Diktatur des Proletariats in einer klassenlosen Gesellschaft?

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6 Antworten

Der Kommunismus ist eine Utopie und in allen Belangen rein hypothetisch. Bleiben wir bei den Tatsachen: Der reale Sozialismus als "Übergang" zum Kommunismus hat sich als Diktatur des Proletariats als brutale Diktatur entpuppt, dem auch haufenweise Proletarier mit der falschen Meinung zum Opfer gefallen sind. Die Diktatur des Proletariats hat sich in Wirklichkeit als Diktatur von Parteifunktionären herausgestellt, die für sich in Anspruch genommen haben, das Proletariat (das seinen Willen nicht in einer freien Wahl ausdrücken durfte) zu vertreten. Diese Abstraktion "DAS PROLETARIAT" unterstellt eine nicht vorhandene Meinungsgleichheit. Wer als Proletarier eine andere Meinung als die Partei hatte, wurde schnell zum "Klassenfeind", denn was die KLASSE will, haben die Partei und ihre Funktionäre bestimmt. Sie haben auch den Wirtschaftsplan gemacht und bestimmt, für wen was produziert wird. Das ist bekanntlich auf ganzer Linie in die Hose gegangen. Interessant ist nur, wie dann plötzlich in der ehemaligen Sowjetunion neue Milliardäre und "Kapitalisten" auftauchen, wie die Zahl der Millionäre gerade in Moskau am schnellsten steigt. Und die ehemaligen Mitbesitzer des Volkseigentums, die alte Oma friert sich einen ab und die Bergleute kommen um, weil die Sicherheit immer mehr leidet. Und schaut man genau hin, sind die neuen Kapitalisten die alten Funktionäre, die sich schnell mal das Volkseigentum unter den Nagel gerissen haben. Tja, die Menschen sind halt nicht so selbstlos, wie sich das der olle Marx so gedacht hat. Viele bleiben Räuber, auch wenn sie sich eine "sozialistische Haut" übergezogen haben.

Der Sozialismus hat sich keineswegs überall als brutale Diktatur entpuppt, wie du es uns wei8smachen willst. Ich erinnere an Kuba und auch an Venezuela!

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@Galgenvogel1993

Irgendwer hat dir einen Bären aufgebunden und traurigerweise bist du ein opfer davon!

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Eine ganze Menge an Fragen! :-)

Im Marxismus werden die Klassen nach ihrem Verhältnis zu den Produktionsmitteln definiert. Das sind auf der einen Seite die Eigentümer von Produktionsmitteln (Kapitalisten) und auf der anderen Seite die, die kein Eigentum an Produktionsmitteln haben (Proletariat). Um es nicht zu unübersichtlich werden zu lassen, lassen wir mal die kleinen Einzelunternehmer, Handwerker und Bauern außen vor.
Die Kapitalisten sind in der Minderheit und eignen sich durch ihr Eigentum an Produktionsmitteln den von allen geschaffenen Mehrwert an. Das nennt man Ausbeutung. Die Ursache der Ausbeutung liegt also im Privateigentum an Produktionsmitteln begründet.

Diese ökonomische Macht begründet die Herrschaft der Kapitalisten in der Gesellschaft. Dem Zweck der Herrschaftsausübung dient der Staat, der als gesellschaftlicher Überbau das Machtinstrument der Kapitalisten ist und der Unterdrückung der anderen dient. Der Staat ist das (generell) das Machtinstrument der jeweils herrschenden Klasse. Seine Aufgabe ist es, die Herrschaft zu sichern und Gefährdungen dieser Herrschaft zu unterdrücken bzw. auszuschalten. Auf ihren Kern reduziert ist eine kapitalistische Gesellschaft weiter nichts, als eine Diktatur der Kapitalisten.

Daran ändert sich auch nichts, wenn der kapitalistische Verfassungsstaat eine bürgerlich parlamentarische Demokratie ist. Denn mit ihrer ökonomischen Macht, ihrer Herrschaft über Bildung und Erziehung der Menschen, ihrer Herrschaft über die Medien, sind die Kapitalisten in der Lage, das Proletariat soweit zu beeinflussen, dass dieses sich der wahren Herrschaftsverhältnisse nicht bewusst wird und gegen seine eigentlichen objektiven Klasseninteressen handelt und sich der kapitalistischen Herrschaft fügt.

Wenn man die Diktatur der Kapitalisten abschaffen will, muss man das Privateigentum an Produktionsmitteln abschaffen. Dazu muss das Proletariat die Macht erobern, die die Kapitalisten nie freiwillig abgeben werden. Nach der Eroberung der Macht muss diese gegen den Widerstand der Kapitalisten gesichert werden. Dazu bracht man einen Staat als Machtinstrument der dann herrschenden Klasse. Es wird die Diktatur des Proletariats errichtet und die löst die Diktatur der Kapitalisten ab.

