Einfach so eine Änderung der Diagnose?

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7 Antworten

Persönlichkeitsstörungen dürfen, so der Konsens, erst mit dem erreichen der Volljährigkeit gestellt werden. Vorher laufen Persönlichkeitsstörung höchstens als Verdachtsdiagnose und werden meistens mit anderen Diagnosen "umschrieben" wenn man so möchte. Das führt dazu, dass oftmals mit der Volljährigkeit die Diagnosen stellenweise geändert werden.

Weiterhin sind gerade psychische Störungen in der Diagnostik sehr schwierig. Die Symptome überschneiden sich ständig, mögliche Komorbiditäten müssen in Betracht gezogen werden und stellenweise unterscheiden sich auch die Eindrücke, die verschiedene Menschen von einem haben. Das führt nicht selten dazu, dass ein Therapeut beispielsweise eine andere Diagnose stellt, als ein anderer Therapeut - der stellt dann, innerhalb der Diagnostik, etwas anderes fest.

Insbesondere aber die Borderline Persönlichkeitsstörung ist als Diagnose mit Vorsicht zu "genießen". Leider passiert es immer noch sehr häufig, das diese Diagnose ungerechtfertigt gestellt wird und sich im späteren Verlauf als eine Fehldiagnose herausstellt. Aus diesem Grunde führen viele Stationen oder Kliniken, die spezifisch mit Borderlinepatienten arbeiten, mittlerweile eine erneute Diagnostik durch (mindestens zwei Wochen) - nicht selten stellt sich dann nämlich heraus, das diese Diagnose schlicht und ergreifend nicht korrekt ist.

Auch andere Diagnosen können sich natürlich als Fehldiagnosen herausstellen. Meist passiert das dann, wenn die Diagnose zu voreilig gestellt wurde.

"[...] habe ich einfach zu wenig Ahnung und sind die beiden Krankheitsbilder ähnlich?"

Im Zweifelsfall solltest du mit deiner Psychiaterin und auch mit deiner Therapeutin nochmals das Gespräch suchen, um deine Verwirrung zu klären. Lasse dir von beiden nochmals die Diagnose erklären und stelle deine Fragen dazu. Wichtig ist, dass du dich in dieser Diagnose auch "erkennen" kannst. Wenn eine Diagnose dir vollends widerspricht, ist es wichtig, dass auch anzubringen. Das geht und das darfst du auch - aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es stellenweise dazu führt, das Diagnosen dann "richtig gestellt" werden.

Erkundige dich auch, welche Therapieform dir angeraten wird und hole dir von deiner Therapeutin unbedingt auch eine zweite Meinung ein bezüglich dieser neuen Diagnose. Vielleicht unterstützt sie diese Einschätzung ebenfalls und kann dir ebenfalls ein Feedback geben.

"Meine Frage nun Geht das überhaupt? Einfach so eine Diagnose ändern [...]"

Ja, das geht auf jeden Fall. Entweder aus den genannten Gründen, also beispielsweise der Übergang in die Volljährigkeit oder auch Fehldiagnosen. Auch können sich Diagnosen ändern, wenn beispielsweise eine Depression abgeklungen ist - diese fällt dann beispielsweise raus. Weiterhin befindet sich die Psyche immer "in Bewegung". Manche Symptome können nachlassen, andere mit der Zeit auftreten - so kann sich auch eine neue Diagnose bilden, da die vorige "nicht mehr zeitgemäß" erscheint.

Wichtig ist also, dass du das Gespräch suchst. Stelle deine Fragen und äußere deine Unsicherheiten - nur über diesen Weg, kann man auf dich reagieren und im Zweifel auch bestimmte Dinge verändern beziehungsweise dir konkrete Hinweise geben, welcher weitere Behandlungsverlauf angebracht wäre.

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und hoffe sehr, dass sich die Verwirrungen bald lösen werden.

Liebe Grüße.

