Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle in Deutschland, JA oder eher NEIN?

Das Ergebnis basiert auf 27 Abstimmungen

NEIN 56%
JA 44%

9 Antworten

JA

Ich halte die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) in naher Zukunft für notwendig, da in den nächsten Jahren aufgrund von zunehmender Automatisierung u. a. durch moderne Informationstechnik und Maschinen, die dazu in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren und unabhängig von externen menschlichen Einflüssen Arbeit zu verrichten, in den nächsten Jahren immer mehr eintönige, repetitive Tätigkeiten, die keine menschlichen Qualitäten erfordern, wegfallen werden.

Von konservativer Seite wird oft argumentiert, man könne sich ja umschulen. Doch die wenigen Arbeiten, für die dann noch Menschen gefragt sein werden, werden so komplexe High-End-Jobs sein, dass es sich für viele schlicht nicht lohnen wird, diese zu ergreifen. Man wird dem 50-jährigen Busfahrer, der seine Arbeit an autonome Fahrzeuge abgeben musste, wohl kaum sagen können, er solle sich zum Big-Data-Analyst, Virtual-Reality-Designer, Machine-Learning-Manager oder KI-Programmierer umschulen.

Auch abgesehen davon halte ich ein BGE aus den folgenden Gründen für sinnvoll:

-Ein BGE würde insgesamt zu einer glücklicheren und sozial gerechteren Gesellschaft mit weniger Neid und Ausgrenzung führen.

-Durch das BGE entfiele die Stigmatisierung Erwerbsloser.

-Viele Bürger hätten durch die Einführung eines BGEs weniger finanziellen Druck sowie mehr Zeit und Möglichkeiten, sich mit aus ihrer Sicht interessanten Themen intensiver auseinanderzusetzen und somit eine sinnvolle Tätigkeit zu finden, die zu ihnen passt und sie langfristig erfüllt.

-Menschen hätten mit einem BGE erstmals die Möglichkeit, sich einer Arbeit, die sie nicht ausüben wollen, zu verweigern, ohne dabei Sanktionen fürchten zu müssen und damit die Freiheit, eigenverantwortlich und selbstbestimmt mit ihrem Dasein umzugehen.

-Ein BGE würde auch Menschen, die keiner geregelten Erwerbstätigkeit nachgehen, ein bescheidenes, aber würdevolles Leben ermöglichen. Das BGE überwindet somit einen Arbeitsbegriff, der auf reine Erwerbsarbeit reduziert ist und wertschaffende nebenberufliche Aktivitäten zu sehr außer Acht lässt.

-Unattraktive Arbeiten, die in naher Zukunft noch nicht automatisiert werden, müssten mit einem BGE durch bessere Bezahlung und ansprechendere Arbeitsbedingungen attraktiver gestaltet werden, um Anreize zu schaffen.

-Durch die garantierte finanzielle Absicherung eines BGEs könnte sich die Risikobereitschaft in der Bevölkerung erhöhen. Damit würde eine Kultur des Erfindungsreichtums geschaffen und der Unternehmergeist gestärkt werden.

Ein BGE wäre sozial gerecht: Zwar würden alle Bürger am Monatsanfang den gleichen Geldbetrag in Form des Grundeinkommens erhalten, jedoch hätten Reiche in der Bilanz am Monatsende deutlich mehr Geld durch Steuern verloren, als sie durch das Grundeinkommen erhalten haben, während bei Ärmeren das Gegenteil der Fall wäre, ähnlich dem Prinzip einer progressiven negativen Einkommensteuer.

Es wäre eine Art Fundament, das es jedem Bürger ermöglicht, bescheiden, aber würdevoll zu leben, auf dem man aufbauen könnte und dabei nie unter dieses existenzsichernde Niveau fallen würde. Es geht beim Grundeinkommen nicht darum, mehr Geld zu haben (falls das überhaupt zutrifft), sondern niemals zu wenig zu haben.

