Einstieg-Probleme im Informatik Studium: Fehlt mir Grundwissen und wo bekomme ich es her?

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6 Antworten

Selbststudium versuchen mit Literatur, Kommilitonen fragen. Wenn's zu schnell voran geht, weniger Veranstaltungen auf einmal buchen, auch wenn sich das Studium dadurch verlängert.

Eventuell solltest Du auch Studienberatung in Anspruch nehmen. Manche Veranstaltungen bauen aufeinander auf, sodass Du eventuell ein anderes Modul vorher gehört haben musst. Vielleicht gibt es Einführungskurse in den Semesterferien oder ähnliches.

An den meisten Hochschulen wird zwischen einer allgemeinen Studienberatung und einer Fachstudienberatung unterschieden. Erstere wird für gewöhnlich von Verwaltungsangestellten der Hochschule durchgeführt, letztere von Professoren direkt an der jeweiligen Fakultät. Die kennen sich natürlich tendenziell am besten mit den Anforderungen im jeweiligen Studiengang aus und können Dir vielleicht ein paar Tipps geben, wie's am besten klappt.

Manchmal ist es aber tatsächlich so, dass man ein bisschen experimentieren (und dabei auch den einen oder anderen Misserfolg einstecken) muss. Wichtig ist, dass Du weißt, welche Leistung Du erbringen "musst", z. B. ob Du bis zu einem gewissen Semester eine gewisse Anzahl an Leistungspunkten vorweisen musst, bestimmte Module abgeschlossen haben musst oder um wie viele Semester Du die Regelstudienzeit überziehen "darfst" und was die Konsequenzen sind, falls Du noch länger brauchst.

Du solltest dafür auch die Studien- und Prüfungsordnung lesen. In der Regel gibt es hier jeweils "allgemeine" Fassungen, die fachübergreifende Regelungen treffen, und nochmals eine spezielle Fassung für den jeweiligen Studiengang. Du solltest die Regelungen aus beiden kennen. Dann kannst Du die richtigen Fragen stellen, wenn Du wegen der Studienberatung beim Prof. bist. Also auch hier ist (wie so ziemlich überall im Studium) erst einmal Selbststudium angesagt.

Viel Erfolg!

Achja, man sagt, Informatik sei einer der wenigen Studiengänge, die man ohne Vorkenntnisse nicht studieren "kann". Lass Dich davon nicht entmutigen, aber es hilft wirklich ungemein, wenn Du eine Passion für Informatik hast und Dich auch in Deiner Freizeit intensiv mit den Inhalten beschäftigst. Wenn Du Kommilitonen hast, mit denen Du Dich gut verstehst, und die "Cracks" sind, setz Dich mit ihnen zusammen und lass Dir Dinge zeigen und erklären. Ich habe das in meinem Studium immer sehr gerne gemacht. (D. h. ich war in der Regel derjenige, der zeigt und erklärt. ;-) ) Davon profitieren übrigens beide Seiten, denn wenn man den Stoff einem anderen erklären muss, ist man wirklich gezwungen, ihn zu durchdringen und zu verinnerlichen. Ich hab das wirklich gerne gemacht. Die Klausuren, für die ich vorher "den Erklärbär machen musste", waren dann relativ "einfach". ;-)

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Kommentar von Omnivore13
25.02.2017, 02:55

Tolle Antwort! Lob von mir :-)

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Bitte nicht zu viel Internet. Vorlesungsfolien sind ja okay, aber
irgendwelche "Youtuber" werden dich zu 99% auch nicht weiter helfen.

Du bist schon ein Extremfall, wenn man das so sagen darf. Ich kenne das Problem, denn 50% der immatrikulierten Studenten waren bei mir spätens nach dem 4. Semester geext worden. Viele nehmen es einfach zu leicht auf
die Schulter. Und das Info-Studium hat mit Schul-Informatik gar nichts zu tun. Das hast du ja auch schon selbst erkannt.

Da du ja schon viel ausprobiert hast, kann ich dir leider nicht allzuviel mehr weiter helfen. Dennoch will ich dir ein paar Tips geben:

1) Such dir gleichgesinnte und versuche im Kollektiv die Vorlesungen im Anschluss durchzugehen.

