Durften Menschen in der DDR nur so und so viele Lebensmittel kaufen?

17 Antworten

Bei den Antworten unterscheidet sich ganz klar die Spreu vom Weizen. Wer nicht dabei war liegt mit seinen Vermutungen einfach immer mindestens ein wenig falsch. Soll heissen: Da wird viel Quatsch geschrieben!

Meine Mutti musste für den Kauf von einigen Lebensmitteln noch Marken im Geschäft abgeben, d.h. da war z.B. die Butter rationiert, aber nur so, dass man sie vielleicht mal etwas dünner schmieren musste.

Später als ich dann selbst eingekauft habe, also so ab 1975 gab es eigentlich immer alles in normalen Mengen. Ab und zu ist mal irgendwas knapp geworden. Da war z.B. mal das Spülmittel Fit knapp geworden weil die Abteilung für die Verpackung der Flaschen komplett ausgebrannt war. Das weiss ich, weil ich mir kurze Zeit danach als Student in dieser Fabrik ein paar zusätzliche Mark verdient habe (50 Mark pro Nachtschicht war für uns sehr viel) und mir alle gezeigt haben was da alles abgefackelt war.

Ähnliche Gründe gabs dann immer mal wieder bei allem möglichen und so eben mal für ein paar Wochen keinen Ketchup mehr oder sonst irgendwas, was man aber ohne Hunger bzw. mit der angeborenen ostdeutschen Flexibilität und Improvisationskunst problemlos meistern konnte. Kein Ketchup? Ha, da gibts halt Carbonarasosse zu den Nudeln.

Der Nebeneffekt der gelegentlichen Mängel war, dass man sich oft benötigte Dinge besorgt und gelagert hat, bis sie gebraucht wurden. Jeder Trabifahrer hatte immer einen Vorrat an kleineren Ersatzteilen im Auto dabei. Ins Ersatzrad hat man den Ersatz-Keilriemen reingelegt, weil der von der Grösse her genau gepasst hat. Glühbirnen, Zündkerzen, Unterbrecherkontakte, ein Paket Trabant-Schrauben und natürlich ein dazu passender Satz an Werkzeugen war da immer mit dabei. Der Wagen war auch ganz einfach zu reparieren. Nicht so wie heute, wo alles total eng verbaut ist und mit Absicht Spezialschrauben- und -Werkzeuge benötigt werden, damit man unbedingt in die Werkstatt muss.

Da dass Gesamtsortiment an Konsumgütern begrenzt war, gab es auch weniger Individualismus und man hat massgehalten und die Dinge gepflegt und repariert. Ausserdem gab es eine Standardisierung von Normteilen wie Schrauben, Muttern und noch vielem mehr für alle Ostblock-Länder und so konnte man fast überall Hilfe, Ersatzteile und passende Werkzeuge bekommen. Ich hab das selbst sehr positiv in Moskau, Kiew, Charkow und im rumänischen Donaudelta erlebt.

Mit meinem Trabi bin ich nie liegengeblieben aber dafür einmal mit meinem Mitsubishi.

Zitat: "..Hunger leiden mußte niemand". Das stimmt ganz und gar nicht. Die Landbevölkerung war überwiegend Selbstversorger und konnte sich durchschlagen. Schlimmer dran waren die aus den bombardierten Städten aufs Land "Evakuierten", zu denen ich (1945, damals 4 Jahre alt) gehörte. Sie waren auf die völlig unzureichende staatlich gelenkte Versorgung (HO) angewiesen. Es mangelte an allem. Brennesseln wurden wie Spinat zubereitet, wild wachsende Pferdebohnen waren eine Delikatesse. Von Fleisch und Fleischwaren konnte man nur träumen. Ab 9 Jahren hatten Kinder Anspruch auf tgl. 1/4l Magermilch. Bekleidung und Schuhe gab es nur auf "Bezugsschein" für den man die Notwendigkeit nachweisen musste. Unbequeme Regimekritiker wurden ausgegrenzt und bei der Verteilung (z.B. Kartoffeln und Kohle) benachteiligt.

ähem....1945 bis zur Währungsreform sah es im Westen keineswegs besser aus.

1

Ich bin nicht in der DDR aufgewachsen. Aber ich glaub, man durfte vermutlich alles kaufen, es gab halt nur nix oder nur in diesen Intershop. Ich glaub aber, dass eine DDR-Hausfrau in jede Metzgerei gehen konnte, um 5 Kilo Kobe-Steaks zu kaufen. Die Verkäuferin hätte sie aber komisch angeguckt. "Kobe- was? Haben wir nicht. Ist aus."

Man darf auch hierzulande alles kaufen. Niemand verbietet es dir, einen Lamborghini zu kaufen. Nur dein Geldbeutel.

Wo hast du blos deine Infos her ?

0

Es gab aber in der DDR keine typischen Hausfrauen, die nur zuhause waren und wo der Mann das Geld verdient hat. In der DDR mussten alle arbeiten gehen, deswegen gab es auch nicht so viele Obdachlose und so.

0

Normale Lebensmittel konntest du kaufen so viel du wolltest. Gab es jedoch nur einmal im Jahr Bananen, dann durfte man natürlich nur eine Tüte voll kaufen. Das Gleiche galt auch für Apfelsinen oder Nüsse. Wenn etwas knapp war, dann konnte man es nicht kistenweise aus dem Laden schleppen.

