Diebstahl- welche Konsequenzen?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Harte Gangsterin! Zunächst:  Es war eine Dummheit! Mach sowas nicht wieder!

Diese "Fangprämie" ist eine hauseigene Strafgebühr und wurde schon mehrmals von Gerichten als rechtens angesehen. Diese muss man zahlen. Wenn man jedoch noch keine 18 Jahre alt ist, kann das anders sein. Da bin ich gerade überfordert.  -.-

Du musst auf gar keinen Fall zur Polizei gehen. Wovon auch immer abgeraten wird, wenn man als Beschuldigter zur Polizei vorgeladen wird. Einfach nicht zur Polizei gehen ist dein gutes Recht. Nein, du hast dadurch keinen Nachteil und man darf dir auch nichts negatives dadurch ankreiden.

Die Polizei kommt dann nicht bei dir vorbei, sondern bearbeitet deine Ermittlungsakte einfach ohne deine Aussage. Danach sendet sie diese Akte an die Staatsanwaltschaft. Diese entscheidet, ob das Verfahren nach § 153 StPO einzustellen ist oder Anklage erhoben wird.  http://www.gesetze-im-internet.de/stpo/\_\_153.html

Deine Mutter darf dich nicht zwingen zur Polizei zu gehen. Das ist deine Sache. Alles andere wäre strafbare Nötigung nach § 240 StGB . Deine Mutter darf ebenso nicht deine Post öffnen. Anfassen ja, öffnen nicht. Außer du erlaubst ihr das. Wenn nicht, dann macht sich deine Mutter der Verletzung des Briefgeheimnisses nach § 202 StGB strafbar!

Vor der Polizei, Staatsanwaltschaft und auch vor Gericht musst du nur Angaben zu deiner Person, Adresse, Geburtsdatum, Geburtsort, Schule/Job, Familienstand, Wohnverhältnisse und deiner Staatsangehörigkeit machen. Steht im § 111 OwiG . Alles andere ist freiwillig. Du darfst zu der Sache selbst, also zu dem Diebstahl, schweigen. Ein schweigen darf dir niemals als Schuldeingeständnis ausgelegt werden.

Eine Einstellung des Verfahrens halte ich für sehr wahrscheinlich. Wobei bei dir das Jugendstrafrecht angewandt wird. Da kenne ich mich gar nicht aus. Nur im Erwachsenen Strafrecht.

Du hast die Folgen einer Strafverfolgung aber auch selbst in der Hand. Du kannst einen netten Entschuldigungsbrief an die Geschäftsführung des Ladens schreiben. Mit wenigstens einer Seite. Dort schreibst du sachlich und lieb, warum du geklaut hast und das es dir sehr leid tut. Davon machst du 2 Kopien. Eine schickst du - unter Angabe der Polizei Vorgangsnummer - an die Polizei. Eine behältst du für dich. Das Original schickst du an den Laden.

Die Kopie des Schreibens wird dann automatisch auch den Staatsanwalt vorgelegt, den das milde stimmen kann, aber nicht muss. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, ist diese so geringfügig das sie nicht in deinem Führungszeugnis stehen wird.

Noch etwas:  Schau ob du Hausverbot für den Laden bekommen hast. Wenn ja, dann guck wie lange und für welche Filialen das gilt. Also nur für diese, für alle in deiner Stadt, für dein Bundesland oder deutschlandweit. Hast du Hausverbot, dann geh da für die Dauer des Hausverbotes nicht mehr in den Laden rein. Das wäre sonst strafbarer Hausfriedensbruch nach § 123 StGB .

Den Entschuldigungsbrief kannst du auch per Post schicken oder deine Mutter oder Freunden für dich abgeben lassen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hallo mal07,

wie meine Vorredner schon geschrieben haben, wirst Du um die Zahlung der "Fangprämie" nicht herumkommen.

Aber kommen wir zur Strafrechtlichen Seite.

Als er fragte, ob ich wüsste warum ich mit muss, meinte ich nein, hab also gelogen. Hat das Konsequenzen?

Nein, das hat keine Konsequenzen, denn was war Dein gutes Recht die Frage zu verneinen

Und ist der Wert von 35 Euro geringfügig?

Einen geringfügigen Wert gibt es im Strafrecht nicht, aber es gibt den Begriff geringwertig. Ob die Waren noch unter geringwertig ist entscheidet der Richter im Einzelfall. Es gibt keinen festgelegten Wert. Gleichwohl muss man wissen, dass die meisten Richter nur bis zu einem Wert der von 25 bis 30 Euro von geringwertig ausgehen.

Aber im Grunde genommen spielt es auch keine Rolle, ob Du eine geringwertige Sache oder eine hochwertige Sache geklaut hast. Zu Beachten sind nur die beiden nachfolgenden Paragraphen:


§ 242 StGB - Diebstahl 

(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. 

(2) Der Versuch ist strafbar.


§ 248a StGB - Diebstahl und Unterschlagung geringwertiger Sachen

Der Diebstahl und die Unterschlagung geringwertiger Sachen werden in den Fällen der §§ 242 und 246 nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, daß die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.


Der Unterschied zwischen dem Diebstahl geringwertiger Sachen und Sachen die nicht mehr als geringwertig anzusehen sind, ist also einzig und alleine der, dass beim Diebstahl geringwertiger Sachen ein Strafantrag erforderlich ist, insofern für die Strafverfolgung nicht öffentliches Interesse zu bejahen ist, während der "normale" Diebstahl von Amtswegen verfolgt wird.

