Drei Jahre Psychotherapie und noch nicht gesund - was mache ich falsch?

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5 Antworten

Jeder Mensch ist anders, jede Situation wird anders verarbeitet, jede Verarbeitung trifft auf andere Vorbedingungen. Und bei dir klingt es ja so, dass du schon so einiges Belastende erlebt hast und das auch schon in sehr jungen Jahren, und vielleicht liegt auch noch mehr im Argen.

Man kann so eine Ausgangssituation nicht mit einem Monotrauma vergleichen (z.B. "nur" eine einzige Gewalterfahrung oder "nur" eine einzige Vergewaltigung oder ein Unfall und das vielleicht noch in späteren Jahren). Vor allem, wenn es vorwiegend um intrusives Erleben (Flashbacks, Alpträume) geht, ist eine Behandlung anders, v.a. wenn sie relativ Zeitnah nach Symptomentwicklung erfolgt, als dies bei komplexen Symptomen ggf. mit weiteren Störungen (Depression, weitere Angststörungen, Essstörungen, Substanzmissbrauch, Impulskontrollstörungen oder Borderline) der Fall ist.

In solchen Fällen ist der Begriff Heilung auch schwierig. Ich würde eher von Reduktion der Hauptsymptome sprechen, und davon, einen Umgang mit der Schädigung und v.a. mit sich selbst, seinem so sein, seinem Selbstwert, den Schuldgefühlen usw. zu erlangen, mit Rückfällen umzugehen und diese rasch begrenzen zu können usw.

Solche Behandlungen brauchen viel mehr Zeit. So viel, dass sie von den Vorgaben des Krankenkassensystems nur unzureichend berücksichtigt werden. Oft sind daher (mit Pausen) mehrere Therapien notwendig, vielfach mit abwechselnden Phasen von stationären, teilstationären und ambulanten Behandlungen. Das ist für solche komplexe Schwierigkeiten normal.

Manche Menschen haben leider ein sehr viel größeres Paket zu tragen, als andere. Und gerade sie haben besonders viel Verantwortung, sich um das Tragen des Paketes zu kümmern, ohne dabei in Verzweifelung, Selbstmitleid, Opfersein und trotziger Verweigerung oder Aufgabe zu versinken - und das ist verdammt hart und schwer, braucht deshalb auch immer wieder Unterstützungsangebote.

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Bitte sei nicht so streng zu dir selbst, das wirkt sich schlecht auf deine Genesung aus. Drei Jahre sind nicht lang, deine Therapeutin hat recht. Jeder Mensch geht anders mit seinen Erfahrungen um. 

Auch wenn du "nur ein Tag" da drin warst, dein Vater hat dir mit dem Tod gedroht und damals konntest du ja nicht wissen dass es glimpflich ausgeht. Das darf man nicht unterschätzen und hat bei dir evt. sogar PTSD hervorgerufen.

Sich mit anderen zu vergleichen ist sowieso der falsche Ansatz. Es geht nie darum, wer Behandlung am meisten verdient und wer nicht, es ist kein Wettbewerb :)

Du hast diese Behandlung nötig und dafür ist das Gesundheitssystem da. Diese Gefühle sind übrigens ein typisches Symptom von einigen Erkrankungen, u.a. Depressionen. Diese Gefühle solltest du mit deiner Therapeutin konkret diskutieren.

Abbrechen würde ich nicht, jedenfalls nicht wenn du Medis einnimmst, oder/und ohne Absprache mit deiner Ärztin. Du solltest sie im Notfall zeitnah aufsuchen können. Da kann sie dir aber sicher auch weiterhelfen.

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Schau, ob du dich bei deiner Therapeutin gut aufgehoben fühlst und alle wichtigen Dinge mit ihr bearbeiten kannst. Wenn das der Fall ist, ist alles gut. Ich habe Patienten manchmal sehr viel länger als drei Jahre in Behandlung und bei deiner Vorgeschichte ist das völlig ok. Ansonsten unterstütze ich die Antwort von schloh

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Etwas bleibt immer zurück; völlige Gesundheit gibt es nicht; fragt sich nur, ob man mit dem verbliebenen Rest leben kann - wenn, nicht neue Therapierichtung, neuen Therapeuten suchen !

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hast du dich schonmal an den Weißen Ring gewandt?

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