Einen Angehörigen im K'haus o. Altersheim oder zu Hause bis zu seinem letzten Atemzug zu begleiten -

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13 Antworten

es ist ein harter Weg und aber auch die Realität. Das unser Leben auch ein Ende hat. Ich habe damals sowohl meinen Opa , er wollte partout nicht mehr Leben , als auch meine Oma , Sie ist Zuhause gestorben, nur teilweise dessen Tod mitbekommen. Ich war sehr lange bei meinem Großvater , bis Er dann endlich eingeschlafen ist . Es ist schwierig diesen Moment zu begreifen und ich habe lange danach schlaflose Nächte gehabt. Bei meiner Oma , sie wollte nicht sterben , da Sie ein sehr starkes Herz hatte, habe ich es nicht so gemacht. Auch wenn ich zu Ihr ein besseres Verhältniss hatte , wir waren Alle froh, als auch Sie dann eingeschlafen ist. Sicher ist es schwer, ein Familienmitglied sterben zu sehen , diesen auch zu begleiten , nur ich werde es so , in Anwesenheit nicht mehr machen .

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Kommentar von alessra
25.10.2012, 20:04

Vielen Dank für diese ehrliche Antwort. So hat es mir auch meine Cousine gesagt.

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Kommentar von alessra
28.10.2012, 15:22

Ich zeichne diese Antwort nicht aus, weil darin etwas von dem, was meine Cousine mir gesagt hat, steht. Ich möchte sie auszeichnen, weil sie für mich ohne Umschweife geschrieben ist. Die anderen Antworten sind natürlich auch sehr ehrfürchtig für mich geschrieben, aber zu dieser Antwort fühle ich mich besonders hingezogen. Vlt weil 2 Sterbefälle verglichen wurden und Wolfenmond zum Schluß ganz klar schreibt, was er für sich aus diesen sehr unterschiedlichen Sterbebegleitungen als Konsequenz folgert.

Ich dank euch allen von Herzen - ich denke, ich fühle mich etwas erleichtert, und zwar gerade weil es anscheinend keine Regel gibt, die ich hätte einhalten müssen.

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ich finde es nicht schlimm und hab auch keine depressionen bekommen,meine frau ist mit 59 an krebs verstorben ich war dabei und sie ist ganz friedlich eingeschlafen,muss aber sagen wir hatten die ganzen wochen zuvor alle zeit der welt um alles und das danach zu besprechen.sie wusste das sie gehen muss und hat den ganzen ablauf ihrer beerdigung bestimmt

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Kommentar von alessra
25.10.2012, 20:06

So etwas ist für mich unvorstellbat: Dass deine Frau noch ihre Beerdigung geplant hat. Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Danke, dass du mir und manch anderem das anvertraust.

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Ich habe diese Erfahrung vor fast genau 2 jahren gemacht. ich bin 16, mein Vater ist vor 2 jahren an Krebs gestorben, ich habe die letzten Tage nur noch mit ihm und meiner Familie verbracht, wir haben noch viel gelacht, aber der Gedanke dass er gehn würde tat verdammt weh. Seine Hand zu halten während er langsam und friedlich in eine andere Welt abtauchte war für mich einerseits ein sehr schönes Gefühl ihm somit zeigen zu können, wie wichtig er mir war. Andererseits war es auch verdammt schwer,....aber ich kann dir sagen, dass ich ihn zwar mehr vermisse als jeden anderen Menschen den ich verloren habe, doch Depressionen habe ich nicht, ich denke es wäre schlimmer für mich, nicht dabei gewesen zu sein.

Ich hoffe ich konnte helfen :)

lg doro

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Kommentar von alessra
28.10.2012, 15:12

Ich danke dir für diese Antwort. Und ich kann sie nachvollziehen: Auch ich habe es als unglaublich wohltuend empfunden, das mein Großvater nach einer Hand suchte! Er, der sonst nie Umarmungen gabb. Dafür zeigte er seine Liebe aber anders.

Für mich ist es nochmal eine andere Geschichte, wenn ich Vater oder Muter verlieren würde. Ich kenne 2 junge Männer, die ihren Vater, ca. 1 1/2 Jahre nach der Diagnose aus vollster Gesundheit heraus, verloren haben. Und ich weiß nicht, wie ich damit fertig werden könnte. Ich kann es mir gar nicht vorstellen!

