Ehre verteidigen Notwehr?

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6 Antworten

Die persönliche Ehre ist in der Notwehr gem. § 32 StGB umfasst!

Demnach bedarf es eines gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriffes auf ein Rechtsgut.

Angriff ist jede Bedrohung rechtlich geschützter Individualinteressen durch menschliches Verhalten. Eine Beleidigung (=Ehrverletzung) ist unproblematisch ein Angriff i.S.d. § 32 StGB. Die persönliche Ehre ist nach ständiger Rechtssprechung und absolut herrschender Meinung auch ein Rechtsgut (vgl. Art. 1 GG).

Gegenwärtig ist der Angriff, wenn er unmittelbar bevorsteht, gerade stattfindet oder noch andauert. Das ist bei der Beleidigung schon etwas schwieriger, da die Beleidigung mit Beendigung des Wortes vorbei - und somit nicht mehr gegenwärtig ist. Sofern eine ganze Beschimpfungskette stattfindet ist der Angriff aber noch immer gegenwärtig, da davon ausgegangen werden darf, dass weitere Beleidigungen folgen.

Rechtswidrig ist der Angriff, wenn der Täter selbst kein Recht zum Angriff hat (zum Beispiel ein eigenes Recht auf Notwehr).

Eine Notwehrhandlung muss darüber hinaus erforderlich und geboten sein.

Erforderlich ist eine Handlung, wenn sie das mildeste Mittel ist,
einen Angriff sofort und ohne Risiko zu beenden. Somit ist ein Schlag
unproblematisch erforderlich. Dabei gibt es grundsätzlich auch keine
Güterabwägung.

Gebotenheit wird vermutet, es sei denn, es liegt ein Ausschlussgrund vor, wie z.B. ein Bagatellangriff, eine Nähebeziehung, ein besonders krasses Missverhältnis (Obstklau-Fälle), o.Ä.

Eine Verteidung gegen den Angriff mit Gewalt ist also ohne Weiteres zulässig und aufgrund von § 32 StGB straffrei.

Auch Ehre ist Notwehrfähig.

Die Schwierigkeit dabei ist die Erforderlichkeit.

Beleidigt dich jeman einmal ist hinterher die Straftat vorbei und keine Notwehr mehr möglich.

Beleidigt er dich öfters und/oder vor anderen (z.B. deinen Kindern) ist es absolut angebracht das zu unterbinden.

Den Begriff "Erforderlichkeit" habe ich im StGB nicht gefunden. Kannst du den erklären? Wann ist denn Notwehr "erforderlich"? Ich kann ja immer auch die andere Backe hinhalten.

Das ist übrigens ein gerne falsch interpretiertes Bild aus der Bibel. Es heisst nicht, dass ich alles fraglos hinnehmen soll.

Und Beleidigung vor Kinders ist dann doch erforderlich? Etwas wirr, oder?

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@Cwmystwyth

Den Begriff "Erforderlichkeit" findest du in §32 StGB.

Der Rest deines Kommentares ist mir ein Rätsel: Kinder, Bibel .. 

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@Cwmystwyth

Erforderlich ist eine Handlung, wenn sie das mildeste Mittel ist, einen Angriff sofort und ohne Risiko zu beenden. Somit ist ein Schlag unproblematisch erforderlich. Dabei gibt es grundsätzlich auch keine Güterabwägung.

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ES1956, ich weiß und du weißt, dass wir bezüglich "Notwehr" unterschiedlicher Auffassung sind.

Dessen ungeachtet denke ich, dass in diesem Falle eine Gewaltanwendung, Tätlichkeit oder ähnliches kein rechtlich gestattetes Mittel zur Ehrenrettung ist. Zwar ist die Ehre geschützt, aber zur Verteidigung der Ehre greifen heute die §§ 185, 186, 187 des StGB (Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung).

Was allenfalls unter Umständen ungestraft bleiben kann, ist eine spontane (!) Reaktion auf eine direkte Beleidigung. Konkretes Beispiel: Ein Feldwebel ging mit einigen ihm unterstellten Soldaten in einer Stadt zum Blutspenden. Plötzlich baute sich ein junger Mann vor dem Feldwebel auf und und schrie ihn mit den Worten an: "Du Sche… Mörder und Nazi!" Worauf der Feldwebel ohne zu überlegen dem jungen Mann eine deftige Backpfeife verpasste. Dieser junge Mann klagte dann gegen den Feldwebel wegen Körperverletzung. Es kam zur Gerichtsverhandlung. Als Zeugenaussagen übereinstimmend bestätigten, dass die Backpfeife ohne Zögern augenblicklich als Reaktion auf die Beleidigung erfolgte, war das für den Richter ausreichend, um das Verfahren einzustellen und die Akte zu schließen. Sein Kommentar zum jungen Mann: "Sind Sie selber schuld."

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@OnkelSchorsch

Du hast recht: Wir sind da anderer Meinung. ;-)

Nettes Beispiel hast du da aber genau das hat m.M.n. mit Notwehr absolut nichts zu tun.

Ich erfinde mal ein anderes Beispiel: 

Du bist mit deinen Kindern (6 und 8 ) auf dem Spielplatz. Ein Erwachsener der dich von deiner Arbeit kennt kommt und nennt dich ein A-lo** und dreht sich um. 

Keine Notwehr! > Anzeige.

Er bleibt und beleidigt deine Ehre indem er dich lautstark illegaler sexueller Praktiken bezichtigt und diese immer weiter ausschmückt.

