Dürfen Christen Selbstmord begehen?

24 Antworten

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Selbstmord wird durchweg von allen christlichen Konfessionen als Sünde betrachtet. Schon der Kirchenvater Augustinus weitete das christliche Gebot "Du sollst nicht töten" auch auf die Selbsttötung aus. Über die Möglichkeit, dass und ob diese Sünde vergeben werden kann, herrscht jedoch Uneinigkeit innerhalb der Konfessionen. Die meisten stimmen aber drüber überein, dass das Leben ein Geschenk Gottes sei, welches sich der Mensch nicht anmaßen dürfe, zurückzuweisen.

Im Katholizismus gilt es sogar als Todsünde, sich selbst umzubringen - egal unter welchen Umständen. Deshalb wird dort zum Beispiel auch die aktive Sterbehilfe vehement abgelehnt. Selbstmördern wird nach traditioneller Auffaassung das Himmelreich auf ewig verwehrt bleiben. Bis vor wenigen Jahren wurde es Selbstmördern sogar verweigert, sie auf öffentlichen Friedhöfen zu bestatten - sie durften nicht in geweihter Erde begraben werden. Erst im Jahre 1983 taucht der Suizid nicht mehr als Ausschlussgrund von kirchlichen Bestattungsriten im Codex Iuris Canonici auf.

In Protestantischen Gemeinden ist die Auffassung darüber meist nicht sehr viel toleranter. Einige glauben aber durchaus daran, dass ihnen der Selbstmord vergeben wird, andere wiederum sind radikaler und glauben nicht an eine mögliche Vergebung des Selbstmords. Da es aber auch sehr viele christlche Freikirchen gibt, kann man hierüber keine allgemeingültige Aussage treffen.

. Selbstmördern wird nach traditioneller Auffaassung das Himmelreich auf ewig verwehrt bleiben. 

Nach römischer katholischer Lehre beurteilt nicht die Kirche wer in den Himmel eingeht und wer nicht ,wie du hier sagst .

Dass hier Selbstmördern  oft ein Begräbnis verweigert wurde ist soviel ich weiss, eher der Hartherzigkeit einzelner Katholiken auch Priestern  zu zu schreiben .

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@waldfrosch64

Ich würde es natürlich auch als hartherzig bezeichnen, doch es waren nicht einzelne Personen. Dieser Ausschluss war von höchster Stelle (leider nicht die ALLERHÖCHSTE Stelle, denn Gott oder Jesus hatten da nunmal leider kein Mitspracherecht) diktiert worden und stand deshalb festgeschrieben im Kirchenrecht. Und danach wurde hier nunmal gefragt, tut mir ja leid wenn es nicht in dein Weltbild passt. ;-)

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@MarkusKapunkt

Dennoch hat die Kirche nie behauptet, dass Selbstmörder verdammt wären, denn ein Urteil steht nur Gott zu. Sie erkennt an, dass schwere Depressionen, Ängste, unerträgliche Schmerzen etc. die Verantwortlichkeit des Selbstmörders vermindern oder sogar aufheben. Bereits im 8. Jahrhundert wurde der Suizid auf Grund z.B. einer Geisteskrankheit nicht als Todsünde angesehen und ermöglichte deshalb auch  schon damals eine kirchliche Beerdigung.

Im Katechismus der kath. Kirche steht ausdrücklich

"Man darf die Hoffnung auf das ewige Heil der Menschen, die sich das Leben genommen haben, nicht aufgeben. Auf Wegen, die Gott allein kennt, kann er ihnen Gelegenheit zu heilsamer Reue geben. Die Kirche betet für die Menschen, die sich das Leben genommen haben."

 

 

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Hallo junkissilly,

kurz gesagt, erlaubt die Bibel den Selbstmord nicht. Die andere Frage ist die, wie Gott zu Menschen eingestellt ist, die sich selbst das Leben nehmen und wie er darauf reagiert.