Ist es nicht das Schlimmste, wenn man selbst jung an Jahren ein Elternteil verliert? Ich wünsche dir weiterhin soviel Kraft, wie ich meine, dass du sie besitzt.

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Mein erstes - und bis jetzt einziges Erlebnis des Sterbens hatte ich mit 8 Jahren mit meiner Großtante Guste. Sie war 94 Jahre alt und eines Morgens nicht im Garten erschienen wo sie ihr ganzes Leben bei Wind und Wetter verbracht hatte (wenn sie nicht gerade vor ihrem Radio am Ofen saß und Milchkaffee trank oder mit mir Schule spielte - sie war immer die Schülerin ;D). Ich habe diese Tante sehr geliebt !

Weil es noch nie passiert war, wie mein Opa sagte, dass sie freiwillig einen Tag in ihrem langen Leben nicht aufgestanden war, versammelte sich die ganze Familie besorgt um ihr Bett, ich stand neben ihr und habe ihre Hand gehalten.

Sie blickte einmal in die Runde, lächelte, entzog mir ihre Hand und sagte: *jetzt lasst mich mal alle gehen.*** ** Dann schloß sie die Augen und ihr Gesicht sank, immer noch lächelnd zur Seite. Ich wußte sofort, dass sie tot war, auch ohne die betretenen Gesichter der anderen zu sehen, die ich zunächst nicht begreifen konnte weil es unserer Tante Guste doch ganz offensichtlich auf wundersame Art äußerst gut ging - ich hatte das Gefühl, dass sie eine weite Reise antritt, aber trotzdem noch bei uns ist.

Die ganze Atmospäre war so besonders, so friedvoll und normal, dass ich zwar tief beeindruckt, aber weder geschockt noch verängstigt noch traurig war - die Trauer kam erst in den Wochen und Monaten danach als ich begriff wie sehr sie mir fehlte.

Bei allen anderen Menschen, die mir wichtig waren, Großeltern, Eltern, Freunden, habe ich diesen Zeitpunkt verpasst, was mich jedes Mal sehr geschmerzt hat, auch wenn die Gründe unterschiedlich waren - mal passierte es zu plötzlich oder ich war kurz vorher noch da, konnte aber nicht bleiben oder war gerade im Ausland - schlimm war es immer und so manches Mal habe ich mir Vorwürfe gemacht, nicht dagewesen zu sein.

Von meinem schlechten Gewissen hat mich erst eine weise alte Frau befreit mit der ich darüber sprach und der ich auch das Erlebnis mit meiner Tante Guste erzählte. Diese alte Frau lächelte genau auf so eine wissende Weise wie Tante Guste in ihrem letzten Augenblick und sagte nur: du warst doch bei ihnen - in deinen Gedanken - und das wissen sie !

Seitdem ist mir klar, dass es eigentlich nicht so wichtig ist in dem Moment ob man räumlich und zeitlich anwesend ist - das Abschiednehmen bewegt sich in ganz anderen Dimensionen und es kommt eine ganz andere Nähe zum Tragen als nur die physische Anwesenheit.

Trotzdem würde ich mich niemals bewußt entfernen oder wegsehen wenn Jemand, Vertrauter oder Fremder, das Bedürfnis äußert, beim Sterben nicht alleine zu sein. Für mich hat der Tod nämlich, dank meines ersten Erlebnisses, jeden Schrecken verloren. Natürlich kommt es immer auf die Umstände an, aber du hast ja ausdrücklich über das Sterben von alten Menschen gesprochen, die ein erfülltes Leben hinter sich haben.

Sicher stirbt nicht Jeder so entspannt und glücklich wie meine Tante Guste - Viele haben auch schreckliche Angst vor dem was kommt - oder nicht mehr kommt, Einige haben vielleicht noch das Bedürfnis, letzte Unklarheiten zu beseitigen oder zumindest darüber zu reden, Manche klammern sich auch einfach ans Leben weil sie noch nicht genug davon hatten, zu vieles versäumt haben oder Dinge getan haben, die sich nun endgültig nicht mehr gut machen lassen, entsprechend schwer wird der Abschied und da ist wohl jeder Mensch unterschiedlich, je nach Biographie und Bewußtsein.

