Drogen und Hormone

6 Antworten

Was auch immer man einem Menschen gibt zur Stimmungsveränderung, kann eine psychische Abhängigkeit hervorrufen. Wenn der Körper einen körpereigenen Stoff künstlich zugefügt bekommt, dürfte die eigene Produktion des Stoffes zurückgehen, weil der Körper gemeldet bekommt, dass ja genug da ist. Und schon ist man abhängig.

Es gibt genug Möglichkeiten, glücklich und zufrieden zu sein. Dazu braucht mal keine Stoffe von außen.

Warum werden dann überhaupt Drogen und nicht diese Hormone in reiner Form eingenommen?

  1. Weil die Wirkungen ganz anders wären.
  2. Weil es eben nicht geht! ;-)

Reines Dopamin/Serotonin/etc. tritt nicht durch die Hirnblutschranke durch! Das Gehirn kann es also nicht verwerten. Es gibt zwar Zwischenprodukte die das könnten z.B. 5-HTP (eine Stufe zu 5-HT also Serotonin) , aber selbst damit erreicht man nicht die Wirkungen, wie z.B. mit dem Serotonin-Agonist LSD, etc.

Siehe z.B. hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/5-Hydroxytryptophan

Außerdem gibt es noch eine Menge anderer Transmitter, manche sogar als Proteine - da ist nichts heute mit "nachbauen".

Tja, wo soll ich da bloß anfangen:

  1. Dopamin (bessergesagt Levodopa, eine Vorstufe von Dopamin) wird z.B. bei Parkinson eingesetzt. Deine Grundannahme stimmt also schonmal nicht.

  2. Dadurch das dein Körper nicht nur im Gehirn sondern auch in anderen Organen (Serotonin im Magendarmtrakt (die Hauptmenge an körpereigenem Serotonin ist im Magendarmtrakt zu finden), Adrenalin (Dopamin) in allen vom Symphatikus aktivierten Organen (Herz-Kreislaufsystem,...)) würdest du hauptsächlich Nebenwirkungen erzeugen.

  3. Ein Großteil der Hormone wird bereits abgebaut bevor er das Gehirn erreicht

  4. Die Hormone nicht in der Lage die Bluthirnschranke (BBB) in ausreichender Menge zu überwinden

Jetzt wirst du dich bestimmt fragen wie Levodopa den genannten Prozessen entgeht.

  1. Es wird zusammen mit Medikamenten gegeben die die abbauenden Enzyme hemmen

  2. Die Vorstufe ist in der Lage die BBB zu überwinden

  3. L-Dopa wird erst im Gehirn zu Dopamin verstoffwechselt.

Hoffe ich konnte dir weiterhelfen.

Gruß,

Mufff

ich beantworte jetzt mal nur die frage zum dopamin. das ist eine botenstoff zur neuronalen kommunikation und gibt den forschern bis heute rätsel auf, wie, bzw. auf welchen stimulus hin zellen überhaupt dopamin produzieren, ausschütten und in ihren stoffwechsel einbauen. würde man das wissen, wären krankheiten wie alzheimer, parkinson, drogensucht, depressionen..... heute leichter zu beherrschen. ein hormon zu bauen ist die eine sache, es funktionell in die neuronale reaktionskaskade einzubauen eine ganz andere angelegenheit

das versteh ich nicht, wir können also medikamente und drogen herstellen bei denen wir ganz genau wissen welche hormone sie hervorrufen aber wir können diese hormone nicht gezielt einsetzen?

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@Betmann

beispiel parkinson: neurone, die besipielsweise für zielgerichtete bewegung zuständig sind, produzieren dopamin. wenn alles "gesund" ist, dann können wir uns entsprechend bewegen. aus irgendeinem grund, gehen beim morbus parkinson aber eben diese dopaminproduzierenden zellen kaputt, sterben ab. das ist das, was man versucht zu verstehen. warum sterben genau diese zellen und dadurch sinkt dann natürlich auch die konzentration an dem so dringend benötigten botenstoff.

bei medikamenten oder drogen ist es meistens so, dass sie den wirkstoff "immitieren", also dass sie einem rezeptor für den stoff X vorgaukeln (natürlich auch tatsächlich sein können), der stoff X zu sein. darauf springt der rezeptor dann an und reagiert dann entdsprechend darauf, schüttet dann z.b. einenen gewünschten stoff aus. aber wir können nur selten den stoff, der uns fehlt, einfach von außen in den körper geben. d.h. man kann nicht dopamin "basteln" in eine spritze geben und einfach mal so in die vene spritzen...da gehörts nicht hin und unser körper kann damit nix anfangen. es ist also nicht so einfach einen stoff da hin zu bringen, wo er tatsächlich gebraucht wird, besonders dann nicht, wenn die zellen, die mit deisem stoff arbeiten funktionsuntüchtig sind. inn dem fall wirkt man dann eher den natürlichen "defizitreaktionen" des körpers entgegen, lindert z.b. das zittern beim parkinson

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@Betmann

äh... ja!