Das ist dann Sozialismus. Sozialismus ist eine Übergangsgesellschaft, in der es noch Klassen mit ihren gegensätzlichen Interessen gibt. Die Aufgabe des sozialistischen Staates ist es, die Gesellschaft soweit zu entwickeln, dass die Klassenunterschiede mit der Zeit verschwinden und damit auch die Klassen.

Sind die Klassen verschwunden und die Produktivkräfte soweit entwickelt, dass das Prinzip "jedem nach seinen Bedürfnissen" verwirklicht werden kann, gibt es auch keine Notwendigkeit für Herrschaft und Unterdrückung und deshalb auch keine Notwendigkeit für einen Staat. Mit den Klassen verschwindet also der Staat und es entsteht eine klassenlose Gesellschaft - der Kommunismus. Natürlich bedarf es dann immer noch einer Verwaltung, deren Aufgabe in der Organisation des Zusammenlebens besteht und basisdemokratisch gestaltet ist.

Soweit die Theorie. Wie der Kapitalismus gestürzt werden soll und wann es soweit ist, darüber gibt es höchst unterschiedliche Auffassungen. Eine davon ist die leninsche Revolutionstheorie. Das wird dann aber schon der nächste Aufsatz.

Also zunächst mal finde ich es sehr gut, dass du diese Konzepte so genau hinterfragst. Was den Sozialismus und insbesondere den Marxismus angeht, wird von den meisten Menschen ein ganz oberflächliches Verständnis einfach unhinterfragt hingenommen, mit dem Resultat, dass in der breiten Öffentlichkeit sehr merkwürdige Vorstellungen vom Marxismus kursieren.

Auch du wirfst hier ja so einiges durcheinander und verstehst manches schlicht falsch. Deshalb finde ich es klasse, dass du gezielt und umfassend nachfragst, denn diese Dinge sind auch nicht einfach zu verstehen.

Wie du schon richtig feststellst, ist der Kommunismus die utopische Vorstellung einer herrscher- und klassenlosen Gesellschaft. Dahinter steht die Idee, dass der Mensch tatsächlich fähig ist, eine Gesellschaft zu etablieren, in der alle Mitglieder gleichberechtigt und auf Augenhöhe über ihre Belange und Bedürfnisse entscheiden, in basisdemokratischen Verfahren. Wie eine solche Gesellschaft am Ende tatsächlich aussieht und organisiert ist, kann man auch nicht definieren, denn es geht ja gerade darum, dass die Menschen sich untereinander selbst organisieren und gemeinsam entscheiden, was wichtig, richtig und notwendig ist.

Das einzige, was als klare Vorstellung formuliert werden kann, sind bestimmte Rahmenbedingungen, die für eine solche Gesellschaft notwendig gegeben sein müssen: Dass das Eigentum an den Produktionsmitteln, also an allem, was zu Güterproduktion benötigt wird, nicht auf einige Privatleute verteilt ist, sondern dass dieses Eigentum bei der Gesellschaft als Ganzes liegt. Dass Güter keinen fiktiven "Preis" haben und damit zu Waren werden, sondern dass sie frei verfügbar sind und produziert werden, weil es ein Bedürfnis danach gibt, und nicht, weil ein Konzern seinen Profit maximieren will.

Es gibt verschiedene Ideen, wie diese utopische Gesellschaft erreicht werden kann. Diese Ideen / Ideologien nennen sich mal sozialistisch, mal kommunistisch, mal sozialrevolutionär, es gibt viele Namen und Etiketten. Gemeinsam ist allen diesen Strömungen, dass sie die herrschende Gesellschaftsform stürzen und beseitigen wollen, um dann in einer Übergangsphase die Grundlagen für die neue Gesellschaftsform zu errichten. Diesen Prozess nennt man auch Revolution. Wichtig dabei ist, dass nicht nur der kurze Akt der Beseitigung der alten Ordnung die Revolution ist, sondern die gesamte Zeitspanne vom Sturz der alten Ordnung bis zum Eintritt der neuen Ordnung. Ebenfalls wichtig ist, dass der Sturz der alten Ordnung nicht zwangsläufig gewaltsam passieren muss. Auch hier gibt es unzählige verschiedene Ideen, Ansichten, Meinungen und Theorien.

