Einem Klassenkameraden helfen!

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4 Antworten

Es wäre ja wichtig zu wissen, ob du mit "starke Form des Autismus" das Kanner-Syndrom, oder aber eine stark ausgeprägte/erkennbare Form des Asperger-Syndroms (welches allgemeinhin als "milde Form des Autismus" gilt) meinst. Und vorallem: Wie äußert sich dieser "starke Autismus"? Um einem Autisten zu helfen, ist es wichtig, sich über seinen individuellen Autismus Gedanken zu machen.

Die Frage der Ärzte nach Selbstmordabsichten finde ich vollkommen normal und berechtigt. Wahrscheinlich wird es für dich besonders außergewöhnlich klingen aber viele Autisten denken an Selbstmord. Weil sie nicht klarkommen, nicht akzeptiert werden und selbst nicht akzeptieren können, weil sie ausgelacht und gedemütigt werden und/oder den Anforderungen (den eigenen oder den von anderen) einfach nicht genügen können. Ich zum Beispiel habe in der Grundschule, etwa in der 4. Klasse, zum ersten Mal über meinen eigenen Tod nachgedacht. Ich denke, dass die Ärzte einfach oft mit derartigen Fällen zu tun haben und daher sofort gefragt haben. Auch die "lockere" oder "gleichgültige" Ausdrucksweise, die wahrscheinlich das ist, was du hier bemängelst, kann von den Ärzten absichtlich gewählt worden sein, um eine vertrautere Atmosphäre herbeizuführen. Es ist wichtig, von Selbstmordabsichten früh zu erfahren, und diese "normale" Ausdrucksart erleichtert es einem, darüber zu sprechen.

Ich finde es wirklich gut von dir, dass du helfen willst, dennoch rate ich dir eher davon ab, dich dort zu sehr einzumischen. Wenn du dich schon über Autismus informiert hast, weißt du ja, dass Autisten meist sehr in sich gekehrt sind, was auch heißt, dass die meisten von ihnen nicht gerne freiwillig Hilfe annehmen. Das tun ja schon die meisten "normalen" Menschen nicht gerne. Dein Klassenkamerad scheint gerade ein ziemliches Tief zu haben, und auch ich als Autist kann dir nichts richtiges darüber sagen, wie es sich auf ihn auswirkt und wie du am besten helfen könntest. Ich kann dir nur sagen, dass einiges, was "normalen" Menschen als hilfreich erscheint, für Autisten sehr stressig sein kann (z.B. sehr oft danach gefragt zu werden, wie es einem geht). Am Ende kommt es auf die Sicht deines Klassenkameraden an, ob du ihm helfen kannst oder nicht.

Das kann ganz schnell zu gut gemeinter, aber schlecht gemachter Hilfe werden, die dann mehr schadet als nützt.
Du kannst den Jungen fragen, ob er Hilfe von dir haben möchte und wenn ja, welche.

Ich kenne das halt von mir, ich vertrage es in sehr vielen Fällen gar nicht, wenn mir jemand ungefragt Hilfe angedeihen lassen möchte, noch dazu in den meisten Fällen dann Hilfe, die mir überhaupt nicht hilft, weil derjenige mich nicht wirklich versteht.
Ich bin Asperger-Autist.

Wegen was für Auffälligkeiten ist er denn im Krankenhaus? Autismus hat ja sehr viele mögliche Symptome.

Um ihm zu helfen, solltest du zuerst mit ihm direkt reden. Frag ihn selber, was sein größtes Problem ist und wie du helfen könntest. Falls du seine Mail-Adresse hast, geht es am einfachsten schriftlich.

Wenn die Ärzte wirklich metaphorisch mit ihm reden, dann sprich mit dem Jungen ab, ob du oder ihr beide zusammen mit seiner Mutter reden könnt. Vielleicht weiß sie noch gar nichts davon. Kläre sie auf, dass solche Sätze gefallen sind und dass diese Ärzte offenbar keine Ahnung von Autismus haben. Fachfremde Ärzte können ihm mehr schaden als helfen.

Falls er seine Probleme nicht artikulieren kann, ist es zumindest möglich, Mobber abzuwehren. Wenn jemand in der Schule ihn provozieren will, sei demonstrativ auf seiner Seite.

Das ist ja das Blöde. Er wird kein Stück gemobbt oder geärgert. Er sagt NIEMANDEM was mehr, aber ich kenne ihn schon lange, deswegen wollte ich ggf. helfen.

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@AllyMally

Wenn er mit dir weder redet noch schreibt, dann kannst du ihm auch nicht helfen. :(

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Seine Mutter weiß außerdem Bescheid. Sie brachte ihn zum Arzt.

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Die Frage ist metaphorisch? Was bedeutet sie, wenn nicht genau das, was gefragt wurde?

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@Rechercheur

Die Frage „Sag' mal, willst du die eigentlich umbringen?!“ ist fast immer metaphorisch.

Sie bedeutet auf Deutsch so viel wie "Lass das, du gefährdest sie damit!"
Wenn sie mit Nachdruck als Frage betont ist, dann heißt sie in etwa "Du hast jemanden gefährdet. Sag sofort, warum du das machst, und tu es von jetzt an nie wieder!"

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@halbsowichtig

Ich hatte das für einen Tippfehler gehalten.

Die Ärzte fragten tatsächlich: „Sag' mal, willst du die eigentlich umbringen?!“ Hallo?! So kann man auf keinen Fall mit Autismus-Patienten reden! Es kommt so rüber, als wenn man denkt, er habe Selbstmordgedanken!

Da da was von Selbstmordgedanken im Folgenden steht, dachte ich, da müsse statt "die" wohl "dich" stehen.
Und das ist doch eben einfach nur eine direkte Frage.

Im Kommentar steht es ja auch anders:

Von Ärzten und schon früher. Das blöde ist ja, dass die psychologischen Ärzte mit diesem „Willst du dich umbringen, oder was?“ ankamen!

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nein, solltest du nicht. du wuerdest ihn ja auch nicht am blinddarm operieren, oder?

wenn er psychische probleme hat, sollte er sich an einen psychiater wenden (oder seine eltern). wenn er autist ist, sollte ein spezialist zu rate gezogen werden und kein 15jaehriges schulmaedchen.

ist denn autismus ueberhaupt diagnostiziert worden und wenn ja, von wem?

Von Ärzten und schon früher. Das blöde ist ja, dass die psychologischen Ärzte mit diesem „Willst du dich umbringen, oder was?“ ankamen!

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@Rechercheur

Du frägst: "Was genau ist an der Frage falsch aus deiner Sicht?"

Meine Antwort:

Dass Autisten solche Aussagen durchaus wörtlich auffassen, auch wenn sie vielleicht nicht so gemeint waren.

Also gebe ich AllyMally recht, dass solche Formulierungen gar nicht autismustauglich sind!

Da ich selbst Autist bin, weiß ich um die Besonderheit von Autisten und auch, wie oft selbst von sogenannten Fachleuten schwerwiegende Fehler gemacht werden!

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@WPOAS

Ja, ich nahm die Frage genauso wie sie da steht, was sonst soll sie bedeuten?
Und so, wörtlich verstanden, ist es einfach eine konkrete Frage, an der ich kein wirkliches Problem sehe. Sie ist halt sehr direkt.

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@WPOAS

Ich komme auch gerade nicht dahinter, warum du mir das Wörtlichverstehen bei Autisten erklärst. Du weißt doch, dass ich selbst einer bin.
Und ich komm gerade einfach nicht dahinter, was die Frage sonst bedeuten soll als eine direkte und unverblümte Frage nach Selbstmordabsichten.

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