eigene Familie gegen Islam?

28 Antworten

Was war denn zuerst da, der Wunsch nach mehr Religion im Leben oder der sunnitische Freund? ;-)

Ich sehe hier zwei bis drei Probleme:

1. Das Beten. Du sagst selbst, es tut dir gut. Dann ist es mMn egal, was du machst, ob du Yoga betreibst, meditierst, ein Wellenssbad nimmst oder betest: Wenn es dir gut tut, sollte deine Mutter (und andere Menschen) das respektieren und dich dann in Ruhe lassen. Du würdest ja auch nicht vor dem Fernseher stehen und mit deiner Mutter reden, wenn sie ihre Lieblingssendung sieht oder ihr etwas unter die Nase halten, wenn sie ein Buch liest oder mit ihr reden, wenn sie Musik hört. So würde ich mal argumentieren. Streiche das Wort "beten" aus dem Vokabular gegenüber der Familie, aber schließe dein Zimmer ab, wenn du betest oder tue es so, dass die Familie es nicht zwingend mitbekommt (offene Tür etc.)

2. Das (?) Hijab. Okay, ich verstehe deine Mutter: Das ist gewöhnungsbedürftig. Plötzlich sieht die Tochter anders aus. Meine Mutter hat lange kommentiert, als ich anfing, meine Haare meist im Dutt zu tragen, weil das für sie eine Omafrisur ist. Ich habe ein paar mal erklärt, warum ich meine Haare hochstecke und dann die Kommentare einfach ignoriert und jetzt kommen keine mehr. Du musst zugeben, dass du mit dem Tuch anders aussiehst als ohne. Das kann für eine nahestehende Person, die dich lange ohne Tuch kannte, halt sehr schwierig sein. Als meine Mutter sich die Haare von Rot zu Braun gefärbt hat, habe ich sie sehr oft von hinten gar nicht erkannt. Also würde ich sagen, gib ihr Zeit, erkläre das Ganze, gehe vielleicht, wenn dir das möglich ist, in der Übergangszeit auch mal ohne Hijab mit ihr raus. Das Tuch könnte nämlich auch dazu führen, dass Leute, die dich kennen, sich gehemmt fühlen: Soll ich sie jetzt anders ansprechen? Muss ich irgendwelche Regeln betrachten? Sieht sie mich jetzt als liederlich an, weil ich offene Haare trage?

Das könnten Fragen sein, die eine Hemmung dir gegenüber auslösen und damit ein hölzernes, gekünsteltes Verhalten, das natürlich auch deine Mutter mitbekommt. Oder evtl. macht sie sich ähnliche Gedanken?

3. Der Freund. Beeinflusst der dich auch? Stehst du zwischen ihm und deiner Familie?

Ich fände es wichtig, dass du dich aus eigenen Stücken und nicht aus Liebe zu einem anderen Menschen für eine Religion entscheidest, die dein Leben doch recht stark beeinflusst. Auf der anderen Seite finde ich es auch wichtig, dass du deiner Familie klar machst, dass eben keiner so stark mit seinen Wertvorstellungen in dein Leben eingreifen sollte, dass du wichtige Wünsche unterdrückst und Lebensentscheidungen, die dich glücklich machen würden, einschränkst. Also: Weder dem Freund zuliebe die Religion annehmen, noch der Familie zuliebe die Religion ablegen. Wenn es dir ein Bedürfnis ist, z.B. zu beten, sollte das deine Sache sein und nicht die deiner Familie. Deine Familie könnte dich einschränken, z.B. fordern, dass du in deinem Zimmer betest, wenn es für sie im Wohnzimmer etc. unangenehm ist (ich kenne zwei "Vorzeigechristen", die darauf bestehen, bei Tisch zu beten, auch wenn sie bei anderen zu Gast sind und das sieht immer sehr aufgesetzt aus und demonstriert ihren Anspruch auf moralische Überlegenheit: Wenn man sie besucht, beten sie, aber wenn sie einen besuchen auch - alles muss sich also immer nach ihnen richten. Eine Familie bestand dann darauf, dass sie bei ihnen bei Tisch nicht beten, es gab eine Riesendiskussion, aber sie lassen es jetzt.) Man muss seinen Glauben mMn nicht demonstrativ vor Leuten zeigen, die damit nichts anfangen können oder sich damit unwohl fühlen, warum auch immer.

In deinem Zimmer ist das aber mMn eine ganz andere Sache: Da solltest du Privatsphäre und das Recht haben, alles zu machen, das keinem schadet. Vielleicht kannst du einen Zettel oder ein Symbol (nicht religiöser Art) an die Tür hängen, wenn du allein sein willst, so dass dich dann keiner stört und das Thema Beten gar nicht erst aufkommt. Immerhin könntest du dich auch mal selbst befriedigen wollen und dann s/wollte deine Mutter auch nicht reinkommen!! Das würde ich ruhig mal ansprechen: Jeder braucht auch seine Privatsphäre. 

