Die Uhrzeit: Gibt es sie wirklich oder ist sie nur eine Illusion?

21 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Deine Vorstellung von Zeit beruht auf der Vorstellung der klassischen deterministischen und reduktionistischen Physik (Newton, Einstein, Hawking). Dieser Zeitbegriff ist allerdings längst überholt.

In der klassischen Dynamik stellt Zeit die vierte Dimension dar, sie ist ein geometrischer Parameter. Dieses ist die externe Zeit t, die man mit der Uhr misst. Aus verschiedenen Gründen ist diese Zeit aber nicht geeignet, instabile Systeme fernab des thermodynamischen Gleichgewichtes zu beschreiben. Der Wegfall der Betrachtung in Trajektorien bei der Theorie dissipativer Strukturen wäre so ein Beispiel. Das einzige dynamische Beispiel innerhalb der klassischen Dynamik, bei der Zeit überhaupt eine Rolle spielt, ist die Beschleunigung. Und die ist, wie wir schon festgestellt haben, zeitsymetrisch, was bei einer geometrischen Betrachtung der Zeit nicht verwunderlich ist. Bei statischen Vorgängen, wie Bewegung eines Punktes im Raum oder Wellenausbreitung in der Quantenphysik wird ebenfalls die externe Zeit t benutzt.

Nun weist Prigogine drauf hin, dass schon Aristoteles durch Naturbeobachtung erkannte, dass Zeit zwei unterschiedliche Qualitäten haben kann. Er unterschied zwischen der Zeit als "Bewegung" (kinesis) und der Zeit als "Entstehung und Verfall" (metabole). Die erste Zeit ist die Zeit der klassischen Dynamik, die zweite ist die Zeit der Thermodynamik. Um genau diese zweite thermodynamische Zeit geht es in der Theorie dissipativer Strukturen.

Die thermodynamische Zeit ist eng an Irrevesibilität und Instabilität gebunden. In stabilen reversiblen Systemen gibt es sie nicht. Prigogine nennt sie auch die innere Zeit.

Irreversibiltät wird durch den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik beschrieben. In der klassischen Dynamik ist der 2.HS sowieso ein Fremdkörper. Sie wird von vielen Reduktionisten so interpretiert, dass Irreversibilität, also die Abweichung von der Zeitsymetrie aller anderer grundlegender Naturgesetze letztlich nur Rundungsfehlern bzw. unserem Unwissen geschuldet sei. Diese Meinung vertrat in seiner Frühzeit auch Einstein, relativierte sie im Alter allerdings deutlich, indem er feststellte, dass die Aussendung eines Signals immer irreversibel sei (altes japanisches Sprichwort: "Einen abgeschossenen Pfeil und ein gesprochenes Wort holt niemand zurück").

Prigogine lehnt den 2.HS als "Maß für unser Unwissen" ab und postuliert in seiner Theorie, dass der 2.HS ein grundlegendes Naturgesetz sei.

Der 2. Hauptsatz sagt absolut, dass Entropie immer zunimmt. Sie kann zwar in Systemen fernab des thermodynamischen Gleichgewichtes lokal durch Entropieexport sinken, dafür nimmt dann aber die Entropie der Umwelt überproportional zu.

Die statistische Thermodynamik hilft da mit ihren Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen auch nicht wesentlich weiter. Die basieren auf der deterministischen Betrachtungsweise, welche aber bei Systemen fernab des thermodynamischen Gleichgewichtes unzulässig ist.

Stepehen Hawking, als einer der damals letzten Reduktionisten, geriet Ende der 1980er bis Anfang der 1990 Jahre bei einer Internationalen Konferenz von Spitzenphysikern mit Ilya Prigogine aneinander, weil Hawking in seinen Theorien zu den Schwarzen Löchern unterstellte, am Ereignishorizont könne die Zeit kurzfristig auch rückwärts laufen. Prigogine widersprach dem und begründete mit dem 2. HS in der nichtlinearen Form, dass das nicht möglich sei, weil Zeit eben nicht nur eine Illusion sei sondern der Zeitpfeil real existiert. Nach einer längeren und intensiven Diskussion vor versammelter Physikergemeiunde musste Hawking am Ende zugeben, dass er sich offensichtlich geirrt habe. Danach zog er auch die meisten Aussagen und ganze Kapitel der "Kurzen Geschichte der Zeit" offiziell zurück. Dieselben Probleme gibt es mit der Hawkingstrahlung, die ebenfalls davon ausging, dass Zeit auch rückwärts laufen könne. Jedenfalls beschränkt sich Hawking seither auf philosophische Ergüsse, in denen er inzwischen auch auch öfters auf die Argumentation Prigogines eingeht.

