Digitalisierung des Staates sollte ein Unternehmen machen?

12 Antworten

Die Digitalisierung wird nicht von den Politikern gemacht. Politiker beschließen bestimmte Maßnahmen. Mit der Durchführung werden geeignete Stellen oder Unternehmen betraut.

Und nein, einfach so hingehen und sagen "SAP, Dein Job", das geht nicht. Was ist überhaupt "Digitalisierung"? Das ist ja nicht so wie "einmal bitte volltanken". Hier braucht es Konzepte, die bedarfsorientiert sind. Die zu digitalisierenden Prozesse müssen bestimmt werden. Die Prozesse müssen analysiert werden. Es müssen Abhängigkeiten beachtet werden. Das kann man nicht mal eben so einer beliebigen Firma übergeben. Und nur weil SAP ein großes Unternehmen ist, bedeutet es nicht, dass SAP das geeignete Unternehmen ist. Es ist auch zweifelhaft, dass ein Unternehmen diese Aufgabe allein übernehmen könnte.

Die Digitalisierung beginnt mit der Ermittlung von Bedarfen, Schnittstellen und Prozessen. Das kann ein Externer natürlich machen, aber es geht - insbesondere bei den Schnittstellen ja um ALLE Prozesse der Verwaltung. Dieser Bereich ist derart umfangreich, dass selbst SAP gar nicht genug personal hätte, um das zu erfassen.

Also braucht es für den ersten Schritt eine eigenmotivierte Durchführung der jeweiligen Verwaltungen für sich selbst. Dazu gehört auch, Verwaltungsakte und -formulare in einem T-Konto zwischen erforderlich und entbehrlich zu trennen. Nun erfolgt eine kritische Prüfung durch externe Fachleute separat in jedem Verwaltungsbereich..

Anschließend sind die erwähnten Schnittstellen zwischen den Behörden zu definieren (immer noch nicht im Bereich der IT sondern der Logik).

Parallel empfehle ich, gerade im Bereich der Wirtschaft aber auch im Bereich der interessierten Verbraucher, zu einem Meldeportal für ein Vorschlagswesen zur Optimierung.

An dieser Stelle sehe ich wieder eine Kontrolle durch private Dienstleister, die die o.g. Ergebnisse hinterleuchten und mit dem Meldeportal abgleichen. Jetzt sind auch die IT-ler dabei, um die praktische Umsetzung mit zu begleiten.

Tatsächlich muss aber parallel auch das Verwaltungspersonal geschult und vor allem motiviert werden.

Dazu ein banales Bsp. aus der Praxis: In meinem kleinen Dorf ist die Verwaltung nicht in der Lage, ein Protokoll der Gemeinderatssitzung digital auf die Homepage zum Download einzustellen. Das ist keine Frage der Technik, sondern des "Wollens". Bereits in der Sitzung wird nicht digital protokolliert (und ggfs. gleich per Beamer zum Nachlesen öffentlich gemacht). Der Handmitschrieb wird dann in den Folgetagen in den PC eingegeben und per Mail verteilt. Interessierte Bürger müssen sich das Protokoll zu Öffnungszeiten als Ausdruck abholen. Anm.: vor ca. 2 Jahren war wenigstens das Protokoll ein paar Tage später zum Download bereit.

=> Hier hilft weder SAP noch sonst ein IT-Unternehmen.

Einzige Lösung ist, dass die Verwaltung über die Politik auf Landes- und Bundesebene Druck gemacht bekommt. Eine Mammutaufgabe.

Woher ich das weiß:Hobby – Kommunalpolitik und Themen bis auf Landtagsebene

Das geht nicht, denn es verstößt gegen die Wettbewerbsregeln, somit muss solch ein Unterfangen weltweit ausgeschrieben werden.

https://www.deutschlandfunk.de/oeffentliche-auftraege-wie-der-staat-fair-einkaufen-will.724.de.html?dram:article_id=479176

Aus den Gründen der Absprache, von der BRD mit den USA, wird dabei allerdings selektiert und z. B. die chinesische Firma Huwei dabei sicherlich nicht zugelassen werden.

https://www.merkur.de/politik/huawei-usa-europa-china-hightech-markt-5g-smartphones-wirtschaft-trump-spionage-90200100.html

Deine Idee ist schon gut, denn von der SAP kann eine gute Arbeit erwartet werden und außerdem wäre auch der Service, welcher ja noetig wird, besser greifbar.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Weil andere Unternehmen dann aussen vor bleiben. Unternehmen dürfen kein Monopol bilden in einer sozialen Marktwirtschaft.

Im übrigen: Die Digitalisierung wird von Unternehmen vorangetrieben. Der Staat setzt nur den gesetzlichen Rahmen fest.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Faktisch ist es bei der Umsetzung dann schon so, dass Firmen, wie SAP und auch KMU Aufträge zur Realisierung kriegen.

Zuerst braucht ein Land oder der Bund zu den verschiedenen Gebieten - Bildung, Steuerwesen, Sozialwesen... etc. pp - eine Digitalisierungsstrategie. Dazu werden externe Berater zur Moderation und Formulierung beigezogen.

Wenn die dann man steht, werden von den Entscheidungsträgern, dem Senat, bzw. dem Kabinett, Prioriäten festgelegt und die zur Umsetzung erforderlichen Vergaben getätigt. Das Öffentliche Beschaffungswesen regelt dann, wer den Zuschlag kriegt und bei wem was gekauft werden darf.

Daraufhin geht man dann in die Vertragsverhandlungen und kauft die Dinge, bzw. projektiert die Umsetzung.

Das Ganze ist kein Hexenwerk. Aber am Anfang steht entweder eine Strategie oder eine Bestandsaufnahme mit Identifikation der zu schliessenden Lücken.

Wieso das so lange dauert, ist mir auch ein Rätsel. Jedoch ist der Nachholbedarf riesig und mit grosser Wahrscheinlichkeit zwischen Strategie und Vergabe - also exakt bei der Prioritätensetzung - zuwenig Geld vorhanden. Denn die Knete dazu muss im öffentlichen Haushalt vorgängig eingeplant werden. Dazu benötigt man eine grobe Idee, was man tun will; so eine Art visionäre Vorstellung.

Zwischen Strategie und Beschaffungsantrag liegen gut und gern 5 Jahre.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Muss man denn den Haushalt vorher festlegen ?

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@toomuchmoon5

In der Festlegung des Haushalts muss der Posten natürlich enthalten sein, sonst kann (darf) man das Geld nicht ausgeben. Schliesslich wird der Haushalt des nächsten Jahres vom Parlament genehmigt. Mit dem technischen Nachholbedarf geht das locker in die Millionen.

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