Dürfen Erzieherinnen nicht mehr erziehen?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Das Verhalten der Erzieherin war nicht sinnvoll. Eine Entschuldigung zu fordern, ohne sichergestellt zu haben, dass auch eine Einsicht in die Schuld besteht, ist schlicht Unsinn und dient nur der schnellen Beruhigung der umstehenden Erwachsenen.

Laut zu werden hat eine Erzieherin nicht. Es bringt sie nicht weiter und bedient bei schwierigen Kindern meist nur das, was sie von zu Hause kennen, ohne eine Wirkung zu erzielen. Kein Kind bessert sein Verhalten, weil man es anschreit. Laut werden ist immer nur Anzeichen eigener Rat- und Hilflosigkeit.

Und was das Separieren betrifft: Das ist differenziert zu betrachten. Für ein Kind, welches sich sehr aufregt, kann es durchaus Sinn machen, ihm eine Auszeit zu gewähren, in der es sich beruhigen kann. Als Strafe ist ein Gruppenausschluss fragwürdig, da er die Ausgrenzung von Kindern verstärkt und zudem selten den gewünschten Erfolg hat.

Ihn mit einer Sonderaufgabe zu beschäftigen, macht aus den von dir genannten Gründen keinen Sinn, wenn es in der Situation geschieht. Hingegen ist es durchaus sinnvoll, ihm in anderen Situationen Gelegenheit zu geben, seine Stärken zu zeigen, an denen man ansetzen kann. Gerade schwierige Kinder muss man "beim Bravsein erwischen", um ihnen die Aufmerksamkeit, die sie durch Fehlverhalten suchen, in positiven Momenten geben zu können.

Unberührt davon ist der Schutz der anderen Kinder. Wir vermitteln unserer angehenden Erzieherinnen und Erziehern die "Null-Toleranz-Regel". Sie besagt, dass in der Konfliktsituation das Verhalten sofort gestoppt wird. Dem attackierenden Kind sagt man dabei in ruhigem aber ernstem Ton, dass Schlagen keine Option ist. Dabei wird es nicht dabei belassen, das Schlagen zu verbieten, sondern es wird eine Alternative aufgezeigt.

Etwa: "Hannes, höre sofort damit auf, Ines zu schlagen. Wenn du etwas von ihr möchtest, sage es ihr." Das ist alles, was Hannes in dieser Situation an Aufmerksamkeit bekommt. Zuwendung bekommt stattdessen das Opfer (wenn es sich tatsächlich um eines handelt, was man nur mit Sicherheit sagen kann, wenn man die Situation von Anfang bis Ende beobachtet hat. Nicht immer ist das Kind, das angegriffen wurde, auch tatsächlich unbeteiligt am Gefühlsausbruch des anderen Kindes).

Ines wird also getröstet. Hat sie selbst zur Eskalation beigetragen oder weiß man das nicht genau, belässt man es dennoch erst mal dabei.

Später am Tag (möglichst nicht später als eine Stunde) spricht man mit beiden Kindern noch einmal einzeln und außerhalb der Gruppe. Zuerst wird Hannes gefragt, was ihn denn so wütend gemacht hat, dass er schlagen musste. Dies geschieht ohne Vorwurf, denn es geht um Klärung und Verbesserung, nicht um Schuld und Bestrafung. Möglicherweise erhält man Informationen, die man vorher nicht hatte.

Dann wird mit Hannes besprochen, was er in einer zukünftigen Situation tun könnte, damit er nicht mehr hauen muss. Mit ihm wird z.B. vereinbart, dass er sich Unterstützung bei der Erzieherin holt oder in ein "Wutkissen" boxt oder was auch immer sich aus der Kenntnis des Kindes an Alternativen anbietet.

