Ein paar Fragen zum Ritzen (Ritz verhalten normal)?

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7 Antworten

Das mit dem "Ich seh' sie gerne, aber ich will nicht, dass andere sie sehen." ist mir sehr sehr bekannt... Für mich entstand das Ritzen daraus, dass ich mich innerlich so verletzt gefühlt habe, dass es mir völlig falsch vorkam, dass mein Körper so "heil" aussieht - und es tat mir "gut", ihn "anzugleichen".
Anfangs habe ich's versteckt - irgendwann nicht mehr und obwohl's unangenehm war, weil die Leute saudumme Sachen dazu sagen (und leider kann ich dir garantieren, dass sie das werden), hat's doch auf eine Art den Stress vermindert... Aber da's nur der Arm ist, ein Ratschlag am Rande: Wenn du nicht willst, dass es jemand sieht, nimm eine Sportbandage und erzähl allen, du hättest dir das Handgelenk/den Ellenbogen verstaucht - da hat man die größte Chance darauf, dass kaum einer nachfragt.

So, jetzt zum eigentlichen Problem - das mit deiner Psychologin tut mir wirklich sehr leid. :/ Aber hast du schon bei der Krankenkasse einen Antrag darauf gestellt, dass sie einen Teil der Kosten übernehmen? Mein Therapeut ist auch privat und kostet normalerweise 100 pro Sitzung - ich zahle allerdings weit weniger, weil die Kasse mir was drauflegt. Ich weiß leider nicht, ob sich das deutsche System dahingehend vom österreichischen unterscheidet - aber ich würde meinen, es wäre vernünftig, sich bei der KK erst einmal beraten zu lassen und zu schauen, ob es nicht Wege gibt, die Therapeutin zu behalten - schon nicht zuletzt, weil's sehr schwer ist, einen guten Therapeuten zu finden, der auch wirklich passt.
Sollte das aber gar nicht gehen, so wirst du wohl versuchen müssen, dich mit der/dem Neuen zu arrangieren - aber wenn's nicht passt, bleib' bitte nicht dort. Eine nicht hilfreiche Therapie ist noch sinnloser, als gar keine.

Was die Alternativen zum Ritzen angeht - es gibt schon einige Vorschläge seitens der Psychologie -> ein Wartenbergrad, Eiswürfel, roter Kugelschreiber (also, rote Linien ziehen - aber eben ohne Verletzungen), da würde ich einfach mal googlen.
Mir persönlich hat das leider alles nichts gebracht und ich endete damit ab, das Ritzen durch's Rauchen zu ersetzen. Das hat mir dabei geholfen, damit aufzuhören - ich will's dir jetzt aber wirklich nicht raten, denn in Wahrheit habe ich damit bloß eine Methode der SVV durch eine andere ersetzt.
Mache dir übrigens eines bewusst: Die Hormone, die man beim Ritzen ausstößt, wirken tatsächlich wie ein Suchtmittel - und genau deshalb bleibt der Drang bestehen, bis man einen Entzug durchlebt. -> Das wiederum bedeutet, dass manchmal die beste Taktik eine Hinauszögerungstaktik ist -> wenn du schneiden willst, versuche, es 15 Minuten hinauszuzögern. Dann nochmal 15. Dann nochmal - im besten Fall hast du jemanden, den du anrufen kannst, damit er/sie vorbeikommt - denn vor Menschen zu schneiden, ist üblicherweise weitaus schwieriger, als es allein zu tun.

Was die Frage danach angeht, ob "gefühlte 1000 Wunden normal" seien -> so ist's bei mir auch. Nicht besonders tief, aber über den ganzen linken Arm verteilt. Normal ist relativ - theoretisch haben wir die Zone der "Normalität" in dem Moment verlassen, in dem wir das Bedürfnis hatten, uns Schmerz und Wunden zuzufügen -> Fakt ist aber, bei Krankheiten sind nun einmal Symptome "normal" -> und Ritzen ist ein Symptom.


Ich weiß, das hier ist vermutlich nicht die hilfreichste aller Antworten, aber es gibt für diese Probleme leider auch keine Patentlösung. Es gibt nur vorläufige Wege, es leichter zu machen, bis man irgendwann davon loskommt - das wird nur gehen, wenn du die Basis deiner Trauer herausfindest und dahingehend etwas änderst.

Ich wünsche dir ganz ganz ganz viel Glück!! (Es gibt übrigens auch Foren für Ritzer - falls du mal eine vorurteilsfreiere Umgebung suchst, um über dein Problem zu sprechen.)

