Differenzierung der Empathie bei Autismus?

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6 Antworten

Vielleicht solltest Du Fachbücher lesen statt auf das zu hören, was andere so daherquatschen. Es liest sich sehr verallgemeinernd, was man gerade bei Autisten nicht tun kann und sollte, da jeder anders ist.

Das Thema Empathie bei Autisten ist komplex. Um welche Autismusform geht es hier überhaupt und gibt es konkrete Erlebnisse mit einem Autisten?

Autismus selbst unterteilt sich in drei Formen, den a-typischen Autismus, das
Asperger Syndrom und das Kanner Syndrom- auch frühkindlicher Autismus,
welcher sich wiederum in hoch-, mittel- und niederfunktionalen Autismus
unterteilt.

Jede diese Autismus-Diagnosen grenzt sich von den jeweils anderen ab, wobei die Übergänge fließend sein können. Autismus (bzw. all die Diagnosen aus diesem Spektrum) verläuft heterogen, das bedeutet, jeder Autist ist anders. Die zur jeweiligen Diagnose führenden Symptome müssen nicht alle vorhanden sein und die vorhandenen Symptome sind nicht bei jedem Autisten gleichstark ausgeprägt. Manche Symptome und charakteristische Merkmale können bei ein und der selben Diagnose (wie z.B. Asperger Syndrom) auch völlig entgegengesetzt auftreten. Manche Asperger sind distanzlos, extrovertiert- andere introvertiert und extrem distanziert.

Empathie- es kommt hierbei u.a. darauf an, welche Diagnose der Autist hat, wie alt er ist und ob es Zusatzdiagnosen gibt, die Einfluss darauf haben, wie empathisch er ist bzw. auf andere wirkt. Denn- das zeigen/erkennen vom Emotionen ist nie gleichzusetzen mit dem Empfinden von Emotionen.

Egoismus verallgemeinernd mit Autisten in Verbindung zu bringen zeigt deutlich, wie uninformiert Deine Quellen sind. Dieses abartige Vorurteil ist so daneben, dass ich es mir spare, weiter darauf einzugehen.

Mimik richtig deuten zu können ist ein Problem, dass viele Autisten haben-

aber bei weitem nicht das einzigste Problem. Klare Gesichtsausdrücke

kann man sicher deuten, vor allem, wenn man älter ist- und sich weiter

entwickelt hat und an Erfahrungen reicher wird.

Aber die Feinheiten zu erkennen, das ist das weitaus größere Problem. Oft geht es ja nicht nur um die Mimik selbst- auch die Gestik dazu, die Körperhaltung und was dazu wie gesprochen wird- all das, was Nichtautisten intuitiv interpretieren können, fehlt Autisten oft und sie kompensieren das aus

dem Verstand heraus.

Das Thema ist extrem komplex. Man kann Dinge besser anhand von Fallbeispielen erklären.

Es gibt einen Augenpartien-Test, ich habe da nur 4 Punkte. Andere Autisten sind da besser, aber ich habe schon in Foren gelesen, dass manche noch weniger Punkte hatten als ich. http://www.aspergia.de/index.php?cat=Tests&page=Augenpartientest

Viele Autisten können kaum, nicht oder nur stark eingeschränkt Blickkontakt

halten- und wenn man das nicht kann, wird es noch komplizierter, sein

Gegenüber richtig einzuschätzen.

Ich brauche mehr als nur Augen- ich muss die Situation beobachten, die Körperhaltung, was wie gesagt wird (auf Betonung achten usw.)- und ich muss den Menschen kennen. Dann kann ich jedenfalls oft erkennen, wenn es bei Menschen aus meinem Umfeld Veränderungen gibt. Aber das nur, weil ich mich intensiv mit Mimik, Gestik, Körpersprache befasst habe- vor allem seit die Diagnose Asperger Syndrom bei mir gestellt wurde.

Aber das geht nicht immer. Oft erkenne ich nicht, was in anderen vor geht, aber größtenteils sagen mir meine Mitmenschen, was los ist. Generell suchen oft Menschen meinen Rat- sie kommen also vor allem bei Problemen auf mich zu, was es ungeheuer leicht macht, da sie ihre Sorgen oft sofort ansprechen.

Menschen, die mich auch kennen, wissen/spüren, dass ich sie nicht missachte, wenn ich ihnen nicht ansehe, was los ist. In meinem Umfeld wissen nicht alle um die AS-Diagnose. 

Was fremde über mich denken ist mir größtenteils egal- aber wenn fremde mir Dinge unterstellen, die nicht wahr sind, verletzt es. Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich z.B.keinen/kaum Blickkontakt halten kann beim Sprechen. Beim Zuhören eher- aber am besten bin ich auf mein Gegenüber konzentriert, wenn ich nicht in die Augen sehen muss. Meine Freunde usw. wissen das- aber wenn mich fremde anquatschen oder mich Männer anmachen und ich eben ihre Blicke nicht erwiedere, reagieren sie sauer und unterstellen mir, ich wäre arrogant, würde mich für etwas Besseres halten- was nicht stimmt. Menschen schließen oft über das, was sie sehen auf das, was sie nicht sehen/verstehen können.

Bei der Sache mit den Gefühlen anderer nichts anfangen zu können kommt es auch daraf an, was in jeder einzelnen, konkreten Situation los ist. Vielleicht fühlt sich nur jemand, der Dir das erzählt hat, vor den Kopf gestoßen, weil ein Autist ihn als Helfer ablehnt- oder als Partner oder Freund. Vielleicht hat Dir

diese Person deshalb erzählt, Autisten können mit Gefühlen anderer

nichts anfangen und seien egoistisch...

