal ersetzt die Ausstellung eines schriftlichen Befehls wenn das Hauptsignal nicht in die Fahrtstellung gelangt.

Hierbei hat der Signalbediener (Fdl) aber vorher mehrere Dinge zu prüfen und die Bedienung dieses Ersatzsignales wird auch über ein nicht rückstellbares mechanisches Zählwerk (außer bei elektronischen Stellwerken) überwacht.

In der Regel ist die technische Sicherung aber vorhanden,nur eine Komponente (zum B. ein Bahnübergang) meldet eine Störung und deswegen geht das Hauptsignal nicht in die Fahrtstellung.

Deswegen heisst das für den Lokfürer  (Tf)  dann auch so zu fahren, das er jederzeit anhalten kann.

Da hier Bad Aibling erwähnt wurde,das ist leider eine tragische Fehlleistung eines einzelnen Menschen, die unverständlich ist.Denn das ihm seine Fehler durchaus noch bewußt geworden sind,ist aus dem Einzelruf an die beiden Züge zu schließen.Damit wollte er wohl das ganze noch unter den Teppich kehren und erreichte das Gegenteil.

Richtig wäre der Notruf gewesen (der natürlich von allen an der ganzen Strecke zu hören gewesen wäre), der aber als einziger beide Züge noch rechtzeitig erreicht hätte.

Dieser Notruf hätte, wenn es ihn damals schon gegeben hätte, das in der gleichen Region gelegene Unglück von Warngau verhindern können.

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Kommentar von guru61
11.08.2017, 08:21

Natülich hast du Recht.

AAAABER:

Genau das ist bei Bad Aibling passiert.

Hätte dort ein Passagier die Notbremse gezogen, wäre er ein Held!

Auch der Passagier im IC Eschede, der nicht mal die Notbremse gezogen hat, als der abgesprengte Radreifen schon den Boden im Abteil demolierte, hätte mit dem Ziehen der Notbremse über hundert Fahrgästen das Leben gerettet.

So einfach ists also nicht!

Auf den Fall bezogen:

Ich hätte nichts unternommen aber wäre sicher sehr ausfmerksam gewesen.

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Kommentar von spitzdachhaus
11.08.2017, 13:25

Selbstverständlich ist mir klar, was Ersatzsignale bedeuten,
wäre ja auch schlimm, wenn ich das nicht wissen würde. Unbedachtes,
unbegründetes oder missbräuchliches Ziehen/Stellen von Ersatzsignale zieht
disziplinarische Maßnahmen wie Abmahnungen und Kündigungen nach sich. Mir ist
auch völlig klar, dass ein Ersatzsignal alleine keine Notbremsung rechtfertigt.

Ich habe aber schon öfters von solchen, wie oben
beschriebene Situationen gehört, (seit Bad Aibling vermehrt, weil diesbezüglich
die Leute anders mit solchen Situationen umgehen). Signale werden
Nicht-Eisenbahner kaum kennen, was sie aber wohl merken, ist, wenn die
planmäßige Zugkreuzung verlegt wird.

Als ich damals selbst als Fahrgast im Zug saß, und die
Situation beobachte, gab es unter anderem einen anderen Fahrgast, der sich
wunderte, warum die Zugkreuzung verlegt wurde, die Fahrgäste bzw. ein Fahrgast
(die sind ja nicht ganz dumm) hat ebenfalls das ZS1 gesehen, er hat das auch laut 
anderen Fahrgästen erzählt, und so bekamen mehrere Fahrgäste Angst, und die
Aktion mit der Notbremse wurde angesprochen. Der Zugbegleiter war nicht in der
Nähe, war ja auch ein langer Zug.

Das ist der Grund, warum ich diese Situation rein als
Fahrgast beschrieben habe.

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Es sei gesagt, dass die Notbremse nicht zum sofortigen Stillstand des Zuges führt. Damit wird lediglich eine Sprechverbindung zum Lokführer aufgebaut, den man dann über ein Problem in Kenntnis setzen kann.

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Kommentar von Doktorelektrik
13.08.2017, 23:57

...im Taxi vielleicht...

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Es ist definitiv nicht gerechtfertigt, nur wegen einer Ausfahrt auf Ersatzsignal die Notbremse zu ziehen!

Nur so am Rande: es gibt sogar Strecken in Deutschland, wo planmäßig - also IMMER - über Ersatzsignal in Streckenblöcke eingefahren wird oder zumindest bis vor ein paar wenigen Jahren noch gefahren wurde. Mir fällt da spontan Langeland (zwischen Altenbeken und Bad Driburg) ein, falls es da nicht zwischenzeitlich mal umgebaut wurde.

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Kommentar von Nitram
11.08.2017, 22:53

Das mit dem "planmäßigen" ZS1 fahren kann ich nicht glauben. So etwas hätte das EBA niemals toleriert und der Bezl Betrieb kann so etwas auch nicht verantworten. In meinen Augen ist das schon fast kriminell und für zu einem gewöhnungseffekt.

Wie so etwas dokumentiert werden soll wollte ich einmal sehen.

Meiner Meinung nach (46 Dienstjahre) undeckbar bei der DB und DB AG

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Kommt auf Staatsanwalt und Richter an.
Ein Ersatzsignal ist nichts ungewöhnliches und idR nichts, was ohne Bedacht gestellt wird.

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Hallo spitzdachhaus

Die Notbremse ohne Anlass zu ziehen ist strafbar. Wenn du siehst dass beim roten Signal ein Ersatzsignal aufleuchtet dann solltest du auch wissen was das Ersatzsignal bedeutet. Dieses Ersatzsignal und die Verspätung des Gegenzuges ist für die Reisenden deines Zuges nicht relevant, darum erübrigt sich auch ein Lautsprecherdurchsage.

Du solltest eigentlich auch wissen dass Lokführer über Änderungen, oder  Störungen der Signalanlage mit einem schriftlichen Befehl verständigt werden.

Gruß HobbyTfz

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Kommentar von spitzdachhaus
11.08.2017, 13:28

Hallo,

Selbstverständlich ist mir klar, was Ersatzsignale bedeuten,
wäre ja auch schlimm, wenn ich das nicht wissen würde. Unbedachtes, unbegründetes oder missbräuchliches Ziehen/Stellen von Ersatzsignale zieht disziplinarische Maßnahmen wie Abmahnungen und Kündigungen nach sich. Mir ist auch völlig klar, dass ein Ersatzsignal alleine keine Notbremsung rechtfertigt.

Ich habe aber schon öfters von solchen, wie oben
beschriebene Situationen gehört, (seit Bad Aibling vermehrt, weil diesbezüglich die Leute anders mit solchen Situationen umgehen). Signale werden Nicht-Eisenbahner kaum kennen, was sie aber wohl merken, ist, wenn die planmäßige Zugkreuzung verlegt wird.

Als ich damals selbst als Fahrgast im Zug saß, und die
Situation beobachte, gab es unter anderem einen anderen Fahrgast, der sich wunderte, warum die Zugkreuzung verlegt wurde, die Fahrgäste bzw. ein Fahrgast (die sind ja nicht ganz dumm) hat ebenfalls das ZS1 gesehen, er hat das auch anderen Fahrgästen erzählt, und so bekamen mehrere Fahrgäste Angst, und die Aktion mit der Notbremse wurde angesprochen. Der Zugbegleiter war nicht in der Nähe, war ja auch ein langer Zug.

Das ist der Grund, warum ich diese Situation rein als
Fahrgast beschrieben habe.

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