Ehescheidung - ein unklarer Fall

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7 Antworten

Da hier schon viel Richtiges gesagt wurde, sollen hier nur ein paar Ergänzungen folgen: „Die katholische Kirche kann für diejenigen, die nicht katholisch sind, keine besonderen eherechtlichen Regeln erlassen, da es ein Naturrecht auf Ehe gibt, das seitens der katholischen Kirche nicht eingeschränkt werden kann. Deswegen wird zur Prüfung der Gültigkeit einer Ehe von Nichtkatholiken immer das Eheschließungsrecht der anderen Konfession oder Religion bzw. das des Staates zugrunde gelegt. Darüber hinaus versteht die katholische Kirche die Ehe unter Getauften immer als ein Sakrament, was für nichtkatholische Christen, die ausschließlich auf dem Standesamt heiraten, bedeutet, dass sie - auch ohne es zu wissen - sich ein Sakrament spenden. Auch wenn das eine etwas problematische Position ist, wird seitens der katholischen Kirche daran festgehalten, insofern das Sakrament der Ehe wie alle anderen Sakramente als von Christus gestiftet verstanden werden. Aus dem gültigen Ehevertrag ergibt sich die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe. Insofern jede gültig geschlossene Ehe unter Getauften Sakrament ist und daher lebenslang bindet, hätte eine Scheidung keine Auswirkungen auf die Gültigkeit dieser Ehe. Generell wird zur Gültigkeit der Eheschließung allen Eheschließenden, unabhängig von Konfession oder Religion, unterstellt, dass sie eine Ehe so wollen wie die katholische Kirche sie versteht. Da man das unterstellt, muss es die Möglichkeit geben, das Gegenteil nachzuweisen, was in so genannten Ehenichtigkeitsverfahren geprüft werden kann.“

Für ein konfessionsverschiedenes Paar, dass "evangelisch" heiratet, gilt die Ehe in der kath. Kirche nur als Sakrament (denn das ist die Ehe nur in der kath. Kirche), wenn der kath. Ehepartner von der kath. Kirche eine sogenannte Dispenz erhalten hat, was reine Formsache ist. Ansondten gilt die "evangelisch" geschlossene Ehe als Ehesegnung und nict als Sakrament. Die Ehe als Sakrament ist unauflöslich, d.h. man kann sich juristisch scheiden lassen, nicht aber kirchlich. Wieder heiraten ist aber dann nur standesamt möglich mit der Konsequenz der Exkommunizierung in der kath. Kirche. Die Kath. Kirche sieht es daher nicht gerne, wenn Ehen "nur" standesamtlich geschlossen werden. Auch evtl. Kinder die aus der Ehe hervorgehen in der ein kath. Partner ist, sollen kath. getauft werden. Dazu muß sich der evangelische Partner verpflichten bei der kitchlichen Trauund. Nähere Angaben gibt jedes kath. Pfarramt.

Hallo Lionel75: Das ist ein wirklich interessanter Fall und ein Fall für das ktholische Kirchenrecht. Vieles von dem du geschrieben hast ist richtig. Ich will versuchen, Licht in das Dunkel zu bringen.

Die Ehe zwischen zwei nicht-katholischen Brautleuten wird - in der Tat - von der katholischen Kirche anerkannt. Dies liegt an einem Grundsatz im katholischen Kirchenrecht: Die katholische Kirche verpflichtet ihrerseits ihre Mitglieder zu einer bestimmten Form der Eheschließung, nämlich die kirchliche Trauung in der Kirche. Diese gilt dann auch als Sakrament. Da die katholische Kirche eine solche Formpflicht aber nur für ihre eigenen Mitglieder auferlegen kann, nicht aber für Nicht-Katholiken (denn für diese ist sie ja nicht Legislative), unterliegen Nicht-Katholiken auch nicht dieser oben genannten Formpflicht. Somit werden nicht-katholische Eheschließungen also auch von der katholischen Kirche als geschlossene Ehen anerkannt.

Dies führt in der Tat dazu, dass die vor einer Konversion geschlossene Ehe eines evangelischer Christen, der nach der standesamtlichen Eheschließung zur katholischen Konfession konvertiert auch als kirchenrechtlich gültige Ehe von der katholischen Kirche anerkannt wird. Sollte es zu einer Trennung der beiden Ehepartner kommen, ist es in der Tat für den zwischenzeitlich katholisch gewordenen Partner nicht mehr möglich, noch einmal kirchlich zu heiraten.

Es sei denn, es gibt einen Grund, diese zuvor geschlossene Ehe nicht als gültige Ehe anzuerkennen (Annullierung).

Dazu noch eine Bemerkung: Die katholische Kirche kennt keine Ehe-Scheidung, sondern nur eine Annullierung. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Eine Scheidung beendet eine früher gültig geschlossene Ehe, d.h. die geschiedene Ehe hat, z.B. nach staatlichen Recht, eine gewisse Zeit bestanden - mit allen damit verbundenen rechtlichen Folgen.

Eine kirchliche Annulierung einer Ehe besagt jedoch was ganz anderes. Ein Annullierungsverfahren stellt fest, dass die vermeintlich geschlossene Ehe nach kirchlichen Verständnis schon zum Zeitpunkt der vermeintlichen Eheschließung nie rechtsgültig zustande gekommen ist. Es wird bei der Annullierung also im Nachhinein festgestellt, dass nie eine gültige Eheschließung erfolgt ist.

Du hast mit deiner Frage da eine richtige Problematik aufgezeigt.

