Die Romantik - wie kommt man nur auf solche Gedanken?!

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3 Antworten

Für mich hat das damit zu tun, dass die jüngere Generation gerne das Gegenteil von dem macht, was die ältere Generation gemacht hat. Daher schwingt das Pendel "Grundeinstellung zum Leben" ständig hin- und her.

Vor der Romantik herrschte die Aufklärung. Diese war geprägt von Vernunft und reinem Geist (Voltaire, Kant) sowie der Betrachtung der Masse (Napoleon "levée en masse"). In der Politik galt die Bevölkerung als Masse, Individualität spielte keine Rolle.

Daher schlug das Pendel ins Gegenteil um…zunächst Sturm und Drang und dann Romantik.

Also eines vorweg, ("wie kommt man bur auf solche Gedanken) wer ist denn eigentlich dieser man, wer steckt dahinter? Glaubst du ernsthaft, dass die Romantik von der Mehrheit des Volkes angestrebt wurde? Mitnichten! Im gleichen Atemzug fragst du dich, "was die Menschen dazu bewog". Falsch, es war auch damals nur eine kleine minderheit die romantisch empfand und so eine romantisches Weltbild hervorbrachte. Es war dies ein kleiner gebildeter Kreis sensibler Menschen, kommend entweder aus dem Adel oder dem Bildungsbürgertum. Es waren dies Leute, die erspürten, dass ein gesellschaftlicher Umbruch sich anbahnte, die alte Zeit also zur Neige ging und die Neue Unsicheheit, Entfremdung und Vereinzelung mit sich brachte. Die Zünfte lösten sich auf, der Glaube war bereits rückläufig, das Verhältnis zur Natur eher nur betrachtend oder lediglich ausbeutend. Gleichzeitig entzauberte die beginnende Wissenschaft sämtliche einstigen "Geheimnisse", entmystifizierte gewissermaßen. Auf politischer Ebene begann sich gerade in Deutschland der nationale Gedanke auszubreiten, war abwer noch entfernt davon eingelöst werden zu können, ergo schwebte so manchem Romantiker der einstige vermeintliche Kaiserglanz des Mittelalters vor Augen. Da es nun immer geschäftlicher zuging, versuchten die R. dem durch Anlehnung an das Christentum zu entkommen. Auch die verstärkte Hinwendung zur Poesie stellte einen Kontrapunkt zum dürr-banalen feudal/bürgelichen Alltag da. Poesie wurde also überhöht, um dem gewöhnlich-gemeinen so zu entrinnen, ihm protestierend was entgegenzusetzen, ergo wurde Kunst postuliert und favorisiert. All das mündete natürlich zwangsläufig in eine bloße Realitätsflucht ein, die zudem ausgeprochen konservativ rückwärtsgewandt erst ausgekostet und dann auch erlitten wurde. Da die Romantik keine gesellschaftliche Perspektive bieten konnte, blühte sie auch nur kurz auf und verabschiedete sich etwa um 1835 rum. Dennoch war sie herausragend, so dass auch heutwe noch an ihr emotional als auch geistig "gezehrt" wird, sei es bei einem Teil der jugend, sei es bei einem Teil des Bürgertums.

Das hängt unter anderem mit der beginnenden Industrialisierung zusammen, die Leute wollten sich in ihr "Ich" zurückziehen.

Maliwa 06.02.2015, 16:28

Soweit ich weiß liegen zwischen der Romantik und der Industrialisierung gut 20 Jahre (So hat das uns unser Geschichtslehrer gesagt, ich kann mich aber auch irren.) Trotzdem - inwiefern veranlassen ein paar Maschinen mehr, dass sich die Menschen so viele Gedanken machen? Warum wollen sie sich zurückziehen? Ich bezweifle, dass gerade zum Beginn der Industrialisierung viele Menschen ihre Arbeit verlieren und sich dann verzweifelt in die Ecke setzen und über ihr "Sein" philosophieren. :I

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Banaka 06.02.2015, 16:38
@Maliwa

Okay zuerst einmal muss ich sagen, dass ich befürchtet habe, dass diese Frage gelöscht wird, deswegen habe ich mich so kurz gefasst ;D. Naja es stimmt schon, dass zwischen Romantik und wirklicher Industrialisierung eine gewisse Zeitspanne lag, aber die Anfänge waren sicherlich spürbar. Ich weiß jetzt nicht, in welchem Fach ihr darüber redet, aber ich kann dir nur Caspar David Friedrichs Bilder empfehlen, diese "Seelenlandschaften" zeugen von dem Geist dieser Zeit. In der Romantik beginnt auch das, was wir heute als Denkmalschutz bezeichnen würden. Die Menschen wurden sich ihrer Verpflichtung der Vergangenheit gegenüber bewusst und sympathisierten mit der Vergangenheit, besonders mit dem Mittelalter. Diese Faszination stand im Kontrast zu technischen Neuerungen etc. Nicht umsonst endteckt man auf vielen Bildern alte Ruinen und auch in der Literatur ist das Mittelalter oder Burgen öfter ein zentrales Thema. Ein anderer Aspekt ist der Wiener Kongress, der wie du richtig sagst, die Leute dazu brachte in ihr "Inneres" zurückzukehren. Sie waren enttäuscht, dass die alten Verhältnisse wiederhergestellt wurden und sich eigentlich rein gar nichts geändert hatte (s. Restauration). Man zog sich in die eigenen vier Wände zurück und resignierte. Beantwortet das deine Frage? :)

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