Die "neue" Religion, der Politische Atheismus?

13 Antworten

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Lieber Freund LichtimTunnel,

danke für deine interessante Frage.

Deine Beobachtung hat weniger mit Politik, mehr mit Wissenschaft zu tun. Deswegen würde ich es nicht politischen Atheismus nennen.

In gewisser Weise ist Politik auch Wissenschaft. In der sog. Politikwissenschaft (ein Studium, das mich mal interessiert hat, das ich aber aus schlechten beruflichen Chancen nicht aufgenommen habe) macht man sich über verschiedene Theorien o. Ä. Gedanken.

Heute beobachten wir, dass Wissenschaft einen hohen Stellenwert hat. Wissenschaft begleitet uns überall im Leben und im Namen der Wissenschaft versuchen wir alle Fragen, die sich der Mensch stellt, beantworten zu können.

In Europa gibt es immer mehr Atheisten. Die Kirchen verlieren ihre Mitglieder. Immer weniger Menschen glauben an einen Gott. Der alleinige Glaube an die Wissenschaft gewinnt an Bedeutung. Im wahrsten Sinne des Wortes ersetzt die Wissenschaft Gott.

Die Frage lautet also zunächst: Was ist Wissenschaft?

Wikipedia definiert es wie folgt:

Das Wort Wissenschaft [...] bezeichnet die Gesamtheit des menschlichen Wissens, der Erkenntnisse und der Erfahrungen einer Zeitepoche, welches systematisch erweitert, gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird.

Was erkennen wir?

Wir erkennen, dass Wissenschaft von der jeweiligen Zeit abhängt. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind heute andere als vor 100 oder in 100 Jahren. Wissenschaft hängt von der jeweiligen Zeit ab.

Wissenschaftliche Erkenntnisse werden, wie die Definition beschreibt, erweitert. Erkenntnisse ändern sich demnach. Wir erfahren Neues und müssen teilweise Erkenntnisse widerrufen, da sie falsch waren.

Wenn jemand mit Hilfe der Wissenschaft die Wahrheit begründet, bewegt er sich demnach auf ganz dünnem Eis.

Es muss nicht die Wahrheit sein, es kann die Wahrheit sein.

Es ist eine Erkenntnis, die wir nach dem derzeitigen technischen Stand erfahren können. In 1000 Jahren gibt es ganz andere technische Möglichkeiten, die uns eine ganz andere Betrachtungsweise ermöglichen.

Wissenschaft muss immer kritisch betrachtet werden. Man darf niemals von einer absoluten Wahrheit ausgehen.

Menschen, die im Namen der Wissenschaft missionieren, sind gefährlich, da sie an eine absolute Wahrheit glauben und gar nicht zulassen, dass ihre Erkenntnis möglicherweise falsch ist. Der alleinige Glaube an Wissenschaft kann sehr schlimm enden.

Dass immer mehr Menschen an Wissenschaft glauben und andere ethische und moralische Werte, die uns die Religion vermittelt, verlieren, halte ich daher für besorgniserregend.

Die "neue" Religion, der Politische Atheismus?

Offenbar fehlt das Verständnis dafür, was eine Religion ist. Meinst du mit dem politischen Atheismus den neuen Atheismus?

Eine Religion bedarf nicht immer ein Gottes Bild

Das hängt wohl ganz davon ab, was für eine Definition des Wortes "Religion" man verwendet. Nicht unter allen Definitionen ist der Buddhismus beispielsweise eine Religion - eben weil "Gott" bzw. das Bekenntnis zu einem Gott oder mehreren Göttern Teil der meisten Definitionen ist.

sondern kann auch ganz einfach nur ein  System oder Personen sein denen man folgt, wie man in einer Religion, im klassischen Sinne, Gott folgen würde.

Ist dir der Begriff "Ideologie" ein Begriff? Du scheinst hier nämlich zwei Dinge miteinander zu vermischen. Jede Religion ist eine Ideologie, aber nicht jede Ideologie ist eine Religion.

Das System ist (stellt) Gott da.

Behauptet wer?...

"Die Propheten" sind Marx, Feuerbach, Aristoteles, Kant etc. .

Niemand behauptet, dass jene Personen "Die Propheten" seien.

" Die Gebote" sind die " Gesetzbücher" der Juristen und der jeweiligen "Herrscher" der Staaten.
  1. Was hat das mit dem Atheismus zu tun?
  2. Ein Gebot ist "von einer höheren Instanz ausgehende Willenskundgebung in schriftlicher oder mündlicher Form, die den Charakter eines Befehls oder einer Anweisung hat". Äpfel und Birnen also?
"Die Gläubigen" sind jene, die von sich Behaupten auf der Absoluten Wahrheit zu sein, genau wie es ein normal Religiöser Mensch auch von sich behauptet.

Was soll denn "auf der Absoluten Wahrheit [...] sein" bedeuten?... Nicht jeder religiöse Mensch behauptet dies. Was soll ein "normal religiöser Mensch" sein und wieso meinst du, dass es an dir liegt zu definieren, was in dieser Hinsicht "normal" ist?

