Differenzialdiagnose emotionalinstabile Persönlichkeitsstörung und Asperger?

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2 Antworten

Eine Entwicklungsstörung definiert etwas völlig anderes als eine Persönlichkeitsstörung. Das eine ist angeboren und eine neurologische Auffälligkeit das andere ist eine erworbene psychische Erkrankung. Beim Asperger Syndrom gibt es spezifische Auffälligkeiten im Kleinkindesalter und das ist auch ausschlaggebend. Aus dem Grund werden in Autismusambulanzen oder bei Fachärzten mit Schwerpunkt ASS üblicherweise Eltern befragt wie das Verhalten in den ersten 4 Lebensjahren war.

Mit Asperger hat man Schwierigkeiten Emotionen aus Gesichtern abzulesen. Mein Mann tut sich damit leichter für mich ist es schwerer. Es gibt keine psychische Erkrankung die eine derartige Einschränkung mit sich bringt. Bei einer Asperger Diagnose werden Mikromimiken beobachtet die willentlich nicht steuerbar sind, es wird beobachtet ob das Verhalten zum Gesagten passt. Insgesamt gibt es spezifische Testungen die ein zuverlässiges Ergebnis liefern. Manche können auch deutlich autistische Züge haben und dennoch erreicht es nicht den Schweregrad sodass eine Diagnose gestellt wird.

Wie gut können Menschen mit Asperger (älter als 30) sich anpassen?
Empathie und Mitgefühl oder gar Einfühlungsvermögen, in wie weit können diese Fähigkeiten erlernt oder gar vorgetäuscht werden ?

Diese Fragen lassen sich so allgemeingültig nicht beantworten. Ich kann nur von mir sprechen und ich bin schon lange nicht mehr arbeitsfähig. Ich könnte auch alleine nicht wohnen und bin seit 15 Jahren in Therapie. Mein Mann hingegen ist Vollzeit berufstätig und ist sehr gut angepasst. Dieses Angepasste merkt man ihm aber deutlich an, heißt, dass er oftmal schon aufspringt wenn man ihn nur von der Seite anguckt weil er denkt es wird jetzt irgendwas von ihm erwartet oder Handlungsweisen mechanisch und einstudiert wirken. Wir haben miteinander eine ganz klare Kommunikation. Was auf andere oft hart wirkt ist für uns beide notwendig. Er hat starke Probleme Freundschaften aufrecht zu erhalten, ich selbst habe erst gar kein Interesse an Freundschaften. Wir sind beide sehr gefühlsbetont, haben auch untereinander einen liebevollen Umgang und dennoch ist es weder ihm noch mir aus dem Gesicht zu lesen was in uns vorgeht und sind beide eher Mimik starr.

Wir leben unseren Alltag stabil, mit allen möglichen Ritualen, den immer selben Ablauf im Gegensatz zu Menschen mit einer instabilen Persönlichkeit. "Vortäuschen" würde ich gar nichts. Ich wüsste auch nicht wie man Empathie lernen möchte. Man kann lernen zu verstehen und sich auf jemand anderen einzulassen aber nicht mitzufühlen (wenn man es vorher schon nicht konnte). Einfühlungsvermögen habe ich meinen Mann gegenüber schon aber Außenstehenden gegenüber kaum und es interessiert mich auch nicht.



Das sind viele Fragen auf einmal. Und einige können wirklich nur von einem Facharzt beantwortet werden, z. B. die nach der Differentialdiagnose.

Affektive Empathie (Mitgefühl) ist bei Autisten meistens vorhanden, nur die kognitive Empathie (spontanes Erkennen der Gefühle anderer) ist weit weniger ausgeprägt.

Depressionen können zusammen mit Autismus auftreten und die Diagnose erschweren.

Auch Antriebslosigkeit kommt bei Autisten vor, auch wenn sonst ein Spezialinteresse gepflegt wird.

Manche Autisten lernen es, sich äußerlich anzupassen oder zu verstellen, aber das bedeutet immer eine unglaubliche Anstrengung, die das Leben nur noch schwerer macht, als es sowieso schon ist. Es ist irrsinnig belastend, nicht so sein zu dürfen, wie man ist. Besser ist es Lebensstrategien und Kommunikationsformen zu entwickeln, die dem Wesen des jeweiligen Autisten entsprechen. Das müssen dann auch die Nichtautisten mal akzeptieren und sich ihrerseits auf ihre Mitmenschen aus dem Autismus-Spektrum einstellen.

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