Die Finanzierbarkeit des BGE wurde längst seriös durchkalkuliert. Es gibt zahlreiche renommierte Wissenschaftler, Ökonomen und Unternehmer, laut denen sich ein BGE durch eine Umstrukturierung des Steuersystems sowie Einsparungen bei Bürokratie und Verwaltung durchaus finanzieren ließe.

Es wäre schlicht eine Milchmädchenrechnung, einfach den Geldbetrag des Grundeinkommens mit der Bevölkerungszahl zu multiplizieren, da dies die Bruttokosten darstellt und diese Rechnung nicht berücksichtigt, dass das BGE ein System ist, bei dem die Bürger regelmäßig Steuern zahlen und gleichzeitig das Grundeinkommen erhalten.

Wenn sämtliche derzeit bestehenden Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Rente, Ausbildungsförderung, Kindergeld etc. durch das BGE schrittweise ersetzt und letztendlich wegfallen würden, wäre das BGE wohl gleich teuer bis sogar günstiger zu finanzieren als unser jetziges Sozialsystem und damit verbundene Verwaltung und einhergehende bürokratische Aufwände.

Es würde auch keine zwangsläufige Inflation alleine aufgrund der Einführung eines BGE geben, da nach den allermeisten Modellen kein neues Geld dafür notwendig ist. Es würde lediglich umverteilt werden. Sehr zu empfehlen sind in diesem Zusammenhang Bücher, Artikel, Filme und Vorträge von u. a. Richard David Precht, Götz Werner, Katja Kipping, Thomas Straubhaar, Michael Bohmeyer, Daniel Häni, Enno Schmidt und Karl Widerquist.

Hier eine Auswahl einiger BGE-Modelle, deren Finanzierbarkeit auf Deutschland bezogen sind:

https://www.grundeinkommen.de/wp-content/uploads/2017/12/17-10-%C3%9Cbersicht-Modelle.pdf

Hier ein sehr aufschlussreiches Interview von Richard David Precht, in dem die aus meiner Sicht wichtigsten Aspekte des BGE kurz und kompakt und dennoch gut verständlich zusammengefasst werden:

https://www.youtube.com/watch?v=f1gyi8T-diM

JA

Grundsätzlich stimme ich für ein solches Grundeinkommen. Allerdings hat das erhebliche Auswirkungen auf das Preisgefüge. Egal wie hoch das Grundeinkommen auch ausfallen würde, würde sich der Markt entsprechend so einpendeln, dass es sich bei dem Grundeinkommen stets um die unterste Armutsgrenze handelt.

Das hat zur Folge, dass das Szenario mittelfristiger Schmarotzer, die in Saus und Braus leben ohne erwerbstätig zu sein, keine Früchte trägt. Das Grundeinkommen wird stets nur für ein entbehrungsarmes Leben ausreichen. Eine normale der Personenanzahl gerechten Wohnung wird man mit dem Grundeinkommen auch nicht finanzieren können. Es ist durchaus denkbar, dass man mit 1000 EUR Grundeinkommen als Obdachloser auf der Straße sitzt.

JA

Auf jeden Fall. Es wäre der effektivste Weg zur Bekämpfung von Armut und würde allen Menschen eine gewisse Freiheit und Unabhängigkeit sichern.

Das BGE muss aber unbedingt genug hoch sein, damit es für eine einfache Unterkunft und genug Nahrungsmittel reicht.

JA

Wenn man für die wichtigsten Angelegenheiten versichert ist und der Betrag auch für eine durchschnittliche Miete reicht.

NEIN

Also eigentlich ja, aber nur wenn:

1.) Die Steuern für niemand steigen

2.) Niemand mehr als 50% Steuern zahlen muss

3.) Niemand enteignet wird

4.) Die Inflation unter 2% gehalten wird

5.) Genug Leute Arbeiten gehen immernoch.

Also praktisch nein.

Also praktisch ja, denn all diese Massnahmen wären nicht nötig für ein BGE und die erwähnten Folgen würde voraussichtlich nicht eintreten...

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@Norjakeista

Also praktisch ja, denn all diese Massnahmen wären nicht nötig für ein BGE

Nicht?