Die Kubaorangen waren meiner Erinnerung nach nicht beschränkt, die wollte aber auch niemand. Ja, wählerisch war'n 'mer schon. ;-)

5
@cg1967

Stimmt. Auf Kuba wäre niemand auf die Idee gekommen Saftorangen zu Essen. In der DDR hat man nicht gewusst, was Saftorangen sind und die Dinger gegessen, auch wenn sie wie Altpapier geschmeckt haben. Hin und wieder gab es aber richtige Orangen zu kaufen und die wurden zugeteilt, so dass niemand zu viele bekam. Gereicht hat es aber trotz der Zuteilung nie.

4
@Fuchssprung
Gereicht hat es aber trotz der Zuteilung nie.

Und dann kam die Westverwandtschaft mit zwei Kisten Bananen und 3 Kisten Orangen an. Damit war die Versorgung eines Teils der Bevölkerung sichergestellt. ;-)

2
@Couchpotao

Auspressen, mit Eigelb und Traubenzucker mischen, lecker.

2

Ich werde nie vergessen, wie ich mit meiner Freundin in 1987 Verwandte von ihr besuchte. Ich war zuvor nie in der DDR gewesen. Als wir fuhren, packte ich auch drei Bananen in den Kofferraum. (Ich hasse Bananen). Sie meinte nur, das das nicht ginge und wir hielten am nähsten Supermarkt an und holten eine ganze Kiste. Okeee... wie gesagt, ich verabscheue Bananen und esse sie nie. Als wir dann in Brandenburg ausstiegen, machten sich die beiden Kinder über die Bananen her wie die Heuschrecken. Ungelogen, aber innerhalb einer Viertelstunde waren alle Bananen weg. Die Ananas hielt sich länger.

1
@Dahika

Meine Tante hat in einem Kühlhaus am Hafen gearbeitet. Durch dieses Kühlhaus gingen alle Südfrüchte, die per Schiff in die DDR geliefert wurden. Deshalb hatten wir nie irgend einen Mangel, denn wir wurden von dieser Tante gut versorgt. Aber es gab Leute in der DDR die wirklich nur einmal oder zwei Mal im Jahr die Chance hatten Bananen zu kaufen. Hatten sie die Chance verpasst weil sie arbeiten gehen mussten, dann gab es für die nächsten Monate wieder nur Äpfel.

1
@Fuchssprung

Da ich Bananen hasse, ist es mir immer ein Rätsel, was die DDR Bürger so toll an Bananen fanden. Na ja, vermutlich, weil es sie so selten gab. Verstehen tu ich es trotzdem nicht. Die Dinger sind einfach nur eklig. Eklig weich im Mund, eklig im geschmackt. Und widerlich im Geruch. Brrrrrrrrrrrrrrr....

0

Die konnten soviel Güter kaufen wie es gab, allerdings gab es oft wenig oder keine....

Bei Gütern, die es nur selten oder in geringen Mengen (Bananen?) gab musste man dann ewig lange anstehen und dann gab es auch nur begrenzte Mengen. Ich habe mir das ein paarmal beim Verwandtenbesuch angeschaut; ein echtes Trauerspiel, dass mich dann auch recht früh von allen sozialistischen/sozialdemokratischen Parteien und Umtrieben abgebracht hat.

was bitte haben die Sozialdemokraten damit zu tun?

2
@Dahika

Die sozialdemokratische Agenda war mir damals, trotz seligen Studentendaseins) in vielen Punkten zu sozialistisch geworden und ich sah (auch durch meine Besuche im Osten und die Gegenbesuche meiner Verwandtschaft) sie zunehmend kritisch. Insbesondere weil mir auch davor nur Helmut Schmidt die SPD erträglich machte (und meine Abneigung gegen den katholischen CDU/CSU Filz).

1
Bei Gütern, die es nur selten oder in geringen Mengen (Bananen?) gab musste man dann ewig lange anstehen und dann gab es auch nur begrenzte Mengen.

Hast Du ne Ahnung wie clever wir doch waren...die Familie bestand nicht immer nur aus Mutter, Vater sondern auch aus Kind, Kind..und die Schlange wurde lang und länger!

Wir ließen uns die Butter so schnell nicht vom Brot nehmen und waren auch sehr einfallsreich wenn es drauf an kam!

8
@amdros

Das stimmt. Ich habe mal einen Artikel darüber gelesen, was die Leute für Erfolgserlebnisse hatten, wenn sie was ergattern konnten, was es so nicht gab. Das gab Stolz, Selbstwertgefühl, etc... Stimmt schon, dass das jetzt nicht mehr gegeben ist, wo man nur in den nächsten Supermarkt gehen muss, um alles zu bekommen, was es für Geld gibt.

1
@Dahika

Wir waren in vielen Dingen erfinderisch!

Wie oft habe ich an der Nähmaschine gesessen und z. B. aus Bettlaken T-Shirts, Blusons und aus den angerauten grauen Herrenunterhemden Pullover genäht.

Das vergisst man nicht und schlummert auch nach gut 30 Jahren Vereinnahmung immer noch im hintersten Hinterstübchen ... was soll's !?

5
@amdros

LOL mein Stallbesitzer, wo mein Pferd steht, ist auch so ein Kommunistenkind. Der kann nichts wegwerfen, denn man könnte es ja noch brauchen. Wie oft würde ich gerne ,einen Container kommen lassen und viele Saschen einfacn wegwerfen. Aber das geht natürlich nicht, denn es ist ja nicht mein Reitstall.

1
@Dahika

Och..da erzählst Du mir nichts Neues..ich habe es am eigenen Leib erlebt. mein Mann war auch einer der Typen, der nichts wegwerfen konnte. Ich habe Textilien aussortiert die er weg werfen sollte..Ende vom Lied vieles aus dem blauen Sack wieder rausgeholt und im Keller versteckt!!

3

Was möchtest Du wissen?