Einen wunderschönen Montagmorgen allen Beantwortern der gugumo! Was würdet ihr eurem zehnjährigen Ich mit auf den Weg geben?

36 Antworten

Hallo!

Meinen 10. Geburtstag habe ich 2000 gefeiert.

Ich muss sagen, dass ich ein sehr ruhiger Junge war, fast introvertiert, und eigentlich auch kein "Risikogänger" oder "Schrittmacher", ich war immer der, der einfach nur da war. Was bei den Beatles der stille George Harrison war, das war ich in der Familie, in der Schule und im Freundeskreis. Mit George Harrison hat mich auch mal mein Englischlehrer der 9./10. Klasse, großer Beatlesfan, verglichen.

In der 8. Klasse meinte eine junge Lehrerin mal zu mir, weil ich so ruhig und sachlich sei, dass ich nur optisch ein Jugendlicher sei, aber charakterlich eigentlich ein vernünftiger, langweiliger älterer Herr um die 60... letztlich kann da was dran sein, ich wurde vom Opa erzogen.

Aus heutiger Sicht würde ich wahrscheinlich alles genauso machen wie es war, ich wüsste auch kaum, was ich zu meinem zehnjährigen Ich heute sagen würde. Wahrscheinlich würde ich ihm nur sagen, intensiver an allem festzuhalten und öfters auf den eigenen Willen zu bestehen, denn genau das konnte ich damals nicht. Ich wollte es immer allen Recht machen und ließ mich häufig in der Schule komplett überstimmen, weil ich nicht wollte, dass mir jemand böse sein kann und ich kein Rumstresser und Streitliebhaber bin.

Das gravierendste Beispiel dafür trat sogar in meinem 11. Lebensjahr ein: Ich hatte die Gymnasialempfehlung der Grundschule und alle Lehrer wollten, dass ich auf das Gymnasium gehe. Der Wunsch von mir und meinem Opa war, dass ich zunächst auf die Hauptschule gehe mit allen Kindern aus unserer Siedlung und, wenn es später zur Debatte stehen sollte, dann eben alles nachhole (Mittlere Reife, Abi usw., das ging ja schon damals). Letztlich war es so, dass mich dann der Rektor höchstpersönlich irgendwann kurz vor Verteilung der Grundschulempfehlung aus dem Sportunterricht in die Kabine gebeten hat und mir klarmachte, dass selbst die Realschule für einen so guten Schüler wie mich unter aller Würde sei und ich auf das Gymnasium müsse, Freunde nicht unbedingt zählen und er es nicht vertreten kann, wenn ich mir die Karriere selbst kaputtmachen würde - es sei zwar Sache vom Opa und mir, aber ich sollte wissen, er begrüße das auf keinen Fall. Ein Lehrer hat uns dann zuhause besucht, ein anderer sprach uns auf dem Normaparkplatz an und versuchte meinen Opa total zu beeinflussen, es endete in einer Debatte, die keinem gut getan hat und mich an diesem bis dato eigentlich netten Lehrer zweifeln ließ.

Das Ende vom Lied war, dass ich schweren Herzens an der Realschule angemeldet wurde, nachdem sich alle Lehrer eingemischt hatten ----> als ich da im Herbst 2001 eingeschult wurde, begann ein Spießrutenlauf durch sechs mehr oder weniger besch... Jahre, in denen ich in eine Klasse kam, in der fast alle aus selbstbewussten Traditionsfamilien aus einer bestimmten edlen Neubausiedlung stammten, die gemeinsam seit Jahren in den Ski- und Sommerurlaub fuhren und eine unschöne Connection bildeten. Für diese Eltern muss es eine ganz bittere Pille und vielleicht auch persönliche Kränkung gewesen sein, dass ich als "Ausländer" dort landete und teilweise bessere Noten als der eigene Nachwuchs schrieb. In der Klasse herrschte das gleiche eher winterliche Klima, es wurde intrigiert und diffamiert, wo es nur ging. 5. und 6. Klasse waren schlimm, erst der Lehrerwechsel zur 7. Klasse (Schuljahr 2003/04) zu einem geduldigen, aber sehr durchsetzungsfähigen Mittvierziger, der auch mal sich zankende Mütter beim Elternabend aus dem Klassenzimmer geworfen hat und den "coolen Stars" den Wind aus den Segeln nehmen konnte brachte eine Verbesserung. Es war in der Zeit nicht alles schlecht und die Mitschüler waren nie böse mit mir, sie haben mich sogar durchaus respektiert und als Streitschlichter usw. eingesetzt, aber trotzdem brachte mir die Realschule nix. Wirklich angenehm war es in der Zeit nur in der Französischklasse.

