Durch Zeitreisen unsterblich werden?

12 Antworten

Ich lese aus der Frage den Bezug zur SRT und dem "Zwillingsparadoxon" heraus. Du hast recht, in so einem Szenario vergeht deine Eigenzeit für dich ganz normal, lediglich deine Kumpels auf der Erde sind z.B. 50 älter geworden (nach einer eventuellen Rückkehr). Insofern bringt das für dein persönliches Altern nicht wirklich etwas.

Reisen in die Vergangenheit gehen nach der SRT nicht. Diese sind ohnehin problematisch, da sie eine "Kausalitätsumkehr" bewirken würden (es geschieht etwas z.B. im Jahre 2100, was sich aber als Folge im Jahre 2016 zeigt).

Wenn es Zeitreisen gäbe, würdest Du selbstverständlich genauso wenig dadurch unsterblich werden, wie Du durch einen Flug nach Tokio 10000 km lang werden würdest.

Die "Zeitdilatation" also daß Phänomen daß deine Uhr unter bestimmten Bedingungen relativ gesehen langsamer läuft als eine andere, ist gar keine Zeitreise, und gibt dir selber auch nicht mehr Eigenzeit.

Zeitreisen in die Vergangenheit gelten wegen des so genannten Großvater - Paradoxons als unmöglich.

Dies würde sich auflösen, wenn es entweder viele Welten gäbe und man in einer parallelen Geschichte landete oder es nur eine Geschichte gäbe, die aber vollständig festläge, sodass, ähnlich wie bei einer altgriechischen Tragödie, jeder Versuch, die Vergangenheit zu ändern, erst zu genau der Geschichte führte, die wir kennen.

Ein weniger im Fokus stehendes Problem ist die Verletzung diverser Erhaltungssätze. Der ZR würde in seiner Zeit plötzlich verschwinden und in der Vergangenheit doppelt auftauchen.

Das würde sich auflösen, wenn es eine solche Zeitreise mit einer räumlichen Reise verbunden wäre, vielleicht sogar über ein Schwarzes Loch, und der ZR an einer Vergangenheits - »Singularität« wieder herauskäme.

Die Paradoxa würden auch nicht auftreten, wenn man, statt zurückzureisen, die Zeit zurückdrehen könnte. Das wäre nur von Bedeutung, wenn die Zukunft nicht determiniert wäre, und dann wäre alles ab dem Zeitpunkt, zu dem man die Zeit zurückgedreht hat, ausgelöscht, und es würde sicherlich nicht wieder so geschehen wie bekannt. Somit könnte man aber weniger unsterblich als vielmehr ausgelöscht werden.
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Zeitreisen in die Zukunft - etwa unter Ausnutzung der so genannten Zeitdilatation - könnten ein Weg sein, prinzipiell unsterblich zu werden, wenn irgendwann einmal das Altern besiegt sein sollte und man es in diese Zeit schaffen sollte. Allerdings ist diese Unsterblichkeit nur prinzipieller Art, man wird nicht unverwundbar und auch nicht gegen jede Art von Erkrankung gefeit sein, und Wasser und Nahrung braucht man auch.

Das "Großvater-Paradoxon" ist nur dann ein Paradoxon, wenn man seine eigene Handlungsfreiheit als unbeschränkt einschätzt. Ich denke das läßt sich einfach so auflösen:
Sobald jemand versucht, in die Vergangenheit zu reisen, um zu verhindern, daß sich Großvater und Großmutter treffen, wird es ihm einfach mißlingen. Punkt.
Denn die Geschichte hat durch seine Existenz ja bewiesen, daß sie sich getroffen haben.
"Die Vergangenheit ist bereits geschehen. Die Zukunft ist auch bereits geschehen, nur die Gegenwart ist immer neu, lebendig, göttlich und ewig." <--- keine Ahnung woher das Zitat kommt, Google war da noch nicht mein Freund.

Dazu auch XKCD:

https://xkcd.com/1063/

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@scatha

Sobald jemand versucht, in die Vergangenheit zu reisen, um zu verhindern, daß sich Großvater und Großmutter treffen, wird es ihm einfach mißlingen. Punkt.

Das Großvater-Paradoxon in der üblichen Formulierung ist freilich nur die plakativste Formulierung eines Vergangenheits-Paradoxons.

Letztlich geht es darum, dass ein ZR, der von seiner Zeit aus gesehen in die Vergangenheit führe, unkontrollierbar beeinflussen müsste. Es ist nicht möglich, das nicht zu tun. Dadurch würde sich die Welt von seiner Ankunft an anders entwickeln, als sie es in seiner »subjektiven« Vergangenheit getan hat.

Damit sich kein Widerspruch ergibt, müsste das entweder eine »neue« Zeitlinie sein (die, aus der er kommt, müsste ja weiterbestehen, damit er weiter bestehen kann), oder die Geschichte enthält eine geschlossene Zeitschleife, d.h. der ZR ist längst Bestandteil der älteren Geschichte bis zurück zum frühesten Zeitpunkt, den er je bereist hat, nur dass dies vielleicht bis zum Zeitpunkt des Reiseantritts niemandem bewusst ist.

"Die Vergangenheit ist bereits geschehen. Die Zukunft ist auch bereits geschehen, nur die Gegenwart ist immer neu, lebendig, göttlich und ewig."

Was ist Gegenwart? Gegenwart ist relativ.

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@SlowPhil

Letztlich geht es darum, dass ein ZR, der von seiner Zeit aus gesehen in
die Vergangenheit führe, unkontrollierbar beeinflussen müsste. Es ist
nicht möglich, das nicht zu tun. Dadurch würde sich die Welt von seiner
Ankunft an anders entwickeln, als sie es in seiner »subjektiven«
Vergangenheit getan hat.

Um dies etwas zu spezifizieren:

Es geht bei dem Paradoxon nicht nur darum, das wir etwas in der makroskopischen Geschichte verändern.

Diese (theoretische) Zeitreise führt im Moment der Ankunft in der Vergangenheit bereits zu Veränderungen.

Denk mal drüber nach wieviele Atome verdrängt werden müsten, damit Dein Körper platz in der Vergangenheit hat.

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@SlowPhil

die Geschichte enthält eine geschlossene Zeitschleife, d.h. der ZR ist
längst Bestandteil der älteren Geschichte bis zurück zum frühesten
Zeitpunkt, den er je bereist hat, nur dass dies vielleicht bis zum
Zeitpunkt des Reiseantritts niemandem bewusst ist.

Genau das meinte ich. Für mich die einzige logische Auflösung des Großvater-Paradoxons, wenn man sich selbst und Gott nicht die ungeheure Anmaßung von einem Googolplex neuer Universen pro Augenblick antun möchte.

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@SixthSCTF

Denk mal drüber nach wieviele Atome verdrängt werden müssten, damit Dein Körper Platz in der Vergangenheit hat.

Sehr guter Einwand. Vielleicht eines der wichtigsten Argumente dagegen, daß physische(!!) Zeitreisen möglich sein könnten- man könnte nur dorthin in die Vergangenheit reisen, wo man ohnehin schon "gewesen ist" (für Tempuskorrekturen konsultieren Sie Dan Streetmakers...usw..usw.)

Eigentlich ist ein Zeitsprung vergleichbar mit einem Sprung im Raum. Nichtlokal ! Das schaffen nur Elementarteilchen.

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@scatha

Anmaßung? Ich würde das eher so formulieren: Gerade Gott traue ich ohne Weiteres zu, ein Googolplex von Verzweigungen von Universen pro Augenblick erschaffen zu haben. Sind immerhin endlich viele.

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