Doppelmoral oder Schizophrenie?

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5 Antworten

Das ist der Unterschied zwischen Anspruch und Realität.

Religionen legen moralische Maßstäbe an, die für den Menschen grundsätzlich niemals gänzlich einzuhalten sind.

Egal ob es das Gebot des Lügenverbots, die Einschränkung der Sexualität, oder das Gelübde, alle Wesen vom Leid zu befreien ist - diesen Ansprüchen gerecht werden und alle Regeln befolgen zu wollen, ist illusorisch.

So macht beispielsweise das menschliche Zusammenleben die Lüge erforderlich, wenn wir nicht ständig Konflikte verursachen wollen. Die Sexualität ist ein natürlicher Trieb, der sich nicht unterdrücken lässt und alle Wesen erretten zu wollen ist auch unmöglich.

Wie geht man mit diesem vorprogrammierten Scheitern um?

Im Westen haben sich durch Reformation, Aufklärung und Humanismus die Menschen so weit entwickelt, dass sie die Unerfüllbarkeit erkannt haben und, sofern sie weiterhin einer Religion angehören, ihre Lehren nun meist realitätsnaher auslegen und praktizieren.

Man "versucht eben sein Bestes" und lässt sich keine grauen Haare wachsen, wenn es halt doch mal nicht so ganz klappt mit der Bibeltreue.

Dem Islam fehlt diese Entwicklung zum großen Teil noch, so dass sich der Muslim einerseits zur buchstabengetreuen Befolgung seiner Religion verpflichtet fühlt, andererseits aber genau weiß, dass es ihm nicht möglich ist.

Ihm fehlt eben häufig noch die geistige Freiheit, nicht mehr zeitgemäße Regeln zu verwerfen und seine religiöse Praxis der Lebensrealität des 21. Jahrhunderts anzupassen.

Somit steckt er tatsächlich in einer Zwickmühle - einerseits die Angst vor den Höllenstrafen bei Nichtbefolgung, andererseits das Wissen, dass diese Regeln überhaupt nicht gänzlich einzuhalten sind.

Dem Muslim sitzt meiner Ansicht nach oft einfach zu sehr die indoktrinierte Angst im Nacken, um seine Religion kritisch zu hinterfragen, was dann zu solch bizarren Konstellationen führt.

Das gleiche Problem der Realitätsferne haben aber alle konservativen Auslegungen einer Religion, nicht nur der Islam.

Das erinnert mich an einen jüdischen Witz:

"Hallo Rabbi, wie hast du den Schabbat verbracht? "Ich habe in der Torah gelesen" - "Hast du nach tieferen Weisheiten der Gebote gesucht?" - "Nein, nach Schlupflöchern!"

In der ganzen Weltgeschichte gibt es Beispiele dafür, wie Gläubige versuchen, durch Tricks und Kniffe um die Beschränkungen ihrer Religion herumzukommen - Bier als flüssiges Brot der Fastenzeit, türkischer Raki als milchfarbener Alkohol, Fisch wird als Nichtfleisch deklariert....

Wen wundert es da noch, das solche Fragen wie die von dir genannten auftauchen?

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Kommentar von zahlenguide
21.06.2016, 07:45

sehr gute Antwort!

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Hallo
Das Problem ist das die Menschen heutzutage an diese Sünden gewöhnt sind .
Wenn dann der Ramadan kommt und jede Sünde schwerwiegender ist erhoffen sie sich durch diese Fragen irgendwelche Schlupflöcher zu finden um auch im Ramadan diesen Sünden nachgehen zu können .

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Kommentar von Ichthys1009
20.06.2016, 23:27

Aber warum sucht jemand ein Schlupfloch, wenn er das ganze Jahr über guten Gewissens sündigt?

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So denken die Menschen, die in Islam aufgewachsen sind und nun allmählich den Kontakt mit der Wirklichkeit im Deutschland des Jahres 2016 finden.

Sie verlassen allmählich das Gefängnis ihres Glaubens und versuchen, normal und angepasst zu leben.

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Kommentar von PWolff
20.06.2016, 18:58

Merkst du, was du hier machst? Du nimmst die Kultur deiner eigenen Herkunft als völlig selbstverständlich, so, wie du zu vermuten scheinst, der Fragesteller bis vor einiger Zeit die seine.

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Kommentar von FatihBa
20.06.2016, 19:36

Naja warum habt ihr dann ein neuen Testament? Das alte wahr wohl zu langweilig für euch oder zu streng?

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Diese Fragen bedeuten, dass da jemand den Quatsch tatsächlich ernst nimmt, der in Büchern mit alten Geschichten steht.

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Kommentar von FatihBa
20.06.2016, 19:35

Diese alten Geschichten wussten bereits vor 1400 Jahren was die meschen im 20+21 Jahrhundert  herausgefunden haben...

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"Ich weiß, Herr Wachtmeister, daß ich zu schnell gefahren bin, aber ich muß meinen Zug erreichen."

"Ich weiß, daß ich Steuern hinterziehe, aber in meinem Fall ist das soch ein Kavaliersdelikt."

"Ich weiß, daß ich nicht rauchen soll, aber es schmeckt halt so gut."

Glaubst Du, es gibt die "ja, aber"-Argumentation nur im Islam? *lach* q.

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Kommentar von Ichthys1009
21.06.2016, 19:40

Danke für die Antwort, aber das ist schon noch ein wenig anders.

Deine Beispiele sind alles Ausreden oder wo man für sich selber eine Ausnahme sieht - irgendwie normal und nachvollziehbar.

Bei den von mir gemeinten Fragen müsste es in Anlehnung an deine Beispiele heißen:

"Ich weiß ja, dass hier im Ort nur 50 km/h gefahren werden darf.

Normal halte ich mich nicht daran, weil ja nichts passiert, wenn ich knapp 60 km/h fahre.

Aber könnt ihr mir sagen, wo genau sie jetzt die Blitzer aufgestellt haben, damit ich da wenigstens nicht über 80 km/h fahre?

Heute morgen bin ich nämlich schon geblitzt worden, obwohl ich gerade mal 72 km/h drauf hatte.

Jetzt soll ich 50 Euro dafür zahlen, wo kann ich dagegen klagen?"

oder:

"Ich weiß ja, dass ich Steuern hinterziehe.

Und ich will das auch weiterhin machen, weil das ja eine Menge Geld spart.

Was kann ich tun, damit mich der Staat immer noch als seriös ansieht?"

oder:

"Ich weiß ja, dass man sich nicht ohne Glauben konfirmieren lassen soll.

Aber die Geschenke will ich trotzdem haben.

Findet ihr es moralischer, wenn ich gleich nach der Konfirmation aus der Kirche austrete, oder erst dann, wenn ich Kirchensteuern zahlen muss?"

oder:

"Ich weiß ja, dass Rauchen ungesund ist.

Normal rauche ich vor dem Essen eine.

Heute habe ich aber erst nach dem Essen geraucht.

Werde ich jetzt davon krank?"

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