Einsteigerteleskop? Brennweite und Daten?

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4 Antworten

Oh Gott, in der Beschreibung wird dir ja das Blaue vom Himmel versprochen!?!?

Aber nun erst mal zu deinen Fragen. Die Zahl 900 gibt die Brennweite an, also den Abstand zwischen den beiden Spiegeln. Die 76 ist die Angabe für die Öffnung. Dividiert man die Brennweite durch die Öffnung, erhält man das sog. Öffnungsverhältnis. Bei diesem Teleskop wäre das ein Verhältnis von f/11,8, also sehr lichtschwach.

Ich habe mir den Text des Teleskops durchgelesen und frage mich ernsthaft, wie die da auf ne Vergrößerung von 450-fach kommen?! Die max. sinnvolle Vergrößerung errechnet man nach der simplen Faustformel Öffnung in mm x 2. Das wäre also 152-fach. In unseren Breiten nimmt man eher den Faktor 1,5 - seeingbedingt. Somit wären wir nur noch bei einer Vergrößerung von 114-fach. Dies gibt auch der Okularrechner der Sternfreunde Münster so wieder. Alles was über diesen Wert hinaus geht bezeichnet man als leere Vergrößerung - das Bild wird einfach nur flau.

Die Okulare sind für dieses System absolut ausreichend - mit Koma brauchst du also nicht rechnen. Jedoch sei auch gesagt, dass gerade bei Okularen vom Typ Plössl der Augenabstand sehr gering ist und das kann mitunter unangenehm werden, gerade bei Okularen mit weniger Brennweite. Das Gesichtsfeld ist mit ca. 52° ebenfalls recht eingeschränkt.

Im Text finde ich leider keine Angaben zum Spiegel außer dass es ein Spiegel ist. Da nicht geschrieben steht, dass ein Parabolspiegel verbaut ist, kann man fast davon ausgehen, dass ein einfacher Kugelspiegel verbaut ist. Probleme eines Kugelspiegels gegenüber eines Parabolspiegels sind, dass sich dieser zum Einen deutlich schwerer (für Anfänger so gut wie unmöglich) justieren lässt und zum Anderen dir kein knackig scharfes Bild liefern kann.

Die Barlowlinse ist auch nicht sehr hochwertig - vermutlich eher günstige Plastiklinsen anstatt hochwertiger Glaslinsen. Ein Wischi-Waschi-Bild ist vorprogrammiert. Außerdem schluckt jede Linse extra Licht und davon gibt es sowieso nicht allzu viel bei der kleinen Öffnung.

Die Montierung ist auch nicht so toll wie dort angepriesen. Immerhin reden wir hier von einem Reflektor mit einer Länge von fast einem Meter! Gewackel bei kleinen Berührungen sind vorprogrammiert - du fokussierst, wartest bis das Bild ruhig ist und guckst ob es scharf ist, du fokussierst erneut und musst wieder warten bis das Bild ruhig im Okular steht. Da kann schnell die Beobachtungsfreude vergehen. Ebenso ist es recht anfällig für kleinere Windböen.

Mondfilter - bei f/11,8 dürfte der Mond noch nicht blenden und mehr Details sollten hier auch nicht zur Geltung kommen.

So wie es aussieht, willst du jetzt zum Anfang noch nicht sehr viel ausgeben was für mich auch absolut verständlich ist. Von daher kann ich der Empfehlung des Users "derastronom" nur zustimmen!

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Kommentar von derastronom
03.02.2015, 02:54

Gute Antwort!

Die Okulare sind für dieses System absolut ausreichend - mit Koma brauchst du also nicht rechnen. Jedoch sei auch gesagt, dass gerade bei Okularen vom Typ Plössl der Augenabstand sehr gering ist und das kann mitunter unangenehm werden, gerade bei Okularen mit weniger Brennweite.

Ich vermute, dass es sich (vorgesetztes "H") um Okulare des Typs "Huygens" (H6mm/150x, H12,5mm/77x, H20mm/45x) handelt, die taugen gerade für Okularprojektion. Leider hat der Erzeuger da "gespart". Sicher, besser als nichts sind sie allemal ... :-)

Bedauerlicherweise kosten halbwegs taugliche Okulare schon fast soviel wie das Teleskop (pro Stück).

Größtes Manko ist meiner Meinung nach die relativ geringe Öffnung.

Übrigens, der Vorschlag dieses Teleskop in eine Rockerbox zu stellen

http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=158087&whichpage=2

(Erster Beitrag, 4. Absatz)

ist gar nicht schlecht.

Natürlich kann auch ein kleines Instrument Spaß machen, man muss nur realistisch bleiben, was damit drinnen ist.

LG

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Hallo, Cedi95!

"900" bedeutet 900 mm Brennweite. "76" ist die Angabe der Öffnung.

An sich ist das Teleskop für den Preis in Ordnung, nur ist es mit dieser Öffnung ausgesprochen lichtschwach, da ein Teil des einfallenden Lichtes bei diesen sogenannten Newton-Teleskopen durch die Fangspiegelhalterung blockiert wird, gilt das noch dazu verstärkt.