Selber möchte ich in dem Moment lieber alleine sein, möchte meine Abschiede und Angelegenheiten gerne vorher schon geklärt haben und dann reicht mir vollkommen die Gewißheit, in den Gedanken und Gefühlen meiner Lieben anwesend zu sein - danach können sie ruhig nochmal vorbeikommen wenn sie wollen, gerne auch meine Beerdigung alle gemeinsam feiern (mit Betonung auf feiern ;)! ), aber der Übergang fällt mir alleine leichter.

Andere haben aber nat. andere Bedürfnisse und so bin ich seit einiger Zeit in einer Hospizgruppe, fange auch gerade einen Lehrgang in Sterbebegleitung an weil mich das Thema sehr interessiert, schon weil es viele Menschen gibt, die nicht so liebevolle Angehörige haben wie die Fragestellerin, die sich darüber überhaupt Gedanken macht.

Denn vor allem für einsame Menschen muss Sterben grausam sein - mit Niemandem darüber und auch über das eigene Leben reden zu können ist das Schlimmste am Sterben, davon bin ich überzeugt. Und weil sich auch nicht alle gutwilligen und besorgten oder schon im Vorraus trauernden Verwandten zum Reden (- oder genauso wichtig: Schweigen!) eignen, können neutrale Personen manchmal ganz hilfreich sein.

In unserer Hospizgruppe, in der es uns natürlich auch um die Angehörigen geht, die oft viel mehr leiden weil sie sich so hilflos fühlen, hängt ein Spruch an der Wand:

** Leben lernen heißt loslassen lernen !**

Wer nicht einsam ist braucht keine Hand zum Festhalten sondern muss in Ruhe gehen dürfen, das habe ich von meiner Tante Guste gelernt.

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Kommentar von veritas55
27.10.2012, 23:18

Und ganz Viel habe ich aus diesem Buch gelernt:

Der Prophet von Khalil Gibran

Das Bild, mit allen Lieben alles Schöne, Wahre und Gute nochmal in Dankbarkeit aufleben zu lassen und dann ein Schiff zu besteigen um zu neuen Ufern aufzubrechen finde ich absolut tröstlich und zuversichtlich stimmend.

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Kommentar von koch234
28.10.2012, 02:50

eine Gänsehautantwort!

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Kommentar von alessra
28.10.2012, 11:37

Liebe verita, ich dank dir ganz herzlich für deine Geschichte, dass wir daran teilhaben dürfen.

Ich habe den Vorsterbetag mitbekommen. Mein Opi hat darum gebeten, mit schwacher Stimme, man möge doch seine Frau anrufen - es war 8 Uhr morgens.

Man hat erkannt, dass hier eine besondere Situation vorliegt. Meine Omi ist zu ihm gefahren und hat dann uns allen Bescheid gesagt. So saß ich den ganzen Tag an seinem Bett, und hielt seine Hand, denn er suchte immer nach einer Hand! Da wusste ich,dass etwas passieren würde,

denn in seinem ganzen Leben hat er mit niemandem von uns Händchen gehalten... Und später dachte ich an das Lied, dass ich in der Schule immer gerne gesungen habe "So nimm den meine Hände..." Ich habe dieses Lied zu meinem Lied für ihn gemacht.

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Wenn ich Deine Kommentare lese, dann sehe ich, dass Du die hilfreichsten Antworten Dir bereits selbst gegeben hast. Und auch viele andere der Antworten erfüllen mich mit Ehrfurcht vor den Menschen, die dies geschrieben haben.

Ich möchte aber doch noch Einiges hinzufügen was wichtig ist und was oft nicht ausgesprochen wird, weil dann gleich seelenlose Einmalgeborene einen niedermachen:

Wir sind mehr als nur Körper - zumindest ein großer Teil der Menschen - und beim Tod trennt sich die Seele vom Körper. Dies geschieht nur deshalb, weil der Körper zu wenig Lebensenergie hat. Babys haben z.B. einen Überschuss an Lebensenergie und nicht ohne Grund hat man früher kranken oder sterbenden alten Menschen ein Baby an die Seite gelegt, damit diese wieder mehr Lebensenergie bekommen.