Die Bibel sagt zwar nicht direkt etwas zum Thema "Selbstmord" (obwohl darin Beispiele von Selbstmördern beschrieben werden), doch lässt sie aufgrund wichtiger Aussagen über Gott einige Rückschlüsse zu, wie Gott dazu eingestellt ist. Gemäß dem Wort Gottes ist das Leben als heilig anzusehen, das heißt, Gott gehörend und damit für uns Menschen eigentlich unantastbar. Dennoch gibt es Situationen und Gemütszustände, in denen Menschen derart verzweifelt sind, dass sie nur noch im Selbstmord einen Ausweg aus einer unerträglichen Lage sehen. Manche sind auch aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung nicht mehr wirklich Herr ihrer Lage und mögen aus einem gewissen Zwang heraus handeln.

Da Gott das Herz einer Person kennt, ist er sehr gut in der Lage zu verstehen, was in einem Menschen wirklich vor sich geht, der aus Verzweiflung seinem Leben ein Ende setzt. Auch wenn ein Selbstmörder auf etwas übergreift, was nur Gott gehört, und somit eine Sünde begeht, bedeutet das nicht, dass Gott diesen verurteilt oder gar verdammt. In der Bibel heißt es über Gottes Bereitwilligkeit zu vergeben: "So fern der Sonnenaufgang ist vom Sonnenuntergang, so weit hat er unsere Übertretungen von uns entfernt. Denn er selbst kennt ja unser Gebilde, ist eingedenk dessen, dass wir Staub sind" (Psalm 103:12,14). Dieser Text zeigt sehr schön, dass Gott nicht wie ein Polizist über uns wacht oder wie ein Scharfrichter darauf aus ist, Sünder zu bestrafen - ganz im Gegenteil! Wie Moses einmal sagte, ist Gott "barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte"   (2. Mose 34:6).

Die Bibel zeigt also sehr deutlich, wie liebevoll, barmherzig und gütig Gott zu uns Menschen eingestellt ist. Ihm liegen sogar diejenigen besonders am Herzen, die emotional am Boden sind und Hilfe benötigen. In den Psalmen steht: "Ein gebrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten" (Psalm 51:17). In einer Prophezeiung macht er denen Mut, die durch das Leben benachteiligt und niedergedrückt sind: "Denn er wird den Armen befreien, der um Hilfe ruft, auch den Niedergedrückten und jeden, der keinen Helfer hat. Es wird ihm leid sein um den Geringen und den Armen, Und die Seelen der Armen wird er retten. Von Bedrückung und von Gewalttat wird er ihre Seele erlösen, Und ihr Blut wird kostbar sein in seinen Augen.  (Psalm 72:12-14). Ein sehr schöner und zu Herzen gehender Text, wie ich meine, der all jenen helfen kann, die vom Leben enttäuscht und ohne jede Hoffnung sind!

Wie Du siehst, ist Gott zwar gegen den Selbstmord, dennoch verfährt er mit Menschen grundsätzlich sehr barmherzig und liebevoll und ist nicht schnell dabei, jemanden zu verurteilen.

LG Philipp

Du hast recht, Suizid ist eine schwere Sünde, weil der Körper ein Werk Gottes ist und sinnlos zerstört wird (allerdings blieb mir der befragte Theologe die Antwort schuldig, warum man andere Werke Gottes sinnlos zerstören darf, zB Blumen, die unschuldig am Wegrand wachsen. Denke, da reingetreten und kaputt gemacht, hat fast jeder schon mal).

Man muss auch bedenken, dass dieses Verbot auch eine rein soziale Funktion hat. Wer stirbt, hinterlässt eine Lücke beim sozialen Umfeld und in biblischen Zeiten fehlte noch dazu eine wichtige Arbeitskraft. Jede Hand war wichtig. Ferner betrog man, beging man Suizid im besten Erwachsenenalter, die Eltern um ihre "Rente", also die Versorgung, wenn sie nicht mehr konnten. Im Mittelalter war das ja auch noch so.

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