2) Bei Matheproblemen empfehle ich dringend den "Lother Papula". Das ist zwar eine nicht preisgünstige Fachliteratur, aber dafür von ganz hoher Qualität.

3) Versuche weitesgehend die Übungen und Labore mitzumachen und frage den Dozenten auch etwas. Dafür sind die da und werden dafür bezahlt!

4) Gut ist natürlich auch, wenn du vielleicht einen Tutor findest, der Aufgaben mit den Studenten durchgeht

5) Für praktische Aufgaben wie programmieren kann ich die RRZN-Handbücher
empfehlen. Die sind sehr sehr gut. Die haben mir dabei geholfen, dass
bei mir der Groschen fiel objektorientiert zu denken (was den meisten
Studenten am Anfang sehr schwer fällt)

6) Konsultiert gemeinsam den Dozenten/Professor. Der ist i.d.R. auf eurer Seite! Wenn es Verständnisprobleme gibt dann redet mit ihm. Auch die Fachliteraturhinweise des Dozenten sind nicht selten ein Nachteil.

Wenn
man Probleme hat, dann ist es von Vorteil dafür auch ein paar Euros
(oder mehr) auszugeben. Informatik lernt man nicht durch Youtube....und
kostenlos schon gar nicht. Qualität kostet halt Geld, das sollte jedem Bewusst sein!

Ich hoffe ich konnte dir noch paar Alternativen anbieten.

Falls du noch Fragen hast, kannst du mir sie gerne stellen, ich helfe gerne.

Ansonsten wünsche ich dir sehr viel Erfolg im Laufe deines Informatik-Studiums.

Gruß
Omni

PS:
Ich wiederhole mich ungerne, aber ich sage es dennoch nochmal: Glaubt
nicht, dass sich Verständnisprobleme immer "kostenlos" über das Internet
lösen lassen. Genau das ist das Problem, warum die meisten Studenten
bei mir nach 4 Semestern die Koffer packen konnten. Bildung kostet Zeit
und auch Geld. Deine Probleme lösen sich nicht durch Youtube (jedenfalls nicht komplett)







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Kommentar von NoHumanBeing
25.02.2017, 12:22

Guter Beitrag, nur mit einer Sache gehe ich nicht d'accord.

Glaubt nicht, dass sich Verständnisprobleme immer "kostenlos" über das Internet lösen lassen.

Dem muss ich widersprechen. Ich persönlich bin auch ohne Bibliothek oder gekaufte Bücher durch's Studium gekommen. (Ich hatte an irgendeinem Punkt zwar mal tatsächlich Bücher gekauft, aber das war eher, "um mein Gewissen zu beruhigen", sprich ich habe sie letztlich doch nicht gelesen, weil es einfach viel zu zeitintensiv ist, mit solchen "Wälzern" zu arbeiten. ;-) )

Vielleicht hatte ich Glück, aber ich glaube eher nicht. Im Bachelor haben (wenn man mal von der Abschlussarbeit absieht) zum Glück die Vorlesungsunterlagen und natürlich Präsenz in der Vorlesung (gibt ja genügend Leute, die einfach nicht zur Vorlesung gehen, denn "dafür gibt's ja ein Skript" - und sich dann wundern, dass sie nichts verstehen, weil eben doch nicht alles im Skript steht) größtenteils gereicht.

Und für die Abschlussarbeit und im Master habe ich dann hauptsächlich Paper (also solche, die in Journals veröffentlicht wurden, etc.) gelesen und an die allermeisten von denen kommt man für Lau dran, weil die Publizierenden natürlich eine möglichst große Leserschaft erreichen wollen, gibt ihnen schließlich Reputation. Für den Einstieg ist das aber zu "harte Kost". Da muss man sich schon einigermaßen in dem jeweiligen Bereich auskennen und die Grundlagen beherrschen, damit man sich spezielle Themen wirklich über wissenschaftliche Primärliteratur anstatt über Lehrbücher aneignen kann.

