Einkaufsservice als Student gründen, würdet ihr so eine Dienstleistung nutzen?

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5 Antworten

Keine gute Idee. Die meisten Gründungen in dem Bereich sind bereits gescheitert. Was eigentlich kein Argument ist, doch hier scheint mir das zu ziehen.

Eine gute Gründungsidee löst für die Kunden ein Problem und schafft weniger oder keine Neuen.

Unabhängig von der Frage der Kosten für den Kunden, mal in seine Situation versetzen. Oder auch in die eigene.

Also die eigene Situation: Es stehen gerade viele Uni-Termine an. Ein Freund erklärt sich deshalb bereit den Einkauf zu übernehmen. Was ist jetzt zu tun?

Verpflichtend ist eine Einkaufsliste zu schreiben. Wenn der Kumpel nicht auslegen kann, dann muss er vor dem EinkaufListe und Geld holen. Sonst könnte man ja mailen.

Der kommt also am Mittwoch um 9.30 Uhr holt die Sachen. Liste besprechen, was wozu notwendig ist und ob ggf. eine Alternative benötigt wird. Der Käse ist wichtig, wenn es also keinen Camembert gibt, dann einen Harzer Roller. Bei den Getränken dies oder jenes.

Was kostet dieser erste Besuch an Zeit? Nicht durch den Besuch, sondern durch die Unterbrechung der Arbeit? 15 Minuten oder doch eher 20 Minuten?

"Wann kommst Du mit den Einkäufen zurück?", ist die Frage an den Einkäufer. "Ich kenne den Laden und die Waren auch, jetzt dürfte nicht viel los sein. Vermutlich in 30 oder 40 Minuten." Also fängt man wann an, dass man durch die innere Uhr nervös wird? Also wann kommt er real für die nächste Störung. Dann klingelt es wirklich. Rein lassen und die Einkäufe einräumen lassen oder selber machen. Abrechnung. Verlängerung dieser Tätigkeit durch die Unterstützung? Fünf Minuten?

Lohnt sich das wirklich an dem Tag für Dich? Und eigentlich macht man zwischendurch doch ohnehin eine Pause. Die verbringt man jetzt kurz vor dem TV oder dem PC. Um den Kopf frei zu kriegen. Was wäre gewesen, wenn man selber Einkaufen gegangen wäre? Die Pause wäre trotz der Hektik entspannter.

Wie groß war jetzt also der reale Nutzen der Hilfe des Freundes? Über die Kosten braucht man gar nicht nachdenken. Er will ja nichts dafür.

Eine Arbeiterin (Single) fährt um 5.30 zur Arbeit, fängt um 6 Uhr an. Arbeitet x Stunden und macht Pausen. Verlässt den Betrieb um 6 + X. Es bleibt für weitere Betätigungen also ein entsprechender Zeitkorridor.

Wie hoch ist der Nutzen dieser Frau, wenn Du mit ihren Einkäufen pünktlich zu ihrer Heimkehr vor ihrer Tür stehst? Was wäre es dieser Frau wert, dass Du ihr die Sachen bringst?

Um den Service zu verbessern: Du bekommst einen Schlüssel und räumst in der Abwesenheit die Dinge professionell in den Kühlschrank. Also unten Salat und oben was auch immer. Getränke in die Vorratskammer, Dosen auch. Rechnung vom Markt liegt auf dem Küchentisch. Zu Hause machst Du einen Bankeinzug. Kassenbon zzgl. 12 Euro.

Wie hoch ist der Nutzen? Wie ändert sich der Nutzen, wenn es nicht um eine Arbeiterin geht, sondern um eine Geschäftsfrau mit einem 16 Stunden Tag?

Wie viel Zeit muss man den Leuten abnehmen, dass die das als Entlastung empfinden können? Wie perfekt muss der Einkauf sein? Also Ersatz von nicht erhaltenen Dingen? Andere Kartoffel? Ist der Ersatz auch mehlig kochend? Was ist mit dem Wein? Statt der passierten Tomate die aus der Dose, gehäutet und geschnitten.

Stadt mit 50.000 EinwohnerInnen. Das werden etwa 25.000 Haushalte sein. Wie oft wird man an diese 25.000 Haushalte Werbung herantragen müssen, um die Leute zur positiven Entscheidung zu und der Aktion Kontaktaufnahme (Erstanforderung der Dienstleistung) zu bewegen?

Durchschnittlich braucht ein Kunde dazu sechs Kontakte mit dem Angebot des Unternehmens. Die sollten auch noch für Kunden positiv sein.

Die ganzen Überlegungen gingen fälschlicher Weise - für Dich positiv - vom Homo-Economicus aus. Also dem rationalen Kunden. Der kennt keine Störungen im Kaufprozess. Der entscheidet nach klaren Nutzenerwägungen. Da wird abgewogen. Der HE würde sagen: Ich habe folgende Bedürfnisse... Darunter auch dieser nervige Einkauf. Sämtliche Problemlösungen sind mit Kosten verbunden. Der jeweilige Nutzen ist mit einer Zahlengröße total stimmig beziffert.

