Doch wieder zur Therapie?

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4 Antworten

Hallo!

Eine Tiefenanalyse ist mir nicht bekannt. Ich gehe mal einfach davon aus, dass eine psychoanalytische Behandlung gemeint ist.

Rein formal ist das dann schon nicht gänzlich falsch. Aufgrund neuer Studien, in denen auch in verschiedenen Settings (randomisierte und klinische Zuteilungen, freie Therapiewahl von Patienten uem.) Verhaltenstherapie und psychoanalytische Therapie verglichen wurden, zeigt sich schon, dass bei schwer verlaufenden, chronischen depressiven Erkrankungen eine psychoanalytische Psychotherapie eine äußerst wirksame Behandlungsform darstellt. Vermutlich, weil sie noch stärker beziehungsorientiert ist als moderne VT und v.a. weil sie schlicht und einfach mehr Zeit aufwenden kann und dies zudem hochfrequent (3x/Woche) tut.

Die Kindheit wird nicht aufgearbeitet, da diese ja in der Vergangenheit gewesen ist und nicht mehr geändert werden kann. Ich kenne dieses Phänomen auch eher von 1999-2002 auf die tiefenpsychologisch fundierte Therapie (direktes Konkurrenzprodukt zur VT) umgeschulten Therapeuten, deren Therapien sich oft auf (den Patienten meist sogar befriedigende) biografische Arbeit beschränkt. Nicht selten mit einem Verurteilen der Eltern (was den Patienten zum Opfer macht) und dem Therapeuten als besseren Elternteil. Mit psychoanalytischer Arbeit hat das nichts zu tun, sondern eher mit dem sich hartnäckig haltenden Klischee psychoanalytischer Arbeitsweise.

Es geht ja vielmehr um die Entdeckung und Veränderung meist sehr subtiler Verhaltens- und Erlebensweisen, die sich erst in langen intensiven Therapien in der Beziehung zum Therapeuten zeigen, der wiederum auf die Wahrnehmung solcher äußerst subtiler Mechanismen innerhalb der therapeutischen Beziehung spezialisiert ist. Diese haben natürlich etwas mit der Entwicklung des Patienten (und des Therapeuten - und der kennt seine Anteile durch die Lehranalyse) zu tun. Es geht aber eben darum, diesen Mechanismen in der therapeutischen Beziehung einen Raum zu geben, in dem eine Veränderung möglich wird. Dies geschieht eben nicht nur über kognitive und emotionale Einsicht, sondern auch und gerade über kleinschrittige korrigierende Beziehungserfahrungen.

Das Problem dabei ist eben die lange Zeit und die hohe Stundenzahl pro Woche, wie auch die gesamte damit verbundene Anstrengung inkl. schwerer Phasen innerpsychisch wie auch in der Beziehung zum Therapeuten. Das halten nicht viele Menschen durch und will daher gut überlegt sein. Außerdem gibt es nicht so viele psychoanalytische Psychotherapeuten (die Mehrzahl sind Verhaltens- und tiefenpsychologisch fundierte Therapeuten).

Das solltest du wirklich nicht übers Knie brechen, sondern lang nachdenken und dir dann viel Zeit nehmen, einen Therapeuten zu suchen.

VG

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Kommentar von DamyDamy
05.05.2016, 18:01

Meine Therapeutin meinte damals ganz gezielt, in der Therapie solle ich meine Kindheit praktisch "auseinander nehmen". Ich vermute mal, dass sie der Meinung war, meine Transidentität (von der ich ihr wohl lieber nichts hätte erzählen sollen) hätte irgendwas mit meiner Kindheit zu tun - getrennte Eltern, Leben beim Vater usw. Das glaube ich aber nicht. Wenn aber, wie du sagst, die psychoanalytische Therapie gar nicht darauf hinaus will, würde ich es vielleicht doch noch mal versuchen. Nur sind dreimal die Woche für mich kaum zu schaffen. Und ich weiß auch ehrlich gesagt gar nicht, ob die Krankenkasse mir das genehmigen würde...

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Vor vielen Jahren war man in der Psychotherapie oftmals der Meinung man müsse bei den Patienten bis aufs "Mark und Bein" bohren – er solle nochmals sein(e) Kindheitstrauma(ta) durchleben, bis er fast zusammenbricht, um ihn dann anschliessend von "grund auf" aufbauen zu können.

Gott sei Dank – so ist mein Eindruck – hat man davon weitestgehend Abstand genommen.

So ist es vielleicht hilfreich, sich seinem Kindheitstrauma in der Therapie zu nähern, um sich und sein heutiges Verhalten zu verstehen – aber das so manches Trauma unter einem scheinbaren Schleier verborgen ist und auf der emotionalen Ebene unerreichbar scheint - ist gut so.

Bei schweren traumatischen Erlebnissen hat unsere Psyche einen "Not aus" – und dass nicht ohne Grund. Dieser Notbetrieb des Gehirns dient zur Sicherstellung des physischen und psychischen Überlebens.

Wie zielführend ist es  z.B. einen in der Kindheit stattgefunden körperlichen oder sexuellen Missbrauch in einer Therapie nochmals zu „durchleben“. Meiner Meinung nach – überhaupt nicht.

Wie ich im Heute mit mir und meinem Leben umgehe – ist natürlich größtenteils in der Kindheit begründet.

Wenn man unter Depressionen leidet, hat das meiner Meinung nach aber sehr viel mit dem Hier und Jetzt zu tun:

Mit dem eigenen Selbstwertgefühl, seinen Bewältigungsstrategie für aktuelle Probleme, wie gut jemand für sich sorgt und abgrenzt, wie achtsam er ist und im hier und jetzt lebt, wie jemand sich und sein Umfeld – sein Leben bewertet, mit seiner inneren Zufriedenheit, mit seiner Wertschätzung fürs Leben, seiner Fähigkeit Liebe anzunehmen, seiner Spiritualität und wie aktiv er sein Leben gestaltet.

Und dahingehend kannst du sehr viel für dich tun – auch außerhalb einer Therapie.

Vielleicht ist die Aussage deiner letzten Therapeuten und deine Erkenntnis das die Verhaltenstherapie dich nicht mehr weitergebracht hat, ein Indiz dafür, dass du einen Punkt erreicht hast, wo du ganz alleine die Verantwortung für dein Leben übernehmen musst und dir eine Therapie nicht weiter hilft.

Wenn man an eine Depression erkrankt ist, ist eine Therapie ein ganz wichtiges Instrument auf dem Weg zur Gesundung (falls notwendig – übergangsweise auch Medikamente), aber man muss auch eine ganze Menge selber dazu beitragen.

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Hör auf mit den Therapien, Blick mit Deinem Partner in die Zukunft, die Vergangenheit kannst Du eh nicht ändern.

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Kommentar von DamyDamy
04.05.2016, 22:07

Mein Problem ist ja nicht die Vergangenheit, sondern die Probleme die ich jetzt gerade habe - und die scheinen nicht so bald vorbei gehen zu wollen.

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Probier das mit der Tiefenanalyse..nur du kannst entscheiden ob dir das weiter bringt..Versuch ist es wert u.viel Glück ;)

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