Ich habe oft erlebt, dass mir Menschen sagten, sowas wie ich könne sie doch nicht abweisen, ich hätte ja sonst keinen (was nicht stimmte)- aber ich mochte diese Menschen aber einfach nicht, weil sie aufdringlich waren, fordernd, mir oft unterstellten, alles, was ich wäre und tun würde (und schon lang vor

dieser Bekanntschaft getan habe) würde ich nur wegen ihnen tun...

solche Leute reagieren schon seltsam auf Abweisung und führen das dann

auch oft auf das zurück, was sie über einen wissen- Autismus. Dabei kann

ich Menschen, die extrem von sich überzeugt sind und andere (mich in

dem Fall) abwerten durch Bezeichnungen "sowas wie ich" usw. nicht

leiden.

Es kommt auch darauf an, was es für Gefühle von wem sind.

Wenn mir morgen ein Arbeitskollege seine Liebe gestehen würde (ich bin

Asperger-Autistin), könnte ich damit auch nichts anfangen, da ich seit

mehr als 5 Jahren in einer Beziehung bin und da vollkommen glücklich und

durchaus eine Menge mit den Gefühlen meines Freundes anfangen kann ^^

Ich schätze auch jede Form der Zuneigung aller, die ich mag- aber wenn

mir jetzt mir völlig fremde Menschen Gefühle entgegenbringen- das

überfordert mich, erschlägt mich und oft ist es auch belastend und

beängstigend- oder bedrohlich.

Reizüberflutung ist wieder etwas völlig anderes. Vielleicht solltest Du Deine Fragen direkt an Autisten richten, z.B. auf aspies.de im Selbsthilfeforum gibt es einen Bereich für Angehörige und interessierte.

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Reizüberflutung ist ein Problem, hat aber nicht unmittelbar etwas mit Empathie zu tun.

Das nicht/schwer Deutenkönnen von nonverbaler Kommunikation (Mimik, Gestik, Stimmmodulation) ist ein anderes Problem. Fehlende Theory-of-Mind-Kompetenz, also das sich nicht vorausschauend in andere hineinversetzen Können, wiederum ein anderes.

Im Allgemeinen ist bei Autisten die kognitive Empathie, also das spontane  Erkennen der Emotionen anderer, wenig ausgeprägt. Die emotionale oder affektive Empathie, also das Mitgefühl selbst, ist jedoch meistens normal oder sogar stärker als bei Nichtautisten entwickelt. Daher sind Autisten oft sehr hilfsbereit und engagieren sich auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten im sozialen Bereich.

"Im Rahmen ihrer Möglichkeiten" heißt, dass der Umgang mit anderen Menschen bei Autisten schneller zu Erschöpfung führt als bei Nichtautisten. Deswegen ziehen sie sich schneller von anderen Menschen zurück oder vermeiden auch unmittelbaren Umgang. Das hat also nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Selbstschutz.

Es ist natürlich möglich, dass zum Autismus noch zusätzlich eine dissoziale Persönlichkeitsstörung hinzukommt, aber das wäre ein anderes Thema.

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Was mich an diesen ganzen "ist das richtig / falsch"-Fragen über Autisten stört, ist dieses "Checklisten"-artige.

Als wenn diese Menschen irgendwelche Maschinen wären.

Mimik nicht oder nur begrenzt richtig deuten zu können, macht es schwerer, das dazugehörige Gefühl zu erkennen.
Noch verwirrender wird es, wenn weder Tonlage noch Körpersprache zur Mimik passen.

Was als Egoismus bei manchen ankommen mag, ist eine notwendige Reaktion des Autisten, um sich selbst vor einer Reizüberflutung zu schützen.

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Kommentar von TonyMontana24
05.03.2017, 22:15

Naja wenn Tonfall und Mimik nicht passen macht das es glaub ich auch für normales schwierig

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Das mit der fehlenden Empathie ist nur ein dummes Vorurteil. Genauso wie das Gerücht, Autisten hätten keine Gefühle oder keinen Sinn für Humor. Oder auch dass "fast alle" Asperger Autisten eine Hochbegabung hätten.
Ich wurde auch diagnostiziert und an mir selber kann ich sehen, dass folgende Gerüchte sich als teilweise falsch herausstellen. Natürlich gibt es Autisten, die keine Empathie, keinen Humor oder Hochbegabungen haben, aber das sind nicht "alle". Aufgrund meines Asperger-Syndroms musste ich selber zur Therapie und sowohl dort als auch bei meiner Diagnostik haben die Leute gesagt, dass es "den" Autisten nicht gibt. Das heißt, dass man keine bestimmten Kriterien erfüllen muss, um "Autist" zu sein, jedoch das eine oder andere Kriterium den Ärzten weiter helfen kann, um eine Diagnose zu stellen.

Um auf das Thema Empathie zurück zu kommen, habe ich folgenden Artikel kopiert. Er könnte noch unzähligen Menschen, die an diese diversen Vorurteile glauben, die Augen öffnen.
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/05/hirnforschung-autismus-henry-markram-neurowissenschaften/seite-2

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Autismus hat ein spektrum also viele viele möglich keiten, die zutreffen könnten, treffen überdurchschnittlich viele davon auf ist man autist, das heisst aber nicht das jeder das gleiche hat, und das heisst auch jeder hat irgendwelche züge ... autismus zu definieren ist schwierig würd ich mal sagen.

Und ja jenach dem. Wen du hadt ust jeder deiner punkte auf autisten zu treffend.

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Jeder Autist ist anders.Alles ist sozusagen richtig

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