eine definition für "verrückt, wahnsinn"; ab wann ist man "verrückt"?

8 Antworten

Wer verrückt ist, dessen Verhalten ist von einer Norm stark weg"gerückt". Und diese Norm setzt die Gesellschaft, in der er lebt.

Was in der einen Gesellschaft als liebenswerte Marotte gilt, bewertet die andere als unzumutbares Verhalten. Dabei ist die Toleranz um so geringer, je ländlicher das Umfeld ist. Worüber man im Dorf die Nase rümpft, ist in der Großstadt unter Umständen völlig O.K.

Auch stark religiös oder autoritär geprägte Gesellschaftsysteme ertragen "Abweichler" schwerer. Denn wer glaubt statt zu denken, ist nicht stärker, sondern schwächer und fühlt sich deshalb durch abweichendes Verhalten schneller verunsichert.

Insgesamt wird Fehlverhalten heute schneller als Krankheit bezeichnet als früher. Lies mal den Struwwelpeter, was dort ein "Zappelphilipp" war, ist heute ein ADHS-krankes Kind, wer dort als ein "Hans Guck-in-die-Luft" bezeichnet wurde, leidet heute unter einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom.

Unsere Gesellschaft ist gnadenlos gegen Menschen, die aufgrund ihres Andersseins ihre Wirtschaftseffizienz auch nur im geringsten bedrohen und außerdem gibt es heute zusätzlich auch noch eine einflussreiche Pharma-Lobby, die dankbar für jede Marotte ist, die sie zur behandlungsbedürftigen Krankheit erklären kann.

Wirklich krankhaft ist ein Fehlverhalten eines Menschen nur dann, wenn ein eigenes Wohlbefinden bzw. sein Leben oder das von Anderen ernsthaft bedroht.


Grüß Dich Loeffelqualle!

Verrückt heißt ja im eigentlichen Sinne, dass die Person, die das sein soll aus einer normalen seelischen Position herausgerückt ist, also "verrückt" ist. Im schwersten Falle würde man dies als geistige Unzurechnungsfähigkeit bezeichnen, die als absoluter Realitätsverlust erscheint. Hier ist hier auch die Berufsfähigkeit verloren gegangen.

Dann gibt es auch noch Verhaltens- und Erlebnisweisen, die zwar nicht der allgemeinen menschlichen Reaktion entsprechen, die auch Leiden erzeugen, aber keine Unzurechnungsfähigkeit bedeuten und nicht mit absolutem Realitätsverlust einhergehen. Die Berufsfähigkeit ist gar nicht oder zeitlich vorübergehend eingeschränkt. Dann ist das eine psychologische Störung, die behandlungsnotwendig ist. Es ist aber hier große Vorsicht angebracht. In einer Gesellschaft, in der pathologisches Verhalten eine Norm ist, gilt dann ein Gesunder als verrückt, obwohl er normal ist. Solche Menschen haben es sehr schwer, z.B. in Diktaturen oder in Staatsformen oder auch in Familien, in denen die Inhalte von dogmatischer Religion (gibt es auch hier im Lande) oder autoritärer politischer Ideologien zur Norm erhoben werden. 

In einer Gesellschaft, die unabhängig davon als aufgeklärt erscheint gibt es das aber auch. Wir wissen z.B. alle, dass wir Müll reduzieren müssen und doch nehmen wir regelmäßig beim Einkauf eine Plastiktüte mit, nur um sie hinterher zu Hause in den Müll zu werfen, nachdem wir etwas darin getragen haben. Dafür gäbe es auch Tragetaschen, die nicht aus Plastik sind. Vom psychologischen Standpunkt aus gesehen wäre das behandlungsbedürftig. Da gibt es viele ähnliche Beispiele, die man noch anführen könnte.

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Danke auch dir^^ aber wenn ich jetzt glaube dass alles um mich herum nicht die realität und fake ist, bin ich dann verrückt? ich fühle nicht so und außerdem gibt es ja da noch die wissenschaft. "realitätsverlust" nun, woher sollen wir wissen was denn real ist?

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@Loeffelqualle

Danke auch dir^^ aber wenn ich jetzt glaube dass alles um mich herum nicht die realität und fake ist, bin ich dann verrückt?

Das persönliche Verhalten und Erleben muss mit der Wirklichkeit in Deckung sein und so auch erlebt werden. Ansonsten ist man "verrückt".

Beispielweise, wenn sich jemand leicht gestoßen hat und der Patient darüber sehr weinen muss und sich nicht bzw. kaum beruhigen kann, ist das nicht adäquat. Selbst wenn er sich selbst nur wenig stößt. Pathologische Erlebnisreaktion nennt man das.

Es ist sehr schwierig. Manchmal ist es nötig so einen Menschen zwangsweise in die Psychiatrie zu bringen, weil er glaubt, dass er die Realität richtig erlebt. Das können nur andere im Vergleich.  Es ist auch manchmal sehr schwierig, dem Patienten zu erklären, das er hilfebedürftig ist. Das ist die Krankheit, dass er das selbst nicht richtig wahrnimmt und auch nicht wahrhaben will. Er erlebt nur, das er nicht mit der Realität klarkommt und dies an den Reaktionen anderer. Aber er kann es nicht vernunftgemäß verifizieren. Manchmal kann es auch deswegen zu heftigen gewaltbereiten Reaktionen kommen.

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@vonGizycki

In Diktaturen ist das ein beliebtes Vorgehen, um andere zur Raison zu bringen. Das ist die reinste Tragik, weil man gegenüber der Macht wehrlos ist. Das ist Schicksal und sehr betrübenswert.

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ja ja der "Volksmund" verrückt ist der der ANDERS ist als die Anderen - aus der Sicht der Anderen.

zum Beispiel: ich bin auch verrückt sagen manche Leute weil ich mich um meine Patenkinder in Indien kümmere und mein ganzes Leben darauf eingerichtet habe.

Jesus war auch verrückt - Mutter Theresa war auch verrückt, also nicht der Norm entsprechend. Angela Merkel ist auch verrückt weil sie sooooovielen helfen will, in den Augen von Seehofer oder Pegieda...

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