Diebstahl begangen. Wie geht's weiter?

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6 Antworten

Hallo Amorosamorena,

vermutlich wurde seitens Deines EX-Betriebes Strafanzeige nach folgender Rechtsgrundlage gestellt:

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§ 242 StGB - Diebstahl

(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

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Dementsprechend hat die Polizei ein Strafverfahren/Ermittlungsverfahren gegen Dich eingeleitet.

Dieses Verfahren läuft wie folgt ab.

  • die Polizei fertigt eine Strafanzeige in der
  1. Du als Beschuldigter,
  2. Deine EX-Kollegin als Zeugin und
  3. Dein EX-Betrieb als Geschädigter

geführt wirst.

  • Auch wenn dieses noch nicht geschehen ist, so wirst Du in absehbarer Zeit eine Vorladung als Beschuldigter erhalten. Wann das passiert richtet sich danach, wie ausgelastet die zuständige Dienststelle ist. In der Regel wird man zwar recht zeitnah vorgeladen, aber es kann sich auch mehrere Monate hinziehen. Eine klare Aussage, wann das sein wird, kann ich Dir dementsprechend nicht sagen
  • Dein EX-Kollegin wird, insofern nicht schon geschehen als Zeugin vernommen
  • Dein Chef, wird als Geschädigter, insofern er was zum Sachverhalt beitragen kann ebenfalls als Zeuge vernommen.
  • Nach Abschluss der Ermittlungen wird die Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft übersendet, die dann anhand der vorliegenden Ermittlungsergebnisse und der Aussagen der Beteiligten,
  1. ob sie das Verfahren nach § 170 Absatz 2 StPO einstellt, weil nicht genügend Beweise für eine Klageerhebung vorliegen (Siehe: https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__170.html) oder
  2. ob sie das Verfahren gegen Dich wegen Geringfügigkeit gem. § 153 StPO einstellst (siehe: https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__153.html) oder
  3. ob sie das Verfahren gegen Auflagen gem. § 153a StPO einstellt (siehe https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__153a.html) oder
  4. ob sie einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe unter den Voraussetzungen des § 407 StPO beantragt (siehe: https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__407.html) oder
  5. ob sie eine Hauptverhandlung für nötig hält und Du Dich vor einem Richter verantworten, der am Ende der Hauptverhandlung das Urteil spricht (Siehe: https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__170.html )

Viele USER hier raten immer davon ab, sich vor der Polizei zur Sache zu äußern und raten immer dazu zu schweigen oder einen Rechtsanwalt einzuschalten.

Man sollte nur bedenken, dass ein Rechtsanwalt nicht umsonst arbeitet und das die Kosten nicht von einer Rechtsschutzversicherung übernommen werden und ein Anwalt keine Wunder verbringen kann.

Sinn zu schweigen und einen Rechtsanwalt aufzusuchen, macht es meiner persönlichen Meinung nach nur wenn man eine schwere Straftat begangen hat oder wenn gar nicht klar ist, ob einen die Tat bewiesen werden kann.

Wenn sowieso zweifelsfrei feststeht, dass man die Tat begangen hat, kann ein Rechtsanwalt meist auch nichts bewirken oder welchen Sinn macht es, wenn man beispielsweise 300 Euro an Geldstrafe spart, aber man 500 Euro für den Rechtsanwalt zahlen muss.

Auch was das Schweigen angeht, muss man immer bedenken, dass es zwar vom Grundsatz her einem nicht zum Nachteil ausgelegt werden darf, wenn man sich nicht zur Sache äußert, aber

  1. sich ein frühzeitiges Geständnis strafmildernd auswirkt und
  2. man mit einer Aussage vor der  Polizei die Chancen auf Einstellung des Verfahrens erhöht oder zumindest die Chancen erhöht, dass keine Hauptverhandlung nötig ist, weil alle zu berücksichtigen Aspekte schon geklärt sind, so dass die Staatsanwaltschaft auch einen Strafbefehl erlassen kann. Eine Hauptverhandlung ist immer dann nötig, wenn noch Klärungsbedarf besteht. Dementsprechend sollte sich doch bemühen dafür zu sorgen, dass nichts mehr geklärt werden muss.

Was die mögliche Strafe angeht, so wirst Du meines Erachtens nach maximal mit einer geringen Geldstrafe rechnen müssen.