Also würde dieser Mensch ausrechnen, wie er möglichst viel Nutzen aus seinem Geld ziehen kann.

Wie viele Haushalte werden den Nutzen mit einer so hohen Punktezahl ausstatten, dass sie überhaupt ernsthaft erwägen dieses Angebot in Anspruch zu nehmen?

Dazu müssen sie aber überhaupt erst erfahren, dass es Euch gibt. Wie viele lesen keine Zeitung und schmeißen Werbesendungen gleich weg? Wie viele haben Aufkleber mit 'Keine Werbung' am Briefkasten? Wo kann man Werbung im Internet so steuern, dass nur Leute aus Eurer Stadt die Werbung erhalten? Sind die alle dort erreichbar?

------> Schnipp - Im Kommentar geht es weiter:


Und dann kommen noch die ganzen Störungen bei der Bildung einer Kaufentscheidung dazu. Keinen Bock da eine Mail zu schicken oder einen Anruf zu machen. Will niemanden in und an meiner Wohnung haben... usw. Mein Trinkverhalten geht den gar nichts an. Meine Bindengröße? Warum soll der wissen welche Tampons ich nehme? Kondome? Meine Religiosität bezüglich der Dome geht den gar nichts an. Wer hat an diesen Stellen keine Vorbehalte? Es gibt Angebote - sonst würden sie nicht funktionieren - wo die Vorbehalte nicht so hoch im Vergleich zum Nutzen sind.

Wie viele Menschen die für den häuslichen oder auch betrieblichen Einkaufsweg verantwortlich sind, sind von dieser Aufgabe so genervt, dass sie darüber sprechen? Dabei hast Du in den Haushalten durchschnittlich zwei Personen wohnen und behaupten wir mal beide könnten entscheiden und eine genervte Person würde schon reichen, sie der Kaufentscheidung näher zu bringen.

Also Glaskugel raus: Wie hoch ist der Anteil in unterschiedlichen Konsumentengruppen?

Da wäre es aussichtsreicher an die Hilfsbereitschaft der Leute zu appellieren und die Erledigung zum Nebennutzen werden zu lassen.

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Gehen wir jetzt noch einen Schritt weiter. 10 Euro pro Einkauf sollen reichen. Durch regionale Eingrenzung des Werbebereiches wohnen alle Kunden in einem bestimmten Stadtgebiet. Sagen wir mal von der Größenordnung her nur sechs Fußballfelder.

Am Vortrag fährt einer von Euch rum und holt die Einkaufslisten mit dem Geld. Also Montagseinkauf, Liste am Sonntag. Samstagseinkauf am Freitag. Das könnte man natürlich mit der Ablieferung der Einkäufe in einer Rundfahrt erledigen. Unterstellen wir später auch, dass alle Kunden zwei Einkaufstage die Woche im Durchschnitt haben wollen.

Damit hättet Ihr ein absolutes organisatorisches Maximum erreicht. Und alles soll nur aus einem Markt kommen. Nicht hier der eine Discounter und da der Supermarkt. Auf die Suche nach Sonderangeboten verzichten auch alle. Das verstehen die auch, wegen der Sucherei.

Wie viel Geld braucht jeder von Euch? 800 Euro im Monat? Und 250 bekommt Ihr schon? Kindergeld? Elternzuschuss? Also bleiben 550 Euro pro Person.

Also werden 1.100 Euro benötigt. Fahrkosten? Ich behaupte zwei Fahrräder mit vorhanden Anhänger sollen reichen. Nur um für die Gründung hier mal möglichst geringe Kosten zu schätzen. Nämlich Null dafür. Dann kommen aber immer noch so Kleinigkeiten. Telefon, Internet für die Bestellungen usw. 30 Euro im Monat sind wirklich nicht viel.

Schätzen wir weiter. Die Leute sind bereit 12 Euro im Schnitt zu bezahlen. Also 1.130 Euro Einnahmen werden monatlich benötigt. 1.130 Euro geteilt durch 12 Euro pro Einkauf ergibt 94 Einkäufe im Monat. Das ist nicht viel. Aber wie viele Kunden stecken jetzt dahinter? Vier 6-Tage-Wochen (für die Einkäufe)haben wir unterstellt, die Sonntagsrunde zählt natürlich nicht. Also 24 Einkaufstage im Hinterkopf merken.

94 Einkäufe - verteilt auf vier Wochen - ergibt 23,5 Einkäufe je Woche. Weil die Leute aber 2 Einkäufe haben möchten, rechnen wir mit 24 und kommen auf 12 Stammkunden.

