Eine gute Handlung ist nur dann gut, wenn sie möglichst viele Menschen glücklich macht?

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2 Antworten

Ich habe Zweifel, ob ein sehr berühmter Philosoph dies wörtlich genau so gesagt hat.

Eine Auffassung, eine Handllung sei als gut zu beurteilen, wenn sie das größte Glück der größten Zahl/Anzahl (an Menschen bzw. betroffenen Lebewesen) zur Folge hat, haben viele Philosophen vertreten. Zu denen, die das größte Glück der größten Zahl/Anzahl als Maßstab des Guten vertreten haben, gehören beispielsweise Richard Cumberland (1631- 1718), Francis Hutcheson (1694 - 1746) Claude-Adrien Helvétius (1715 - 1771), Joseph Priestley (1738 - 1804) und Cesare Beccaria (1738 - 1794).

Inhaltlich ist dieser ethische Standpunkt vor allem beim klassischen Utilitarismus zu finden. Jeremy Bentham (1748 – 1832) und John Stuart Mill (1806 – 1873) sind wichtige Philosophen dieser Richtung.

Ein Prinzip der Nützlichkeit wird vertreten. Glück ist ein Ziel. In einem Universalismus (ein Prinzip der Allgemeinheit, das sich auf alle ausrichtet) ist bei einer Handlung nicht nur das Glück des Handelnden selbst zu berücksichtigen, sondern das Glück aller von der Handlung Betroffenen.

Jeremy Bentham, A Fragment on Government (1776). Preface.  

„with so little method and precision have the consequences of this fundamental axiom, it is the greatest happiness of the greatest number that is the measure of right and wrong, been as yet developped.“

„bei so geringer Methode und Genauigkeit müssen die Folgen dieses grundlegenden Axioms, es ist das größte Glück der größten Zahl, das Maßstab von richtig und falsch ist, noch entwickelt werden.“

Jeremy Bentham, An introduction to the principles of morals and Llegislation (1789; Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung).Chapter I: Of the principle of utility. II.

„II. The principle of utility is the foundation of the present work: it will be proper therefore at the outset to give an explicit and determinate account of what is meant by it. By the principle of utility is meant that principle which approves or disapproves of every action whatsoever. according to the tendency it appears to have to augment or diminish the happiness of the party whose interest is in question: or, what is the same thing in other words to promote or to oppose that happiness. I say of every action whatsoever, and therefore not only of every action of a private individual, but of every measure of government.

III. By utility is meant that property in any object, whereby it tends to produce benefit, advantage, pleasure, good, or happiness, (all this in the present case comes to the same thing) or (what comes again to the same thing) to prevent the happening of mischief, pain, evil, or unhappiness to the party whose interest is considered: if that party be the community in general, then the happiness of the community: if a particular individual, then the happiness of that individual. VI. An action then may be said to be conformable to then principle of utility, or, for shortness sake, to utility, (meaning with respect to the community at large) when the tendency it has to augment the happiness of the community is greater than any it has to diminish it.“

Otfried Höffe (Hrsg.), Einführung in die utilitaristische Ethik : klassische und zeitgenössische Texte. 5., überarbeitete und erweiterte Auflage. Tübingen ; Basel : Francke, 2013 (UTB ; 1683), S. 56:  

„2. Das Prinzip der Nützlichkeit ist die Grundlage des gegenwärtigen Werkes; es wird daher zweckmäßig sein, mit einer ausdrücklichen und bestimmten Erklärung dessen zu beginnen, was gemeint ist. Unter dem Prinzip der Nützlichkeit ist jenes Prinzip zu verstehen, das schlechthin jede Handlung in dem Maß billigt oder mißbilligt, wie ihr die Tendenz innezuwohnen scheint, das Glück der Gruppe, deren Interesse in Frage steht, zu vermehren oder zu vermindern, oder - das Gleiche mit anderen Worten gesagt - dieses Glück zu befördern oder zu verhindern. Ich sage schlechthin jede Handlung, also nicht nur die Handlung einer Privatperson, sondern auch jede Maßnahme der Regierung.

