Diktatur des Proletariats in einer klassenlosen Gesellschaft?

7 Antworten

Eine ganze Menge an Fragen! :-)

Im Marxismus werden die Klassen nach ihrem Verhältnis zu den Produktionsmitteln definiert. Das sind auf der einen Seite die Eigentümer von Produktionsmitteln (Kapitalisten) und auf der anderen Seite die, die kein Eigentum an Produktionsmitteln haben (Proletariat). Um es nicht zu unübersichtlich werden zu lassen, lassen wir mal die kleinen Einzelunternehmer, Handwerker und Bauern außen vor.
Die Kapitalisten sind in der Minderheit und eignen sich durch ihr Eigentum an Produktionsmitteln den von allen geschaffenen Mehrwert an. Das nennt man Ausbeutung. Die Ursache der Ausbeutung liegt also im Privateigentum an Produktionsmitteln begründet.

Diese ökonomische Macht begründet die Herrschaft der Kapitalisten in der Gesellschaft. Dem Zweck der Herrschaftsausübung dient der Staat, der als gesellschaftlicher Überbau das Machtinstrument der Kapitalisten ist und der Unterdrückung der anderen dient. Der Staat ist das (generell) das Machtinstrument der jeweils herrschenden Klasse. Seine Aufgabe ist es, die Herrschaft zu sichern und Gefährdungen dieser Herrschaft zu unterdrücken bzw. auszuschalten. Auf ihren Kern reduziert ist eine kapitalistische Gesellschaft weiter nichts, als eine Diktatur der Kapitalisten.

Daran ändert sich auch nichts, wenn der kapitalistische Verfassungsstaat eine bürgerlich parlamentarische Demokratie ist. Denn mit ihrer ökonomischen Macht, ihrer Herrschaft über Bildung und Erziehung der Menschen, ihrer Herrschaft über die Medien, sind die Kapitalisten in der Lage, das Proletariat soweit zu beeinflussen, dass dieses sich der wahren Herrschaftsverhältnisse nicht bewusst wird und gegen seine eigentlichen objektiven Klasseninteressen handelt und sich der kapitalistischen Herrschaft fügt.

Wenn man die Diktatur der Kapitalisten abschaffen will, muss man das Privateigentum an Produktionsmitteln abschaffen. Dazu muss das Proletariat die Macht erobern, die die Kapitalisten nie freiwillig abgeben werden. Nach der Eroberung der Macht muss diese gegen den Widerstand der Kapitalisten gesichert werden. Dazu bracht man einen Staat als Machtinstrument der dann herrschenden Klasse. Es wird die Diktatur des Proletariats errichtet und die löst die Diktatur der Kapitalisten ab.

Das ist dann Sozialismus. Sozialismus ist eine Übergangsgesellschaft, in der es noch Klassen mit ihren gegensätzlichen Interessen gibt. Die Aufgabe des sozialistischen Staates ist es, die Gesellschaft soweit zu entwickeln, dass die Klassenunterschiede mit der Zeit verschwinden und damit auch die Klassen.

Sind die Klassen verschwunden und die Produktivkräfte soweit entwickelt, dass das Prinzip "jedem nach seinen Bedürfnissen" verwirklicht werden kann, gibt es auch keine Notwendigkeit für Herrschaft und Unterdrückung und deshalb auch keine Notwendigkeit für einen Staat. Mit den Klassen verschwindet also der Staat und es entsteht eine klassenlose Gesellschaft - der Kommunismus. Natürlich bedarf es dann immer noch einer Verwaltung, deren Aufgabe in der Organisation des Zusammenlebens besteht und basisdemokratisch gestaltet ist.

Soweit die Theorie. Wie der Kapitalismus gestürzt werden soll und wann es soweit ist, darüber gibt es höchst unterschiedliche Auffassungen. Eine davon ist die leninsche Revolutionstheorie. Das wird dann aber schon der nächste Aufsatz.