Notwehr erforderlich, angemessen und gerechtfertigt um ihn vom Weitermachen abzuhalten. Also: Bockfotzn. 

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@OnkelSchorsch

Es gibt auch die tätliche Beleidigung, wie z.B. eine Backpfeiffe. Die unterbinde ich beim Ausholen zum Schlag durch das "erforderliche" Mittel. bedingt natürlich schnelle Reaktion.

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Mensch, sortiere mal erst deine Worte, bevor du die Leute hier in Wallung bringst.

Ich habe den leisen Verdacht, dass dein Begriff von Ehre nicht ganz damit in Einklang steht, wie er hier im deutschen Kulturkreis benutzt wird. Komisch gucken - keine Ehrverletzung. Deine Freunding anstarren - keine Ehrverletzung. Schneller an der Ampel anfahren - keine Ehrverletzung.

Darüber hinaus ist die Würde eines Menschen ein Recht, das ich in Notwehr verteidigen darf.

Wie kann man … die Ehre verteidigen?

In früheren Zeiten ging das Verteidigen der Ehre mittels des Duells. Das zwar ebenfalls verboten war, aber die Strafen fielen wenn überhaupt, sehr milde aus und wurden insbesondere auch nicht ins Führungszeugnis (wie man heute sagt) eingetragen. Das ist jedoch hundert Jahre her.

Heute ist ein Abstraktum wie "Ehre" nicht durch Gewalt zu verteidigen. Wer in seiner Ehre angegriffen wurde, kann Strafanzeige wegen Beleidigung, übler Nachrede oder Verleumdung stellen. Gemäß §§ 185, 186, 187 StGB.

...oder sich gem. § 32 StGB zur Wehr setzen, siehe meine Antwort oben.

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@DummheitsFeind

Ich habe deine Antwort gelesen und halte sie für sachlich falsch.

Und nein, ich diskutiere das nicht.

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@OnkelSchorsch

Das ist aber schwach. Wenn sie sachlich falsch wäre, würde ich auch gerne erfahren warum. Einfach eine andere Meinung als falsch darzustellen und sich dann aus dem Staub zu machen, legt die Vermutung nahe, dass Sie in Wahrheit keine Ahnung von der Materie haben und es sich somit nur um eine Schutzbehauptung ihrerseits handelt. Ich habe meine Darstellung am Gesetz begründet und mit anerkannten, juristischen Definitionen gearbeitet. Sie dagegen nicht.

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@DummheitsFeind

was erwartest du wenn einer 3 § aus dem StGB nennt, den wichtigsten zum Thema (§32) aber geflissentlich ignoriert?

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@OnkelSchorsch

Kannst du ja dafür halten, ist aber juristisch völlig einwandfrei, also sachlich gibt es da nichts zu bemängeln wie dir jeder x beliebige Jurist bestätigen wird.

Die Strafbarkeit dieser Handlung schränkt Notwehr auch nicht ein, sonst könnte man ja auch bei einer Körperverletzung keine Notwehr begen.

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Ein Angriff auf Deine Ehre kann mit einer Anzeige wegen Beleidigung oder übler Nachrede verteidigt werden.

Körperlich die Ehre verteidigen ist Körperverletzung.

"Körperlich die Ehre verteidigen ist Körperverletzung"

Stimmt. Und diese ist, sofern natürlich Notwehr und Notstand greifen, nicht rechtswidrig.

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@Nitarius

Lies den Paragraphen.

Vor allem den letzten Satz.

Kein Richter wird es akzeptieren, wenn jemand wegen einer Ehrverletzung gewaltätig wird.

Das ist lange vorbei.

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@Menuett

Nein, das ist nicht richtig. Man kann sehr wohl bei einer Beleidung gewalttätig werden:

Eine Notwehrhandlung (Notwehr umfasst auch die persönliche Ehre!) muss erforderlich und geboten sein.

Erforderlich ist eine Handlung, wenn sie das mildeste Mittel ist,
einen Angriff sofort und ohne Risiko zu beenden. Somit ist ein Schlag unproblematisch erforderlich. Dabei gibt es grundsätzlich auch keine Güterabwägung.

Gebotenheit wird vermutet, es sei denn, es liegt ein Ausschlussgrund vor, wie z.B. ein Bagatellangriff, eine Nähebeziehung, ein besonders krasses Missverhältnis (Kirschdiebstahl-Fall), o.Ä.

Eine Verteidung gegen den Angriff mit Gewalt ist also ohne Weiteres zulässig und aufgrund von § 32 StGB straffrei.

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@DummheitsFeind

Da kenne ich nur gegenteilige Urteile.

Deine Ehre ist mit einer Anzeige wegen Beleidung, übler Nachrede oder Verleumdung völlig ausreichend verteidigt.

Mit Körperverletzung kommst Du da nicht durch.

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@Menuett

Doch, kommst du. Sofern § 32 StGB greift - wie er es hier problemlos tut- kommt man damit auch durch. Geltendes Recht muss angewendet werden. Man kann nicht willkürlich etwas anderes entscheiden. Dann wäre man sofort mit einer Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe dabei und das Urteil aufgehoben.

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Da ein Angriff auf deine Ehre nicht Leib und Leben bedroht, gibt es dafür keine Notwehr. Ausserdem muss man sich Ehre verdienen und hat sie nichjt einfach so.

Der erste Satz stimmt nicht.

Der Zweite leider auch nicht.

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