Egoismus zustimmend?

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Ich denke es kommt ganz darauf an, ab wann bzw. bis wann, man einen Menschen als ''normal'' bezeichnet. Selbstverständlich denkt jeder Mensch an sich und sein eigenes Wohlergehen. Das ist völlig normal und Grundsatz allen Lebens.

Allerdings gibt es Ausnahmen, in denen Menschen scheinbar völlig selbstlos handeln, sogar ihr Leben für das eines anderen geben. Aber auch hier hat der Mensch in gewisser Weise an sich selbst gedacht, da er eine Person beschützt hat, die ihm selbst wichtig war und ohne die er möglicherweise nicht leben möchte.

Selbstverständlich kann man das nicht als egoistisch bezeichnen, eher im Gegenteil. Trotzdem hat er sich selbst, wenn auch nur in Form seiner Gefühle, mit einbezogen und somit auch an sich selbst gedacht.

Kontrovers ist das Thema aber allemal, weil es oftmals sehr schwer ist die Beweggründe eines Menschen für seine Taten nachzuvollziehen und deshalb nicht klar sagen kann, ob er egoistisch handelt oder nicht.

Egoismus ist wie Solidarität ein moderner Begriff, teils auch sehr widersprüchlich weil nur in einer stark arbeitsteiligen Wohlstands- und Versorgungsgesellschaft existentiell beheimatet, teils auch als politisches Schlagwort missbraucht. In der Antike oder noch im Mittelalter, als es kaum soziale Absicherung gab und jeder auf sich selbst und seine gepflegten sozialen Beziehungen angewiesen war, gehörte der Begriff nicht in die Denkmuster. Die antiken Philosophen z.B. geben unterschiedliche Lebensphilosophien zur Anleitung, doch für alle ist unumstritten, dass der Mensch ein gesellschaftliches Wesen ist und auf das Miteinander angewiesen. Verbannung aus der Gemeinschaft war nach der Todesstrafe die härteste Strafe.

Egoismus setzt voraus, dass es in größerem Rahmen ein Zusammenwirken gibt und sich jemand auf sich selbst bezogen diesem Zusammenwirken entzieht. Der Begriff kommt auf mit der Aufklärung und der bürgerlichen Revolution und der Gründung von Nationalstaaten, einer intensiveren Arbeitsteilung und dem dann aufbrechenden Verteilungskampf zwischen den diversen Interessengruppen. Egoismus ist die Verweigerung von Solidarität vor allem im Arbeitermilieu. Eigenverantwortlich handelnde Selbstständige und Unternehmer sind eher die Angeklagten. Mit der Zunahme des Sozialstaats nach den 50er Jahren nahm auch die Ausnutzung der Solidargemeinschaften zu, die anderen zahlen lassen und sich selbst auszahlen lassen.

Seit der Einführung des EURO und den Slogans "Sei doch nicht blöd" oder "Lass Dich nicht verarschen" oder "Sei klever" und dem seitdem zunehmendem Hype, selbst alles möglichst billig zu bekommen, hat die Einstellung, dass wir eigentlich eine extrem arbeitsteilige Gesellschaft sind, gelitten. Manche Beiträge auch auf GuteFrage lassen den Eindruck aufkommen, als herrsche die Meinung vor, dass wir noch allein leben könnten, obwohl jeder Blick in einen Supermarkt deutlich macht, wieviel Kooperation hinter diesem Wohlstand und der Angebotsfülle steckt. Vielleicht ist es einfach der Kontrast zu der extremen Eingebundenheit in das gesellschaftliche Netzwerk und eine Art Flucht, dass wir die Basis unserer Existenz schlichtweg ausblenden. Doch ein Morgen am Hauptbahnhof, wenn die Ameisenströme an einem vorbeifließen, zeigt, dass das alles nur die reine Vortäuschung ist.

Sehr gut XD. Also hast du für dich auch eine gesunde Mitte gefunden?

LG

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@bigphil12345

Ich halte mich an Jesus: Ich liebe meinen Nächsten wie mich selbst. Beides ist wichtig.

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@berkersheim

Gut. Ich glaube and Luther, Darwin und den guten Sigmund. Trotzdem mag ich meine nächsten auch 😀

LG

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Nein, das ist nichts weiter als Wortverdrehung.

Egoismus bleibt einfach die Ich-Bezogenheit.

Und vollendeter Egoismus bleibt daher einfach vollendete Ich-Bezogenheit.

Wenn jeder an den Anderen denkt und für den Anderen sorgt, dann profitiert derjenige letztlich zwar auch in besonderem Maße davon, doch das ist kein Egoismus sondern Gemeinschaftssinn und Fürsorge.

Der entscheidende Unterschied ist der Kern des eigenen Handelns.

Wenn ich nur für andere Sorge, um selbst versorgt zu sein, dann bleibt es Egoismus und niemand wird auf lange Sicht davon profitieren. Das liegt in der Natur des Egoismus, sich selbst aufzufressen.

