Die Pflege meiner Oma?

5 Antworten

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Hallo snoopy102016,

dein Entsetzen angesichts von Alter, Krankheit, Verfall ist ja ein eindrucksvolles Zeichen für dein Mitgefühl, dass nun so stark ist, dass es dich überfordert.

Wenn wir mitfühlen, fühlen wir ja (auch) uns selbst.

Du bist jung und wirst nun mit dem Leiden konfrontiert, das uns im Alter droht.

Nun sind deine Schreie in der Nacht ja deine Schreie. Du weißt es, du knirscht mit den Zähnen!

Das Leiden deiner Großeltern bringt über deine Einfühlung dein Leiden hervor.

Dass du dich dagegen auflehnst – das ist doch sehr verständlich!

Dich nun auf die regelmäßige Pflege deiner Oma einzulassen, wäre weder für deine Oma noch für dich sinnvoll!

Meine Großeltern sind gestorben, als ich Kind und Jugendlicher war. Sie starben fern von mir und auch ohne eine lange Leidenszeit. Leiden und Tod kamen nur als ein abstraktes Geschehen bei mir an.

Wenn ich nun an dein Erleben denke, kann ich mir sagen: Glück gehabt!

Als glückliche Fügung habe ich es aber auch erlebt, dass ich viele Jahre später meine Mutter in ihrem Altersumbau (die Mediziner nennen es „Demenz“) acht Jahre begleiten und ihren sanften Tod erleben durfte.

Die Veränderungen, die mit dem einhergehen, was wir heute „Demenz“ nennen, sind für die Angehörigen immer eine gewaltige Herausforderung.

Ganz wichtig ist es dann, Überforderungen zu vermeiden.

Ganz wichtig ist es aber auch – so mein ich – die Angehörigen nicht in ein Heim abzuschieben.

Unter heutigen Lebensverhältnissen den richtigen Weg finden, ist schwierig.

Wenn aber die alten Menschen in Sondereinrichtungen verbracht werden, wo sie professionell begleitet sterben dürfen, bringen sich die der jüngeren Generationen darum, das eigene Leben zu verstehen, bringen sich um die Einsicht, dass die Wege nach Außen im Alter unwegsamer werden aber sich im Inneren neue Wege auftun.

Das mag unverständlich oder unsinnig erscheinen. Und das finde ich auch -weil die Erfahrungen, die ich meine, nur erlebt und mit Worten nur ziemlich hilflos angedeutet werden können.

Ich meine also, du solltest klar machen, dass es auch für deine Oma nicht gut wäre, wenn du gegen einen gewaltigen inneren Widerstand für sie pflegerisch tätig wärest.

Damit deine Oma weiterhin Außenkontakte hat und ihr entlastet seid, wäre der Besuch einer Tagesklinik möglicherweise günstig. Meine Mutter lehnte dies zunächst auch entschieden ab, war dann aber über den Kontakt
mit Menschen ihres Alters zweimal pro Woche sehr froh.

Auch die Inanspruchnahme eines Pflegedienstes morgens und abends kann entlastend sein.

Für mich war auch die Teilnahme an einer Gesprächsgruppe für pflegende Angehörige sehr hilfreich.

Ich wünsche dir, dass du dich mit deinem Erleben ernst nimmst:

Du solltest dich zu nichts zwingen, was du nicht innerlich bejahen kannst. Aber du solltest dein Erleben auch nicht verdrängen.

Es sind wichtige Erfahrungen, die auch für etwas stehen, was dir vielleicht später einmal sehr wertvoll wird.

Vielen tausend Dank für diese Antwort. Ich war dabei als mein Opa starb. Empfand es damals als die Hölle auf Erden. Erst ca. 2 Wochen danach kam das Gefühl der Dankbarkeit bei ihm sein zu dürfen. Auch so wird es mir bei Oma gehen. Aber ich muss auf mich achten. Meine eigenen gesteckten Grenzen nicht überschreiten. Habe gerade ein Gespräch mit meiner Cousine geführt (zum Glück ist sie auch Psychotherapeutin, praktisch) Wir stehen als eine Einheit da die sagt, dass Oma nicht mehr länger ihre Situation realistisch einschätzen kann und entscheiden sollte, dass sie jegliche Hilfe ablehnt. Wir werden gemeinsam einen Tag in der Woche übernehmen. Oma wird die Wahl haben zwischen 3x Pflegedienst, einer von uns angestellten Haushaltshilfe, die gewisse Stunden abdecken kann oder einer Tagesklinik. Heute Abend werden wir das Gespräch mit der gesamten Familie suchen. Hoffen wir, dass eine Lösung gefunden wird. vielen lieben Dank für die tollen Worte.

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@snoopy102016

Oh, das freut mich arg für dich und deine Oma!