Mir ist aufgefallen das mir vorallem hier auf dieser Plattform Menschen begegnet sind, mit denen ich geredet habe und mir gedacht habe
:,,wow, der Versucht mich  krankhaft, schon gar besessen, mit seinen immer wiederholenden Parolen :,, Ich bin ein Mann der Wahrheit! Ich befinde mich auf der Wahrheit! Ich bin ein Verkünder und Verteidiger der Wahrheit!"

Strohmann, solange du keine Quellen nennst. Zumal dieses Beharren auf der "Wahrheit" doch mehr so ein religiöses Ding ist, oder?

zu seiner Religion , dem Politischen Atheismus

Keine. Religion.

zu missionieren?!

missionieren: jemandem eine Glaubenslehre, besonders das Christentum, verkünden und ihn bzw. sie bekehren

Jetzt wäre es noch relevant zu wissen, was jene angebliche "Glaubenslehre" denn nun sein soll.

Das interessante dabei ist, das es selbst in der Religion der Politischen Atheisten

Keine. Religion.

diejenigen gibt, die " lieberal" sind und sagen ,,Glaub an was du willst, mir doch egal". Und zeitgleich auch diese " fanatischen Missionare", wie oben beschrieben, mit denen ich zutun hatte.

Wird Zeit dein "fanatisch" und "Missionar" zu begründen.

Zumal man natürlich in einer Gruppe von Menschen immer auf verschiedene Personen trifft. Das ist nun wirklich nicht interessant.

Betrachtet man das Szenario nüchtern, gleichen sich Religiöse Menschen und "Religiöse" Menschen die dem Politischen Atheismus angehören

Keine. Religion. Keine. Religiöse.

Und natürlich gibt es irgendwo Gemeinsamkeiten. Denn wie wir oben ja festgestellt haben, ist eine Religion immer auch eine Ideologie und da der neue Atheismus eine Ideologie ist (laut Stephen LeDrew ein "säkularer Fundamentalismus, eine moderne utopische Ideologie"), gibt es da natürlich den Punkt der Ideologie als Gemeinsamkeit.

auf sogut wie allen Ebenen, mit dem Unterschied, das sie "andere Begriffserklärungen definieren".

Absolut nicht. Du versuchst nur die Begriffe deiner Religion in Begriffe bzw. Objekte und Personen dieser Ideologie herein zu zwängen - womit du wohlgemerkt kläglich scheiterst, weil es keinen Sinn ergibt.

Meine Frage ist,  wie seht ihr die Religion des "Politischen Atheismus"?

Keine. Religion.

Ich stehe dem Neuen Atheismus (falls du auf diesen abzielst) positiv gegenüber.

"Als Neuer Atheismus wird eine atheistische Bewegung des 21. Jahrhunderts bezeichnet, die ein humanistisches und naturalistisches Weltbild vertritt.

Ausgelöst wurde diese atheistische Bewegung im Wesentlichen als Gegenbewegung zum religiösen Fundamentalismus." - Wikipedia

Mit freundlichen Grüßen,

Kevidiffel

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Intensive Recherche über mehr als 6 Jahre

Den politisch motivierten Atheismus an sich gibt es gar nicht. Hierfür gibt es andere Gründe.

Dies hat mit dem materialistischen Denken zu tun, bei dem ein GOTT kein Platz hat. Dies hängt aber eng mit dem gewollten politischen System zusammen. Hier soll auf lange Sicht der Glaube an einen Gott verschwinden. Dieser Glaube beruhe auf den wirtschaftlichen Verhältnissen. Würden diese sich verbessern, würde dann auch der Glaube an einen Gott verschwinden.

In der früheren Sowjetunion hatten wir orthodoxe Christen und Muslime. Trotz der sozialistischen Wirtschaft ist vielfach der Glaube an einen Gott nie geschwunden.

Der Grund im Islam liegt daran, dass der Glaube hier einen größeren Platz einnimmt. Bei den orthodoxen Christen war es die Volksfrömmigkeit, die das Überleben auch ermöglichte. So musste nach dem Ende der Sowjetunion Wladimir Putin vor der russisch-orthodoxen Kirche kapitulieren. Hier gibt es allerdings eine starke Nähe von Kirche und Staat.

Deine Kernfrage lässt sich sehr leicht beantworten: ich sehe diese "Religion" überhaupt garnicht, weil der Atheismus (egal welcher Couleur) an sich keine Religion ist.

Ich bin bereit, dir in soweit zuzustimmen, als dass ich denke, dass manche "überdurchschnittlich motivierte" Atheisten ihre Ansichten gern etwas energisch vertreten und wohl auch zu verbreiten versuchen. Ich könnte mir auch vorstellen (da du ja die Community erwähnst), dass du insbesondere auf einen bestimmten User anspielst - deine Zitatformulierungen legen das nahe.

Zu dem Verhalten und der Diskussionsethik besagter Menschen kann man stehen, wie man will - es macht den Atheismus aber in jedem Fall nicht zu einer Religion, womit eigentlich die Frage an sich schon ad absurdum geführt ist.

Gibt es nicht.
Es gibt nur Theismus, die Kiste mit Gott und Atheismus, die sozusagen Gottlosen.

Politik ist wieder etwas anderes, hier findest Du her die "Wahrheitsverkünder", gleich welcher Richtung auch immer.
Eine Etage darunter befinden sich die Verschwörungstheoretiker.

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