Eigene Meinung in Textintention, bei Interpretation von Gedichten?

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2 Antworten

Textintention und Lyrik ist ein schwieriges Gebiet. Auf jeden Fall kommt es darauf an, welche Art von Lyrik du zu interpretieren oder zu analysieren hast. Vielleicht hat ihr den Ausdruck "didaktische" Texte verwendet, das wäre Lyrik, die eindeutig empfängerbezogen ist, die beim Leser etwas erreichen will, etwa engagierte politische Lyrik. Nachdem du das Engagement nachgewiesen hast, vor allem auch durch eine Sprachanalyse", kannst du vielleicht feststellen, dass der Autor seine Leser etwa von der Richtigkeit einer bestimmten politischen Einstellung überzeugen will. Seine Intention wäre dann die Beeinflussung. Statt "meiner Meinung nach" nähme ich eher den Konjunktiv, etwa: Intention des Verfassers könnte hier die Beeinflussung sein... usw. Ob das in dem Fall wirklich so ist, weißt du nicht, er kann etwas aus einer Launer heraus, aus einer Verärgerung heraus geschrieben haben, ohne ausdrücklich eine bestimmte Intention gehabt zu haben. Dazu müsste man ihn fragen.

Viel schwieriger ist es bei Texten, in denen das lyrische Ich Zentrum des Textes ist (also nicht irgendeine politische Ideologie oder sonstwas). Mal ganz persönlich: Wenn ich als alter Knabe jetzt ein Gedicht über den Herbst schriebe (leider habe ich diese Gabe nicht mitbekommen, ich freue mich an Texten, aber ich kann sie nicht so schreiben, dass sie mir gefielen) , so würde das ein eher trauriges Gedicht. Herbst, die Natur verliert ihre Kraft, es (neben durchaus farbenfrohen Wäldern usw.) ist die Zeit des allmählichen Absterbens. Ich zöge unweigerlich Vergleiche zwischen der menschlichen Natur und der uns umgebenden. Daraus ergäbe sich eine eher traurige Stimmung, jedenfalls etwas ganz Persönliches, meine innere Lage käme zum Ausdruck. Ich hätte also keine empfängerbezogene Intention, sondern meine persönliche Lage würde mich drängen, einen Text zu schreiben. Und da diese Lage manches gemeinsam hat mit dem Herbst, würde es eben ein Herbstgedicht. Wenn du einen solchen Text bekommst, kannst du sagen, dass sich das lyrische Ich hier ganz persönlich ausspricht. Hier von Intention zu sprechen, halte ich für verfehlt.

Ich würde es an deiner Stelle anders formulieren. Nicht "meine Meinung ist", sondern eher "Dies, das und jenes deutet darauf hin, dass der Text als Grundaussage hat.....". Die Ich-Form ist vom Ausdruck her nicht sonderlich geeignet für eine Interpretation, da es keinen guten Eindruck macht.

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