Die Heilung eines Aussätzigen (Mk. 1,40-45)

8 Antworten

Hallo, ja, so wird es wohl sein: zwei verschiedene Gottesbilder. Der Psychologe sieht Jesus als Mensch, der Theologe als Gott und Mensch. Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott, die für Menschen verständliche Erhöhung geschah aber erst am Kreuz mit dem Tod Jesu. Das ist auch erkennbar an den Worten "ich werde alle an mich ziehen". Mit liebendem Gruß

Danke:) Wie kommt der Aussätzige dazu, den Abstand zu Jesus zu brechen, den er zu der Gesellschaft hat? Was ist die Begründung eines Theologen? Was die eines Psychologen?

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@jockel1234

Hallo, ich habe es nicht so mit würde-Sätzen. Aber ich weiss, dass Theologen die Welt aus Sicht Gottes versuchen zu erklären, während der Psychologe mehr die weltliche Sicht hat. Vielleicht hatte der Aussätzige ein Aha-Erlebnis, eine Erkenntnis, dass dieser Mann, Jesus, ihm helfen kann. Das sind intuitive Vorgänge, die kaum zu erklären sind. Alles Gute,

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Es sind zwei verschiedene Perspektiven, die aber gar nicht so weit auseinander liegen. Die eine (tiefenpsychologische) Perspektive betont die menschliche Seite Jesu. Dies ist richtig, denn Jesus war ganz und gar Mensch. So sagt es auch ein uralter christlicher Hymnus, den Paulus im Philipperbrief (Kap.2) Aufnimmt und leicht verändert: Christus nahm die Gestalt eines "Knechts" an und wurde ganz und gar Mensch. Dennoch ist Jesus auch tiefenpsychologisch dem Aussätzigen "überlegen", als Helfer. Aber er ist ihm nicht qualitativ überlegen. Jesus macht etwa das, was heute auch ein Tiefenpsychologe machen könnte. Jesus hat keine "Berührungsangste". Er berührt den Aussätzigen, er grenzt nicht aus, er nimmt ihn wieder hinein in die Gesellschaft. Alle diese psychologischen Züge lassen sich wunderbar ausdeuten und aktualisieren.

Die andere Sicht ist die theologische. Es ist Konsens in der Theologie, dass die Evangelien im Licht von Ostern geschrieben worden sind. Erst als die Jünger und die frühe Gemeinde nach der Karfreitagskatastrophe Jesus als den Auferstandenen erfahren haben, haben sie ihn als den Herrn, den "kyrios" geschildert. Wenn er durch die Auferstehung Gottes Sohn ist, dann muss er, auch in menschlicher Gestalt, Gottes Sohn gewesen sein, vor der Auferstehung. Insofern sieht die Theologie beide Seiten, beide Naturen, die menschliche und die göttliche, zusammen. Im Markus-Evangelium wird dies klar, dass besonderes Gewicht auf das "Wort" gelegt wird. Jesus spricht, er befiehlt, und der Aussätzige wird rein. So hat Gott durch sein Wort die Welt erschaffen, - Jesus vollzieht eine menschliche Neuschöpfung. Die Theologie erkennt, dass das Markus-Evangelium (und die anderen Evangelien auch) den historischen Jesus beschriebt, dass aber in aller Beschreibung auch der auferstandene Christus enthalten ist.

Welche Betrachtung ist richtig? Das dürfte eine unangemessene Frage sein. Ich denke, die tiefenpsychologische Perspektive macht uns kalr, wie menschlich Jesus ist, wie er heil macht, und sie hilft der Theologie, dass sie die nötige Bodenhaftung behält. Es kann vorkommen, dass ein Theologe nur noch in "höhereh Regionen" schwebt.

Die Theologie erkennt aber, dass Jesus eben nicht nur ein Tiefenpsychologe ist, wenn auch ein außergewöhnlicher, sondern der, welcher der auferstandene lebendige Herr ist.

In dem angegebenen Text gibt es noch ein weiteres Problem, das des "Messiasgeheimnisses". Warum verbietet Jesus dem Geheilten das Reden? Aber das kann man bei wikipedia nachlesen.

Seht gute tiefenpsychologische Kommentare zur Bibel (und zu anderen Sachen, wie Märchen etc.) hat Eugen Drewermann geschrieben.

Welcher Theologe behauptet denn, dass Jesus über den Menschen stand?

Jesus ist zwar Gott, auch auf der Erde war er Gott, jedoch hat er sich so weit erniedrigt, dass er nichts weiter konnte als das, was Menschen konnten. Die Wunder, die er tat, geschahen indem er Gott-Vater bat diese zu vollbringen. Er hätte zwar veranlassen können, dass auf ein Wort hin 12 Legionen von Engeln sofort die Römer davon abhalten würden ihn zu kreuzigen, doch er hat das nicht getan. Er hat nicht einmal die Droge angenommen, die ihm gegen die Schmerzen am Kreuz angeboten wurde (wird in den deutschen Übersetzungen nur sehr schlecht wieder gegeben.) Er wollte die ganzen Schmerzen ertragen.

In gewisser Weise stand Jesus zwar wirklich höher dar als die Menschen, jedoch hat er sich nur einmal feiern lassen, als er auf dem Eselsfohlen in Jerusalem einritt. Ansonsten hat er uns Menschen immer nur gedient. Er half, wusch andere, gab zu Essen und arbeitete. Seine erhöhte Stellung hat er niemals wirklich in Anspruch genommen.

Und doch zeigte er gerade mit dieser Heilung, daß er wirklich der Messias war, der seit Jahrhunderten verheißene.

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