Die Rolle der evangelischen Kirche bei der Wiedervereinigung?

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Wenn man es ganz genau nimmt, dass begann die Wiedervereinigung ja mit dem Aufstand der Dockarbeiter in Danzig. Darauf folgte die Gründung der Solidarność, die seit dem Aufstand auch von der katholischen Kirche in Polen unterstützt wurde. Mit seinem Besuch in seiner alten Heimat, wurde Papst Johannes Paul II. das Symbol des polnischen Widerstands, aber auch den Auflösungsprozess des Ostblocks bestimmte er mit seiner konsequenten Aussenpolitik mit...

In der DDR waren die Kirchen die einzigen, unabhängigen Organisationen, ein Recht, dass sie sich bei der Gründung der DDR zugesichert hatten. Dadurch wurde die evangelische Kirche der Wegbereiter der friedlichen Demonstration. Kirchentage in der DDR wurden nicht nur zum Treffpunkt der Gläubigen sondern mehr und mehr zu einer politischen Demonstration, dadurch wurden Aktionen wie "Schwerter zu Pflugscharen" aber auch eine parallele Friedensbewegung ermöglicht...

Der Auftakt der Montagsdemonstrationen waren die Friedensgebete, nach dem Gottesdienst begab man sich auf die Strasse, wodurch man es den DDR-Organen praktisch unmöglich machte dies aufzuhalten. Denn wenn mehrere hundert MEnschen die Strassen gleichzeitig betreten, kann man einzelne nicht abdrängen.

Viele frühe Mitglieder der Opposition (Bündnis 90 bzw. runder Tisch) kamen aus den Kirchen oder trafen sich das erste Mal mit gleichgesinnten dort.

Die ersten Minister nach dem Mauerfall waren ev. Pfarrer.

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@Sonnenschnauz

Genau. Die Kirchen haben viel gutes getan in den letzten 60 Jahren, nur irgendwie gibt es immer wieder Leute die das abstreiten, sicher nicht aus purem Objektivismus...:-))

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@riara

Man kann zu diesen guten Beispielen noch andere anfügen; die Aktionen in der Zionskirche in Berlin Mitte, hier gab es sogar noch außerhalb der Kirche welche mit dem Gummiknüppel. In der Samariterstraße (Pfarramt) gaben sich die Leute die Klinke in der Hand. Dieser Pfarrer wurde später Verteidigungsminister. Neue Grünstr.19 in Bln.-Mitte wurde von Hunderten Leuten als Schutzzone von Ausreisewilligen besetzt. Der routierende Superintendent als Mittler zwischen Staat und Kirche wurde Ministerpräsident vom Land Brandenburg. Hier kann mit Fug und Recht behauptet werden, die Kirche hat sich nicht abgeduckt. Für Historicker ist dieses Thema noch zu frisch, ihre Auslassungen lassen auf sich warten.

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@Sonnenschnauz

Genau, zwar ein bisschen seltsam, einen Pfarrer als Verteidigungsminister, aber sicher wurde damit der Welt signalisiert, Deutschland ist nicht mehr aggressiv.

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@zetra

Darf ich ein wenig weiter zurück gehen: Wer in der DKP UND in der Kirche war konnte sehr viel bewegen. Was schamlos genutzt wurde soweit ich Menschen kennen lernte.

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Es wäre auch schön wenn man erkennen würde, dass die DDR-Bürger eben nicht per se Kollaborateure waren, sondern sich auf Grund der omnipräsenten Organe der Staatssicherheit eben Räume suchten, um Ihre Kritik und eigenes Lebensbild zu kreieren. Oft vergisst man auch, dass sich ohne die Beherztheit dieser Menschen vieles nicht ereignet hätte.

Wir schulden diesen Menschen viel Dank, denn nicht nur der Umsturz als solches war bemerkenswert auch das Einbringen Ihrer Sicht der Dinge, in einer Zeit, als jeder von DM und Aldi in einen Zustand verminderter Zurechnungsfähigkeit befördert wurde...

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@riara

Leider stellten sich Einige als Nieten heraus und mussten zurück gezogen werden. Ansonsten hatten andere AKTIVISTEN auch so ihre Schwierigkeiten, dass Ausbooten der Leute aus der ehemaligen DDR /Kirche setzte bald ein.

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Schau mal hier http://de.wikipedia.org/wiki/Montagsdemonstrationen1989/1990inderDDR

In Leipzig schlossen sich die Montagsdemonstrationen an die Friedensgebete in der Nikolaikirche an, die seit Mitte der 1980er Jahre von den Pfarrern Christian Führer und Christoph Wonneberger, der eng mit oppositionellen Basisgruppen zusammenarbeitete, koordiniert wurden.

Die Nikolaikirche ist neben der Thomaskirche die bekannteste Kirche Leipzigs. Sie war zentraler Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in der DDR im Herbst 1989 mit anschließendem Mauerfall in Berlin und der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaikirche_(Leipzig)

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