Die Freizeit habe ich nach wie vor meistens mit den alten Kumpels aus der Siedlung verbracht, die auf die Hauptschule gingen. Ich bin übrigens auch ohne Abitur und Studium "was geworden" und das sind auch alle meine Freunde, die die Hauptschule abschlossen. Es kann nicht nur Studierte geben, wir sind aber trotzdem glücklich.

Und um mir im Nachhinein diese unschönen und stressigen Erfahrungen in der Realschule zu ersparen - die mich klar auch abhärteten, denn heute lasse ich mich trotz meiner ruhigen Art nicht mehr überstimmen, sondern mache mein Ding und riskiere dadurch immer wieder, dass ich anecke und/oder provoziere - würde ich meinem zehnjährigen Ich raten sich nicht ganz so zaghaft zu benehmen. Obwohl es in dem Alter schwierig sein muss, sich gegen gestandene Lehrer - ich hatte ein relativ altes Lehrerkollegium von Mitte-Ende 50 in der Grundschule - aufzulehnen... und ich denke, die Lehrer wollten auch eigentlich nur das Beste.

Naja, es war so und es geht mir trotzdem gut und genau das ist doch die Hauptsache. Es gibt nach wie vor manchen Rettungsring und diese besingt auch Peter Cornelius in dem Lied -----> sie sterben nicht so stark aus wie er es besingt, aber das Lied ist immer noch Klasse (von 1992 glaube ich). Einen schönen Tag für alle!

https://www.youtube.com/watch?v=tuH-kwqzalk

Woher ich das weiß: eigene Erfahrung

Fred wünscht dir einen sehr schönen Montag und grüßt dich aus einem regengefährdeten, bewölkten (24 Grad) Wien herzlich.

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Herzlichen Dank für deine Antwort und liebe Grüße! :)

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Hallo, rotersand,

nur eine Rückfrage zu Deiner Antwort.

Müssen denn ältere Herren um die 60 eigentlich langweilig sein ?

Ich kenne einige in dem Alter - und da müssen noch M I N D E S T E N S 15 - 20 Jahre zugeschlagen werden - die wissen so manches Mal vor ÜBERMUT nicht wie sie sich verhalten sollen und stehen noch voll in der Blüte ihres Lebens.

Das nur eine bescheidene Anfrage an Dich.

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@iQPlawopf

Diese Lehrerin meinte, dass dem so sei.

Andererseits war das ca. 2005 und da waren ältere Herren um die 60 meist tatsächlich sehr konservativ -----> der agile 60-jährige Sportler, der eher wie 40 aussieht, enge Jeans trägt und bei Facebook aktiv ist bzw. sich für alles Mögliche an Trends usw. interessiert, war damals quasi nicht vorhanden.

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Hallo Chumacera,

rückwirkend würde ich meinem zehnjährigen Ich wertvolle Tipps für das Leben geben. Solche Tipps wie z.B.:

  • Bereite Dich immer gut für die Schule vor
  • Suche Dir eine Sportart, die Dir gut gefällt
  • Tipps zur Pflege von Freundschaften
  • Wie man am besten eine Fremdsprache lernt

Ansonsten war ich mit allem soweit zufrieden, aber nochmal 10 sein oder nochmal zur Schule gehen, möchte ich um keinen Preis. Einmal reicht.

Woher ich das weiß: eigene Erfahrung

Herzlichen Dank für deine Antwort und liebe Grüße! :)

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Guten Morgen!

Folgende Ratschläge:

- Sei nicht immer so überdramatisch wenn du dich verliebst. Damit machst du dir selbst viel kaputt und verkennst die Realität.

- Auch wenn du keinen Bock haben wirst, zieh das Abitur durch und studiere. Es wird sich auszahlen, statt erst mit Mitte dreißig deine alte Rübe dadurch zu quälen.

- Wenn du mal von einer digitalen Währung namens Bitcoin hörst, kauf direkt zu Beginn einfach mal ein paar Tausend und warte bis 2017. Dann verkaufen, aber das wirst du dann selbst merken ;-)

- Das Wichtigste: Egal was du in deinem Leben anstellst, sei am 08.02.2008 gegen 22 Uhr in Celle auf dem Parkplatz des City-Hotels!!! Denn dort wirst du die tollste Frau der Welt kennenlernen, mit der du immer noch verheiratet sein wirst wenn du so alt bist wie ich!