Das war eine sehr gute Antwort. Wenn Du Dich weiter mit revolutionärer Politik beschäftigen möchtest, sieh Dir Doch mal diese Website an: www.wsws.org

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Der Kommunismus ist eine Utopie und in allen Belangen rein hypothetisch. Bleiben wir bei den Tatsachen: Der reale Sozialismus als "Übergang" zum Kommunismus hat sich als Diktatur des Proletariats als brutale Diktatur entpuppt, dem auch haufenweise Proletarier mit der falschen Meinung zum Opfer gefallen sind. Die Diktatur des Proletariats hat sich in Wirklichkeit als Diktatur von Parteifunktionären herausgestellt, die für sich in Anspruch genommen haben, das Proletariat (das seinen Willen nicht in einer freien Wahl ausdrücken durfte) zu vertreten. Diese Abstraktion "DAS PROLETARIAT" unterstellt eine nicht vorhandene Meinungsgleichheit. Wer als Proletarier eine andere Meinung als die Partei hatte, wurde schnell zum "Klassenfeind", denn was die KLASSE will, haben die Partei und ihre Funktionäre bestimmt. Sie haben auch den Wirtschaftsplan gemacht und bestimmt, für wen was produziert wird. Das ist bekanntlich auf ganzer Linie in die Hose gegangen. Interessant ist nur, wie dann plötzlich in der ehemaligen Sowjetunion neue Milliardäre und "Kapitalisten" auftauchen, wie die Zahl der Millionäre gerade in Moskau am schnellsten steigt. Und die ehemaligen Mitbesitzer des Volkseigentums, die alte Oma friert sich einen ab und die Bergleute kommen um, weil die Sicherheit immer mehr leidet. Und schaut man genau hin, sind die neuen Kapitalisten die alten Funktionäre, die sich schnell mal das Volkseigentum unter den Nagel gerissen haben. Tja, die Menschen sind halt nicht so selbstlos, wie sich das der olle Marx so gedacht hat. Viele bleiben Räuber, auch wenn sie sich eine "sozialistische Haut" übergezogen haben.

Der Sozialismus hat sich keineswegs überall als brutale Diktatur entpuppt, wie du es uns wei8smachen willst. Ich erinnere an Kuba und auch an Venezuela!

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@Galgenvogel1993

Irgendwer hat dir einen Bären aufgebunden und traurigerweise bist du ein opfer davon!

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Hier meldet sich unheilbarer Antikommunismus zu Wort!

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Es gibt in einer kommunistischen bzw. sozialistischen Gesellschaft kein Proletariat mehr, welches herrschen könnte, wie können also die "klassenlose Gesellschaft" und die "Diktatur des Proletariats" gleichzeitig existieren?

Einfaches Schlagwort. Mit Diktatur des Volkes hast schon recht. Jeder Mensch soll irgendwo ein Proletarier sein. Einige Regime (welche nur in der Theorie kommunistisch sind/waren) erweiterten den Begriff Arbeiterklasse (Zirkel in DDR-Wappen, Pinsel bei Nordkorae). Andere Regime "sortierten" auch Nicht-Proletarier aus. (siehe Rote Khmer in Kambodcha)

Mit "demokratisch" meine ich ein politisches System mit freien und geheimen Wahlen, einer Verfassung, Gewaltenteilung und verschiedenen Parteien.

Das wäre nicht kommunistisch. Sozialismus passt in dem Fall eher. Kommunistischer wären freie Arbeiterräte, Syndikate etc. Je nach Auslegung, Philosophie etc. Da gibts ja Tausende von Marx über Trotzki bis Bookchin..

Muss es im Kommunismus bzw. Sozialismus zwingend Planwirtschaft geben?

Nee. Auch hier ist das eine Frage des jeweiligen Vordenkers. Anarchokommunisten propagieren den Tauschhandel während laut Mao sich der Kommunismus den Begebenheiten anpassen muss. (Wie in China ja auch irgendwie geschehen..)

Wollen die Personen die sich Sozialisten nennen nur die Vorstufe des Kommunismus (Sozialismus) erreichen, nicht aber den Kommunismus selbst? (Falls sie eigentlich das "Endprodukt", also den Kommunismus wollen, würden sie sich doch direkt Kommunisten anstatt Sozialisten nennen, oder nicht?)

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