So kann es passieren, dass Lebensenergie von einem Kranken - auch wenn er es nicht willentlich will - geraubt wird. Falls Du das Neue Testament kennst, ist Dir vielleicht die Stelle bekannt, wie eine Frau Jesus heimlich berührte um gesund zu werden und dieser dies gleich gespürt hat "weil eine Kraft von ihm gegangen ist".

Ich bin ein sensitiver Mensch, der gelegentlich auch Heilungen durchführt, obgleich ich dies nach Möglichkeit vermeide, weil ich versuche den Menschen dazu zu bringen seine eigenen Kräfte zu entdecken. Aber deshalb muss ich auch etwas aufpassen. Einstens besuchte ich eine Person, die ins Koma gefallen war. Ich war nicht darauf vorbereitet und so traf es mich wie ein elektrischer Schlag, als ich den Raum betrat und die Energie gewaltsam aus mir herausgerissen wurde. Ich musste sofort den Raum verlassen und brauchte einige Tage um wieder zu Kräften zu kommen. Der Patient erwachte aus dem Koma und wurde wenige Tage später entlassen.

Begleiten, ja, berühren sollte überlegt sein. Leider ist unser Wissen darüber sehr unausgereift. Wenn Du die Antworten liest, so wirst Du feststellen, dass die positiven Erfahrungen den Sterbenden begleiteten, aber beim letzten Hinübergleiten nicht berührten. Anders war es in dem einen Fall, als die Partnerin an Krebs verstarb. Sie hatte den Körper schon Zug um Zug verlassen, so dass er sie beim letzten Schritt auch begleiten konnte und die Hand halten.

Wenn nun diese Frau sensitiv war, so kann es sein, dass aus ihr Lebensenergie gerissen wurde. Ebenfalls, dass sich der Verstorbene nun schwerer von der Erde lösen kann und weiter von ihrer Energie saugt.

Das muss man alles weiter erforschen und auf keinen Fall kann man das pauschalieren. Ich habe sie zwar nicht gelesen, aber die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross sollen da sehr hilfreich sein. Ich selbst habe meine Erfahrungen über den Übergang in einer Passage eines meiner Romane niedergeschrieben. Der Romanheld wandert mit einer mysteriösen Figur zu einer Frau, die sich zum Sterben zurückgezogen hat. Ich kopiere mal einen Teil daraus. Doch soll das Dich lediglich etwas inspirieren Deinen eigenen Weg zu finden. Ich glaube, dass Du dafür eine besondere Begabung hast und es ist schön, dass es Menschen wie Dich und einigen Anderen hier gibt. Und – ja, ich denke es hätte Deinem Opa gut getan und er hätte es gespürt:

Jerne zu mir? Wat wellste von ne alte Frouw?“

Du liebe Zeit. Was soll ich antworten? Ich kann doch nicht sagen, dass ich aus Neugierde mitgegangen bin. So antworte ich: „Als die Einladung des Devi Prya kam, habe ich dieser gerne Folge geleistet.

Urila kichert und wendet sich dem Devi Prya zu. „Guck die Aura. Wie er lücht. Traut er sich nech de Wahrheit zu snacken.“

Der Devi Prya schmunzelt nur, sagt aber nichts. Wie peinlich mir das alles ist. Sie kann also auch die Aura sehen. Was soll ich machen. Aber gelogen habe ich eigentlich nicht.

„Uriala, ich habe nicht gelogen, aber die eigentliche Wahrheit ist, dass ich sehr interessiert war einen sterbenden Menschen in dieser Welt kennen zu lernen, weil ich dachte, der Tod wäre hier besiegt.“

„Bäsiecht? Ja kämpft ihr denn mit de Tod?“ Urila blickt mich an. Ihr Blick wird jetzt klarer.

Ich denke nach. „Ja, ich denke schon. Bei uns geht das Sterben meist langsam und schrecklich und die Ärzte tun viel um das Leben zu verlängern. Warum tun Sie das nicht Urila? Warum lassen Sie sich nicht von den Ärzten helfen?“

„Wat menste mit hälfe? Ham se doch jeholfe. Aber meenste ick will ne neue Läber oder ne neuet Härz. Nei, nei, datt bin dann nich mer icke. Nei, nei. Bin ick nich so jung jebliebe, wie die anderen. Macht nüscht. Freu ick mir uff ä neuet Leiwen. Hätte noch nicht sterbe müssen. Wollt ick aber. Freu ick mir, wieder Kind zu sein. Freu ick mir vorher noch zu schwebe. Alle zu besuche.