Damit müsste man für zwei Haushalte pro Tag einkaufen gehen. Wie lange dauert der Einkauf mit zwei Einkaufswagen? Um sich später die Sortierung zu ersparen und natürlich auch gleich die jeweiligen Quittungen zu bekommen. Also wie lange? Unter 30 Minuten für einen einfachen Einkauf braucht man eigentlich nicht zu rechnen. Meine grobe Schätzung. Da man jetzt aber zwei Listen hat und es nicht immer die kleinsten Einkäufe sind? Eine Stunde dürfte angemessen sein. Dafür müsst er dann die Sachen schneller ins den Fahrradanhänger packen.

Fahrt zum Markt und Auslieferung und nach Hause? Was schätzt man da? Also die Stunde im Markt ist klar. Mit dem Rad dahin. 20 Minuten in einer Kleinstadt bestimmt realistisch. Zu dem ersten Kunden wieder 20 Minuten und zum nächsten Kunden wieder 20 Minuten. Von Kurierfahrern kann ich Euch versprechen - ohne Abrechnung - 15 Minuten pro Stopp sind normal. Und der kettet kein Fahrrad an und braucht auch den Rest des zweiten Einkaufs nicht sichern. Dafür die markierten "Tüten" aus dem Hänger nehmen, also Hänger öffnen, raus nehmen. Hänger schließen, zur Haustür, klingeln, ggf. noch eine Treppe. Übergeben und zurück. Also die 15 Minuten sind auch für Euch realistisch.

Dann wieder nach Hause. Noch mal 20 Minuten. Abrechnung und Bankeinzug für beide Kunden - So schnell ist kein Internet und man muss noch Aufzeichnungen machen und Ablage, aber behaupten wir mal weitere 20 Minuten würden reichen.

Kommen wir also auf eine produktive Zeit von 190 Minuten. Drei Stunden und ein wenig.

-----> Schnipp und noch ein Kommentar:

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@Dirk-D. Hansmann

Dazu aber müssen die Kunden erst gefunden werden. Flyer braucht man, aber hier gilt es Klinken putzen. Wir fahren für Sie! Interessiert? Was glaubt Ihr: Bei der effektivsten und direktesten Vertriebsmöglichkeit - Wie lange werdet Ihr brauchen, bis Ihr Eure 12 Kunden am Start habt?

Selbst mit der besten Masche: Wir sind zwei Stunden und brauch Unterstützung, dafür kaufen wir für Sie ein...

Bei der Würdigung dieser 12 Kunden ist noch zu bedenken: Die müssen im Monat Euch 2x die Woche also jeweils 8x schicken. Die Leute müssen also auch 96 Euro im eigenen Budget frei haben. Das wird für einige nicht einfach sein. Dieses begrenzt gleichzeitig die Zielgruppe.

Diese Kunden zu werben, dass funktioniert nicht beim Liefern. Also zusätzliche Zeit. Und noch ein Problem: Urlaubszeiten. Die Leute nehmen nicht wirklich zwei Einkäufe die Woche.. Da ist mal jemand weg oder es gibt andere Gründe. In den Sommerferien fallen in vielen Unternehmen die Umsätze gleich mal auf Null. Dieses müsst Ihr auffangen.

Also - Unter dem Strich glaube ich nicht, dass jemand wirklich an der Idee so viel Lust hat, dass jemand wirklich diesen Arbeitsaufwand auf sich nimmt.

Aber egal wie Ihr Euch entscheidet: Viel Glück und Erfolg!

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Die Idee finde ich gut. Und 8 - 10 € nicht zu teuer, das würde sich für alte Menschen aber nur lohnen wenn es sich um größere Einkäufe handeln würde. Für 10 Eier und eine Flasche Schnaps wäre das wohl zu teuer. Überlegt mal ob für kleine Einkäufe nicht billiger geht? 

Ja würde wahrscheinlich sogar klappen. Ich denke aber, wenn Leute so einen Dienst in Anspruch nehmen würden, dann auch eher für einen Großeinkauf. Kleinere Einkäufe könnte man ja auch z.B. mit dem Fahrrad erledigen, wenn der Supermarkt nicht weit entfernt ist. Dann hat man schon mal die Spritkosten gespart. :D

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@xtaler07

Das ist richtig und wenn ihr im selben Haus noch mehr Kunden habt ist es noch günstiger für euch. Also: den 1. Kunden fragen ob die Nachbarn vielleicht Interesse haben könnten. Ein guter und zuverlässiger Service spricht sich schnell herum. Viel Glück--- und Erfolg. Die Idee ist zwar nicht neu, aber gut.

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@lohne

Ja da hast du wohl Recht, ist keine neue Idee aber hier bei uns im Umkreis wird sowas überhaupt nicht angeboten. In Großstädten gibt es sowas schon teilweise.

Naja, Probieren geht über studieren, vielleicht klappt es. :D 

Danke!

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