3. Unter Nützlichkeit ist jene Eigenschaft an einem Objekt zu verstehen, durch die es dazu neigt, Gewinn, Vorteil, Freude, Gutes oder Glück hervorzubringen (dies alles läuft im vorliegenden Fall auf das gleiche hinaus) oder (was ebenfalls auf das gleiche hinausläuft) die Gruppe, deren Interesse erwogen wird, von Unheil, Leid, Bösem oder Unglück zu bewahren; sofern es ich um ein bestimmtes Individuum handelt, geht es um das Glück dieses Individuums.“

S. 57: „6. Man kann also von einer Handlung sagen, sie entspreche dem Prinzip der Nützlichkeit oder – der Kürze halber – der Nützlichkeit (das heißt in Bezug auf die Gemeinschaft insgesamt), wenn die ihr innewohnende Tendenz, das Glück der Gemeinschaft zu vermehren, größer ist als irgendeine andere ihr innewohnende Tendenz, es zu vermindern.“

John Stuart Mill, Utilitarianism (1861). Chapter 2: What Utilitarianism Is.

„The creed which accepts as the foundation of morals, Utility, or the Greatest Happiness Principle, holds that actions are right in proportion as they tend to promote happiness, wrong as they tend to produce the reverse of happiness. By happiness is intended pleasure, and the absence of pain; by unhappiness, pain, and the privation of pleasure.”

„According to the Greatest Happiness Principle, as above explained, the ultimate end, with reference to and for the sake of which all other things are desirable (whether we are considering our own good or that of other people), is an existence exempt as far as possible from pain, and as rich as possible in enjoyments, both in point of quantity and quality; the test of quality, and the rule for measuring it against quantity, being the preference felt by those who in their opportunities of experience, to which must be added their habits of self-consciousness and self-observation, are best furnished with the means of comparison. This, being, according to the utilitarian opinion, the end of human action, is necessarily also the standard of morality; which may accordingly be defined, the rules and precepts for human conduct, by the observance of which an existence such as has been described might be, to the greatest extent possible, secured to all mankind; and not to them only, but, so far as the nature of things admits, to the whole sentient creation.“

John Stuart Mill, Der Utilitarismus. Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Dieter Birnbacher. Durchgesehene Ausgabe. Stuttgart : Reclam, 1985 (Universal-Bibliothek ; Nr. 9821), S. 13:  

„Die Auffassung, für die Nützlichkeit oder das Prinzip des größten Glucks die Grundlage der Moral ist, besagt, daß Handlungen insoweit und in dem Maß moralisch richtig sind, als sie die Tendenz haben, Glück zu befördern, und insoweit moralisch falsch, als sie die Tendenz haben, das Gegenteil von Glück zu bewirken. Unter ›Glück‹ [happiness] ist dabei Lust [pleasure] und das Freisein von Unlust [pain], unter ›Unglück‹ [unhappiness] Unlust und das Fehlen von Lust verstanden.“  

S. 21: „Nach dem Prinzip des größten Glücks ist, wie oben erklärt, der letzte Zweck, bezüglich dessen und um dessentwillen alles andere wünschenswert ist (sei dies unser eigenes Wohl oder das Wohl anderer), ein Leben, das so weit wie möglich frei von Unlust und in quantitativer Hinsicht so reich wie möglich an Lust ist; wobei der Maßstab, an dem Qualität gemessen und mit der Quantität verglichen wird, die Bevorzugung derer ist, die ihrem Erfahrungshorizont nach - einschließlich Selbsterfahrung und Selbstbeobachtung - die besten Vergleichsmöglichkeiten besitzen. Indem dies nach utilitaristischer Auffassung der Endzweck des menschlichen Handelns ist, ist es notwendigerweise auch die Norm der Moral. Diese kann also definiert werden als die Gesamtheit der Handlungsregeln und Handlungsvorschriften, durch deren Befolgung ein Leben der angegebenen Art für die gesamte Menschheit in größtmöglichem Ausmaß erreichbar ist; und nicht nur für sie, sondern, soweit die Umstände es zulassen, auch für die gesamte fühlende Natur.“

Zumindest kein guter

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