Hoka-teh is ä juter Mann. War bei mir, will mich führen. Gevatter Bär war auch schon da. Wartet aber noch. - Hei, wat machste?“

Der Devi Prya hat sie von seiner Brust genommen und wieder vorsichtig auf den Stein gebettet. „Broochste wat?“ fragt er freundlich.

„Ja, dat de mir wieda nimmst an deine Brust. War so scheene.“

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Kommentar von Enki40
26.10.2012, 12:53

Fortsetzung Er geht nicht darauf ein sondern greift in eine seiner Taschen und zieht einen Beutel hervor.

„Guck, wat ick für dir how?“ sagt er stattdessen. Er legt ihr den Beutel auf die Brust.

„Wat is det?“ fragt sie. Sie ist zu schwach den Beutel aufzumachen.

Der Devi Prya öffnet den Beutel. Er enthält ein braunes Pulver. Er nimmt ein wenig davon und streut es auf ihre Brust. „Es it Heimaterde.“ Flüstert er leise.

Da fängt Urila an zu schluchzen. Es ist ein trockenes Schluchzen. Wahrscheinlich hat sie keine Tränen mehr. Sie versucht nach den Händen des Devi Prya zu fassen, doch dieser entzieht sie ihr.

„Wat machste?“ fragt sie schwach. „Hälste mich nich? Willste nich, dat ick dir berühre? Wat haste jejen mich?“

„Urila.“ Antwortet er sanft. „Willste jehn. Da steht schon Hoka-teh und wartet. Kannste nech sterben, wenn ick dir halte. Hab ick zu ville Leiwensenergie.“

„Halt mir, bitte halt mir!“ Urilas Stimme klingt flehentlich. „Jo, Jo, hilf mir!“ Sie blickt zu mir, scheint Hilfe zu wollen. Ich kann nicht anders. Ich nehme sie in den Arm, wie es vorher der Devi Prya getan hat. Sie blickt zur Sonne. Und plötzlich ist mir, als könne ich ein starkes helles Licht um den Devi Prya wahrnehmen, dass aber wie abgeschirmt gegenüber der Urila strahlt. Und ich sehe etwas wie Nebel aus dem Mund der Urila kommen. Und ich sehe einen Mann vor der untergehenden Sonne. Obwohl ihn die Sonne von hinten anstrahlt, liegt er nicht im Schatten, sondern ich kann ihn genau sehen. Es ist ein Indianer mit drei Adlerfedern im Haarschopf. Ich sehe neben ihm noch andere Personen. Er ist eine eindrucksvolle Persönlichkeit.

Etwas zieht an mir. Plötzlich kann ich auch um mich etwas leuchten sehen, aber der Nebel, der aus Urila trat zieht von meinem Leuchten Energie. Der Indianer streckt eine Hand in unsere Richtung und der Nebel zieht zu ihm, verdichtet sich, wird zu Urila, aber sie ist nicht mehr ganz so vertrocknet. Sie blickt schüchtern zu ihm hin und wendet sich dann uns zu. Sie hebt die Hand wie zum Abschiedsgruß. Auch der Indianer hebt seine Hand. Auch ich hebe meine Hand zum Gruß, aber mir fällt das unendlich schwer. Dann wenden sich die Erscheinungen um und verschwinden in einem unglaublich hellen Licht.

Ich bin erschöpft. Urila liegt noch in meinem Arm. Aber sie kommt mir so schwer vor. Ich blicke zum Devi Prya. Das Licht um ihn ist nicht mehr zu sehen. Er nickt mir kurz zu und beugt sich dann vor und streicht über Urilas Augen.

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Oft ist es besser wenn man wegsieht, vorallem wenn man sehr emotional ist, aber im Anschluss denkt man sich dass man dann zu wenig getan hat. Mein Opa ist 85 und wenn meine Oma stirbt wird es ihn warscheinlich auch nicht mehr lange geben, wenn man ein Leben lang gebunden ist, ist das schmerzhaft.

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Kommentar von veritas55
27.10.2012, 21:14

Oft ist es besser wenn man wegsieht, vorallem wenn man sehr emotional ist, aber im Anschluss denkt man sich dass man dann zu wenig getan hat.