Nachdem er durch die Bitcoins reich geworden ist, wird er auf den letzten Rat wohl herzlich pfeifen. xD

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@ScharldeGohl

Ja, du, mit deinen Erfahrungen. Aber ich würde sicher nie dort hinfahren, wenn du mir das sagst. Wer weiß, ob sie einen Bitcoin Millionär überhaupt dann wirklich mögen würde ...

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@Pacdidthissh1t

Damit unterstellst du dem User Berechnung, ohne ihn zu kennen. Es liest sich nicht so, als wäre er mit Geld glücklicher als mit seiner Frau gewesen.

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@Pacdidthissh1t

Wenn man es nicht riskiert, wird man es nie erfahren.

Doch da sich meine Frau von Geld nicht beeindrucken lässt, dürfte das also keine Rolle spielen.

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@ScharldeGohl

Sicher, der Punkt ist einfach, dass du nach diesen Ratschlägen ein anderer Mensch wärst, der dann dort stehen würde.

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@Pacdidthissh1t

Naja man kann sich auch alles kaputtreden, aber das ist eben der Unterschied zwischen dir und mir. Es geht einfach um ein Gedankenspiel.

Jeder Jeck is anders! ;-)

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@Pacdidthissh1t

Du übersiehst nur ein kleines Detail:

Im Jahr 2008 (Zeitpunkt des Treffens) ist er ja noch gar kein Bitcoin-Millionär...

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@tucho

Aha okay ... Vielleicht stürzt das Geld die beiden ja im Nachhinein in eine Krise ...

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@Pacdidthissh1t

Du bist kein Realist, du bist entweder Pessimist, oder du gönnst anderen ihr Glück nicht :D

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Fred wünscht dir einen sehr schönen Montag und grüßt dich aus einem regengefährdeten, bewölkten (24 Grad) Wien herzlich.

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@Fredlowsky

Die besten Grüße an dich! Wien macht das schlechtere Wetter definitiv wett!

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Ach ja, liebestechnisch eint uns das markante Datum 8. Februar.

Wir waren nur einige Jahre früher dran im Kölner Hyatt-Hotel bzw. dem dortigen Restaurant Graugans und wie es aussieht, immer noch glücklich und zufrieden. Ist doch auch ganz nett in Zeiten der Lebensabschnittsgesellschaft.

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@verreisterNutzer

Ach, die Graugans...

Da war ich Silvester 99-2000, tolles Restaurant, und einen Tisch direkt am Fenster... Selten so gut gegessen wie damals.

Zum Nachtisch Lebekuchenparfait...

Sehr schön, Danke! :-)

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Guten Morgen Community,wie denkst Du über Dein Leben und wie lautet Dein bisheriges Resümee darüber?

Mich persönlich hat dieser Brief sehr berührt der in einem anderen Forum gepostet wurde in dem ich aktiv bin.

Der Brief einer 95jährigen Frau:

„Wenn ich mein Leben noch einmal Leben könnte, würde ich versuchen, beim nächsten Mal mehr Fehler zu machen. Ich würde nicht mehr so perfekt sein, sondern viel entspannter, nachgiebiger. Ich wäre alberner, als ich es bei diesem

Trip war.

Es fallen mir nur sehr wenige Dinge ein, die ich so ernst

nehmen würde. Ich wäre verrückter und weniger auf Hygiene bedacht. Ich würde mehr Chancen ergreifen, mehr Reisen machen, mehr Berge besteigen, in mehr Flüssen schwimmen. Ich würde Orte besuchen, die ich noch nie gesehen habe. Ich würde mehr Eiskrem und weniger Bohnen essen. Ich hätte mehr reale und weniger eingebildete Probleme.

Wissen Sie, ich gehörte zu jenen Menschen, die vorbeugende Maßnahmen ergriffen, vernünftig und gesund lebten. Stunde um Stunde. Tag um Tag. Oh, ich hatte meine Augenblicke und wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich mehr von diesen Augenblicken sammeln. Augenblick um Augenblick.

Ich gehörte zu jenen Menschen, die niemals ohne Thermometer, Wärmflasche, Mundwasser, Regenmantel und Fallschirm unterwegs sind.

Falls ich noch einmal leben könnte, würde ich

mir leichterem Gepäck reisen. Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich im Frühling früher anfangen, barfuß zu laufen, und im Herbst später damit aufhören. Ich würde öfter Karussell fahren, mehr Sonnenaufgänge anschauen und öfter mit Kindern spielen. Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte. Aber das kann ich nicht...

ich bin 95 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde.“

(Nach Jorge Luis Borges)

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