Ein Leben voller Ängste?

9 Antworten

Hallo livelovehope,

manchmal muss man sich im Leben einfach mal einen Ruck geben und einen Anfang setzten! Gerade wenn es um die (körperliche wie auch sie seelische) Gesundheit geht, sollte man nicht zögern, sich fachlich behandeln zu lassen!

Als sehr wirkungsvoll gegen Angststörungen hat sich eine Kombination aus Medikamenten und einer Psychotherapie erwiesen. Es gibt verschiedene Arten von Therapien, wobei die sog. kognitive Verhaltenstherapie im Hinblick auf diese Erkrankung sehr hilfreich ist.

Bei dieser Therapie geht es darum zu erkennen, inwieweit Deine Angst durch bestimmte Gedanken und Verhaltensweisen entsteht und welche Änderungen dabei helfen können, die Spirale der Angst zu unterbrechen. Bei einer Angststörung ist es daher auf jeden Fall sehr wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Neuere Forschungen haben ergeben, dass es (neben den sog. Tranquilizern) auch ein sehr wirksames pflanzliches Mittel gegen Angst gibt: Lavendel. Es löst innere Anspannungen und verhilft auch zu besserem Schlaf. Es ist ein sehr gutes Präparat auf dem Markt, das einen speziellen Wirkstoff aus Arzneilavendel enthält (in der Apotheke erfragen; es macht weder abhängig noch tagsüber müde). Falls Du es mit diesem Präparat einmal probieren möchtest, sprich auf jeden Fall mit Deinem Arzt darüber!

Du kannst aber auch selbst einiges gegen Deine Ängste tun. Zum Beispiel ist das Erlernen einer Entspannungstechnik ein wirksames Mittel, um innere Spannungen, die durch die Angst entstehen, abzubauen. Bekannte Verfahren sind z.B die "Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen" oder auch das "Autogene Training". Einige Grundübungen zur progressiven Muskelentspannung kannst Du z.B. in dem folgenden Video erlernen:

https://www.apotheken-umschau.de/Entspannung/Video-Progressive-Muskelentspannung--Grunduebungen-zum-Nachmachen-31648.html

Manche versuchen, mit dem Verstand gegen die Angst zu halten. Sie sagen sich, dass es ja eigentlich nichts gibt, wovor sie Angst haben müssten. Doch durch Verstandesgründe lässt sich die Angst in der Regel nicht ausschalten. Manchmal ist es besser, sich der Angst zu stellen und sie zuzulassen.

Je mehr man sich dagegen wehrt, desto mehr besteht die Gefahr, dass sie sich verselbständigt. Besser ist es, mit jemanden, zu dem man Vertrauen hat und der über eine gewisse Reife und innere Stärke verfügt, über seine Ängste zu sprechen. Allein schon das Sprechen über die schlimmen Gefühle kann große Erleichterung bringen.

Auch das Führen eines Angst-Tagebuches kann helfen. Warum ist das sinnvoll und empfehlenswert? Nun, durch ein Angst-Tagebuch lernt man seine Ängste und die möglichen Auslöser besser kennen und kann so gezielter dagegen vorgehen. Wie Du ein solches Tagebuch führen kannst und welche Vorteile es sonst noch hat, kannst Du hier kennenlernen (dort findest Du auch eine PDF-Vorlage für ein Angst-Tagebuch):

http://raus-aus-der-angst.de/angst-tagebuch-basis-fuer-diagnostik-verhaltenstherapie/

Dann gibt es da noch eine simple, aber wirksame Methode zur Angstbekämpfung: das Singen. Studien haben nämlich gezeigt, dass man durch Singen Angst und Stress viel leichter bewältigen kann. Woran liegt das? Nun, beim Singen wird ein bestimmtes Hormon, Oxytocin, ausgeschüttet, das euphorische und zugleich auch beruhigende Gefühle hervorruft. Auch Glückshormone werden freigesetzt. Das Ganze kann man noch dadurch steigern, dass man nicht nur allein, sondern auch in einem Chor singt.

Natürlich hast Du ja nicht immer einen ganzen Chor zur Hand, wenn Dich mal wieder Angstgefühle plagen. Wie also könntest Du vorgehen? Suche Dir Dein Lieblingslied (evtl. auch ein Lied aus Deiner Kindheit), mit dem Du angenehme Gefühle verbindest und singe es immer dann, wenn eine angstauslösende Situation entsteht oder Du unter großem Stress stehst.