Es gibt viele Antidepressiva, wie z.B. die SSRIs - also sogar selektiv wirken.

Die SOFORT den Serotonin-Spiegel im Gehirn erhöhen. Dennoch werden die Patienten i.d.R. dadurch noch depressiver und die Wirkung stellt sich nach Wochen ein. Warum? Keiner weiß es . Vielleicht wegen Neuroplastizität.

Das sieht man z.B. auch bei dem SSRE (genau das Gegenteil von SSRI) Tianeptin.

Es macht - sofern man weiß - GENAU DAS GEGENTEIL wie die meißten anderen Antidepressiva - wirkt aber mindestens genau so gut!

Logik? Genau so viel wie die Vier-Säfte-Lehre!

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@verreisterNutzer

und die meinte ich genauso - serotoninwiederaufnahmehemmer... warum gibt man einem depressiven nicht einfach reines serotonin?

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@verreisterNutzer

ich rede von dopamin, nicht von serotonin. es gibt ja mehr als eine form von dopamin. das was du als "unlogisch" erachtest, ist genau das, was ich meine. injiziert man einen stoff, der dann eine weiterführende reaktion auslösen soll, gewöhnt sich das gehirn ganz suchtgerecht an diesen zustand, weil es dafür selbst nichts/wenig leisten muss. wovon du sprichst, ist die behandlung der symptome einer krankheit. wie du richtig erkannt hast, fehlt das wissen über die ursache, solange kann man eben nur idiopatisch tun was sich temporär als hilfreich erweist. die ursache ist damit auch nicht synthetisch bekämpft

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@Betmann

Weil es noch nicht mal geklärt ist, dass "Serotonin-Mangel" der alleinige Grund ist.

Um ehrlich zu sein, es wäre viel zu einfach, als das es stimmen könnte. (Siehe Vergleich mit der Vier-Säfte - bzw. Vier-Neurotransmitter-Lehre)

Depressionen verändern das Gehirn, manchmal sogar sichtlich im MRT. Da kann man nicht mehr sagen, dass es "nur" ein Serotonin-Problem ist.

Außerdem ist dies bei Schizophrenie und "nur" dem Dopamin genau so!

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Drogen besetzen die Rezeptorstellen von Neuronen, was zu Aktivität oder Hemmung der entsprechenden Neuronen führt und in diesem Zuge oft zu einer Opioidausschüttung im Gehirn fürht - aus der ein gutes Gefühl resultieren kann. Diese Neurone hierfür verwenden unterschiedliche Botenstoffe, wie z.B. Dopamin. Somit misst man erhöhte Dopaminspiegel unter Drogenkonsum. Allerdings funktioniert es umgekehrt nicht so einfach: d.h. wenn man Dopamin (genauer muss man eine Vorstufe von Dopamin geben, da Dopamin nicht heil im Gehirn ankommt) nimmt, dann feuern die Dopaminneurone nicht sofort los (allerdings wird die Wahrscheinlichkeit ihrer Aktivität tatsächlich erhöht). Du musst direkt Opioide in den Kopf bringen - und das geht und ist eine Droge!

warum gerade opioide? es gibt auch andere drogen, die nicht zu den opioiden gehören

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@Betmann

ja, es gibt auch andere Drogen. Opioidformen sind ja nur ein Beispiel. Die anderen aktivieren, wie oben kurz skizziert, die entsprechenden Neurone, die dann die Effekte machen. Dies läuft immer über die entsprechenden Rezeptoren (bei Dopamin geibt es da viele, die in ihrer "Wirkung" momentan noch unüberschaubar komplex agieren). Die Rolle von Dopamin ist hier zweigeteilt: insbesondere über das ventrale Striatum führt eine Aktivität von Dopaminneuronen (genauer insbesondere der VTA) und damit zu erhöhten Opioidspiegeln, die Feeling machen, aber auch zu Plastizitätsprozesse u.a. im Striatum und im Mittelhirn, die das Streben(wanting)/die Sucht nach Drogen entwickeln (da sind die D1und D2-Rezeptoren dabei..). Wenn Du Deine Dopaminspiegel erhöhst, führt das zu einer schnelleren Abhängigkeit. Aber der Level reicht in der Regel nicht, um einen großartigen Rauschzustand hervorzurufen - dazu ist eine sogenannte phasische Aktivierung notwenidig und diese kann durch die Gabe von Dopamin nicht hervorgerufen werden (es steigen nur die tonischen Spiegel an)

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