Ehe noch gültig wenn zivil geschieden?

4 Antworten

Sehr wahrscheinlich ist die Ehe nach kirchlichem verständnis von Anfang an ungültig.

Der katholische Partner unterliegt grundsätzlich dem kath. Kirchenrecht und damit der Formpflicht beid der Eheschließung. Von dieser Formpflicht kann der zuständige Bischof bzw. Generalvikar dispensieren. Wenn der nichtkatholische Partner der orthodoxen Kirche angehört, wird immer seitens des Bistums besonders auf die richtigen Formalitäten geachtet. Ich kann es mir nicht vorstellen, von der Formpflicht befreit zu werden für eine nur zivilrechtliche Trauung mit einem orthodoxen Partner. Zudem kann es sein, dass auch aus orthodoxer Sicht die Ehe ungültig ist --- was ich für sehr wahrscheinlich halte, denn für eine gültige Eheschließung nach othodoxem Verständnis ist für den Brautsegen / Ehesegen ein Priester notwendig. Orthodoxe Diakone können und dürfen das nicht.

Nichtsakramentale Eheschließung

Jede staatlich und möglicherweise auch kirchlich (mit Dispens vom Ehehindernis der Religionsverschiedenheit) geschlossene Ehe zwischen einer getauften und einer ungetauften Person bzw. zwischen zwei ungetauften Personen, wird nicht als eine sakramentale, sondern als natürliche Ehe angesehen (Naturehe). Eine gültig geschlossene, nicht sakramentale Ehe ist nach dem Kirchenrecht unter bestimmten Bedingungen unter Inanspruchnahme des Petrinischen Privilegs zu Gunsten des Glaubens durch päpstlichen Hoheitsakt (Dispens) auflösbar. Eine zwischen Ungetauften geschlossene Ehe kann unter bestimmten Voraussetzungen auch aufgrund des Paulinischen Privilegs aufgelöst werden, wenn einer der Partner sich taufen lässt und der andere die friedliche Fortsetzung der Ehe unter diesen Umständen verweigert.

Das sogenannte Petrinische Privileg (lateinisch privilegium petrinum) bezeichnet im römisch-katholischen Kirchenrecht die Möglichkeit, eine aus kirchlicher Sicht gültig geschlossene Ehe, in der mindestens einer der Partner nicht getauft ist, trotz der von der katholischen Lehre generell als Gebot göttlichen Rechts betrachteten Unauflöslichkeit der Ehe durch einen päpstlichen Hoheitsakt aus gerechtem Grund aufzulösen. In der Regel geschieht dies nur in relativ wenigen Einzelfällen. Die Praxis dieses Rechtsinstituts ist relativ jung, auch der Name Petrinisches Privileg wird erst seit den 1940er Jahren dafür verwendet. Grund für die Bezeichnung ist die Tatsache, dass die Gewährung dieses Privilegs allein dem Papst vorbehalten ist, der nach kirchlicher Lehre Nachfolger des Apostels Petrus ist.

Als Paulinisches Privileg (Latein: Privilegium Paulinum) bezeichnet man eine auf den Apostel Paulus zurückgehende Sonderregelung innerhalb des Christentums zur Auflösung einer Ehe zwischen Christen und Nichtchristen. In paulinischer Zeit (ca. 32–64 n. Chr.) kam es vor, dass einzelne Verheiratete sich zum christlichen Glauben bekehren ließen und die Taufe empfingen. Das führte jedoch offenbar mitunter zu schweren Konflikten innerhalb der Partnerschaft, zum Beispiel wegen der Verweigerung des traditionellen Götzenopfers (1 Kor 10 EU) und daraus resultierender sozialer Ausgrenzung und der Christenverfolgung.

Das Ehenichtigkeitsverfahren nach dem kanonischen Recht (auch als Eheannullierung bekannt) ist ein Verfahren, in dem von der zuständigen Stelle der katholischen Kirche die kirchenrechtliche Nichtigkeit der Ehe ausgesprochen, d. h. rechtswirksam festgestellt wird, dass eine Ehe nach katholischem Verständnis aufgrund des Fehlens eines ihrer konstitutiven Wesensmerkmale von Anfang an nicht gültig zustande gekommen ist. Die Annullierung bedeutet also keineswegs die Auflösung einer bestehenden Ehe, vielmehr handelt es sich um die bloße Feststellung der Ungültigkeit der Eheschließung nach katholischem Eherecht (im Sinne einer Tatsachenfeststellung), was bedeutet, dass nach katholischem Verständnis niemals eine Ehe bestanden hat.