Ich glaube, es ist nie besser wenn man wegsieht, vor allem dann nicht wenn man sehr emotional ist und anschließende Schuldgefühle suggerieren, etwas versäumt zu haben. Das kann auch zu schweren Depressionen führen.

Es ist schwer zu sagen, was besser ist - vielleicht ist am besten, sich zu Lebzeiten noch so viel wie möglich um die Oma und den Opa zu kümmern und bei jedem Abschied zu sagen:* ich bin in Gedanken bei dir.*

Denn in dem Alter weiß man nie ob man sich noch mal wiedersieht.

Ich glaube, dass die meisten alten Menschen Verständnis dafür haben, dass nicht jeder Angehörige in der Lage ist, sich neben das Bett zu setzen um gemeinsam auf den Tod zu warten. Sie werden auch die Angst verstehen können - vor allem wenn sie selber Angst haben.

Dann kann es für beide Beteiligten besser sein, sich an eine Hospizgruppe zu wenden und um Besuche von einem/r freiwilligen Sterbebegleiter/in zu bitten. Wenn der Sterbende nicht alleine sein möchte kann eine neutrale Person hilfreicher sein als ein Angehöriger, der sich sichtbar, oder fühlbar quält.

Natürlich sollte man das nach Möglichkeit besprechen und sich frühzeitig um Beistand kümmern, damit der/die Begleiter/in sich rechtzeitig und in Ruhe mit dem Sterbenden vertraut machen kann. Früher haben die Pfarrer und Pastoren oder Gemeindehelfer diese Aufgabe übernommen, - für Menschen, die mit der Kirche nichts zu tun haben wollen sind erfahrene Hospizhelfer da.

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Vor zwei Jahren wurden bei einem Bekanntem nach einem Unfall die lebenserhaltenen Maschinen abgestellt. Mir hat es gut getan, ihn in den Tagen davor zu besuchen und ihm auch an dem Tag zur Seite zu stehen und dabei zu sein, an dem die Maschinen abgestellt wurden. Sicher ist es nicht leicht , jemandem beim Sterben "zuzusehen" - aber wie schön, jemanden nicht alleine diesen letzten Weg gehen zu lassen, ihn spüren zu lassen: du bist mir wichtig, ich lasse dich auch in dieser Situation nicht allein. Mir hat es gut getan, so Abschied nehmen zu dürfen und die Hand zu halten bis es vorbei war.

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Kommentar von chapati
25.10.2012, 20:57

Endlich jemand der an den Menschen denkt der gehen muss und nicht nur an sich selbst wie er in dieser Situation leidet. D.H.

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das ist eine sache die wirklich jeder für sich individuell entscheiden muss. du kennst dich selber am besten und kannst dementsprechend einschätzen wie sensiebel du bist. ich kann dir mal meine erfahrungen schildern. ich war bei meiner mutter bis zum letzten atemzug dabei. sie ist vor ca 3 jahren mit 54 jahren an krebs verstorben. ich habe die letzten 2 wochen ihres lebens täglich an ihrem bett gesessen. wir haben viel geredet und sogar über ihre beerdigung gesprochen. das war eine harte zeit, aber ich habe mich stark gefühlt. dementsprechend beschloss ich auch, dass ich sie bis zur letzen minute begleiten werde. meine mutter wollte das nicht. sie wusste das ich damit nicht klar kommen würde. ich habs trotzdem getan. heute bereue ich es um ehrlich zu sein, denn der letze atemzug meiner mama hat mir einen richtigen schock versetzt. ich war völlig verstört und hatte wochenlang alpträume. sie war an maschienen angeschlossen und hat ihre letzten stunden selber nicht mehr bewusst mit bekommen. sie hatte eine regelmässige atmung. als dann aber plötzlich kein atemzug mehr kam, ist mir in diesem moment bewusst geworden, dass ich meine mutter nie mehr atmen hören werde. ich fand den moment grausam und habe gemerkt, dass ich wohl doch nihct ganz so stark bin wie ich dachte. diese bilder und momente werde ich nie mehr los.

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Kommentar von alessra
29.10.2012, 02:18

Aber Suchy, ist es für mich nicht ähnlich gewesen, als ich meinen Großvater, auch plötzlich, mit offenen Augen, die ins Leere starrten, seine Hände, die nach oben angewinkelt waren, als ich ihn genauso plötzlich tot sah, wie du deine Mutter tot gesehen hast?

