Einen Text analytisch betrachten, wie geht man da vor?

1 Antwort

Wenn Du einen Text analytisch betrachten sollst, sprichst/schreibst Du nicht über den Text, sondern am Text. So hatte meine letzte Deutschlehrerin das ausgedrückt und besser kann man es auch nicht zusammenfassen.

Soll heißen: Statt zu sagen "in dem Text steht, dass...", was nacherzählt wäre, stellst Du Thesen auf, die Du am Text belegst. Das ganze findet auf einer abstrakten Meta-Ebene, also vom Text losgelöst, statt.

Ein Beispiel: Du hast eine Situation vorliegen, in der ein Ehemann zu seiner Frau sagt "Da ist etwas grünes in der Suppe" und die Frau dreht durch und schreit "das nächste Mal kannst Du selber kochen!". Nacherzählend könntest Du jetzt genau das schreiben, was im Text steht. Analytisch würdest Du aber schreiben

In dieser Situation liegt ein Missverständnis zwischen Ehefrau und Ehemann vor. Die Frau versteht die Äußerung des Mannes, in der Suppe sei etwas grünes, falsch. In Wirklichkeit möchte er sie nicht kritisieren, sondern wissen, worum es sich handelt. Das lässt sich daran erkennen/damit belegen, dass...

In Deinem Text geht es darum, dass Kinder und Jugendliche mit der Filterung der in den Medien präsentierten Fakten überfordert sind und sich daher davon zurückziehen. Auf den ersten Blick ist das jedenfalls so. Wenn Du analysierst bleibt zu beachten, dass prinzipiell nichts falsch ist, solange Du es belegen kannst (Lieblingssatz meiner Lehrerin: "Keine Behauptung ohne Begründung!").

In diesem Fall könntest Du also entweder sowas schreiben, wie ich gerade, und es am Text belegen ("das ist daran zu erkennen, dass...", "ich stütze meine These auf..."), oder Du betrachtest den Text umgekehrt und sagst:

Der vorliegende Text befasst sich mit dem Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen. Auf den ersten Blick wirkt es so, als habe der Autor Verständnis für das Desinteresse der Jugend an den Medien und führt als Grund dafür die Unmöglichkeit der Fakten-Filterung aus. In Wirklichkeit ist allerdings das Gegenteil der Fall: Der Autor möchte die Jugend kritisieren. Das lässt sich vor allem an seiner überdramatisierenden, teils sarkastisch wirkenden, Wortwahl erkennen. Der Autor bezeichnet die Reize als "Springflut", als "einstürzend" und als "Bombardement" und die Jugend als "schutzlos".

Ich hoffe das hilft Dir. Sag' bescheid, wenn Du noch einen Rat brauchst. Das Thema ist wirklich komplex, begleitet Schüler aber bis zum Abitur.

wow super vielen dank hast du wirklich klasse erklärt,nochmal VIELEN DANK (:

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