Das heißt, dass bei nebelhaften Objekten leider nicht viel zu sehen sein wird. Noch dazu haben diese Teleskope meist ein sehr wackeliges Dreibein, was ausgesprochen nervig werden kann ...

Du kannst mit so einem Instrument schon Krater auf dem Mond beobachten, siehst Planeten als winzige Scheibchen. Details werden allerdings sehr spärlich ausfallen. Eine Ahnung von Bändern bei Jupiter ist drinnen, ebenso seine Monde. Saturns Ring ist erahnbar.

Die hellsten Galaxien etwa siehst Du als blasse Wölkchen ohne Details.

Sehr problematisch sind die mitgelieferten an sich praktisch unbrauchbaren Okulare vom Typ Huygens.

Sinnvoll für Einsteiger sind Teleskope mit der leicht bedienbaren Dobson Montierung, ab allermindestens 15 cm Öffnung (besser ab 20 cm).

Sollte Dein Budget eher beschränkt sein, wäre etwa dieses Teleskop

https://www.intercon-spacetec.de/produkte/kategorie/produktkategorie/einsteiger/produkt/130p_flextube/

eine sinnvolle Anschaffung. Alles mit geringerer Öffnung lässt nicht so wirklich Freude aufkommen.

Eine sehr gute Alternative für Anfänger sind übrigens etwas lichtstärkere Ferngläser, die heutzutage recht günstig zu beschaffen sind.

Sehr wichtig ist Vorbereitung und eine realistische Erwartungshaltung, was man mit einem Teleskop sehen kann. So wie auf Fotos sehen die meisten Objekte selbst mit großen Teleskopen nie aus (Ausnahme: der Mond).

Ich rate Dir, hier in der Fragengeschichte zu stöbern. Ähnliche Fragen wurden hier sehr häufig und auch gut beantwortet.

Was Du übrigens jetzt schon machen kannst, ist ein Download der Software "Stellarium" (stellarium.org). Das ist ein kostenloses Planetariums-Programm, das den Anblick des Himmels simuliert.

LG

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Kauf dir lieber ein Fernglas (7*50 oder ähnlich) und ein Buch wie den Karkoschka. Atlas für Sternfreunde. Damit lernst du den Himmel kennen. Dann suchst du dir jemand der ein Teleskop hat und dir was zeigen kann. Mit dem Ding von Amazon wirst du nicht glücklich, die Öffnung ist zu klein und die Montierung zu schwach. Spar lieber ein bischen und such ein gebrauchtes 200 f6 Dobson oder wenigstens 150 f8 (Durchmesser der Optik 200 mm bzw 150mm) müsste ab 250 neu zu haben sein. Amazon ist jetzt auch nicht die beste Adresse zum Teleskop kaufen. Vielleicht mal Teleskop express oder Astroshop probieren. Ich bin ein alter Hase und beobachte wenn überhaupt meistens mit einem einfachen Meade ETX 70 Gibts bei ebay. Der Vorteil: man findet alles wegen GOTO Computersteuerung gerade als Anfänger.

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Kommentar von Startrails
04.02.2015, 18:22

Karkoschka für nen Anfänger? Sicherlich ist der Karkoschka ein sehr schönes Werk, aber ich befürchte, dass er für Anfänger zu unübersichtlich ist. Mit dem Deepsky Reiseatlas sollte er mehr anfangen können...

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900 Brennweite ist der Abstand der Spiegel - also hast du wohl ein Schmidt-Spiegel-Teleskop gekauft.

Für Saturn und Jupiter reicht es, evtl. noch Andromeda, aber dann ist auch schon fast schicht. Kauf die lieber ein Refraktor-Teleskop, auch wenn die gut das 8-10fache kosten.

Das Teleskop dass du dir rausgesucht hast, wird dich ganz schnell nur noch frustrieren.

Schmidtspiegel sind toll wenn man seine Nachbarin bespannen will und für Erdbeobachtung - aber da ist ein Feldstecher auch wieder besser :-D

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Kommentar von Ceddi95
02.02.2015, 21:44

und was sollte ich in dieser preisklasse bis ca 100€ kaufen? also welche brennweite oder welche spiegelart wie du sagst?

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Kommentar von marty55
03.02.2015, 14:45

Hallo, Das ist ein Newtonteleskop, d.h. hinten im Tuibus ist ein Hohlspiegel, vorne ein Planspiegel der das Licht vom Hauptspiegel umlenkt damit man vorne seitlich mit dem Okular das Bild sieht. Der Spiegel ist vermutlich ein Kugelspiegel, der ist bei diesen Abmessungen D=76 f= 900 ausreichend. Der Fangspiegel vorne im Tubus stört den Lichtweg und beeinträchtigt das Bild etwas. Für mein Gefühl zu lang und zu dünn. Dann lieber ein Refraktor 80-100 mm Durchmesser 500-700 mm Brennweite. Damit hat man bedeutend mehr Spaß!

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