Je nachdem wo Du Dich gerade befindest, kannst Du jedoch nicht unbedingt laut singen. Das ist auch gar nicht notwendig, denn auch das leise Summen eines Liedes kann einen beruhigenden Effekt haben. Denke daran: Solange Du singst oder summst, ist es Deinem Gehirn gar nicht möglich, Angst zu produzieren! Probiere es doch einfach mal selbst aus und Du wirst Dich wundern, was das Singen (oder auch Summen) mit Dir macht!

Für jemand, der an Gott glaubt, kann auch der Gedanke hilfreich sein, dass er sich für uns und unsere inneren Empfindungen interessiert. Als derjenige, der uns, einschließlich unserer Psyche, erschaffen hat, weiß er besser über uns Bescheid als jeder noch so gut ausgebildete Arzt oder Therapeut! Von daher kann er auch genau verstehen, warum wir über bestimmte Dinge beunruhigt sind oder Angst vor ihnen haben.

Obwohl die Bibel kein Gesundheitsratgeber ist, enthält sie doch viele gute Tipps, die sehr zu unserem körperlichen und auch psychischen Wohlergehen beitragen. Das ist gerade in unserer Zeit mit ein Grund dafür, dass wir uns mit ihr einmal genauer beschäftigen sollten.

Für diejenigen, die zu Gott ein vertrauensvolles Verhältnis haben, gelten die Worte: " Deshalb beugt euch unter Gottes mächtige Hand. Dann wird Gott euch aufrichten, wenn seine Zeit da ist. Ladet alle eure Sorgen bei Gott ab, denn er sorgt für euch" (1. Petrus 5:6,7). Das Gefühl zu haben, dass Gott hinter einem steht und genau versteht, was in uns vorgeht, kann inneren Ängsten sehr entgegenwirken!

Wie Du also siehst, gibt es Möglichkeiten, etwas gegen Deine Angst zu unternehmen. Allein schon zu wissen, dass Du der Angst nicht hilflos ausgeliefert bist, kann sehr beruhigend sein. Ich wünsche Dir, dass Du es mit der Hilfe und Unterstützung anderer schaffst, Deine Angst zu überwinden und Dein Leben wieder in ruhigeren Bahnen verläuft! Alles Gute und viel Kraft!

LG Philipp

Hallo. Dein Text ist fast eine 1 zu 1 Beschreibung von mir selbst vor einem Jahr und hat mich deshalb einigermaßen berührt.

Ich kann dich super gut verstehen. Ich bin jetzt 30 und gerade dabei, mein Leben "neu zu starten". Was du beschreibst, den Neid auf die anderen, jüngeren die erfolgreich sind und die Scham darüber, dass man es selbst eben nicht so hinbekommt, ist seit einiger Zeit mein ständiger Begleiter. Obwohl man sich ja eigentlich sagen kann, dass es völlig egal ist was die anderen denken. Aber das Problem ist eben kein rationales sondern ein emotionales.

Und genau wie bei dir hat das alles zu großen Ängsten geführt. Die Verknüpfung in meinem Kopf war ungefähr so: Ich bin ein Versager und darum bin ich es nicht wert gute Beziehungen zu haben. Das führt zu Einsamkeit, dem Gefühl zurückgelassen zu werden und damit unmittelbar zu existenziellen Ängsten. Versagen = Sterben. Das ist in unserem Kopf so angelegt. Denn Einsamkeit war viele Jahrtausende der menschlichen Entwicklung lebensgefährlich. Angst vor Ablehnung ist also unmittelbar zurückzuführen auf die Angst vor dem Sterben. Und wenn man davon ausgeht, dass sein Wert von seiner Leistung abhängt, ist man gefühlt ständig in Lebensgefahr. Diese Erkenntnis hat mir sehr geholfen. Denn ich wusste jetzt, was ich tun muss: Gute Beziehungen suchen. Das ist wichtiger als alles andere! Zum Beispiel wichtiger als deine Karriere oder Geld. Beides verspricht Sicherheit, liefert es aber letztendlich nicht. Gute Beziehungen! Darum geht es.