Sicher kann deine Oma ihre Situation nicht - in unserem Sinn - "realistisch" einschätzen. Aber ich glaube, ihr werdet entdecken, wie ihr ihr helfen könnt, den Weg zu gehen, den sie selber gehen möchte.

Ich wünsche euch ein gutes, von Verstehen getragenes Familiengespräch!

Ja, und achte gut auf dich!

Dann kannst du vielleicht auch jetzt schon für deine Oma da sein.

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@Pescatori

Also. Ein Gespräch kam leider nicht mehr zu Stande. Mein Vater und meine Tante haben sich gestritten, mehr als jemals zuvor. Sie reden kein Wort mehr miteinander. Das Gespräch bestand wohl aus Beschimpfungen, gegenseitigen Vorwürfen und wüstem Angebrülle. (Ich war zum Glück nicht vor Ort). Fazit:

Ich brauche bald eine neue Kauleiste, weil es mir natürlich noch schlechter geht allmählich und die Zwei reden kein Wort mehr miteinander. Die Pflege meiner Oma wird nach wie vor irgendwie gewährleistet. Mein Vater schiebt seit Wochen nur noch Spätschichten, holt jeden Morgen Omas Schwester ab, die auf sie aufpasst. Meine Tante lässt sich krankschreiben um die Zeiten zu überbrücken, in denen keiner da sein kann.

Meine Oma äußerte mir gegenüber heute, dass sie nicht mehr leben möchte. Sie sitzt nur noch da und schaut in der Gegend rum, redet kaum noch. Sie nimmt diese Situation sichtlich mit. Sie versteht ja, dass man sich wegen ihr streitet.

Mein Vater trinkt zunehmend Alkohol und meine Tante weint nur noch. Sprich die absolute Katastrophe.

Meine Cousine und ich haben angeboten zu vermitteln. Das wird derzeit nicht gewünscht. Jeder pflegt meine Oma ,,mal son bisschen" und niemand weiß vom anderen ob Tabletten schon gegeben wurden, Insulin gespritzt wurde oder ob Oma etwas gegessen hat. Nicht einmal eine Kommunikation über Zettel findet statt. Der Mittelsmann bin ich. 

Lange packe ich das nicht mehr bis mir der Kragen platzt. Papas neue Freundin hat ihm heute Morgen gesagt, dass sie mehr in einer Beziehung mit Oma ist als mit ihm und ich denke es ist eine Frage der Zeit, bis diese Beziehung zerbicht.

Ich habe ihm heute morgen noch einmal eindringlich gesagt, dass niemand die komplette Zeit abdecken kann. Wir sind immerhin alle berufstätig und das Oma in eine Tagespflegeinrichtung muss. Geantwortet hat er nicht.

Ich versuche diese ganze Situation zu ertragen und mich rauszuhalten, allerdings ist das an einigen Tagen sehr schwer. Erst gestern habe ich mich wieder in den Schlaf geweint.

Ganz ehrlich? Am liebsten würde ich alle Zelte abbrechen, wegfahren und niemandem sagen wo ich bin. Mein einziger Halt ist mein Lebensgefährte.

Das nur als kleines Update und vielen Dank. Ich habe es mir auch anders gewünscht :(

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@snoopy102016

Die Lage, die du beschreibst ist besorgniserregend und
leider typisch:

Deine Oma ist im Prozess des Altersumbaus. Das Gedächtnis
für die Vorgänge in ihrer Außenwelt wird schwächer. Ihre Sensibilität für das seelische Geschehen zwischen den nahestehenden Menschen verfeinert sich, so dass sie verbindende, liebevolle seelische Schwingungen besonders sensibel wahrnimmt, aber leider auch die negativ-bedrohlichen, die in deiner Familie bedrohlich stark ausgeprägt zu sein scheinen.

Erlaube mir einen kurzen Rückblick zur Verdeutlichung:

Noch in der Generation meiner Eltern waren Frauen meist
bereit, sich für pflegerische Schwerstarbeit selbst auszubeuten. Sie arbeiteten ohne Lohn als Altenpflegerin, Hauswirtschafterin und als „physisch-emotionale Stütze“ für den Ehemann.

Heute fällt diese Ausbeutungsstrategie weg, ohne dass sich
(meistens) familieninterne Lösungen entwickelt haben.

Alle müssen arbeiten.

Niemand hat Zeit.

Die Folge ist die Auslagerung der Probleme:

Die durch die Lebenssituation hervorgebrachte Lieblosigkeit
gegenüber alten Menschen führt zu psychosozialen Störungen, die an die Ärzte, Psychiater weitergereicht werden und die Gewinne der Pharmaindustrie immer weiter anwachsen lässt.

Das fehlende Pflegekonzept innerhalb der Familien führt zur „Ent-Sorgung“ der alten Menschen in Pflegeeinrichtungen.

