Ehe- und Erbvertrag der Eltern mit einem Vermächtnis für die 3 Töchter. Was ist der Unterschied zwischen Vermächtnis und Erbe?

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2 Antworten

Offenbar haben sich ihre Eltern gegenseitig zu Erben eingesetzt und in Bezug auf den Tod des Letztversterbenden von ihnen darauf beschränkt, das Familienhaus als "Vermächtnis" den Töchtern zu gleichen Teilen zuzuwenden.

Wenn für den zweiten Erbfall (also Tod Ihres Vaters) tatsächlich keine Erbeinsetzung erfolgt ist und nur dieses "Vermächtnis" besteht, würde beim Tod Ihres Vaters die gesetzliche Erbfolge eintreten. Das würde bedeuten, dass Sie und Ihre Schwestern (sofern keine weiteren Abkömmlinge des Vaters, auch vor- bzw. nichteheliche vorhanden sind) zu je 1/3 Erben Ihres Vaters werden . Da zum Nachlass des Vaters auch das Haus gehört und Ihnen also als Erben zufallen würde, wäre das Vermächtnis, das gleiches bestimmt, gegenstandslos.  Es würde nur Sinn haben, wenn Ihr Vater andere Personen zu Erben einsetzen würde, denen gegenüber Sie dann Anspruch auf Übertragung des vermachten Hauses hätten. Sie sollten das mit Ihrem Vater abklären

Unabhängig davon, ob Ihnen und den Schwestern das Haus als Erbe oder als Vermächtnis zufällt, könnten Sie es - wenn alle drei Schwestern einig darüber sind - verkaufen, es sei denn, der Vater würde bestimmen, dass ein Verkauf nicht  oder erst nach x Jahren erfolgen dürfe, was dann zumindest aus "moralischen" Gründen einem Verkauf entgegenstünde, aber bei Einverständnis aller Miterben mit dem Verkauf auch kein rechtliches Hindernis wäre.Wenn Ihr Vater den Verkauf auch rechtlich unterbinden wollte, müsste er einen Testamentsvollstrecker bestimmen, der dann das Verkaufsverbot auch den Erben gegenüber durchsetzen könnte.

Grundsätzlich: "Erbe" bedeutet Rechtsnachfolge des Erblassers insgesamt, "Vermächtnis" dagegen ist die Zuwendung eines Nachlassgegenstands ohne Beteiligung des Empfängers am Nachlass im Übrigen oder mit Haftung auch für Verbindlichkeiten.

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Was ist der Unterschied zwischen Vermächtnis und Erbe?

Ein Vermächtnis wird außerhalb des Erbes zugewendet. Damit zählt es nicht zum Nachlass der Erstversterbenden. Dies verhindert, dass es durch Erbauseinandersetzung oder Pflichtteilsforderung der gesetzl. erb- oder pflichtteilsberechtigten Kinder verkauft werden muss, was den Längstlebenden zum Auszug zwänge. Selbst ein Wohnungsrecht des Längstlebenden könnte dies im Fall der Teilungsvollstreckung nicht verhindern.

Dieses Szenario schien den Eltern erwartbar, wenn die durch eigene Hypotheken belastete Kinder oder deren  Lebenspartner auf ihren Anteil des elterlichen Hauses schielen.

Das Hausanwesen sollte vielmehr für den Witwer als gewohnter Lebensmittelpunkt erhalten werden, nicht für die Nachwelt als Museum bestehen bleiben.

Unterstellt, eurer Vater verfügt darüber nicht anders, weil er als befreiter Vorerbe dazu berechtigt wäre, könnt ihr Kinder nach seinem Tod mit dem Haus machen, was ihr wollt: Miteigentumsanteile unter euch verkaufen oder euch zu freihändigem Verkauf oder anteilige Mieteinkünften entscheiden.

G imager761

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Kommentar von sergius
05.12.2016, 17:46

Ich möchte mir erlauben, zu Ihrem ersten Satz "Ein Vermächtnis wird außerhalb ..." die Einwendung zu machen, dass jeder Vermächtnis-gegenstand beim Erbfall zunächst einmal zum Nachlass gehört, und dann erst als "Nachlassverbindlichkeit" (sic !) vom Vermächtnisnehmer bei dem Erben eingefordert werden kann. Da ich Ihre Rechtsausführungen grundsätzlich richtig, sogar oft anerkennswert finde, glaube ich mich zu diesem Hinweis legitimiert ! 

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