Ich weiß was du jetzt denkst (Zumindest vermute ich es): Soziale Situationen machen dir Angst. Und vermutlich kommt dir schon dieser Gedanke - dass es dir Angst macht - lächerlich vor. Ich kann das verstehen. Und das war und ist auch bei mir so. Auf der anderen Seite musst du dir aber auch denken: Angst ist ein verdammt schlechter Ratgeber. Und es gibt zum Glück einen Weg, seine Angst zu verkleinern: Sich ihr stellen! Das hast du aber bestimmt schon oft gehört. Und trotzdem steckt da viel wahres drin. Ich verspreche dir: Jedes einzelne mal, wenn du dich deiner Angst gestellt hast, wird deine Angst in diesem Kontext kleiner.
Ich weiß wie schwer das ist. Es ist immer noch die härteste Zeit meines Lebens. Aber es wird ein bisschen besser. Ich war dann irgendwann in einer psychosomatischen Klinik, wovor ich unglaubliche Angst hatte. Rückblickend war es die beste Zeit der letzten Jahre. Ich kann das uneingeschränkt empfehlen. Ich hab so viel gelacht wie lange nicht mehr.

Nicht nur, dass ich extrem viel über mich selbst gelernt habe, ich habe auch einige Menschen in meiner Situation kennengelernt, die alles viel erträglicher gemacht haben.

Und noch was will ich dir sagen: Deine Selbstabwertung ist eine Katasrophe :D Und statt dass er dich motiviert, macht er dich noch mehr kaputt.
Auch das kenne ich nur zu gut. Man liegt die ganze Nacht wach und denkt sich, wo man überall versagt, was man alles besser machen sollte. Das ist bei mir zwar nicht mehr so schlimm wie es mal war, aber immer noch ein Punkt, bei dem mMn viel Potential nach oben ist. Es gelingt mir inzwischen zum Beispiel immer öfter über meine Undizipliniertheit eher zu schmunzeln als mich abzuwerten. So bin ich halt. So what... Es gibt Wichtigeres im Leben. Darum suche ich mir jetzt eben etwas, bei dem man nicht so diszipliniert sein muss (Ich studiere bald z.B. ein eher leichtes Fach, nachdem ich in Jura an eben dieser Disziplinlosigkeit nach 12 Semestern scheitere). Ich werde sicher nicht reich werden damit. Aber vermutlich deutlich glücklicher als als Anwalt. Und genau diese Einstellung solltest du auch entwickeln.

Weißt du, manche Menschen versuchen ihr Leben lang so zu sein wie alle anderen. Und viele davon sind mit 50 todes unglücklich weil sie nur das getan haben, was die Gesellschaft von ihnen erwartet. Ich bin überzeugt davon: Dass Leute wie wir diesen Prozess jetzt schon durchmachen wird zu etwas Gutem führen langfristig! Ich weiß, dass sich das für dich nicht so anfühlt. Und trotzdem ist es wahr. Eine Depression ist immer auch eine Lebenschance die andere nicht bekommen. Depressionen zwingen einen, genau zu unterscheiden, was wichtig ist und was weg kann. Man hat einfach nicht genug Power für alles. Ich kenne mich heute so viel besser als noch vor einigen Jahren. Ich bin mir über meine Schwächen und Stärken viel mehr im klaren und hab eigentlich vor allem noch ein Ziel: Meine Stärken stärken und meine Schwächen so sein lassen. Ich werde nie ein super fleißiger Mensch sein. Aber was solls.

Den ersten Schritt hast du übrigens schon gemacht. Du hast dir dein Problem bewusst gemacht und eingegrenzt. Wenn du mich fragst wäre der nächste Schritt ne psychosomatische Klinik.

Ich freu mich über eine Antwort ;)

Gute Beziehungen ....

Ich sollte vielleicht noch erwähnen dass ich in meiner Kindheit und Pubertät traumatisiert wurde, ich suche mir immer die falschen Menschen aus, die mir wehtun. „Normale“ Männer oder Jungs haben schlichtweg keine Interesse an mir. Mit gleichgeschlechtlichen Personen komme ich nicht klar, ich war und bin immer die Außenseiterin. Auf Freundschaften oder Beziehungen werde ich mich also nie verlassen können.

Den nächsten Schritt habe ich auch schon gewagt, ich werde demnächst stationär behandelt, es dauert mir aber einfach zu lange. Und außerdem möchte ich mich nicht nur auf die Klinik und auf Medis verlassen, schließlich muss auch im Kopf etwas geschehen. Meine Person ist toxisch und die werde ich nie los.