Danke erst mal für die kompetente Antwort. Aber die kath. Kirche ist meiner Meinung nach eh sehr inkonsequent in diesen Belangen und dies gilt für alle Sakramente. Konvertiten stehen da meist ziemlich dumm da, denn es wäre sicherlich kein Problem sich vor einer Konversion scheiden zu lassen. Aber wie bitte kann auch etwas als sakramental anerkannt werden, was gar kein Sakrament ist. Denn auch für Luther war die Ehe „ein weltlich Ding“ und sie ist für die heutigen Protestanten auch nur eine Art Segnung, aber niemals ein Sakrament. Diese ganze Sache ist ja nicht nur vom Gewissen und der Moral zu betrachten, sondern kann ja berufliche Konsequenzen haben, indem man keinen kirchlichen Dienst mehr leisten kann(Pastoralreferent etc.). Für Protestanten wäre dieser Fall gar kein Problem und bei den orthodoxen Schwesternkirchen würde es im Rahmen der pastoralen "Ökonomie" gelöst, aber bei der kath. Kirche???

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@Lionel75

Das ist alles sehr interessant, was du schreibst, aber können wir das hier wirklich ausdiskutieren? Nur so viel zur Heilsökonomie der orthodoxen Kirche: Auch da ist keine Scheidung möglich, aber nach einer Phase der Buße, die u.U. über Jahre dauern kann, kann eine weitere Eheschließung den kirchlichen Segen bekommen. Davor wird aber festgestellt, dass die Liebe der ersten Ehe 'gestorben' ist. Das heißt aber nicht, dass die erste Ehe geschieden wurde. Sie ist kirchenrechtlich noch gültig, aber nicht mehr heilswirksam.

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@gerwitt

...tja, da müssen sich wohl tatsächlich die Kirchenrechtler darüber den Kopf zerbrechen. "Zur Not" hat ja auch die Ehelosigkeit so ihre ganz eigenen Segnungen, auch wenn dies für Nicht-Katholiken wohl wieder eher unverständlich sein dürfte... ;o) ...aber es muss ja auch nicht alles verständlich sein – insbesondere was sowieso den Verstand übersteigt (Verstandestätigkeit ist nun mal diskursives Denken – will heißen zergliederndes Denken – was logischer Weise ganzheitliches Erfassen ausschließt), daher muss man Sakramente ja auch nicht verstehen, sondern an sie glauben! (wobei Glauben wieder nicht im Sinne von Für-wahr-halten zu verstehen ist, aber das übersteigt dann wirklich den Rahmen hier)

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Es geht hier doch nicht um gesetzliche Regelungen, die sind eindeutig. Es geht auch nicht um Moral! Wenn einer der Ehepartner zum Katholischem Glauben konvertiert ist wird er gute Gründe dafür gehabt haben. Wenn jetzt die Scheidung ansteht, die nach katholischen Kirchenregeln nur von Gott geschieden werden kann, also durch Tod, kommt dieser Mensch in Gewissenskonflikte. Ich weiß, dass die katholische Kirche auch weltlichen Scheidungen zustimmt (Beispiel Caroline von Monaco). Das kann der/die Betroffene aber wohl nur mit dem Pfarrer regeln. Ob die Zustimmung des Bischofs ausreicht oder der Fall letztendlich über den Vatikan entschieden wird, weiß ich nicht zu sagen.

Im Falle einer kirchlichen Ehe"annulierung" gilt als "Ansprechpartner" Rom, also der Vatikan. Und das geht auch nur in ganz bestimmten Fällen!! Die Zustimmung des Pfarrers reicht da nicht aus.

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@comarel

Das hab ich doch garnicht behauptet. >Das kann der/die Betroffene aber wohl nur mit dem Pfarrer regeln. Ob die Zustimmung des Bischofs ausreicht oder der Fall letztendlich über den Vatikan entschieden wird, weiß ich nicht zu sagen.<

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Wenn du katholisch bist, dann kannst du nur 1x kirchlich heiraten, ausgenommen der Ehepartner stirbt oder die Ehe wird annulliert.

Ich habe noch nie gehört, daß eíne evangelische Heirat automatisch zur katholischen wird?

Wird sie nur, wenn der kath. Partner vor der Eheschließung von der kath. Kirche eine sogenannte Dispenz erhalten hat. Kinder, die aus einer solchen Ehe hervorgehen sollten aber weiterhin kath. getauft werden, wozu sich der evangelische Partner schriftlich einverstanden erklären muß.

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Katholische Ehen können sehr wohl geschieden werden! Man unterscheidet die kirchliche und standesamtliche Trauung. Standesamtlich spielt es überhaupt keine Rolle, welcher Religion man angehört, um geschieden zu werden.

Du kannst jederzeit wieder standesamtlich heiraten. Nur nicht ein 2tes mal kirchlich.

@Shira: bitte was ist eine katholische-standesamtliche Trauung im Unterschied zur herkömmlichen standesamtlichen Trauung?

und übrigens eine katholische-kirchliche Trauung kann nicht geschieden werden.. ich bin mit meinem ersten Mann noch immer vor dem Klerus verheiratet ;o)

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@Eastside

In Deutschland kann man nur standesamtlich heiraten. Man ist dann nicht automatisch kirchlich verheiratet.Eine offizielle Scheidung ist immer die standesamtliche.

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@Eastside

Kirchenrechtlich ist die Scheidung einer gültig geschlossenen kirchlichen Ehe nicht möglich. Aber eine Annullierung ist manchmal möglich. Näheres dazu in meinen Ausführungen hier.

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@Eastside

...bestimmt nicht vor dem Klerus oder haben Sie sie dort geschlossen?... ;o)

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So ein Blödsinn .. Scheidung ist Scheidung .. Kirche hin oder her ... gesetzlich bindend ist das eh nicht! Höchstens moralisch ... aber das iss was ganz anderes....

Eine kirchliche Ehe ist für einen Christen religiös bindend, nicht nur moralisch.

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