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Damit habe ich in meinem Studium auch im ersten Semester angefangen und zwar hieß das Fach bei mir Diskrete Mathematik. Das was du verlinkt hast sind aber nur die Grundlagen mit denen man anfängt. Also ich glaube nicht dass die anderen mehr wissen als du, ich denke nur sie lernen mehr. Bei jedem Informatikstudium das ich kenne werden alle Grundlagen geklärt bevor man irgendetwas programmiert, oder sonstiges tut. Ein Grundwissen ist nicht nötig, da wie du selber schon gesagt hast die  Schul-Informatik nichts mit der Informatik an einer Universität zu tun hat. Das höchste der Gefühle an meiner Schule war eine Woche Pseudocode, sonst nur Word und Excel. Meine Universität bietet zum Beispiel auch Nachhilfe an, keine Ahnung ob es dies an deiner gibt, aber wenn nicht würde ich über private Nachhilfe nachdenken. Glaub mir, so schwer ist der Stoff den du verlinkt hast nicht. 

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Ich kenne mich mit informatik zwar NOCH NICHT so gut aus aber bei der folie 10 die du gesagt hast dass du da abschältst -
das ist doch ein GANZ EINFACHES übersetzungsscript wenn du es so willst und dass muss man einfach auswendig lernen so dass du auf anhieb siehst WAS ES BEDEUTET und nicht in script 9
auf die ich nenne es mal LEGENDE zurückgreifen musst, um zu übersetzen was da mit halbkreis nach oben - halbkreis nach unten gemeint ist.

Das folgt ja einer Logik die du nur verstehst wenn du es zu deuten weißt und ist nicht allzu schwer UND man lernt zwar sowas aber wann musste man es schonmal wirklich so in der form anwenden? - GENAU WENN MAN ES BRAUCHT und dann überlegst du dir was und das ist im endeffekt das gleiche wie AuB n AnB BLABLABLA... :D

du fragst dich ja auch nicht warum hebräisch nicht lesen kannst.

EINFACH wäre zu einfach zu sagen ABER es hilft einen bezug zur realität aufzubauen und das geht durch üben am besten - geht ja darum dass du später auf EINFACHSTE weise funktionen und abläufe programmieren kannst ohne ENDLANGE befehlsketten durchlaufen zu müssen.

LG dr

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Tja, Privatwissen am PC riecht halt manchmal nicht aus für ein Studium, aber ich finde es gut, dass du weiter dranbleibst. Ich würde es ehrlich gesagt mit professioneller Nachhilfe versuchen, ist nicht gratis, aber vielleicht können dir deine Eltern helfen.

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Das ist Einbildung, dass die anderen das schon können. Solcher Stoff wird an Schulen quasi nie unterrichtet. Man redet sich gerne ein, die anderen wüssten mehr oder sie tun einfach nur so. Immer locker bleiben.

Der Stoff in der verlinkten Vorlesung ist Noob-Mathe. Das macht man in den ersten paar Vorlesungen Lineare Algebra und Graphentheorie. Hast du dazu wirklich noch nie was gehört? Du musst doch im ersten Semester ein Mathemodul gehabt haben, in dem beispielsweise Äquivalenzrelationen erklärt wurden?

Vielleicht solltest du mal nach einem Buch Ausschau halten, indem grundlegende mathematische Begriffe erklärt werden, aber so viel mehr findet man in Fachbüchern an Erklärungen eben oft auch nicht, weil Mathematik eben etwas Abstraktes ist. Ein bestimmter Begriff ist nur die Definition, die sich dahinter verbirgt und mehr eben nicht. Mehr soll auch gar nicht da sein.

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Kommentar von Alphonse
25.02.2017, 01:16

Der Witz an Lehramt Informatik ist, dass ich keinen reinen Mathe Kurse habe, indem das vorkommt....
Ich hab den ganzen Theoretischen Kram und Java Programmierung.
Das mit den mengen kommt mir eher von der Stochastik bekannt vor ^-^'

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Kommentar von NoHumanBeing
25.02.2017, 01:43

Der Stoff in der verlinkten Vorlesung ist Noob-Mathe. Das macht man in den ersten paar Vorlesungen Lineare Algebra und Graphentheorie. Hast du dazu wirklich noch nie was gehört? Du musst doch im ersten Semester ein Mathemodul gehabt haben, in dem beispielsweise Äquivalenzrelationen erklärt wurden?

