Diskussion um's "Gendern" bei der Sprache, was haltet ihr davon..?

12 Antworten

Ja ok, du meinst beide Geschlechter, die Sache ist nun aber die: es gibt beim Hörer zwei Möglichkeiten:

a) er fasst "Lehrer" als "Lehrer und Lehrerinnen" auf (ja, das ist oft so)
b) er fasst "Lehrer" als "Lehrer" auf (auch das kommt vor, wie Untersuchungen zeigen)

Ich möchte damit nicht sagen, dass man ständig (also 10 mal hintereinander in einem langen Text) "Lehrerinnen und Lehrer" schreiben müsste (das Gendersternchen nutze ich selber gar nicht), sondern nur, dass man sich diesen Umstand vor Augen führen sollte.

Auch wenn man beide Geschlechter meint, ist es ja denkbar, dass der Hörer dies nicht so auffasst (und trotzdem nur (männliche) "Lehrer" auffasst).

"Klein legte 290 Versuchspersonen Lückentexte vor, in denen generische Maskulina vorkamen und in denen der Sexus der Referenten ergänzt werden sollte. 72 % der männlichen und 67 % der weiblichen Versuchspersonen gaben Männer als Referenten an."

Ok, das war 1988, ich finde es trotzdem bemerkenswert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Generisches_Maskulinum#Studien_zum_Verstehen

Aber auch 2004 reagierten vor allem Männer auf das generische Maskulinum anders als auf andere Formulierungen (die Behauptung, dass das gM stets "beidgeschlechtlich" konnotiert würde, ließ sich auch dort nicht bestätigen). Viele Männer lesen das gM eben doch als "männlich".

Wir überschätzen die Fähigkeit, dass andere uns beim Hören 1:1 verstehen, da wir ja wissen, was wir meinen. Was wir meinen, kann der Hörer aber nicht hören. Nur das, was wir sagen. Wir müssen auch damit rechnen, falsch verstanden zu werden.

Ich würde die Doppelnennung aber intelligent und pragmatisch einsetzen, nicht als sturen Formalismus. Und keiner muss die Abkürzung (das Sternchen) nutzen, wenn er nicht möchte - finde ich (oder den Hiatus bei "Lehrer - innen"). Man kann ruhig die alte Doppelnennung nutzen ("Lehrerinnen und Lehrer"), das ist zwar etwas länger, aber nicht komplizierter.

Aber einmal zu Beginn eines längeren Textes genügt es meiner Ansicht nach.
Ich sehe das nur als Möglichkeit, ein Missverständnis zu vermeiden (nicht als sturen Formalismus). Und bei Hörer meinte ich Hörer und Hörerinnen (jetzt habe ich die Doppelnennung einmal am Schluss).

Da gebe ich Dir völlig Recht. Wenn ich Lehrer, Arzt, Anwalt, Apotheker sage, meine ich das immer geschlechtsunabhängig.

Bei uns wurde seither immer gesagt: Liebe Mitarbeiter. Heute wird gesagt: Liebe Mitarbeiterinnen und liebe Mitarbeiter. Ich finde das sowas von unnötig.

Wenn ich als beispiel Lehrer sage meine ich natürlich beide Geschlechter

Das kann aber falsch sein. Es kommt darauf an, was die Satzaussage ist.

"Ich hatte immer gute Lehrer." - würde Lehrer, Lehrerinnen usw. insgesamt einschliessen.

"Ich habe einen Termin mit meinem Lehrer." - ein männlicher Lehrer. Es wäre sachlich falsch/unhöflich, wenn man einen Termin mit einer Lehrerin hätte und das nicht sagen würde.

"Das Leben ist ein guter Lehrer." - unbestimmtes (sachlich) Geschlecht.

Ich verstehe das auch nicht. Auf einmal das gewese darüber. Als ob es keine anderen Probleme gibt.

Ich hatte auch jedes mal automatisch immer beide geschlechter im Kopf. Wie bei deinem Beispiel: Lehrer

Deutsche sind Weltmeister im Übertreiben, so auch hier.

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