Wenn Eltern versuchen, Kinder zu stark zu beeinflussen, kann es auch zu Trotzreaktionen - auch im Erwachsenenalter - oder im Extremfall Entfremdung kommen. Das möchte ja auch keiner.

Klasse Antwort, nur das mit dem Abschließen würde ich lassen, das könnte den Eltern Angst machen.. 

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ich kann das ja nicht sooo konkret einschätzen, wobei ich natürlich weiß, dass "Sunniten" glauben, die "Richtigen" zu sein.....

Eine Alevitin sagte mir:

"....würde der Prophet heute auferstehen, würde er entweder aus dem Islam austreten, oder die Sunniten rauswerfen, sooo sollte der Islam doch NIE sein....."

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wie kam das zustande ?

Auch wenn es langweilt, hier der Hintergrund....

Vor dem Sommerferien saß ich ( zunächst) entspannt in einem Döner-Restaurant.....

Es ist bei uns in der Stadt das größte Döner-Restaurant... und meist sind ca. 10-12 Menschen als Personal anwesend....

Plötzlich gab es Diskussionen von irgendwo her, (...aber gut hörbar... nur für mich nicht zu verstehen, weil es wohl türkisch war..)... die sehr laut wurden.....kurz danach stürmte eine weinende Frau aus der Küche.... und setzte sich im Außenbereich hin.....schluchzte... nahm ihr Smartphone... und tippte wie wild....

Ein Mann folgte dann noch... breit grinsend... und hatte einen beschwichtigenden Ton... und machte auch beschwichtigende Gesten.....

....aber sie schrie ihn an, und sie wurde kurz danach ... von ihrer Tochter ?----vermute ich--- mit Auto abgeholt

Ich ging dann auch meiner Wege....

Jetzt.. bzw.. vor ein paar Wochen, holte ich mir meinen Lahmacun woanders... und sah dort just "diese Frau"....

Da konnte ich irgendwie nicht anders, als ihr zu sagen, dass ich den "Vorfall" mitbekommen hatte.... und mich interessieren würde, WAS da denn los war... sofern sie es mir sagen möchte....

Ja.. sie wollte, und berichtete mir:

"So ein sunnitischer Mann ( also sie sagte nicht Mann, ich will das Wort hier nur nicht schreiben...)

... machte mich an meinem ersten Arbeitstag dort blöd an, und machte ständig Bemerkungen, weil ich kein Kopftuch trage, und ein T-shirt anhatte... und er meinte sogar, dass ich eigentlich gar nicht mit ihm zusammen in der Küche arbeiten dürfte..... 

"Was geht ihn das an, der Chef hat mich doch eingestellt"....

Er hörte einfach nicht auf.. stichelte und machte ständig Bemerkungen, irgendwann ertrug ich das nicht mehr, ich rannte einfach raus... und bat meine Tochter, mich abzuholen.....

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Ja... hm... seitdem frage ich mich eben, ob nicht DOCH die "Alawiten" die wahren Muslime sind......

"eigene Familie gegen Islam?"

Irgendwie scheint mir das die falsche Frage zu sein, sind doch auch Aleviten Muslime.

Viel fragwürdiger KÖNNTE hier die Rolle Deines Freundes sein. Es sieht so aus, als triebe er einen Keil zwischen Dich und Deine Eltern. Offensichtlich erzählt er Dir, dass die Art und Weise, wie Deine Eltern den Islam leben, nicht richtig sei. Nun, diese anmaßende Haltung findet man bei Sunniten sehr häufig. Leider. Und das, obwohl Allah nicht wollte, dass wir anmaßend sind. Nicht die Sunniten wissen es besser - Allah weiss es besser.

Also .... wer erlaubt sich hier "solche Sachen"? Deine Familie? Oder nicht doch vielmehr Dein Freund?

Die 5 Säulen des Islam - inkl. fünfmaliges Beten am Tag - sind eine sunnitische ERFINDUNG. An keiner Stelle im Quran findest Du einen Hinweis auf "die 5 Säulen des Islam". Sunniten maßen sich aber an, diejenigen aus dem Islam hinauszudefinieren, die nicht nach den 5 Säulen des Islam leben. Wir kann das angehen?

Das Tragen eines Hijab ist KEINE islamische Forderung. Es dient einzig der Unterdrückung der Muslima - einerseits direkt zur Unterdrückung der verschleierten Frau selbst, andererseits als "mahnender Zeigefinger" für alle Muslima (oder auch alle anderen Frauen), die sich nicht verhüllen, nämlich derart, dass diese Frauen in den Anfangsverdacht von zina gerückt werden. Hierbei wird vergessen, dass Unzucht im Kopf stattfindet, nicht in der Kleiderordnung.