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Kommentar von Timoteus1234
28.11.2016, 12:43

Sehr sehr sehr vielen dank für deine tolle Antwort! Klar gibt es keine Patentlösung, doch wenigstens verstehst du mich und willst mir helfen. Eigentlich habe ich genau auf so eine Antwort gewartet, von einer Person die genau das gleich durchmacht/durchgemacht hat.

Ich habe vor 2 Wochen mit dem Rauchen angefangen und in der Zeit habe ich auch das Ritzen pausiert, doch vorgestern, als ich mich das letzte mal geritzt habe, hab ich direkt wieder mit dem Rauchen aufgehört, weil ich leider die Selbstverletzung besser finde als rauchen.. nun habe ich damit aufgehört und fange halt leider wieder mit dem Ritzen an... hmm ich werde es schon irgendwie mit meiner Psychologin hinbekommen. Hatten schon bei der KK angerufen und die meinten halt das sie Private nicht übernehmen bzw. was dazu zahlen. Meine Psychologin meinte aber, das sie es nochmal probieren wird und nicht loslassen wird. 

Nochmal danke für deine Antwort und ich werde dir auf jeden Fall die Hilfreichste Antwort geben! :)

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Um das R*tz*n zu vermeinden, müsstest du

1. die Auslöser der Depression in den Griff bekommen,

2. Skills erlernen, mit denen du den Drang zur S*lbstv*rl*tz*ng anders ableiten kannst.

Das ist Aufgabe des Psychotherapeuten, das mit dir zu erarbeiten. Vielleicht hilft es, wenn du dir als Sofortmaßnahme mit Edding oder so die Worte
NEIN! HEUTE NICHT!
auf die Arme schreibst.

Dass andere die N*rb*n sehen, ist natürlich ein großes Problem. Das heißt, nicht das "Sehen" an sich ist das Problem, sondern die Reaktionen von Leuten, die keinen Ahnung von der Problematik haben und dann blöde Bemerkungen machen oder einfach dämlich glotzen. Das erhöht den Stress und inneren Druck, den du ohnehin schon hast und kann zu einem Teufelskreis führen. Das Netz ist voll von Fragen, wie man N*rb*n im Sommer am besten verstecken kann. Ich rate dir zu einem offenen Umgang damit.

Versteck dich nicht. Lass die Leute glotzen. Das ist zwar unangenehm, aber eigentlich eine "normale" Reakton von Menschen, die keinen Einblick in die Problematik haben. Es wäre aber gut, wenn die Gesellschaft das akzeptieren lernt wie andere Symptome von Krankheiten auch.

Ich wünsche dir, dass du dazu das Standing hast!

Viel Erfolg bei der Therapeutensuche!

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Kommentar von Timoteus1234
28.11.2016, 11:42

Darüber habe ich auch schon nachgedacht, doch genau diese Reaktionen, werden bestimmt heftig sein und ich weiß (noch) nicht wie ich das dann verkraften werde. 

Naja im Sommer fahren wir nach Italien und spätestens dann muss ich sie zeigen, also ich denke ich werde es wie du es geschrieben hast machen. Denn früher oder später muss ich das sowieso. 

Du machst mir echt mut und da muss ich wohl durch.

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Hallo,

ich weiß selbst, wie es ist, sich zu ritzen, zB um sich zu "bestrafen", ich ritze mich seit ich 15 war (jetzt 29, w).

Auch wenn es traurig ist, dass du deine private Psychologin nicht mehr aufsuchen kannst, solltest du dir einen Ruck geben und nach Psychologen suchen, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden 

(normalerweise bezahlen die gesetzl. Krankenkassen je 5 Probesitzungen bei jedem neuen Psychologen, damit du jemanden findest, bei dem du dich auch verstanden und gut aufgehoben fühlst - das kann zwar einige Zeit dauern, aber einen anderen Weg gibt es wohl kaum.)

Meistens haben Kliniken für psychische Gesundheit (Z.B. Asklepios Klinik) Listen, auf denen Psychologen aufgeführt sind, bei denen du dich melden kannst. Informiere dich, manche Krankenkassen haben ebenfalls einen Haufen an Psychologen/ Listen von Psychologen, die man anrufen kann.

Als Alternative fürs Ritzen kann ich dir nicht viel helfen, leider. Ich habe eine Alternative gefunden, weiß aber nicht, ob das hier nicht falsch verstanden wird. (Peitsche durch meinen Freund, tut weh, gibt keine Narben)

Mir hat es allerdings auch geholfen, joggen zu gehen. So lange, bis die Lunge brennt und alles wehtut. Du könntest dir überlegen, mit Sport anzufangen und darin dein neues Ventil zu finden.

Ich wünsche dir viel Erfolg mit der Suche nach einem neuen Psychologen - warte nicht zu lang, setz dich so schnell wie möglich dran (die Wartezeiten sind lang genug) und alles Gute.

