Dürfen Frauen in diesem Fall straffrei Körperverletzung begehen?

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Nein, eine solche Affekthandlung wird nicht bestraft.

Wer ungefragt und ohne Erlaubnis jemanden anfasst, kann froh sein, wenn er nur eine Ohrfeige kassiert!

Deswegen fragt ein Vorgesetzter z.B. bei der Grundausbildung der Bundeswehr immer vorher "Darf ich Sie anfassen?", bevor er eine falsch sitzende Uniform korrigiert.

Sonst hätte er ggf. ruckzuck eine gebrochene Nase, und selbst da droht dem Angefassten keine Strafe.

Problematisch wird es nur, wenn man z.B. Kampfsportler/in ist, und genau weiß und auch trainiert ist , wie man mit einem Schlag ernsthaften Schaden anrichtet - und das dann auch gezielt tut.

Und natürlich, wenn man weiter zuschlägt, obwohl die Bedrohung bereits abgestellt ist.

Im Rahmen einer Notwehr darf man angemessene Maßnahmen ergreifen, um den Angriff abzuwehren. Bei solchen Übergriffen darf man den Angreifer durch solche Maßnahmen (Ohrfeige, Schlag auf die Hände) abhalten, in einer Eskalation, d. h. bei trotzdem fortgesetztem Angriff darf auch stärker abgewehrt werden, z. B. durch Tritte. Aber es muss angemessen sein, daher darf bei einem Grabscher nicht mit einem Stein auf den Kopf geschlagen werden, bei forgesetztem Angriff mit der Gefahr einer Vergewaltigung ist eine solche starke Abwehrmaßnahme durchaus zulässig.

Die Notwehr steht jedem Opfer eines tätlichen Angriffs zu, unabhängig ob Angreifer oder Opfer männlich oder weiblich sind. Da sexuelle Belästigungen wie im Beispiel aber fast nur Frauen treffen, werden derartige Tipps zur Abwehr normalerweise an Frauen gerichtet. Körperverletzungen, die in Notwehr begangen werden, werden nicht strafrechtlich verfolgt, es sei denn, das gewählte Mittel war unangemessen, dann handelt es sich um einen Notwehrexzes und der wird auch strafrechtlich verfolgt.

Die Juristen mögen mir den laienhaften Ausdruck verzeihen... Wahrscheinlich ist einiges Ungenau, aber das Ergebnis sollte hoffentlich stimmen. ;-)

An den Hintern fassen ist keine Körperverletzung, weil keine körperlicher Misshandlung vorliegt und kein Schaden an der Gesundheit entsteht.

Flüchtiges Grabschen erfüllt nicht die sexuelle Nötigung nach § 177 ff. StGB, da diese einen körperlichen oder geistigen Zwang voraussetzt, dem sich das Opfer nicht entziehen kann. Sexueller Missbrauch ist wohl auch nicht gegeben, wenn der Täter das Opfer durch die Kleidung berührt.

Bleibt die Beleidigung nach § 185 StGB. Dies ist in der Vergangenheit von den Gerichten jedoch häufig negativ entschieden worden, sodass der Grabscher straffrei ausging.

Die anschließende Ohrfeige stellt eine Körperverletzung nach § 223 Abs. 1 StGB dar.

War die Ohrfeige notwendig, um den Übergriff zu beenden oder einen weiteren abzuwehren, ist sie wahrscheinlich nach § 32 StGB ("Notwehr") straffrei, wenn sie das mildeste anwendbare Mittel darstellt.

Wird die Ohrfeige als Rache gewertet, ist sie vermutlich strafbar.

Guckst du hier und staunst du.
http://www.juraexamen.info/wp-content/uploads/jura.2009.24.pdf

LG

Flüchtiges Grabschen erfüllt nicht die sexuelle Nötigung nach § 177 ff. StGB, da diese einen körperlichen oder geistigen Zwang voraussetzt, dem sich das Opfer nicht entziehen kann. Sexueller Missbrauch ist wohl auch nicht gegeben, wenn der Täter das Opfer durch die Kleidung berührt.

Du bist nicht auf dem neuesten Stand! Der § 177 StGB wurde vor kurzem geändert (das berühmt-berüchtigte "Nein heißt nein"-Gesetz).

Insofern solltest Du jetzt auch den Aufsatz der Jura-Studentin(!) von 2012 entsorgen ... ;-)

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@Libertinaer

Eieiei, du hast recht. Wie peinlich.

Die Debatte hab ich verfolgt, aber nicht mehr auf dem Schirm gehabt. Außerdem hatte ich doch 177 nochmal nachgeschaut. Wahrscheinlich habe ich irgend eine alte Quelle erwischt. Man sollte halt doch bei Dejure bleiben. :D

Es ist ja nicht nur § 177 StGB sondern der neu geschaffene § 184i StGB "Sexuelle Belästigung".

Dann ist das jetzt -endlich- wohl doch strafbar.

Der Aufsatz von 2009, der immerhin in der Jura veröffentlicht wurde, sollte trotzdem den Ansprüchen hier genügen. Dass es sich bei der Autorin um eine Studentin handelte, war mir wohl aufgefallen. Sie hat sich übrigens inzwischen promoviert. Ich werde ihn als Zeitzeugnis behalten. ;-)

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@Maxxismo

Eieiei, du hast recht. Wie peinlich.

Ach, zahllose Juristen haben ihre Webseiten noch nicht angepasst! ^^

Auch krass, weil wg. der 177er-Erweiterung der § 179 beim Missbrauch Widerstandsunfähiger komplett gestrichen wurde.

§ 184i StGB "Sexuelle Belästigung"

Wobei das bislang i.d.R. hilfweise als "Beleidigung" verfolgt wurde, ergänzt mit einem inoffiziellen "(mit sexuellem Hintergrund)".

Das hat die Studentin zwar im Ansatz erwähnt, aber die Gerichte haben da wohl auch erst in den letzten Jahren begonnen, das verstärkt so zu handhaben ...

Egal, Geschichte! ;-)

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Sorry, dein Beitrag ist schlicht falsch. Komplett.

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@Bellape

Na dann seziere ihn doch, sodass wir alle etwas lernen. Wie muss es richtig lauten? Abgesehen davon, dass 11/2016 die Gesetzeslage geändert wurde. :-)

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