Eine ernste Frage: wie leicht sind Menschen heutzutage überfordert?

Support

Liebe/r frami,

eine wahrlich interessante Frage, die sich so mancher in unserer Gesellschaft gerne ebenso stellen sollte! :-)

Auf gutefrage.net ist sie allerdings ein wenig unpassend, denn bei uns geht nunmal um persönlichen Rat; der wird hier leider nicht gesucht. Ich habe die Frage daher nunmehr geschlossen. Meinungen und Diskussionen dazu kannst Du aber sehr gerne in unserem Forum unter www.gutefrage.net/forum posten oder posten lassen.

Herzliche Grüße

Felix vom gutefrage.net-Support

Das Ergebnis basiert auf 11 Abstimmungen

Politik 36%
Bildungsferne Eltern 27%
möchte meine Story dazu erzählen 18%
weiss nicht 18%
Alkohol 0%
Gewalt 0%

14 Antworten

Hallo, also, ich bin 52. In meiner Jugend war es in Ö kein Problem einen Job zu bekommen, man musste dazu auch nicht studiert haben. Les dir mal heute Stellenanzeigen durch, da versteht man ja nicht mal um welchen Job es überhaupt geht. Jede Putzfrau braucht eine Bewerbungsmappe usw. Junge Leute die über mittelmäßige Bildung verfügen fühlen sich da mal schon überfordert. Das kann ich sehr gut verstehen. Hinzu kommt auch der Punkt, dass die Wirtschaft seit dem Krieg bis vor ein paar Jahren immer aufstrebend war. Das bedeutete auch, dass man sich eher immer mehr leisten konnte. Jetzt ist das anders und das schürt Zukunftsängste. Der nächste Punkt ist, das Leben speziell in den großen Städten wird immer schneller. Alles muss rasch gehen, niemand hat Zeit für irgendwas. Nichtmal um in Ruhe zu kochen und zu essen, da kommt mal rasch eine Pizza in den Ofen und fertig. Ich selbst habe das Glück mich teilweise in mein (uraltes) sehr einfaches Haus am Land zurückziehen zu können und merke nach 3 Tagen wie ich mir für alles mehr Zeit nehmen kann (und muss, ohne Zentralheizung usw.) und das tut unheimlich gut. Es geht also nicht ob man viel Geld hat oder wenig. Jeder kann auch mit wenig auskommen, in der richtigen Umgebung....leider gehts Dienstags aber wieder in die stressige Stadt mit den vielen Anforderungen, hetzenden Menschen, Lärm usw. Körperlich Arbeiten tu ich hier mehr, trotzdem bin ich viel weniger gestresst.

Schöne Frage. Wenn ich betreffende Personen in meinem Umfeld anschaue, trifft dies meist Pubertierende, Midlife-Crisis-Leuten und - erstaunlicherweise - Rentner.

Auch ist mir aufgefallen, daß es eben nicht diejenigen sind, die es sehr schwer im Leben gehabt haben; im Gegenteil. Wer oft schwere Zeiten durchhalten mußte, den kann in der Regel nichts so leicht umhauen (Extrembeispiele mal ausgenommen).

Entsprechend würde ich nicht sagen, daß die Punkte Bildungsferne Eltern, Gewalt oder Alkoholismus da überragen. Vielmehr scheint es mir die zu treffen, die in den gutbürgerlichen Mittelschichtsfamilien aufwachsen. Kids, die materiell niemals sonderliche Probleme hatten, jedoch in diese typisch lieblosen und heuchlerischen Umgebung aufwuchsen und entsprechend ohne jede Orientierung und Erfahrung ins Leben starten und deren Kindheit vor allem aus erzwungener Strebsamkeit bestand.

Man sollte auch nicht vergessen, daß dies eben die Familienumfelder sind, aus der alle jugendlichen Amokläufer und die meisten Fälle von Suizid und Selbstverletzung entstehen.

Die andere Gruppe, die ich schon oft beobachten konnte, sind die der Menschen in der Midlife-Crisis. Hier ist es die alte Geschichte: Leben verpennt, immer Opportunist gewesen. Auf einmal wird man älter, merkt, daß man langsam dem Tode entgegen schreitet und stürzt sich vor lauter Panik und Sinnleere in die nächstbesten billigen Erfahrungen.

Beiden Gruppen gemein ist, daß sie dem Leben als solches nicht allzu viel abgewinnen können, vielleicht weil es eben immer nur sanft dahinplätscherte, ohne Aufregung, ohne wirkliche Probleme (und ohne richtig schöne Erlebnisse) - und dann kommt die erste Katastrophe, die Blase platzt und alles scheint für diese Menschen verloren.

Soweit zu dem, was ich so beobachten konnte; das ist natürlich nur ein Ausschnitt und es mag viele weitere Erklärungsansätze geben.

P.S.: den Aspekt der Bildungsferne muß man da aber natürlich herausnehmen. Das ist dann wieder vor allem Sache des Wohlstands und Bildungsniveaus der Eltern - woran wiederum die Ursachen in der Politik zu suchen sind (dies zu diskutieren würde hier aber wohl zu weit führen).

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weiss nicht

Hi, ich bin ähnliches BJ wie du, und auch ich hatte eine Zeitlang solche Vorurteile, da ich von Natur (und Erziehung) her auch eher so ein Kämpfertyp bin.

Inzwischen habe ich aber oft auch junge Menschen kennengelernt, die erstaunlich zäh sind und andersrum auch Menschen unseres Alters, die erstaunlich schnell aufgeben, bzw. überhaupt keine Ausdauer besitzen.

Ich denke, das ist einfach Charaktersache und auch Erziehungssache (Vorbilder). Und natürlich ist es auch ein Stück weit Mind-Set.

Mit einer bestimmten Alternsstufe würde ich das nicht in Verbindung bringen. Und den Begriff "bildungsfern" (den ich ohnehin furchtbar abfällig und verachtend finde) würde ich jetzt auch nicht direkt mit der Fähigkeit, sich durchzubeisen in Beziehung setzen.

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