Du hast das Prinzip der Gemeinnützigkeit und der Fürsorge bisher noch nicht verstanden oder erfahren. Denn sonst wäre Dir klar, welch wundervolles Gefühl es ist, zu geben ohne etwas dafür zu verlangen.

Hört sich bescheuert an? Ja – für einen Egoisten.

¯\_(ツ)_/¯

Ich gebe zu ich agiere eher egoistisch weil Erfahrungen prägen. Jedoch kann ich dir ganz und gar folgen. Ich hege leider kein Gefühl etwas umsonst zu geben, einmal weil es gegen das Prinzip der Gegenseitigkeit widerspricht, und andererseits weil man zu gerne ausgenutzt wird, ob man es jetzt bewusst mitbekommt oder nicht. Ich kenne den Gemeinschaftssinn zu gut, finde ihn aber inkompetent. Rudel und für eine kleine Gruppe sorgen ok. Aber ich befürworte den Spruch wenn jeder an sich selbst denkt ist an alles gedacht. Man sollte nichts aus Mitgefühl tun (außer vielleicht für den Partner) (aber dieser interpretiert wiederum auch wieder anders), sondern aus Prinzip. Emotionen machen zwar die Menschheit aus, jedoch machen sie mehr kaputt als sonst was. Nochmal, ich verstehe dich ganz, aber die Redewendung ist doch korrekt oder?

LG Philip

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@bigphil12345

Nein, die Redewendung ist nur korrekt aus dem egoistischen Weltverständnis heraus.

Doch Fürsorge und Selbstlosigkeit funktionieren perfekter als jeder Egoismus. Das Problem dabei ist allerdings, dass man nicht unmittelbar etwas zurück erhält.

Das ist in etwa so mit einer Bundesschatzobligation. Du zahlst erst einen Haufen Geld ein und frühestens nach 10 Jahren wirst Du erfahren, was Du dabei heraus bekommen hast. Naja, ganz, ganz grob.

Kurzfristig funktioniert Egoismus besser, doch auf lange Sicht hin wird der Egoismus immer konsequenter und das führt zwangsläufig zu einer Ellenbogengesellschaft und im Weiteren dann auch zu "Jeder gegen jeden". Deshalb funktioniert Egoismus eben nicht.

Andererseits fühlt sich jeder gut, wenn ihm geholfen wird und wenn das häufiger passiert, ändert sich etwas im Denken und man ist selbst berei,t etwas zu geben, einfach weil man selbst genug hat. Das gilt für alles.

Wer einmal die Erkenntnis erlangt hat, dass – sorry für das Bibelzitat – geben seliger als nehmen ist, dann tut es auch nicht mehr weh, wenn man mal jemandem geholfen hat und derjenige sich immer noch als undankbare Kanalratte erweist. In diesem Fall weiß man dann, dass man selbst mal an diesem Punkt war und es selbst auch nicht besser wusste. Doch irgendwann wird auch diese Kanalratte erkennen, dass Dankbarkeit keine Schwäche ist, sondern eine Stärke. und für diesen Moment hat Deine gute Tat dann beigetragen und das wiederum erfüllt Dich mit Stolz. Du wirst es nicht mitbekommen, aber Du weißt es.

Ich könnte ganze Bücher darüber schreiben, doch grau ist alle Theorie.

Mach es einfach mal selbst. Teste es mal konsequent eine ganze Weile, ohne jetzt etwas in Gegenleistung zu erwarten – nicht mal ein Dankeschön. Irgendwann wird sich auch in Dir etwas ändern, denn irgendwann – wenn Du lange genug durchgehalten hast – kommt irgendwas wieder zurück und Du wirst feststellen, dass Dein Hilfe noch viel mehr bewirkt hat – auf indirektem Weg – als Du dachtest.

Das Schlechte und das Gute gehen umher wie ein Schneeball. Nur ist es viel leichter Schlechtes zu tun als Gutes, weil der Lohn sofort erfolgt und nicht erst später. doch die späte Ernte ist die reichere Ernte und sich hält vorrätig.

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@MarkusGenervt

Ich war früher genau der gleichen Ansicht wie du, jedoch möchte ich diese Art des Denkens in der heutigen Realität als Naiv abstempeln. Aber wenn es für dich funktioniert, dann freut es mich. Noch als Hintergrundinformation - Ich komme aus reichem Haushalt und habe Übermittler zwischen reich und arm gespielt. UA auch Reiche bestohlen und Arm etwas gegeben. Aber was bringt mir das? Garnichts, und ich bin Junge der Prinzipien. Ehre uns Stolz sind vor allem im islamischen Bereich, die Faktoren für schlechtes. (Wer definiert jetzt wieder schlecht XD?) 

LG

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@bigphil12345

Ich brauche keine Regeln, sondern Erkenntnisse. doch die fallen einem nicht in den Schoß. Dafür muss man durch die harte Schule des Lebens gehen. Doch selbst das reicht manchmal nicht aus, um auch die richtigen Erkenntnisse zu finden.

Wenn du aus reichem Haus kommst und die dann bestohlen hat, um den  Armen zu helfen, warum hast Du dann gestohlen? Wie kann aus einer schlechten Tat etwas Gutes entstehen?