Die Geldstrafe richtet sich dabei nach Deinem Einkommen. Wer wenig verdient, bekommt auch nur eine geringe Geldstrafe.

Festgelegt wird die Geldstrafe in Tagessätzen, kurz TS.

En TS ist immer 1/30 Deines monatlichen Einkommens. Hast Du beispielsweise nur ein Einkommen von 300 Euro, beträgt der TS nur 10,00 Euro.

Wirst Du also zu 20 TS verurteilt beträgt die Geldstrafe "nur" 200,00 Euro.

Schöne Grüße
TheGrow

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Kommentar von Amorosamorena
18.06.2016, 09:05

Hallo TheGrow, 

gestern kam der Brief an. Daran steht das ich gegen Betrug angezeigt wurde. Ich habe nähmlich die zwei neuen Hosen genommen und dann mit einem alten Kassenbeleg als "Umtausch" durchgeführt.

Dabei wurde ich gesehen, als ich zur Rede gestellt wurde habe ich es zugeben und wurde dementsprechend gekündigt. 

Ich habe nächste Woche meine Aussage bezüglich der Geschichte. Darin steht aber Tatzeit ein Zeitraum von 1 Woche, weil bei der Anhörung mit meinem Chef meinte er, dass sie vermuten das ich das öfters gemacht habe. Ich habe dies verneint und nur diese Sache zugegeben, die auch wirklich passiert ist. Als ich meine Anzeige unterschrieben habe, habe ich unkontrolliert nicht geschaut WAS ich da unterschreibe, ob die mehrere Sachen aufgeführt haben, es waren aber definitiv 70 Euro! Mehr nicht! Ich habe mich von 3 Personen im Raum unter Druck gesetzt gefühlt.

Ich habe diese Sache mit den Hosen auch nur mündlich zugegeben und das hat auch meine EX-Kollegin bestätigt, dass es nur die 2 Sachen waren. 

Soll ich mir jetzt schon einen Anwalt nehmen oder erstmal warten? Ich muss dann eine Prozesskostenhilfe beantragen, ich kann mir keinen Anwalt leisten. 

Liebe Grüße 

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Hallo,

Erstmal ganz ruhig :)

Bei der Polizei müssen Sie als Beschuldigte garkeine Aussage tätigen. Das darf man Ihnen auch nicht zum Nachteil auslegen, dass Recht haben Sie.

Sofern Sie doch eine Aussage bei der Polizei machen wollen machen Sie das. Dann wird das ganze zur zuständigen Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Diese entscheidet dann, wie Sie das Ermittlungsverfahren beendet. Es kann eingestellt werden,  oder es gibt einen Strafbefehl ( schriftliches Urteil)   oder eben die Tat wird angeklagt und es kommt zur Hauptverhandlung 

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Wird auf eine Geldstrafe hinausgehen...
Im BZR steht sowas aber erst bei einer Geldstrafe ab 90 Tagessätzen, bei dir wird es vermutlich noch drunter sein da du ja Ersttäter bist.

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Du wirst im schlimmsten Fall ein paar Sozialstunden bekommen, wenn Du das ebenso aufrichtig wie hier schilderst.

Wenn Du keine Post von den Bullen bekommen hast, dann hat Dich Dein ehemaliger Arbeitgeber vielleicht gar nicht angezeigt? Vielleicht weil sie denken, dass die Kündigung schon Strafe genug sei.

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Du musst warten. Wenn man es 100% weiß dass du es warst bekommst du nur eine Geldstrafe. Bei schweren Diebstahls hättest du eine Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren bekommen oder eine Geldstrafe
PS:Ich kann mich dort aus!

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Kommentar von Amorosamorena
26.04.2016, 20:52

Also meine Exkollegin sagt wie es war usw, ich hab damals ja alles zugeben. Dann bekomme ich Post, richtig? 

Ich hoffe das die Geldstrafe nicht zu hoch ist. 

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Kommentar von mmzgz09
26.04.2016, 20:57

Warum hast du es gestanden!!!!! Wenn du nichts gesagt hattest Stände es Aussage gegen Aussage. Dann wäre es nicht passiert

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Sozialstunden,eventuell ein Strafbefehl von einigen Euro,und eine Notiz im Führungszeugnis

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Kommentar von Amorosamorena
26.04.2016, 20:46

Kannst du mir sagen, warum ich noch keinen Brief bekommen habe? 

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