Und Reichtum oder ein Job, eine Lebensweise, die von der Gesellschaft eher bevorzugt wird, ist mir egal. Ich kenne mich auch sehr gut und ich weiß dass ich in dieser Gesellschaft nicht funktioniere oder überhaupt funktionieren möchte.

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@livelovehope

Zum Thema Partnerschaften: Ein Stück weit spiegelt man sich immer in seinem Partner. Ein Mann, der dich mehr wertschätzt als du dich selbst, käme für dich vermutlich nicht in Frage. Du würdest ihn nicht ernst nehmen. Oder alternativ ihn überfordern.

Wie sieht es denn mit Freundschaften und Familie aus? Hast du eine gute Freundin oder einen guten Freund? Geschwister? Wie ist das Verhältnis zu deiner Familie?

Du sagst, auf Freundschaften oder Beziehungen wirst du dich nie verlassen können. Auch das kann ich total nachfühlen. Weißt du, das ist ein Stück weit aber auch eine "Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung". Denn wenn du dich anderen Personen gegenüber nicht öffnest, und damit das Risiko eingehst verletzt zu werden, wirst du auch keine guten Beziehungen haben und das als Beweis betrachten, dass du es einfach nicht wert bist gute Beziehungen zu haben. Etwas von sich zu offenbaren ist der Schlüssel zu besseren Beziehungen. Das ermutigt andere Menschen es dir gleich zu tun. "Sei Du selbst die Veränderung, die Du dir wünschst für diese Welt" hat Ghandi mal gesagt.

Du hast wirklich ein schreckliches Selbstbild, wenn ich dir das mal so sagen darf ;) "Meine Person ist toxisch". Blödsinn. Du hast einen toxischen Anteil der dir immer wieder einredet, wie wertlos du doch bist. Den hat übrigens jeder. Deiner ist nur mächtiger. Vermutlich fütterst du ihn auch ständig (metaphorisch gesprochen).

Wenn du drei (Auch unrealistische) Wünsche für dein Leben frei hättest, was wäre das dann?

Und warum denkst du, dass du in dieser Gesellschaft nicht funktionieren kannst und möchtest?

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@Sierb2

Freunde habe ich nicht, mit meiner Familie assoziiere ich negative Ereignisse und Gefühle. Auch wenn sie mir nichts mehr tun.

Meine Wünsche sind irrelevant.

Wahrscheinlich weil ich nie funktioniert habe. Kenne es nicht anders. Und weil ich Ziele und Wünsche habe, die eher unrealistisch sind, vor allem für eine Person wie mich.

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Hallo,

Du kannst mit einem Menschen reden. Es gibt im Internet und über das Telefon kostenlose Seelsorge. Auch kannst Du zu einem Psychologen gehen.

Ich bin Christ. Der Glaube hilft vielen Menschen. Gott liebt Dich. Wenn Du einiges wissen möchtest, was mich überzeugt, dass es Gott gibt, dann kannst Du mich z.b. fragen oder auf mein Profil gehen.

Alles Gute

Ist ein Leben, dass nur noch mit Drogen/ Alkohol erträglich scheint, besser als kein Leben?

Ich merke, wie ich so langsam wieder in eine sehr depressive Phase abdrifte...Ich nehme schon Antidepressiva, aber die scheinen nach 1 1 /2 Jahren auch nicht mehr zu helfen...Ich habe einen sehr großen Freundeskreis und einen Teil von meiner Familie, der immer zu mir steht, egal was passiert. Ich bin überall sehr beliebt, aber trotzdem fühle ich mich unter sehr vielen Leuten manchmal extrem einsam...Ich komme abends nachhause und fange sofort an, Alkohol zu trinken. Am Wochenende kommen auch noch diverse Drogen dazu (Alkohol, MDMA (Ecstasy) Kokain, Ketamin usw) Ich habe eigentlich alles, was man für ein halbwegs schönes Leben braucht und trotzdem geht es mir schlecht. Ich wünsche mir sehr oft, einfach nicht mehr aufzuwachen, aber wenn ich Drogen nehme, wird alles für mich eine Zeit lang halbwegs erträglich.Ich weiß nicht, ob ich einfach so weiterleben soll oder einfach einen Schlussstrich ziehen soll?? Vielleicht bin ich einfach nicht für ein Menschenleben gemacht...

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