Doch Pflegeeinrichtungen wollen bezahlt werden.

Wer soll das bezahlen? Was wird aus dem Erbe?

An diesen Fragen zerbrechen Familien – ich weiß leider wovon ich spreche.-

Die Aspekte der Unmenschlichkeit können die betroffenen
Alten nicht mehr artikulieren. Sie sind ja „verkalkt“, „dement“. Ihre
Gefühlsregungen, verzweifelten Ausbrüche sind natürlich Symptome ihrer "Krankheit“.

Diejenigen, die sich aus ihrer Verantwortung für den Angehörigen etwa durch Heimeinweisung verabschieden, bewältigen das Problem nicht, sondern verdrängen es, bis die nachfolgende Generation mit ihnen in gleicher Weise verfährt.

Du hast das Glück und das Pech, dass du sensibel für diese
Problematik bist.

Ich kann dir nur dringend empfehlen:

Versuche gemeinsam mit deiner Cousine, die Psychotherapeutin,
durch regelmäßige Besuche (kleine Unternehmungen?) bei deiner Oma positive Gefühle zu wecken.

Suche mit deiner Cousine nach Lösungswegen.

- Feststellen der Pflegestufe

- Beantragung von Pflegegeld

- Psychotherapeutische Hilfe für dich.

- Unterstützung durch einen verständnisvollen Arzt.

-Beratung durch das zuständige Seniorenbüro

-Beratung durch kirchliche Einrichtungen

-Möglichkeiten für eine positive „Gesprächskultur“ in deiner
Familie herausfinden.

Lass mich dir zum Abschluss sagen, dass die Begleitung
meiner Mutter in ihrem Alter für mich von gewaltiger Bedeutung für mein eigenes Alter ist, das ich nun erreicht habe.

Du stehst jetzt vor gewaltigen Herausforderungen.

Dass du nach Wegen suchst, wie du dich entlasten kannst, ist auch ungeheuer wichtig. Aber bitte verdränge die Probleme nicht, für die du ein so gutes Gespür hast!

Viel Kraft und viel Glück wünsche ich dir!

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Ganz klar nein - nicht jeder kann mit so einer Situation umgehen und es steht auch nirgends, das man seine Eltern pflegen MUSS. Dafür gibt es Pflegeeinrichtungen. Es ist zwar schön und löblich wenn man es macht (ich hab meine Uroma auch bis zum 92 LJ gepflegt), aber das kann eben nicht jeder, sei es aus privaten, beruflichen Gründen oder weil man selbst nicht damit klar kommt. Es macht keinen Sinn deine psychische und physische Gesundheit aufs Spiel zu setzen für einen demenzkranken Menschen, der (zumindest deiner Beschreibung nach) vermutlich meistens gar nicht mehr weiß wer er oder die leute um ihn herum sind.

Danke :) Doch noch weiß sie wer wir sind aber baut eben kontinuierlich ab.

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Hi,
Ich würde dir gerne helfen. Nur ich verstehe nicht, was dich daran so abschreckt, deine Oma zu pflegen. Bist du überfordert? Hast du keine Lust? Hast du Angst und wenn ja wovor?
Denk doch mal so. Auch du wirst eines Tages alt und krank, und wirst dann auf Hilfe deiner Familienmitglieder angewiesen sein. Dann wirst du dir doch auch wünschen, dass sie dir helfen. Und dich nicht ins Heim stecken...
Wie würdest du dich denn fühlen, wenn deine Enkeltochter dir sagen würde, dass du in ein Heim solltest. Stell es dir einmal vor. Vielleicht wirst du dann deine Oma mehr pflegen. Das alles ist ein Geben und nehmen.

Ich komme einfach nicht damit klar. Meine Oma und ich stehen uns sehr nahe und ich kann sie nicht leiden sehen. Das ist mein Problem. Dazu kommen Überforderung und Berührungsängste. Mit Lust hat das bei Weitem nichts zutun. natürlich werde ich alt und krank. aber ich denke einfach dass es die Aufgabe der Kinder ist ihre Eltern zu pflegen und nicht die der Enkelkinder. Ich bin 26 Jahre alt und sollte meine Zeit nicht damit verbringen mich in Sorgen zu wälzen. Ich merke ja dass ich es psychisch nicht kann. Nach dem Tod meines Opas habe ich eine Therapie gebraucht und ich merke dass ich auf bestem Weg dahin zurück bin. Ich habe meiner Oma niemals gesagt dass ich will das sie in ein Heim geht. So herzlos bin ich auch nicht. Habe meinem Dad nur Alternativen aufgezeigt.

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Gibt ja nicht umsonst Einrichtungen in denen ehrenvolle Mitmenschen die Leute pflegen. Weil sie es können und die nötige Distanz haben.

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