Aber seitens des Geschäftes wurde ein Strafantrag gestellt, insofern macht es absolut keinen Unterschied ob es sich um eine geringwertige Ware gehandelt hat oder nicht.

Dann schreibst Du:

Den Brief zur Vorladung hab ich von der Polizei auch schon bekommen, dort ist angekreuzt das die Begleitung meiner Mutter "erforderlich bzw. erwünscht" ist. Das Thema ist mir vor meiner Mutter sehr unangenehm, soll sie dennoch lieber mitkommen? Kann es in irgendeiner Hinsicht von Vorteil sein? (Habt ihr Tipps für die Vorladung/ meine Aussage?)

Wie meine Vorredner schon geschrieben haben, musst Du der Vorladung zur Vernehmung vor der Polizei keine Folge leisten.

Ich teile den Tipp und die Meinung meiner Vorredner aber nicht, dass man der polizeilichen Vorladung auf gar keinen Fall Folge leisten sollte.

Du wurdest auf frischer Tat beim Ladendiebstahl erwischt, Du kannst Dich also nicht um Kopf und Kragen reden.

Mit einer vernünftigen Aussage, (egal ob nun mit Deiner Mutter oder ohne Deiner Mutter)  bezüglich der Tat die Dir sowieso schon nachgewiesen wurde kannst Du in der Vernehmung:

  • die Tat zugeben und
  • Gründe angeben, warum Du die Tat begangen hast und
  • Rechtfertigungsgründe angeben, die die Tat erklären und
  • angeben, dass Dir die Tat leid tut und
  • das Du aus dem Fehler gelernt hast und
  • dass sowas in Zukunft nicht mehr vorkommen wird.

Dieses Vernehmungsprotokoll geht dann zusammen mit der gesamten Ermittlungsakte an die die Staatsanwaltschaft.

Diese liest sich die Akte und vor allem das was Du in der Vernehmung angegeben hast Durch und wenn sie der Meinung ist, dass die Aussage Schlüssig ist, kannst Du Glück haben, dass das Strafverfahren nach folgender Rechtsgrundlage eingestellt wird:


§ 153 StPO - Einstellung wegen Geringfügigkeit

(1) Hat das Verfahren ein Vergehen zum Gegenstand, so kann die Staatsanwaltschaft mit Zustimmung des für die Eröffnung des Hauptverfahrens zuständigen Gerichts von der Verfolgung absehen, wenn die Schuld des Täters als gering anzusehen wäre und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht. Der Zustimmung des Gerichtes bedarf es nicht bei einem Vergehen, das nicht mit einer im Mindestmaß erhöhten Strafe bedroht ist und bei dem die durch die Tat verursachten Folgen gering sind. 


Die Möglichkeit der Einstellung richtet sich wie Du dem Gesetzestext entnehmen kannst nicht danach, ob die Ware geringwertig war, sondern einzig und alleine danach, ob Deine

Schuld

geringfügig war.

Aber erst mit Deiner Aussage in der polizeilichen Vernehmung, ist es dem Staatsanwalt möglich einzuschätzen, ob Deine Schuld an dem Diebstahl als geringfügig anzusehen ist und dementsprechend das Verfahren nach § 153 StPO einzustellen.

Wird das Verfahren nicht seitens der Staatsanwaltschaft eingestellt, wirst Du Dich vor einem Richter verantworten müssen, der am Ende der Verhandlung das Urteil spricht.

Mit einer großartigen Strafe wirst Du aber sowieso nicht rechnen müssen, denn als Jugendliche kannst Du weder zu einer Geldstrafe noch zu einer Freiheitsstrafe, sondern nur zu einer erzieherischen Maßnahme verurteilt werden.

Schöne Grüße
TheGrow

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von mal07
08.11.2015, 12:44

du schreibst ja das sich die Einstellung eines Verfahrens nach der Schuld richtet, wie kann ich das verstehen? Heißt das wenn ich sage ich hätte unüberlegt und spontan gehandelt, dass das meine Schuld sozusagen beeinflusst? 

Und Danke für die Mühe und antworten :) 

0

Muss ich die Fangprämie von 100 Euro an den Markt zahlen?

Wenn Du von einem Ladendetektiv erwischt wurdest, handelt es sich dabei um die (zivilrechtliche) Vertragsstrafe (Verletzung einer vorvertraglichen Pflicht) sowie den Schadenersatz (Fangprämie für den Detektiv).

Die Erhebung einer Fangprämie gegen den Täter ist grundsätzlich zulässig. Allerdings muss die Höhe im Verhältnis zum Warenwert und zum entstandenen Schaden stehen. 100 € erscheinen mir hier spontan etwas hoch; nach ständiger Rechtsprechung werden allerdings pauschale Fangprämien von bis zu 70 € für grundsätzlich zulässig erachtet. Ob es sich aber lohnt, wegen 30 € einen Rechtsanwalt einzuschalten, bezweifle ich.

Strafrechtlich wird bei Ersttätern das Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft i.d.R. ohne Auflagen eingestellt. Da wird also eher nichts nachkommen.

Der Vorladung zur Polizei musst Du nicht Folge leisten. Ich würde auch dringend dazu raten, nicht hinzugehen. Falls Du trotzdem hingehen willst: Nenne Deine Personalien, aber mache absolut keine Aussage zur Sache!


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Das Jugendamt wird sich für Eure Familie interessieren und Du bekommst vielleicht Arbeitsstunden aufgebrummt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von JuraDiplom
07.11.2015, 21:59

Das Jugendamt wird sich für Eure Familie interessieren...

Ganz bestimmt. Wegen sowas doch nicht! Wo hast du das denn her?!

0

Was möchtest Du wissen?