(wikipedia)

In der Regel gilt also auch die standesamtliche Ehe für römisch-katholische Christen als unauflöslich. Wenn es den Menschen kirchenrechtlich wichtig ist, muss der „Fall“ von kirchlichen Gerichten geklärt werden. Eigentlich geht es nur über eine Nichtigkeitserklärung.

Hallo kgsbus,

das ist die erste etwas ausführlichere Antwort, allerdings sind mir die Wiki-Inhalte bekannt, ja sogar die c.-i.-c.-Paragraphen habe ich schon mal eingesehen.

Das Problem formulierst Du am Schluss: "In der Regel...." Man könnte die Fragen dabei noch etwa so gliedern: Aus der Sicht der Kirche sei eine standesamtliche Ehe ein Sakrament, sofern sie zwischen zwei getauften Nichtkatholiken geschlossen sei oder sofern sie zwischen zwei Katholiken geschlossen sei, die eine Formdispens beim Ordinariat geholt hätten. Hätten, weil in meinem Fall die eine Seite katholisch war (Formdispens evtl. eingeholt - dies ist nicht bekannt), die andere Seite aber sich bewusst war, einen Katholiken zu ehelichen - bei welchen ja, wie die meisten Menschen wissen, die Ehe unauflöslich ist.

Die Frage ist, ob sie sich als gebunden zu betrachten hat, wir können die Frage auch unterteilen in den Fall a): Der Mann holte eine Formdispens ein - die Ehe dürfte für ihn bindend sein und den Fall b) Der Mann holte keine Formdispens ein - die Ehe dürfte für ihn nicht bindend und somit auch kein Sakrament sein.

In beiden Fällen bin ich mir nicht sicher, ob die Frau ihrerseits gebunden ist. Im Fall a ist zwar anscheinend ein Sakrament gespendet worden, da jedoch aus der orthodoxen Sicht der Frau evtl. ein Willensmangel vorhanden war (sie betrachtet sich von Jugend an als scheidbar), stellt sich die Frage, was hier gängige Praxis der Kirche ist.

Im Fall b ist zwar anscheinend kein Sakrament gespendet worden, jedoch könnte sie sich gebunden haben, weil der Nichtkatholik ja nicht an den katholischen Ritus gebunden ist. Erst die Anschlussfrage wäre dann wiederum wie bei a), nämlich was die Dame damals intendierte.

Der Fall ist echt und aus der Praxis. Ich habe seit einiger Zeit mit meinem bescheidenen, aber durchaus oft gelobten Einfühlungsvermögen herauszufinden versucht, was sie damals gewollt hatte - bis heute ist das noch nicht ganz geklärt.

Evtl. gibt es nun aber eine Rechtspraxis, die den Fall ohnehin auf diese oder jene Weise regelt.

Daher wirst Du wohl mit dem Satz auch nicht Unrecht haben, dass ein kirchliches Gericht die Nichtigkeit wohl feststellen sollte. Dann allerdings stellt sich immer noch die Frage nach den Chancen, also wiederum nach einer allenfalls vorhandenen Rechtspraxis.

Insgesamt immerhin schon mal danke für die Antwort, besonders für den Schluss.

Gruss, Mike

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@damdem

@alle

Die Sache scheint sich jetzt zu klären. Der Hinweis eines katholischen Rechtsprofessors geht dahin, dass die katholische Kirche im Falle des orthodox getauften Christen die Ehe nur dann als Sakrament anerkennt, wenn die orthodoxe Kirche den Segen (wenigstens in Gestalt einer kleinen Zeremonie) dazu gegeben hat. Die Ehe zwischen zwei Getauften ist also nicht schon in jedem Fall automatisch Sakrament, weil die Orthodoxen die Zivilehe nicht so selbstverständlich als gültig anerkennen. Hier dürfte die Lösung des Falles also liegen, die Frau ist somit nicht bindend verheiratet.

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Hallo Leute, ich bin's selber wieder. Ich stell' mal eine Antwort zur Diskussion, die mir ein Professor gegeben hat:

"Der Fall sei sonnenklar, sofern die Frau bei keinem orthodoxen Priester eine diesbezügliche Zeremonie absolviert habe." Die Ehe sei demnach klar ungültig, egal wie viele Kinder daraus hervorgegangen seien und wie lange sie gedauert habe. Stimmt das?

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