Die Natur aus heiterem Grund plötzlich mit ganz anderen Augen sehen. Ist das möglich?

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7 Antworten

Vor dem zweiten Weltkrieg gab es einen jungen russischen Wissenschaftler, Ilya Prigogine, dem ist ähnliches passiert. Der ist so damit umgegangen, dass er unbedingt wissen wollte, was da physikalisch passiert. Aber die Physik gab keine Antwort, die klassischen Physiker konnten das nicht erklären. Dann hat Prigogine sein gesamtes Leben dieser Frage gewidmet und konnte sein Lebenswerk in der Theorie Dissipativer Strukturen zusammenfassen, für die er 1977 den Nobelpreis erhielt. Da wird genau das erklärt, was die schöpferische Kraft der Natur ausmacht: Energie stürtzt ein Gleichgewichtssystem ins Chaos und aus dem Chaos erwachsen neue höhere Strukturen. Genaus so ist das Leben entstanden, genau so funktioniert Evolution und menschliche Gesellschaft, so arbeitet unser Gehirn und nach diesem Prinzip lief auch der Urknall ab.

Du hast eine dissipative Struktur in ihrer reinsten Form beobachtet.

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Ja, das ist möglich, weil unser Gehirn auf ganz unterschiedlichen Betriebszuständen laufen kann, man sagt Bewußtseinszustände dazu.

Der Wechsel dieser Zustände läuft meistens ganz unauffällig oder auf gewohnte Weise ab, so daß er uns nicht weiter beschäftigt. Z.B. der Übergang zwischen Wach- und Schlafzustand, oder die Veränderungen, die durch Hormone wie z.B. Adrenalin hervorgerufen werden, oder die wir durch die üblichen psychoaktiven Drogen wie Koffein, Nikotin, Alkohol und Medikamente hervorrufen können. Dann auch die unterschiedlichen Aktivierungsmuster, mit denen das Gehirn sich auf unterschiedliche Aufgaben einstellt, und die sich z.B. mit den verschiedenen Gehirnwellenfrequenzen (Alphawellen usw.) bemerkbar machen. Oder die Arbeitsteilung zwischen linker und rechter Gehirnhälfte, die in Wirklichkeit viel komplexer und weniger schematisch abläuft, als man eine Zeit lang meinte.

Manchmal tritt so ein Wechsel des Bewußtseinszustandes überraschend ein. Schockierende Erlebnisse können das bewirken, die Einnahme psychoaktiver Substanzen, mit deren Wirkung man nicht vertraut ist. Oder auch, so wie das bei Deinem Erlebnis vielleicht war, ein Augenblick tiefer Entspannung und inneren Friedens, in dem Raum war für ein mentales Experiment, für die Übernahme der Sinnesdaten durch einen Verarbeitungsprozeß, der vielleicht sonst nur während des Schlafes oder unterbewußt aktiv ist und nun bei hellem Tagbewußtsein Gelegenheit hatte, seine Ergebnisse zu zeigen.

Ich hatte ein ähnliches Erlebnis, als ich mit 17 Jahren in Südfrankreich am Strand lag und mit halb geschlossenen Augen ins Sonnenlicht schaute, so daß an meinen Wimpern prächtige farbige Beugungsmuster entstanden. In diesem Moment vereinigten sich Maxwellgleichungen und Huygens-Beugung aus dem Physikunterricht mit Glauben, Liebe und Lebensfreude zu einem begrifflich kaum faßbaren Ganzen und zu der Einsicht, daß der Geist fundamentaler ist als die Materie.

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Ich denke, du hast dich in einem Zustand des Einklangs mit der Welt und dem Sein befunden und ihre Wirklichkeit geschaut. Dort heben Zeit und Raum sich auf und du selbst verschmilzt mit dem Netzwerk, wie du es nennst. Natürlich macht das Angst, denn unser Ich ist nur in der Dimension von Zeit und Raum als Ich wahrnehmbar.

Wie ich mit Erlebnissen solcher Art umgehe? Ich bewahre sie tief in mir (erzähle sie niemandem) und zehre von der Wärme, die die Erinnerung ausstrahlt.

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Das ist völlig O.K. ,und du solltest das dankbar annehmen.Du wirst nicht glauben wieviel bahnbrechende Erkenntnisse der Menschheit genau so zustande gekommen sind. Würde fast sagen die meisten.

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Gutes Zeug, was du da hast. Keine Sorge, das läßt alles wieder nach. Ist irgendwann nur noch verwaschene Erinnerung an das erhabene Erlebnis.

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Hi! Ich denke, wir sehen die Dinge immer mit den gleichen Augen; nur was wir in das Gesehene hineininterpretieren, das ist immer etwas anderes

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Kommentar von HantelbankXL
04.11.2015, 19:43

Das stimmt natürlich, ich habe das aber eher im übertragenen Sinne gemeint. Das ist eine gängige Metapher.

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Komisch...

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