Dissoziative Identitätsstörung - Häufigkeit

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7 Antworten

wenn man sich mal anschaut, wie schnell eine persönlichkeitsstörung mit unter "diagnostiziert" wird, wundern solche zahlen nicht. eigentlich braucht man für die diagnose einer persönlichkeitsstörung sehr viel zeit und informationen, nicht nur vom betroffenen, sondern auch von verschiedenen leuten aus seiner umgebung. diese zeit hat man in der regel nicht und in der regel ist es auch schwierig, die umgebung zu befragen - vielleicht wird es noch zugelassen, dass die familie etwas erzählt, aber man wird eigentlich nie freunde oder gar arbeitskollegen befragen können.

das blöde am artikel ist, dass es eine zusammenfassung der literatur ist. wenn man wissen möchte, wie die zu den zahlen gekommen sind, müßte man die literaturstellen e2 bis e14 beiholen und die methodik begutachten. kann man an der stelle nicht. mir ist nur aufgefallen: es sind 2 studien aus der türkei drinnen, die den schnitt nach meiner meinung fälschlicherweise in die höhe getrieben haben. in der türkei gibt es nämlich sehr kurios anmutende ausdrücke, um symptome zu beschreiben. z.b. heisst "eine schlange frisst mein hirn auf" einfach "ich habe kopfweh/migräne". dieser ausdruck wird von jemandem, der diese kulturspezifische besonderheit nicht kennt, als zeichen für dissoziation (auflösung der ich-grenzen) interpretiert - jedoch wurden die studien von türkischen wissenschaftlern durchgeführt, denen das problem bekannt sein dürfte. sehr wahrscheinlich werden auch fragebögen wie der SKID darauf reagieren und invalide ergebnisse liefern.

dann wird noch von trauma geschrieben, die die dissoziative persönlichkeit verursacht haben sollen: nach einem trauma sind dissoziative symptome häufig. jedoch weniger häufig ist eine änderung der persönlichkeit. persönlichkeit ist ja eigentlich etwas "festes", was man schon als kind hatte und sein leben lang behalten wird. die frage ist also für mich, nach wieviel zeit man jemandem nach einem trauma untersuchen muss, um dissoziation zu beobachten und wann sie sich ggf. wieder verliert - erst nach einer wirklich sehr langen zeit mit anhaltender dissoziation ist es statthaft, eine geänderte persönlichkeit zu diagostizieren.

zusammendfassend: ich bin nicht der meinung, dass eine dermaßen hohe prävalenz von dissoziativen persönlichkeiten unter uns ist.

Danke, eine sehr aufschlussreiche Antwort.

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doof gesagt, müsstest du mind. 200 menschen sehr persönlich kennen, von denen niemand solch eine störung hat, um eine >einigermaßen< begründbare vermutung zu haben, dass der schätzwert zu hoch ist.

ps: "multiple Persönlichkeitsstörung" da sollen sich viele ärzte unsicher sein, ob es die überhaupt gibt.

"multiple Persönlichkeitsstörung" da sollen sich viele ärzte unsicher sein, ob es die überhaupt gibt.

Wohl wahr - abgesehen von Oliver Sacks - der ist sich sicher.

Mit freundlichen Grüßen

Nasdaq

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Das erinnert mich jetzt an das Thema ADS.

Manche haben ADS und können und werden auch medikamentös behandelt.

Dann gibt es wohl auch noch eine gewisse Anzahl, da bekommen "sonstige Probleme" den Stempel ADS.

Darüber debattieren nicht nur Laien, sondern auch Fachleute.

Wahrscheinlich ist es hier genauso.

nicht alles glauben, was die medien/studien/politiker/banker so erzählen ;)

Doch, ich glaub das. Wir stehen ja oft neben uns ;-)

"uns" bekommt da gleich eine ganz andere Bedeutung :D

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0.5 % derer sind Ärzte und Statistiker, glaub mir. Laut Statistik ist auch jeder 4. ein Chinese.

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