Wenn wir diesbezüglich mal kurz nach der Sunnah schauen wollen: Das Tragen von kopfverhüllenden Utensilien war schon hunderte Jahre VOR dem Islam Sunnah, nähmlich bei allen Reiter- und Nomadenvölkchen oder -Stämmen im Orient. "Sunnah" heisst soviel wie Sitte, Brauch, Gewohnheit, Usus, Tradition etc. Und ja, es war Sunnah, sich zu verschleiern - nämlich um sich vor Wind, Sand und Sonne zu schützen. ACHTUNG: Auch für die Männer, auch für Muhammad war es Sunnah, sich zu verschleiern. Die Sunnah des Propheten schreibt insofern "zwingend" eine Verschleierung von Mann UND Frau vor. Wie kann es sein, dass sich heuer nur die Frau verhüllen soll?

Die Sunnah des Propheten schrieb auch vor, dass man sich zu Pfernd oder Kamel fortbewegt - Männer wie Frauen. Wir kann es sein, dass rechtgeleitete Muslime heutzutage Auto fahren ...... und dann noch in einigen fundamentalistischen Regionen das Recht hierzu explizit den Frauen entsagen wollen?

Sunnah ist wie schon gesagt nichts anderes als Tradition etc. Würde ich durch die Wüste reiten, würde ich mich auch verschleiern. Hier in Deutschland ist eine Verschleierung nicht Sunnah und auch nicht sinnvoll.

Liebe Schwester, ich mache mir ernsthaft Sorgen um Dich. Ich will Dir nicht sagen, welche Glaubensrichtung die richtige ist. Dann wäre auch ich anmaßend. Aber was hier bei Dir passiert, ist in keinem Fall in Ordnung. Die Familie ist zu ehren. Hüte Dich vor falschen (Ver-)Führern.

Nach sunnitischem Verständnis ist es übrigens haram, einen Freund zu haben. Auch verlobt ist Euch der Umgang nicht zu erlauben. Einzig die Heirat schützt hier vor zina. Selbstbefriedigung ist angeblich auch haram. Also .... wenn es das ist, was Dich glücklich macht ....

In schā'a llāh

Krass....jetzt werden auch schon die fünf Säulen infrage gestellt...

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@furkansel

Krass ist, dass die Sunniten die "5 Säulen des Islam" erfunden haben und sie als Grundvoraussetzung zur Zugehörigkeit zum Islam postulieren. Das ist krass.

Oder zeige Du mir den Quran-Vers, in dem die "5 Säulen des Islam" erwähnt werden. Den gibt es nicht.

Somit ist die sunnitische Haltung zu den 5 Säulen des Islam schon Blasphemie. Mit welchem Recht hätten sie zu bestimmen, WAS die 5 Säulen sein sollen? Mit keinem. Dies obliegt allein Allah.

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@DottorePsycho

5 Säulen sind praktisch die Eigenschaften eines Moslems.

Man hat diese einfach als 5 Säulen genannt, jedoch sind die INHALTE alle im Quran gegeben.

Sprich: 5x am Tag Beten, Fasten, Spenden, Pilgerfahrt und das Glaubensbekenntnis.

Alles ist im Quran gegeben.

Dies sind praktisch die EIGENSCHAFTEN bzw. damit IDENTIFIZIEREN sich Muslime.

Denn jeder kann Spenden. Ist er dann Moslem?

Jeder kann kein Schweinefleisch essen, ist er dann Moslem?

Viele nehmen keine Drogen, rauchen nicht, trinken kein Alkohol, ist er damit automatisch ein Moslem?

Heutzutage ist es eher so. Man isst kein Schweinefleisch, aber rauchen und Alkohol trinken macht man.

Auf diese Säulen stützt sich praktisch der Muslime.

Man muss es als eine Metapher ansehen.

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@bluestyler

Muslim ist, wer sich selbst als Muslim definiert. Nicht mehr und nicht weniger. Kein anderer hat das Recht über diesen einen etwas anderes zu bestimmen.

Die 5 Säulen sind die Eigenschaften eines Muslim? Sorry, diese "neue" Formulierung oder Definition macht es nicht besser. Ich stimme zu, dass die "Inhalte" der sunnitischen 5 Säulen im Islam Erwähnung finden, wobei nirgends im Quran steht, dass 5 mal zu beten wäre. Wer aber gibt den Sunniten das Recht, genau diese 5 Dinge als Säule zu definieren? Im Islam steht noch viel mehr. Warum ausgerechnet diese? Nein, nein, die 5 Säulen des Islam sind eine unzulässige und blasphemische Anmaßung der Sunniten.

Wir Aleviten beten, fasten, spenden, sprechen unsere shahada und pilgern nach Mekka - ohne dass wir dies als "die 5 Säulen des Islam" festschreiben müssten. Dazu fehlt uns der Dogmatismus, in dem Du Dich suhlst. Es gibt keinen Zwang im Glauben; wie vereinbarst Du das mit Deinen Pflichten, die Du aus den 5 Säulen auferlegt bekommst? Wir Aleviten beten, fasten, spenden, sprechen unsere shahada und pilgern nach Mekka - ohne Zwang und ohne dogmatische Regelungen.

Wir sind nicht Muslim, weil wir keinen Alkohol trinken oder kein Schwein essen; sowas ist Unsinn. Wir sind Muslime, weil wir uns als Muslime definieren. Und dazu benötigen wir keine sunnitische Zustimmung.

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