Das Schlagwort "Diktatur des Proletariats" - übrigens nur eine von vielen Ideen, und zwar die orthodox-marxistische - ist ein Beispiel für ein Konzept, das sehr oft sehr falsch verstanden wird. Weil wir in unserer modernen BRD-Gesellschaft ein klar definiertes semantisches Konzept von dem Begriff "Diktatur" haben. Marx hatte hier aber eine ganz andere Semantik. Mit unserem bürgerlichen Diktatur-Begriff hatte das nichts zu tun. Es ging, wie du selbst richtig feststellst, eigentlich nur darum, dass in der sozialistischen Übergangsphase zum Kommunismus die Arbeiterinnen und Arbeiter den Staat und seine Wirtschaft unter ihre Kontrolle bringen und die Überführung des Privateigentums an den Produktionsmitteln in gemeinschaftliches Eigentum vornehmen und organisieren. Dadurch wird ein regierender Staat, so die marxistische Theorie, überflüssig, weil er kein Privateigentum mehr schützen muss. Dieser Staat, jetzt eben kontrolliert von den Arbeiterinnen und Arbeitern, stirbt ab, weil er nicht mehr gebraucht wird.

Insgesamt ist die Thematik sehr komplex, und auf kurze Informationen aus dem Internet solltest du dich hier nicht beschränken. Auch Marx selbst zu lesen, solltest du vorerst nicht auf eigene Faust versuchen. Es ist eine gute Empfehlung, sich mit verschiedenen Einführungsbüchern langsam an diese Materie heranzutasten. Wichtig ist, dass du unbedingt mehr als nur eine Einführung liest, weil auch die Schriften von Marx sehr vielfältig gedeutet wurden. Je mehr Blickwinkel du dir anliest, desto besser.

Und bleib weiter so neugierig und kritisch! Ein potenzieller Kommunismus braucht unbedingt auch kritische Menschen, die Zusammenhänge hinterfragen und aus verschiedenen Blickwinkeln durchdenken!

Gute Darstellung!

In einem Punkt möchte ich dir allerdings widersprechen, warum soll der Fragesteller kein Marx-Buch lesen? Sicherlich sollte er nicht die ökonomischen Hauptwerke wie z.B. das Kapital oder Grundriß der politischen Ökonomie auf eigene Faust lesen, doch das Kommunistische Manifest empfehle ich hier Jedem, ob in einer Gruppe oder solo, Hauptsache es wird gelesen. Es könnte nämlich ansonsten sein, dass garnichts von Marx und Engels gelesen wird und das wäre doch sehr schade. Ich denke mal, dass das K.M. gut verständlich ist und daher von den meisten Menschen auch im Alleingang gelesen undf verstanden wird.

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Es gibt in einer kommunistischen bzw. sozialistischen Gesellschaft kein Proletariat mehr, welches herrschen könnte, wie können also die "klassenlose Gesellschaft" und die "Diktatur des Proletariats" gleichzeitig existieren?

Einfaches Schlagwort. Mit Diktatur des Volkes hast schon recht. Jeder Mensch soll irgendwo ein Proletarier sein. Einige Regime (welche nur in der Theorie kommunistisch sind/waren) erweiterten den Begriff Arbeiterklasse (Zirkel in DDR-Wappen, Pinsel bei Nordkorae). Andere Regime "sortierten" auch Nicht-Proletarier aus. (siehe Rote Khmer in Kambodcha)

Mit "demokratisch" meine ich ein politisches System mit freien und geheimen Wahlen, einer Verfassung, Gewaltenteilung und verschiedenen Parteien.

Das wäre nicht kommunistisch. Sozialismus passt in dem Fall eher. Kommunistischer wären freie Arbeiterräte, Syndikate etc. Je nach Auslegung, Philosophie etc. Da gibts ja Tausende von Marx über Trotzki bis Bookchin..

Muss es im Kommunismus bzw. Sozialismus zwingend Planwirtschaft geben?

Nee. Auch hier ist das eine Frage des jeweiligen Vordenkers. Anarchokommunisten propagieren den Tauschhandel während laut Mao sich der Kommunismus den Begebenheiten anpassen muss. (Wie in China ja auch irgendwie geschehen..)

Wollen die Personen die sich Sozialisten nennen nur die Vorstufe des Kommunismus (Sozialismus) erreichen, nicht aber den Kommunismus selbst? (Falls sie eigentlich das "Endprodukt", also den Kommunismus wollen, würden sie sich doch direkt Kommunisten anstatt Sozialisten nennen, oder nicht?)

Ja und Nein. Bzw. Teils/Teils. Wie schon erwähnt gibt es sich Varianten des Kommunismus/Sozialismus. Da ist verallgemeinern echt schwer.