Du hattest vielleicht mal die gleichen Ansichten gehabt wie ich, jedoch nicht die gleichen Erkenntnisse. Es ist schon etwas komplexer zu guten Erkenntnissen zu gelangen, als ich es hier erklären könnte. Wenn das so einfach ginge, dann hätte irgendjemand das bereits in ein Buch geschrieben und wir hätten heute Weltfrieden.

Ach Moment mal, da gab es doch ganze Bibliotheken mit solchen Büchern und irgendwie sind die Kriege immer schlimmer geworden …

Wenn Du Erkenntnis suchst, dann such sie dort wo sie sind und nicht dort, wo es einfach erscheint. Immer den einfachsten Weg zu gehen ist schon ein bisschen Egoismus, denn es tut nicht weh – aber es bringt auch keine langfristigen Vorteile.

Macht auch nichts. Such einfach weiter und vielleicht wirst Du es verstehen, bevor Du einmal etwas tust, was Du nie wieder zurück nehmen kannst.

Ich bin da zuversichtlich, dass Du eines Tages von selbst verstehen wirst, was ich heute zu erklären versucht habe. :))

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@MarkusGenervt

Ich wiederhole mich gerne XD Ich verstehe und kann alles nachvollziehen was du sagst, habe auch vieles davon am eigenen Leib erlebt. Und das hat geprägt. Und es ist immer persönlichkeitsabhängig und das Umfeld spielt auch eine Rolle. Aber ich bezeichne mich gerne als Stoiker. Empathie und Mitgefühl, außer in speziellen Fällen, führt zu oft als zu wenig ins schlechte Muster. Und wer sich selbst verkauft und die Grenze zwischen Gutmensch und Helfersyndrom nicht setzen kann ist für mich verloren. Aber ich verstehe gleichzeitig wieso diese Menschen so agieren und akzeptiere sie auch (nicht nur tolerieren) Xd

LG

PS  - Es kommt auf die Denk- und Interpretationsweise einer Tat an. Den armen zu helfen ist prinzipiell (und ethisch noch dazu) viel positiv kompensativer als wenn man den Reichen mal paar 100 klaut. Das ist halt wieder das Relationsverhältnis des Geldes mit im Spiel.

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"Denn sonst wäre Dir klar, welch wundervolles Gefühl es ist, zu geben ohne etwas dafür zu verlangen."

Das sagt doch alles. Ich verstehe das Prinzip der Nächstenliebe und gebe auch gerne ohne etwas zurück zu verlangen. Jedoch bezeichne ich das auch als egoistisch. nicht umbedingt im negativen Sinne, aber der Hintergedamke an einem selber ist immer vorhanden. Sei es auch nur, ein positives Gefühl zu haben. Du meintest dass sich die Früchte meist erst nach einer Weile tragen lassen, aber sie lassen sich tragen und da du damit argumentiert hast, bist du schon froh darüber wenn du was zurück bekommst? die Grundintention ist ja egal, ob langfristig, kurzfristig, gemeinnützig. Im Endeffekt tut man gutes um gutes zu widerfahren, was ja nicht schlecht ist, wenn nicht sogar notwendig. Das ist der Grund warum ich mich selbst als egoistisch bezeichne OBWOHL ich anderen einfach so mal was gutes tue. Ein befriedigendes/schönes Gefühl? -> Egoismus :)

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@mimi6060

Gute rhetorische Leistung, aber doch nur Wortklauberei.

Also ich bin nicht selbstlos oder fürsorglich, um mich gut zu fühlen, sondern um jemand Anderem zu helfen. Dass irgendwann mal etwas Gutes zu mir zurück kommt oder dass ich mich durch die Tat gut fühle, ist der Nebeneffekt, aber nicht die Absicht.

Das was ich im Herzen trage macht den Unterschied und nicht das was ich auf den Lippen trage. Und deshalb bleibt dies für mich kein Egoismus.

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@MarkusGenervt

Die Mimi 😂😂 ich stimme ihr zu. Markus, was du sagst ist vollkommen richtig, aber analytisch nicht zu Ende gedacht.

LG

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@bigphil12345

Erkläre das bitte. Inwiefern ist das "nicht analytisch zu Ende gedacht"? Ich bin da offen für konstruktive Kritik.

Falls Du die Hintergedanken meinst, dann kann ich Dir versichern, dass ich das bereits immer wieder in der Selbstanalyse ausschließen konnte.

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@MarkusGenervt

Also im Endeffekt hat beides seine positiven und negativen Seiten. Ob man egoistisch, unbedacht egoistisch, selbstlos oder unbedacht selbstlos agiert. Auch wenn du etwas umsonst tust, und den Lob den du vielleicht danach bekommst als Selbstverständlichkeit abhackst, ist es ja so das es nach deinem Plan verläuft. Also was ich sagen möchte ist dass die objektive Analyse deiner Taten und deiner persönlichen Empfindungen nicht gleichsetzbar interpretiert werden kann. Ob nun Hintergedanken im Spiel sind oder nicht.


LG 😀

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