Gruß Kronz

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Kommentar von Timoteus1234
28.11.2016, 11:36

Danke für deine Antwort und ich weiß das die Wartezeiten lang sind, aber am Ende bekomme ich wieder so komische Typen die dann einfach nur die Stunde hinter sich bekommen wollen und das Geld von der Krankenkasse kassieren. Ich hasse es und meine Private Psychologin ist halt nicht so. 

Uff vielleicht habe ich auch zu viele Vorurteile, aber was man alles liest und ich weiß echt nicht ob ich Monate auf einen warten kann..

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Hallo Timo,

also, "normal" ist beim Ritzen gar nichts. Alles ist "erlaubt", aber es ist schade, wenn ein so junger Mensch zu solchen Mitteln greifen muss.

Alternativen zum Gummiband wäre zum Beispiel:

Auf eine Chili oder Zitrone beißen, Push Ups machen, "Riechstäbchen".... du musst einfach schauen, was dir über diesen Moment hinweg hilft.

Die Frage ist ja auch, willst du dich noch immer bestrafen durch das ritzen? Wenn ja, dann musst du daran arbeiten, was an dir so "schlecht" ist, dass du dich dafür bestrafen musst.

Du solltest wenn möglich, und wenn du jetzt sowieso deine Therapeutin wechseln musst, versuchen jemanden zu finden, der traumatherapeutisch geschult ist.

Das sind in der Regel Psychologen oder Therapeuten, die auf eine andere Art an die gesamte Problematik herangehen.

Kann dir deine Psychologin denn keine Tipps geben, sie kennt dich doch viel besser als wir hier?

Ich wünsche Dir alles Gute, viel Kraft auf deinem Weg,

LG Mata

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Kommentar von Timoteus1234
28.11.2016, 11:26

Danke für deine Hilfe!

Doch sie gibt mir immer Tipps und nach den Sitzungen bin ich auch immer mega gut gelaunt, doch ein paar Stunden später, ist diese Freude wieder weg. 

Sie hilft mir echt ungemein, mittlerweile habe ich dank sie auch nicht mehr so oft Suizid Gedanken. Sie weiß das ich mich verletze und sie weiß das ich solche Gedanken habe, ich habe ihr alles erzählt.. doch bald werde ich sie nicht mehr haben und ich merke jetzt schon wie es von Tag zu Tag schlimmer wird.. habe angst das ich mich dann komplett verschließen werde und es dann noch schlimmer wird.. :(

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Also neben dem Gummiband kann man noch, Eiswürfel in der Hand schmelzen lassen, oder eine extrem scharfe Chili essen.

Also es kommt desöfteren vor, dass sich Leute verletzen weil sie sich innerlich leer fühlen. Das habe ich auch eine zeitlang gemacht, aber wieder damit aufgehört, weil es irgendwann nichts mehr gebracht hat.

Was auch hilt um es nicht zu tun (also das hilft mir) ist einfach aufzuschreiben wie es dir gerade geh. Also wenn du dich mal wieder abf*ckst und dich ritzen willst, einfach einen Roman nieder schreiben wie es dir geht und warum und was dich so abf*ckt.

Bilder malen hilft. Allgemein kreativ sein hilft sehr und in einer wirklich depressiven Phase kann ich zumindest äußerst kreativ sein. Deswegen versuch diese negative Energie irgendwie positiv zu nutzen. Sei es durch Sport treiben, Kreativ sein oder sonst irgendwas. Glaub mir, wenn du das richtige gefunden hast wirds viel besser :)

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Kommentar von Timoteus1234
28.11.2016, 14:48

Danke für die Motivation und ich werde es mir zu Herzen nehmen :)

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Die beste Alternative ist, den Grund für das Ritzen heraus zu finden. So das du es einfach nicht mehr machst. Es kann ein harter Weg sein, aber es lohnt sich in jedem Fall.

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Kommentar von Timoteus1234
28.11.2016, 11:30

Ja damit fangen wir in der nächsten Sitzung an, hoffe es wird bald besser..

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Lange Rede kurzer Sinn:

Ritzen und andere sich selbstverletzende Machenschaften sind nicht normal.

Du benötigst dirngend psychologische Hilfe.

Denn durch Selbstverletzen löst du deine psychischen Probleme bestimmt nicht.

Also: ab und zwar sofort zu einem Psychologen.

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Kommentar von Timoteus1234
28.11.2016, 11:17

Bin ich ja, wie du auch oben nach lesen kannst. Da sind ein paar Fragen enthalten die mir dabei helfen sollen vom ritzen wegzukommen. 

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