Im Anschluss daran spricht man mit Ines. Hat sich gezeigt, dass auch Ines im Vorfeld Hannes provoziert hat, fragt man gezielt nach, was den Hannes denn so geärgert haben könnte, dass er schlagen musste. Hat Ines keine Idee, spricht man ihr Verhalten an. Bei Bedarf kann man auch mit Ines besprechen, welches alternative Verhalten sie in Zukunft anwenden könnte.

Im Anschluss holt man Hannes hinzu und fragt Hannes, was er denn tun Ines Gutes tun könnte, damit sie wieder getröstet ist. Hatte auch Ines ihren Anteil am Geschehen, fragt man auch Ines, was sie dem Hannes Gutes tun könnte, damit er sich nicht mehr ärgern muss. Die Kinder handeln etwas aus und werden dabei von der Erzieherin begleitet.

Ein solches Vorgehen kostet weit mehr Zeit, Mühe und Engagement, als die Kinder mal eben zu einer Entschuldigung zu zwingen oder sie auszugrenzen. Der Erfolg, der sich bei einem solchen Vorgehen aber langfristig einstellt, ist ein weit größerer.

Lausetante 25.02.2014, 15:52

Danke für die Antwort. :-)

0

Ob Erzieherinnen, Eltern oder andere Erwachsene:

ich halte absolut nichts von den respektlosen Maßnahmen, die unter dem Oberbegriff "Erziehung" laufen.

Stell dir mal vor, du machst einen Fehler und dein Chef / deine Chefin lässt dich vor all deinen Kollegen in der Ecke stehen. Wäre dir wohl nicht so recht.

Aber mit diesem respektlosem Verhalten mancher Erwachsener den Kindern gegenüber, denken diese (Erwachsene) doch tatsächlich aus den so behandelten Kindern respektvolle Erwachsene zu machen.

Ja - du legst in meinen Augen ein absolut spießiges Verhalten an den Tag und gehörst auch zu denen, die mal DRINGEND die Bücher von Alice Miller lesen sollten. Und nicht nur ihre Bücher sondern auch noch die Autoren

  • Carl-Heinz Mallet
  • Eckehard von Braunmühl
  • Jesper Juul (für den Einstieg)

Und die "alte Zeit" war ANDERS als heute.

Lausetante 25.02.2014, 15:51

Damit, dass du mich spießig findest, kann ich leben. :-) Ich freue mich aber, dass du dir die Mühe für diese Antwort gegeben hast. Bedauerlicherweise siehst du nur die "respektlosen" Erwachsenen. Aber warum muss sich die Erzieherin von den Kinder schlagen, treten, beleidigen,... lassen? Klar, es liegt viel am Elternhaus. Aber echt - mir tun die Erzieher leid und heutzutage beneide ich sie nicht um ihren Beruf.

0

bei mir war es ganz schlimm:

kind 3 Jahre bestimmt alles zuhause ob und wann es essen gibt auch was auf den teller kommt etc:

8 Kinder von 12 wurden so erzogen manche mehr manche weniger ...

RICHTIG SCHLIMM

Lausetante 15.02.2014, 17:13

Ich finde das in der heutigen Zeit alles etwas überzogen. Es sind Kinder und meiner Meinung nach haben sie gewisse Regeln zu lernen. Die Erzieherin ist wirklich ein herzensguter Mensch und meine Kleine liebt sie über alles. Aber wenn sie bei 16 Kindern immer nur nett einreden soll, sorry, da komme ich nicht mehr mit. Ich bin gewiss nicht für Schläge, Gewalt usw. Aber wenn sie nicht mal mehr an die Seite gesetzt werden dürfen. Naja, man sieht ja oft genug beim Einkaufen was dabei herauskommt... Mich ärgert es aber richtig, so einen respektlosen Umgang hat die Erzieherin nicht verdient - auch nicht wenn dieser "nur von Kindern" kommt... Vo dem was meine Tochter von solchen Kindern einstecken muss, mal noch ganz abgesehen...

0

schlimm schimm, die heutige erziehung der eltern aber auch die ggf die rechte der erzieher...

Was möchtest Du wissen?