Mhm..... 1000 Euro mal 12 Monate mal 85 Mio Bundesbürger wären 1020 Mrd. Euro.

Steuereinnahmen im Jahr 2021 waren 833,2 Milliarden Euro und davon blieb nichts übrig für ein BGE, im Gegenteil im gleichen Zeitraum 215 Mrd. Euronen noch geliehen.

Also müsste man 1020 Mrd. Euronen zusätzlich generieren - und nun sag mit doch bitte mal genau, wie das gehen soll ohne Enteignung, Steuererhöhung oder Gelddrucken?

Gar nicht.

Also doch nein.

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@Jaklardochgenau

Wir haben jetzt schon Dinge wie z.B. Arbeitslosengelder, die einen Grossteil des BGEs finanzieren würde, in dem sie unnötig werden. In der Schweiz gab es mal einen interessanten Ansatz zur Finanzierung über die Mehrwertsteuern, da wäre dann nicht mehr viel nötig und wir hätten das BGE finanziert.

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@Norjakeista

Naja, derzeit nimmt der Bund dennoch weniger Steuern ein - und bei allen Steuern zusammengenommen wohl bemerkt - als ein BGE mit 1 K Euro monatlich kosten würde.

Und da sind die ganzen Dinge wie Straßen, Schienen, Schulen, Sicherheit und noch 1000 andere Sachen mehr noch nicht bezahlt, kostet ja auch Geld.

Wie da die wundersame Geldvermehrung stattfinden soll, sorry, mathematisch erschließt sich mir das halt nicht, es sei denn, man klappt ein Geldbündel in der Mitte um und zählt nochmal, dann ist es plötzlich doppelt so viel.... (LOL).

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@Jaklardochgenau

Wie gesagt, eine kleine Erhöhung der Mehrwertsteuern, die bei den Konsumenten gar nicht ankommen würde, würde schon reichen, wenn man diesen Weg wählt. Eine Finanzierung über andere Steuern wäre gar nicht notwendig.

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@Norjakeista

Ich bin halt ein alter Zweifler und Rückfrager, Hinterdenker und Nachrechner. Ich glaube erstmal nichts, ich rechne nach.

Ich finde dabei das hier:

im Jahr 2021 betrugen die Einnahmen aus der Umsatzsteuer in Deutschland rund 187,6 Milliarden Euro.

Da ist man doch noch etwas weiter weg von 1020 Mrd.

Um das auch noch (zusätzlich) rein zu bekommen, müsste man die Umsatzsteuer (wie die Mehrwertsteuer eigentlich heißt) versechseinhalbfachen, wenn ich richtig rechne.

Ich komme dann auf einen Umsatzsteuiersatz in Höhe von 123,5 %.

Bei diesen Aussichten nehme ich nicht an, dass das niemand merkt und auch nicht, dass das keine Auswirkungen auf die Wirtschaft hat.

Die Wirtschaft, das ist (so man nicht das mit den Tsichen und Bänken meint) das Ding, auf das so viele schimpfen und bei dessen Erwähnung einigen bereits nur die Begriffe "System", "Kapitalismus" oder gar "Neoliberalismus" einfallen - vor allen Dingen denen, die gerne ein BGE hätten - wo dieser Schotter irgendwie generiert wurden muss.

Und ich befürchte, man würgt genau das doch sehr ab, wenn man mit 123,5% Mehrwertsteuersatz kommen würde.

Ich bin also doch eher skeptisch.

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@Jaklardochgenau

Wie schon gesagt, der allergrösste Teil würde schon durch das Wegfallen von Arbeitslosengeldern etc. finanziert werden.

Ich habe es persönlich nicht unter Berücksichtigung aller Faktoren durchgerechnet, doch es gibt Leute wie z.B. Philip Kovce oder Götz Werner, die das ganze Durchgerechnet haben und ein Konzept zur Finanzierung aufgestellt haben, vielleicht kannst du dir diese Modelle mal anschauen...

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