Dietrich von Bern/Theoderich

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Dietrich von Bern ist eine Person der Sage. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ist sie aus dem historischen Ostgotenkönig Theoderich entwickelt (auch wenn es dazu verschiedene Meinungen gibt, so eine Theorie über einen in Bonn herrschenden Rheinfranken).

Viele germanische Heldensagen haben ihren geschichtlichen Ursprung in der Völkerwanderungszeit. Ein Eingang des bedeutenden Herrschers Theoderich in die Sage ist dann nicht erstaunlich. Mündliche Erzählung spielte eine wichtige Rolle. Inhaltlich wird die tatsächliche Vergangenheit nicht sehr genau wiedergegeben und in der Dichtung zu Sagenstoffen Personen und Ereignisse aus verschiedenen Zeiten zum Teil zusammengezogen. Ob und wie gegebenenfalls bei der Sage über Dietrich von Bern dabei verschiedene geschichtliche Gestalten verschmolzen worden sind, ist schwierig nachzuweisen.

Der gotische Name von Theoderich war Þiudareiks, latinisiert heißt er Theodericus oder Theodoricus. „Thiuda“ steht in Beziehung zu einem alten Wort „theod“/“thiod“, althochdeutsch „diot“, mittelhochdeutsch „diet“, zu „reiks“ gibt es als Entsprechungen „rich“/“rîchi“/“rihh“ („reich“, „mächtig“) und „rihhan“ („ beherrschen“). Der Namen bedeutet also etwa „im Volk reich/mächtig“ oder „Herrscher des Volkes“. „Thidrek“ (Ditrik) ist dazu eine nordische Form. Dietrich entspricht dem Namen Theoderich und hat sich über verschiedene Varianten zu der heutigen Schreibweise entwickelt. Die altnordische Thidrekssaga ist im Mittelalter entstanden. Der Stoff ist anscheinend aus Norddeutschland weiter nach Skandinavien gekommen.

Zum Waffenmeister Hildebrand gibt es keinen Beleg für eine historische Parallele bei Theoderich.

Theoderich ist wahrscheinlich 451 geboren worden und 459 – 469 als Geisel in Konstantinopel/Byzanz aufgewachsen, nachdem die Ostgoten einen Bündnisvertrag mit dem Oströmischen Reich abgeschlossen hatten. Er war kein Gefolgsmann (wie auch im Nibelungenlied unhistorisch dargestellt) des Hunnenkönigs Attila (in der Sage Etzel), der 453 gestorben ist. Der Großteil der Ostgoten stand aber längere Zeit unter Oberherrschaft der Hunnen, darunter auch sein Vater Thiudimir /Theodemer (in der Sage Dietmar/Thema), und Ostgoten kämpften auf der Seite der Hunnen bei der Schlacht auf den katalaunischen Feldern 451. Theoderich hat 489 – 493 Italien erobert (wozu er auch eine Beauftragung durch den Oströmischen Kaiser erhalten hatte). 489 gewann er eine Schlacht bei Verona (deutscher Name Bern) gegen Odoaker (im Hildebrandslied unter der Namensform Otacher als Gegner Dietrichs genannt). Odoaker, der in Ravenna (deutscher Name Raben) mehr als 2 Jahre belagerte wurde, unternahm einen vergeblichen Ausbruchsversuch (die Rabenschlacht in der Sage hat hier eine Wurzel) und ließ sich 493 unter dem Eindruck drohender Hungersnot auf einen Vertrag ein, der eine gemeinsame Herrschaft vorsah. Theoderich hat ihn allerdings wenige Tage später getötet. Der feindliche Onkel trägt in der Sage den Namen des geschichtlichen Gotenkönigs Ermanarich (gotisch Aírmanareiks, altnordisch Jörmunrek, lateinisch Ermanaricus, mittelhochdeutsch Ermenrîch). Dieser kam wie Theoderich aus dem Adelsgeschlecht der Amaler (in der Sage Amelungen), lebte aber eine Reihe von Generationen vorher (gestorben etwa 375/6, Theoderich dagegen 526). Dietrich von Bern wird in der Sage aus seinem Reich in Norditalien vertrieben, während Theoderich ganz Italien einschließlich Roms eroberte. Dies ist eine starke Verschiebung. In einer Sage ist ein Streben nach einer Rückkehr in ein angestammtes und rechtmäßig eigentlich zustehendes Reich ein günstig wirkendes Motiv. Theoderich hatte neben Ravenna, seinem Hauptsitz (wo ein monumentales Grabmal steht), auch Verona und Pavia als Residenzen/Hauptstädte. In Verona ließ er einen Palast errichten.

Hallo Albrecht!

Das ist fürwahr eine Superantwort, der auch ein Mediävist seinen Respekt zollen muss. Es macht Spaß, wieder einmal auf jemanden zu treffen, der weiß, wovon er spricht. Bravo!

Da fällt mir auch zum Ergänzen nicht mehr viel ein... Am Rande könnte man noch erwähnen, dass Attila/Etzel eine Germanin namens Ildico/Hildico (eben die Kriemhild der Nibelungensage) geheiratet haben soll, in deren Bett er in der Hochzeitsnacht an einem Blutsturz gestorben sein soll. Im Nibelungenlied richtet der Waffenmeister Dietrichs, Hildebrand, Kriemhild als vâlandine (Teufelin) hin. Die historische Hildico scheint hingegen unbehelligt geblieben zu sein. - Aber wie gesagt, nur am Rande...Denn deine Antwort ist deutlich sternverdächtig.

LG anima mundi

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@animamundi

Einen ganzen Sternenhimmel hat Albrecht (mal wieder) verdient. Danke für die umfangreiche Antwort.

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wirklich eine sehr tolle und umfangreiche antwort (die ich auch grade brautche) aber könntest du verraten wo du all diese infos her hast? ich darf für meine arbeit leider kein wikipedia verwenden, und finde deswegen im internet leider kaum brauchbare seiten...

danke schon mal im voraus, würde mir wirklich weiterhelfen :)

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Theoderich - Dietrich -> der gleiche Name

Thiarna (Göttin) - Dirne -> der gleiche Ursprung

Attila - Etzel -> die gleiche Person

unterschiedliche Leseweisen der unterschiedlichen Sprachstufen:

indoeuropäisch - indogermanisch - germanisch - althochdeutsch - mittelhochdeutsch - neuhochdeutsch...

Das erklärt für mich zur Zeit nur den Dietrich - das Bern gleich Verona war der Schlüssel .

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