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Solche Diagnose werden manchmal zurückhaltend vergeben. Insbes. bei jungen Menschen, bei denen die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, ist das auch eine schwierige Entscheidung, die Diagnose zu stellen, auch wenn die Symptomatik die Diagnose rechtfertigt. Erst wenn diese wirklich dominant werden, wird oft auch dann die Diagnose gestellt.

Die Frage ist ja eher, was JETZT symptomatisch im Vordergrund steht. Geht es erstmal um Intrusionen und Dissoziation oder sind diese untrennbar mit erheblichen Beziehungsschwierigkeiten (auch im therapeutischen Kontakt) verbunden? 

Oder anders: ist es möglich, gezielt einzelne Symptombereiche zu bearbeiten oder ist dies doch in einen größeren Beziehungskontext eingebunden, was eine punktuelle störungsspezifische (hier PTBS / Dissoziation) Therapie scheitern ließe. Im letzten Fall muss das alles dann in den entsprechenden Kontext eingebunden werden (z.B. eben in einem Behandlungsangebot, das über Traumabehandlung hinausgeht (aber einbezieht) und eher erstmal an der Persönlichkeitsstruktur ansetzt, um das Risiko zu minimieren, dass die Therapie scheitert).

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Kommentar von Seanna
18.08.2016, 22:20

Völlig korrekte Antwort- wie immer :)

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Es gibt keine Station für Persönlichkeitsstörungen, da hast du bestimmt etwas falsch verstanden. Nicht jeder Behandler hat die gleichen Ansichten sondern konstruiert aus den genannten Symptomen und Alltagsproblemen eine Diagnose zusammen. Zwischen PTBS und Borderline sind die Grenzen fließend. Aus einer PTBS heraus können eine große Palette an psychischen Problemen entstehen die sich auch in der Borderline Persönlichkeitsstörung wiederfinden. Natürlich "darf" die Diagnose Borderline auch vor dem 18. Lebensjahr gestellt werden auch wenn es eher unüblich ist und nur dann diagnostiziert wird wenn das in einer entsprechenden Ausprägung eindeutig von Pubertätsproblemen und anderen Störungsbildern klar abgegrenzt werden kann.

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Leider verstehen selbst viele Fachpersonen nicht wirklich, was eine Komplexe PTBS und Dissoziative Identitätsstörung wirklich ist - und es wird viel zu oft "Borderline" diagnostiziert. 

Ich an deiner Stelle würde hier direkt widersprechen, zumal deine Psychologin dich viel besser kennt als ein Psychiater. Notfalls wechsle den Psychiater. 

Lass dir nicht einfach eine Erkrankung aufdrücken oder einreden!! Die Standardtherapie bei Borderline (DBT) ist z.B. für KPTBS/Dissoziationen eher nicht geeignet. 

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Das eine schließt das andere nicht aus, die Symptome gehen auch ineinander über, und sie sind auch nicht klar voneinander abgrenzbar.

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Die Diagnose "Borderline" ist sehr komplex und darf nur von einem Facharzt, also dem Psychiater, gestellt werden.

Hausärzte und Therapeuten müssen sich auf das beschränken, was offensichtlich ist

Es ist also keine Änderung, sondern eine Erweiterung der Diagnose

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Kommentar von schloh80
18.08.2016, 21:51

Natürlich dürfen auch Psychotherapeuten die Diagnose stellen. Das ICD-10 sieht keine Facharztbindung vor.

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Kommentar von Seanna
18.08.2016, 22:18

F21?! Borderline ist F60.31! F2x sind psychotische und schizophrene Störungen..

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Kommentar von BlackRaven88
31.08.2016, 21:22

JA ein Psychotherapeut DARF Diagnosen stellen!!! Darauf begründet er nämlich seine Therapie! 

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Bevor man 18 ist darf die Diagnose Borderline nicht gestellt werden.

Vielleicht ist das eine Zusatzdiagnose.

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