Eigentlich wollen alle aufrichtige Sozialisten den Kommunismus, doch mit einem bloßen Wollen allein ist es eben noch nicht getan. Es gibt da nämlich allerlei Klassenfeinde im Innern des Landes und vor allem ein mächtiges ausländisches Lager, allen voran einen militärisch hochgerüsteten Imperialismus, der darauf lauert, dem Sozialismus das Lebenslicht auszublasen. Unter solchen Umständen kann man keinen Kommunismus einführen, denn schließlich brauchts einen starken Staat nebst starkem Militär als auch Polizei und Gefängnisse, um die inneren und äußeren Gegner in Schach zu halten. Der Kommunismus ist aber eine staatenlose Gesellschaft. Diese einführen zu wollen, wäre also blanker Selbstmord. Die Diktatur des Proletariats anfänglich beim Aufbau des Sozialismus notwendig, hat sich leider als Dauerphönomen herausgestellt, was diesen dann ranzig macht/e. Wieder mal zeigt sich die klare Überlegung von Marx und Engels, die den Sozialismus vorerst nur in den hochindustrialisierten Staaten verortet sehen wollten. Dort sind nämlich die materiellen Voraussetzungen für den Sozialismus erst so richtig gegeben, so dass nicht erst eine industrielle Basis hochgezogen werden muß. Nun schert sich aber die Geschichte nen Dreck darum, was in der Theorie so ausgeklügelt wurde und wenns denn 100X richtig ist. Das erste und schwächste Glied in der imperialistische Kette dass da brach, war nun mal Russland, ein zunächst bloßer Agrarstaat mit ein wenig Industrie. Davon mal abgesehen, der Sozialismus ist nicht solch ein monolither Block, wie es uns das Bürgertum weismachen will. Der Bogen spannt sich immerhin von Pol Poth bis zu Castros Kuba. Das sind also viele Spielarten, ähnlich wie ja auch der Kapitalismus aus div. Varianten existiert/e. Dem Sozialismus wird dies fälschlicherweise allerdings nicht zugestanden, er hat gefälligst so auszusehen, wie er von der Bourgeoisie verunglimpft wird. Die Absicht hierfür ist klar, die Masse der Bevölkerung soll von ihm abgeschreckt werden, damit die Ausbeuter in Ruhe ihrer Ausbeutung nachgehen können.

Andererseits soll es aber auch eine "Diktatur des Proletariats" geben, also eine Herrschaft der Arbeiter über die "Nicht-Arbeiter".

Das ist sehr mißverständlich wenn nicht gar falsch formuliert.. Es ist doch ganz einfach: Beim Übergang von einer Kapitalistischen zu einer sozialistischen Gesellschaft gibt es keine Kapitalisten mehr, weil das Volk über demokratische Instanzen die Wirtschaft demokratisch und bewußt selber betreibt - ohne Kapitalisten bzw. der Steuerung durch den Profit.

Die Proletarer sind dann keine kapitalistischen Proletarier, sondern sozialistische Proletarier. Und die Kapitalisten, die ehemaligen, sind auch Proletarier geworden, also per definitione, solche Menschen die durch Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen - es sei denn die Gesellschaft entscheidet, dass manche - wie Rentner, Kranke, ggf. manche Künstler (?) oder die die ne Pause haben wollen etc. nicht arbeiten müssen.

Diktatur des Proletariats gibt es nur deshalb, weil Kapitalisten oder wie in Russland gar Feudlisten noch Macht, mächtige Freunde haben und an einem Umsturz interessiert sind und wie z.B. in Russland Kommunisten töteten, Kolchosen zerstörten, Felder abbrannten, Krieg mit ausländischem Geld führten und sich sogar in die kommunistische Partei einschlichen, um von innen alles zu sabottieren. Siehe z.B. https://08oo.wordpress.com/2012/10/30/free-e-book-stalin-anders-betrachtet-von-ludo-martens/

Und das machten sie, obwohl sie - wenn sie nicht im Untergrund waren - als Proletarier, weil ja jeder arbeiten mußte. Erst im Kommun ismus wo die Menschen nicht mehr so sehr durch die Schulung/Erziehung des Kapitalismus eigensüchtig sind, heißt es : Jeder nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Also man müßte ggf. gar nicht mehr arbeiten und könnte Phasen der Selbstfindung, Ausbildung, Forschung künstlerischer oder sonstiger persönlicher oder gesellschaftlicher Entwícklung widmen etc. Dann hat sich ja aber die Gefahr des Rückfalls auch reduziert und man braucht keine Diktatur des Proletariats mehr, das es dann ja eigentlich auch nicht mehr gibt.

10 Gebote gebote fuer den neuen sozialistischen menschen - (Politik, Wirtschaft, Kommunismus) Das AhlenerProgramm der CDU vomFeb.1947 - (Politik, Wirtschaft, Kommunismus)

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