Starke Antwort!! Danke..

1

Dieses Beispiel lt. der aufgeführten Diskussion erklärt das Wirrwarr und die allgemeine Verunsicherung in der Geschichte der theor. Physik und Astrophysik recht gut. Respekt ! S. Hawking ist bekanntlich tot. Oder ist er inzwischen wieder philosophisch auferstanden ?

1
@AllesLiebe12

Als ich den Text, den ich hier recycelt habe, geschrieben habe, lebte Hawking noch.

1

"Etwas was wirklich existiert muss auch irgendwann mal entdeckt worden sein. Das ist bei der Zeit aber nicht der Fall. Zeit wurde niemals wie z.B. Amerika entdeckt"

Der Vergleich ist ja putzig. Auch "ein Meter" (Länge) wurde nicht entdeckt oder "ein Gramm" (Masse). Dies sind alles messbare Größen, auch eine Sekunde ist messbar. Natürlich ist sie kein Land, keine Länge, keine Masse. Sie ist eben Zeit.

Natürlich kann man auch "ein Fuß" statt einem Meter nutzen oder "eine Unze" statt einem Gramm. Aber Länge und Masse (bzw. Gewicht) sind messbare Größen, ob man die eine oder die andere Einheit nutzt. Und Zeit ist auch so eine messbare Größe.

Statt Sekunde kannst du auch eine andere Einheit nutzen.

Zeit ist die Entwicklung eines Systems und des Universums insgesamt. Es gibt die Urentitäten Raum, Zeit und Kräfte (inklusive Materie und Energie), vielleicht muss man auch Bewusstsein als Urentität bezeichnen und Information als Verknüpfung aller Urentitäten, weiß noch keiner so genau. Dass es keine Zeit gibt, ist nur eine Illusion.

Alle Urentitäten beeinflussen sich gegenseitig. Z.B. kann Energie/Materie Raum und Zeit verformen. Unser Bewusstsein kann Energien umwandeln, z.B. indem wir einen Arm hochheben u.s.w.

natürlich ist die Uhrzeit etwas, was die Menschen erfunden haben. Vergleichbar mit Geld. Genauso wie "Zeit" hat auch noch niemand "Wert" gesehen.

Zeit wurde niemals wie z.B Amerika entdeckt.

warum bitte sollten die Ureinwohner ihren Lebensraum "entdecken", sie waren doch schon da? Wann wurde aus deren Sicht Europa entdeckt?
Es ist also alles wie Zeit vom Standpunkt abhängig.

Viele Menschen können die drei Dimensionen des Raumes begreifen, an der Vorstellung der Zeit als vierter Dimension scheitern sie.
Diese Begrenztheit des Vorstellungsvermögens sagt jedoch weder etwas über die Existenz oder Nichtexistens der Zeit aus, noch über ihr Wesen.

Das WESENtliche unterliegt im Sein weder dem Faktor Zeit noch dem 3-D-Raum. D.h. das von Endlichkeitsmerkmalen geprägte Raum-Zeit-Modell ist im Grunde nur UNwesentlich.

Auch die vom Mensch so scheinbar verstandenen drei Raum-Dimensionen bilden nur sämtliche scheinbar reale äußeren Formen als (nahezu) perfekte Illusionen in unseren Köpfen ab. Wobei unsere Körper und damit auch die Gehirnmasse selbst simuliert sind.

Immerhin, dass die 3. Dimension der Tiefe nur simuliert ist verstehen mittlerweile sogar die sich zuständig fühlenden Wissenschafts-Experten ganz, ganz langsam. Aber ob sie es jemals sich eingestehend wahrhaben wollen ? Sie würden nämlich ggfs. ihr Gesicht und damit die Glaubwürdigkeit zu ihrem unnützen Tun verlieren.

0
@Arlecchino

Es ist Dein nicht verstehendes EGO-Bewusstsein was so spricht. Unwesentlich.

0

Was möchtest Du wissen?