Ich habe abstrakte Algebra auch nur dadurch kennengelernt, dass ich im Master einige Veranstaltungen zu Kryptographie und Kryptoanalyse hatte, wo man das Zeug benötigte. Vorher in den Matheveranstaltungen? Fehlanzeige!

Ich schau grad mal, was wir im Bachelorstudium Informatik im 1. Semester in Mathe gemacht haben.

  • Aussagenlogik und Mengenlehre
  • Induktion und Rekursion
  • Grundlagen der *lysis (Potenz- und Logarithmusregeln, Summenzeichen, geometrische Summenformel und binomische Formel)
  • Funktionen einer Variablen (Monotonie und Symmetrie, Betragsfunktion, Polynome, gebrochenrationale Funktionen, Potenz- und Wurzelfunktionen, Exponential- und Logarithmusfunktionen, Winkelfunktionen, Grenzwerte und Stetigkeit, Nullstellensatz und Zwischenwertsatz)
  • Differentialrechnung für Funktionen einer Variablen (Definition der Ableitung, Ableitungsregeln, notwendiges und hinreichendes Extremalkriterium, Mittelwertsatz, Regel von Hospital, Satz von Taylor, Berechnung von Nullstellen)
  • Integrationsregeln

Und im 2. Semester.

  • Zahlentheorie (Teilbarkeit und Euklid'scher Algorithmus, Kongruenzenrechnung, multiplikativ inverse Elemente, Fermat'scher Satz, RSA-Verschlüsselung, Primzahlsatz und Primzahltests)
  • Lineare Gleichungssysteme (elementare Matrixoperationen, Stufenform, Gauss-Verfahren, Pivotsuche, Gauss-Jordan-Verfahren)
  • Matrizen (Verknüpfungen zwischen Matrizen, inverse Matrizen, Determinanten, Cramer'sche Regel, Laplace'scher Entwicklungssatz, Invertierungssatz)
  • Vektoren (Vektoraddition, skalare Multiplikation, Skalarprodukt, Vektorprodukt, lineare Unabhängigkeit und Lienarkombinationen, Basis, Orthogonalität, Definitheit)
  • Komplexe Zahlen
  • Differentialrechnung in mehreren Variablen (partielle und totale Differenzierbarkeit, Richtungsableitung, partielle Ableitungen höherer Ordnung, notwendiges und hinreichendes Extremalkriterium, Satz von Taylor)

Im 3. Semester kam dann Stochastik (leider auch nicht in der Tiefe, in der man es später beispielsweise für Krypto braucht) und im 4. Semester schließlich Numerik (was leider wirklich schlecht war - so richtig habe ich Numerik erst bei den Physikern gelernt). Graphentheorie wurde in der Tat ein wenig in den Automatentheorie-Veranstaltungen im 1. und 2. Semester behandelt. Ich hatte aber auch nicht den Eindruck, dass das sehr tief ging.

Im Master stand man dann insbesondere in den Krypto-Veranstaltungen wie der Ochs vor'm Berge, als plötzlich abstrakte Algebra gefragt war. Wie "irreduzibles Polynom über einem endlichen Körper"? ;-) Bei einer Krypto-Veranstaltung musste ich dann eine "Ehrenrunde" drehen, um beim ersten Mal zu sehen, welche Mathematik gefordert wird und mir die nebenher irgendwie anzueignen, um mich dann beim zweiten Durchgang tatsächlich mit den Inhalten der Veranstaltung befassen zu können, weil dann zumindest die mathematischen Grundlagen da waren, die man für das grundlegende Verständnis benötigt. Das ist ärgerlich, aber ich kenne es leider aus meiner eigenen Erfahrung auch, dass die Grundlagen nicht vermittelt werden. Bei den Physikern ist das nicht anders. Die lernen in Mathematik nicht, wie man Differentialgleichungen löst, obwohl fast alle Module dies voraussetzen. Warum das so ist, kann ich mir nicht erklären. Vielleicht sind die entsprechenden Module der Bologna-Reform zum Opfer gefallen. Es ist total bekloppt!

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