Es bist schade, dass ich nicht 2 Sterne vergeben konnte. Hoffentlich bist du mir nicht böse. Deine Antwort hält mich irgendwie fest. Dankeschön dafür!

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Mein Beileid !

Vielleicht kennst du die Hintergrundgeschichte dieser Frau nicht. Vielleicht hat sie ihren dementen Mann lange pflegen müssen und wurde aufgrund dessen depressiv (also womöglich war dann nicht das "Hand halten" der ausschlaggebende Punkt).

Ich arbeite im sozial-medizinischen Bereich und "kenne" viele Menschen, die an einem Punkt angelangt sind, wo sie nicht mehr "können" (sprich: wenn Partner seit Jahren (!) sehr pflegebedürftig ist). Glaub mir, das ist irgendwann ne harte Nuss, auch wenn man den Menschen über alles liebt

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Kommentar von alessra
28.10.2012, 15:04

Ich habe diese schweren Depressionen dieser Frau, die ich nicht kenne, auch mit Erlebnissen in Verbindung gebracht, von denen ich nichts weiß. Aber trotzdem gibt es verschiedene Meinungen zu diesem Thema, und da ich, meiner Meinung nach noch nicht weit genug bin mit der Trauer um dem Tod meines Opis habe ich diese Frage für das gestellt, das ich mir vorwerfe nicht miterlebt zu haben.

Und ich bin froh, so unterschiedliche Antworten zu erhalten. Wer im sozial-medizinischen Bereich arbeitet, dem gilt meine ganze Anerkennung. Ich habe mitgekriegt, wie die Pfleger und Pflegerinnen versucht haben, dem Patienten Zuwendung zu geben und auch noch den Aufgaben, die täglich erfüllt werden müssen, gerecht zu werden. Vielen Dank!

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Das hängt ja von der jeweils mit der Situation konfrontierten Person ab. Selbst im Anschluß bei freiwilliger Anwesenheit in diesem Zeitraum depressiv zu werden, ist nicht der Regelfall. Natürlich ist das ein Moment, bei der man die eigene unmittelbare und spätere) Reaktion im Vorhinein nicht vollends ermessen kann.

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Schlimm ist das überhaupt nicht. Aber verschont uns endlich mit diesem, sehr oft von Moslem gebrauchten Adjektiv ( Eigenschaftswort ).

Im Gegenteil. Es ist sehr anerkennswert und sehr mitfühlend. Aber todkranke Menschen wollen, dass weiß ich aus Erfahrung mit meiner Mutter, 89 Jahre, seltsamerweise immer alleine sterben, vor allem wenn sie im Krankenhaus liegen. Es gibt darüber auch eine Statistik.

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Kommentar von alessra
27.10.2012, 01:33

Sorry, ich komme mit "diesem Adjektiv" ins Schleudern: welches benutzen die Moslems genau? Ich weiß davon nichts.

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ich danke dir sehr für dein liebes kompliment und freue mich darüber das ich dir damit helfen konnte. auch ich wünsche dir von ganzem herzen alles gute :-)

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ich finde es grauenhaft....mir steht das auch bald bevor bei meiner Oma und mir kommen die Tränen wenn ich nur daran denken muss.....ich glaube aber ich würde es machen, wenn ich es zeitlich hinkriege - also noch rechtzeitig da bin (wohne im Ausland)

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Kommentar von alessra
25.10.2012, 20:15

Wenn du irgendwo bei dir diesen Willen verspürst, solltest du sie diesen Weg vlt gemeinsam mit ihr gehen, bis sie endgültig von euch geht.

Ich selber denke wieder und wieder, dass ich hätte bei ihm bleiben sollen. Das werfe ich mir vor. Entlaste mich aber auch, weil es das 1. Mal war, dass wir jemandem alllgemein und im Altersheim sterben lassen haben,ohne dass jemand dabei war, weil wir keine Ahnung hatten, dass es erlaubt war, dass man dortgeblieben wäre.

Dankeschön. Ich wünsch dir alles gute. Und deiner Oma ganz besonders. Und wenn sie geht, dass es ein leichter Weg für sie wird. Ich glaube, das würdest du ihr auch wünschen...

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